Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8

13.04.2017  |  Text: Heinz E. Studt  |   Bilder: Studt/Großglockner Hochalpen AG
Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8 Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8 Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8 Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8 Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8 Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8
Großglockner Hochalpenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 8
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Sie ist die berühmteste, ja vielleicht sogar schönste Panoramastraße der Alpen und sie ist ein explizites Motorradrevier, wie es wohl einzigartig im gesamten Alpenraum ist. Höchste Zeit also, dass wir uns einmal mit der spannenden Geschichte dieser höchstgelegenen Panoramastraße Österreichs beschäftigen.
Wenn es beim Col de l’Iseran heißt, ihn solle jeder Biker einmal in seinem Leben erobert haben, so kann man bei der Großglockner Hochalpenstraße zu Recht sagen: Sie gehört im Grunde in die Tourenplanung jeder Saison. Sei es im Mai, wenn der erste Durchstich durch die meterhohen Schneemassen geschafft ist, oder im Sommer, wenn wir sie in unsere Urlaubsplanung zusammen mit dem Bikerparadies Kärnten, Salzburg oder auch Osttirol packen. Oder ganz besonders auch im Herbst als Saisonabschlussgenuss der ganz besonderen Art. Die fahrerisch anspruchsvollere und abwechslungsreichere Fahrtrichtung auf der Großglockner Hochalpenstraße ist von Süd nach Nord.
 
Eine 250-Kilometer-Runde kombiniert all jene Pisten, auf denen wir dem Berg ganz nah kommen

Ausgehend vom Osttiroler Städtchen Lienz geht es als kleines Warm-up zunächst hinauf zum Iselsbergpass. Dessen unscheinbare Passhöhe auf 1 210 Meter ist vor lauter Kurvenhatz über die gut ausgebaute Piste der Bundesstraße 107 leicht zu übersehen, spätestens wenn Sie im hübschen Bergdorf Winklern auspendeln, sind Sie vorbeigerauscht. Macht aber nichts, denn nun liegt der Einstieg zur Großglockner Hochalpenstraße fast schon zum Greifen nahe. Über Mörtschach und Großkirchheim erreichen wir zunächst das berühmte Bergsteigerdorf Heiligenblut. Heute ein touristisch geprägter Ort mit langer und spannender Geschichte. Hier liegen all diejenigen begraben, die den Großglockner als Bergsteiger bezwingen wollten und gescheitert sind. Es waren ziemlich viele im Laufe der Jahrhunderte.

Drei Kehren weiter erwartet uns das straßenfüllende Maut-Terminal. Fragen Sie bitte nach Kombitickets, falls Sie die weiteren Highlights der Tauern in den kommenden Tagen erfahren wollen, denn je nach Ihrer weiteren Tourenplanung lassen sich herrliche Passstrecken wie Felbertauern und Gerlospass günstig mit dem Großglockner kombinieren. Die freundlichen Mitarbeiter des Terminals beraten gerne. Auch Kaiser Franz Joseph wanderte 1856 in den Hohen Tauern, sein Lieblingsplatz wird seither »Kaiser-Franz-Josefs-Höhe« genannt, ein Abzweig wenige Kurven und Kehren linker Hand bergan, den Sie sich unbedingt gönnen sollten. Denn er führt uns direkt vor Österreichs höchsten Berg, den Großglockner (3 798 m) und gestattet Ausblicke sowohl auf dessen lebensfeindlichen Gipfel wie auch auf den längsten Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Der mit heute gut acht Kilometern Länge immer noch größte Gletscher Österreichs bietet allerdings im Hochsommer einen eher traurigen Anblick, dann schmelzen die Eiswände dramatisch zusammen.
 
Kaiser Franz Josephs Lieblingsplatz: der Blick auf Großglockner und Pasterze ist wohl einmalig

Fünfzehn Kehren später erreichen wir den Abzweig rechter Hand hinauf zur Edelweißspitze, dem höchsten befahrbaren Punkt der Hochalpenstraße. Auf historischem Kopfsteinpflaster geht es bis zum Gipfelplateau auf 2 571 Meter. In Zell am See, einem bereits im Mittelalter wichtigen Handelsstädtchen mit sehenswerter historischer Altstadt können wir den Tourentag auf der Großglockner Hochalpenstraße Revue passieren lassen.

Die Geschichte der Passstraße
 
Bereits 1 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung sind Menschen über das Hochtor am Großglockner gezogen und haben dabei unter lebensgefährlichen Umständen den Alpen-Hauptkamm überquert. Zahlreiche Münz- und Bronzestatuetten-Funde aus der Bauzeit der Großglockner Hochalpenstraße beweisen, dass die einstige Passhöhe auf 2 600 Meter sogar ein heiliger Ort gewesen sein muss, an dem den Göttern geopfert wurde. Die Römer befestigten den Saumweg zu einer Heerstraße, um die Alpen auch mit großen Lasten überqueren zu können. Bis in das 17. Jahrhundert war die einstige Römerstraße über das Hochtor nach dem westlich liegenden Brenner und den östlich angrenzenden Radstädter Tauernpass der drittwichtigste Übergang für den Handel zwischen Alpennord- und -südseite.
 
Richtig harte Kerle: Über 3000 Bauarbeiter schufen etwas Einzigartiges

Für die Habsburger Adelsfamilien war das gesamte Gebiet um den Großglockner, immerhin Österreichs höchsten Berg mit imposanten 3 798 Meter Höhe, ein beliebtes kaiserliches Jagdrevier, weshalb sowohl umliegend einige Unterkunftshütten erbaut als auch um 1875 das berühmte und für ein Alpen-Vereinsheim enorm großzügige Glocknerhaus errichtet wurde. Direkt am Fuße der mächtigen Pasterze gelegen, dem mit heute noch acht Kilometern längsten Gletscher der Ostalpen. Die Finanzierung des Glocknerhauses wurde übrigens über eine Lotterie gesichert, da dem österreichischen Alpenverein zu der Zeit sowohl die Eigenmittel wie auch genügend Großinvestoren fehlten. 1908 ließ der Verein dann eine Fahrstraße zum Glocknerhaus bauen, die später in die Großglockner Hochalpenstraße integriert wurde. 1924 begann die Projektierung der Panoramastraße, sie sollte eine Länge von gut 48 Kilometer haben und mit Ausweichstellen auf Sichtweite, einer Höchststeigung von 12 Prozent sowie zunächst einmal nur einer einfachen Schotterdecke ausgestattet sein. Weitgehend privat finanziert sollte sie sich von Anfang an über die Erhebung einer Mautgebühr rechnen.

1929 beschloss der Salzburger Landtag den Bau der Glocknerstraße, nicht zuletzt, um den Verkehrsanschluss zwischen Kärnten und Tirol wieder zu verbessern. Denn seit dem 1919 geschlossenen Friedensvertrag von St. Germain gehörte die ursprüngliche Strecke über Südtirol und den Brenner nicht mehr zu Österreich, sondern zu Italien. Dies, wie auch die Tatsache, dass der federführende Salzburger Landeshauptmann Rehrl ein leidenschaftlicher Autofahrer war, verliehen dem Projekt »Glocknerstraße« ganz besondere Bedeutung. Am 30. August 1930 donnerte die erste Sprengung durch die bis dahin stille Welt der Hohen Tauern, die Bauarbeiten begannen. Bereits zweieinhalb Jahre später konnte die Nordrampe mit Abzweig zur Pasterze feierlich eröffnet werden, wenngleich für die Weiterführung der Bauarbeiten beinahe das Geld auszugehen drohte. Weitere drei Jahre Bauzeit zogen ins Land bis die gesamte Hochalpenstraße am 3. August 1935 feierlich eröffnet werden konnte. 48 Kilometer lang mit 36 Spitzkehren sowie einem Höhenanstieg auf bis zu 2 571 Meter wurde sie rasch zum Traum der motorisierten Welt. 3 200 Bauarbeiter bewegten 870 000 Kubikmeter Erde und Fels, schufen 116 000 Kubikmeter Mauerwerk, bauten 67 Brücken und ein Notfall-Telefonsystem mit 24 Sprechstellen. Die Gesamtbaukosten betrugen umgerechnet gut 57 Millionen Euro.
 
Ohne Traktionskontrolle ging es anfangs auf feinem Schotter zum Großglockner

Noch im gleichen Jahr begann der touristische »Sturm« auf die Panoramastraße, mit 12 900 Autos fuhr in den verbleibenden wenigen Wochen bis zum Winter mehr als die Hälfte des gesamten Autobestandes Österreichs über das Hochtor nach Heiligenblut. Auch der Radsport entdeckte bald schon die Hochalpenstraße als Tages- oder Etappenziel. Die Rundfahrt Giro d’Italia hatte schon 1971 eine Bergankunft direkt an die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zu Füßen von Großglockner und Pasterze gelegt. 2011 kam der Tross erneut hierher, diesmal endete eine Tagesetappe direkt am legendären Glocknerhaus. Auch bei der Österreich-Rundfahrt, einem legendären seit 1947 ausgetragenen Radrennen, ist der Gewinner der Großglockner-Bergetappe der ungekrönte Glocknerkönig.  

Doch von ihrem originalen Ausbauzustand ist auf der heutigen Panoramastraße nur noch am Abzweig zur 2 571 Meter hohen Edelweißspitze etwas zu entdecken. Das Kopfsteinpflaster der engen Kehren stammt noch aus dem Erbauungsjahr 1935. Der Rest der Straße wurde sukzessive modernisiert und vor allem auch den speziellen Bedürfnissen der Motorradfahrer angepasst, die das Dach der Alpen bequem im Sattel erkunden wollen.
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