Motorradtour Sauerland – Höhen und Tiefen

16.06.2017  |  Text: Till Kohlmey  |   Bilder: Till Kohlmey
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Motorradtour Sauerland – Höhen und Tiefen
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Warum aus dem ehemaligen Süderland das Sauerland wurde, bleibt ein Rätsel. Warum die Region im Osten von Nordrhein-Westfalen absolut geeignet für ein Motorradwochenende erscheint, können wir erklären


Wer mit dem Zweirad ins Sauerland fährt, macht in der Regel nicht auf Kultur. Er will Kurven fahren und Spaß haben, den Stress vergessen und dem Alltag mal entfliehen. Unter diesen Aspekten ist das Erholungspotential vor Ort überdurchschnittlich hoch, auch wenn die durchschnittliche Verweildauer des Sauerland-Touristen meist nur drei bis vier Tage beträgt. Die können es aber in sich haben, wenn man sich auskennt. Ich als Rheinländer habe mich daher in die Hände von Walter Saure begeben, der die Region wie aus der Westentasche kennt. Er ist hier geboren, hier aufgewachsen und hier seit mehr als vierzig Jahren auf zwei Rädern unterwegs. Gute Voraussetzungen also, um das Sauerland auf Strecken zu erkunden, die nicht schon auf jedem Garmin abgespeichert sind. Versteht sich also, dass Walter mit seiner Moto Guzzi ohne Navi und Karte unterwegs ist, obwohl er die Tour »Höhen und Tiefen« erst ein paar Tage zuvor aus dem Kopf neu kreiert hat, um mit mir eine schöne Runde durch seine Heimat zu fahren.

Oberhalb von Heinrichsdorf breitet sich das weite Tal der Ruhr vor einem aus

»Ich sage meinen Kunden immer sie sollen die Hauptstraßen meiden – dann wird alles gut«. Kann ich bestätigen, denn die L 251 Richtung Brilon ist gut ausgebaut. Man kommt schnell voran und der Verkehr ist – verglichen mit der Bevölkerungsdichte – erstaunlich hoch. Hier unten im Tal sind die Kurven noch Mangelware und deshalb biegen wir auch schon bald links ab und fahren über Elleringhausen, Bruchhausen, Assinghausen, Wulmeringhausen vorbei an Wiemeringhausen in Richtung Brunskappel, das hier phonetisch ein wenig aus der Art schlägt und uns mit den ersten ernsthaften Kurvenkombinationen konfrontiert. Denn die Serpentinenstrecke hinauf nach Elpe und weiter nach Ramsbeck machen direkt Lust auf mehr und nur das Sauerländer Besucherbergwerk vor Ort könnte uns einen Strich durch die  Rechnung machen. Aber es ist noch zu früh am Morgen und die Türen sind noch verschlossen. Ein Besuch wäre sicherlich repräsentativ für diesen Teil des Sauerlands, weil hier, wie in vielen anderen Orten der Region, unter Tage viel malocht wurde und etliche Stollen für die Besucher neuerdings wieder frei zugänglich sind. In Ramsbeck beispielsweise, wo noch bis Anfang der 70er Jahre Blei und Zink abgebaut wurde, geht es mit der originalen Grubenbahn rund 1,5 Kilometer in den Dörnberg hinein. Im Stollen, der rund 300 Meter unter Tage liegt, erzählen die Bergleute dann von ihrer Arbeit, die inzwischen ganz fern jeglicher Vorstellungskraft erscheint.

In den Tiefen des Sauerlands trifft man oftmals auf Stauseen,  wie hier am verschlafenen Hennesee

Wir bleiben über Tage und durchstreifen mit Bödefeld eines der schönsten Fachwerkdörfer im Sauerland, das sich auch an diesem Tag wieder mächtig herausgeputzt hat. Die Wandlung von der einfachen Bergarbeiterregion hin zum  Ferien- und Erholungsgebiet treibt so manche Blüten im Sauerland. Da wetteifern beispielsweise Willingen und Winterberg mit immer komplexeren Skiarenen und modernsten Beschneiungsanlagen um die vornehmlich holländische Kundschaft und letztendlich um die Vorherrschaft im Mittelgebirge. Und da locken artfremde Freizeitparks wie Fort Fun mit überdimensionalen Sommer-Rodelbahnen in die entlegensten Winkel.

Die Zeit bis zur Mittagspause wird knapp und wir steuern durch einen Teil des wunderschönen Sorpetals hinauf nach Schanze, einer verschlafenen Ansammlung von Häusern, die am Rothaarsteig auf  die ersten Wandertouristen der Saison wartet. Hier oben auf stolzen 720 Meter Höhe hat man einen schönen Ausblick über die dichte Waldregion des Rothaargebirges, das sich quer durch das Sauerland zieht. Ein Besuch der urigen Skihütte in Schanze, direkt neben dem kleinen Skilift, sollte auf jeden Fall ganz oben auf der To-do-Liste stehen.

Es geht wieder abwärts nach Schmallenberg, einem Ort, wo der pechschwarze Schiefer an fast jedes zweite Haus genagelt ist. Daher sollte man auch nicht die hässliche Ortsumgehung wählen, sondern ruhig einmal mitten durch den historischen Stadtkern fahren. Alleen mit rustikalem Kopfsteinpflaster und herausgeputzte Herrenhäuser sind Zeitzeugen einer durchaus ruhmreichen Vergangenheit mit vornehmlich textilem Hintergrund. Die Stadt wird heute  noch als »Strumpfstadt« bezeichnet und der Sockenspezialist »Falke« hat hier beispielsweise immer noch seinen Stammsitz. Die Route verläuft nun als kleine Schleife wieder zurück zum Ausgangspunkt bei Bad Fredeburg. Wir vermeiden weiterhin die Hauptstraßen und treffen daher nicht viele Motorradfahrer. Auch nicht am Hennesee, der rechter Hand eher unsichtbar bleiben möchte und nur ein paar Segelboote auf seiner Oberfläche zu dulden scheint. Nichts im Vergleich zum Möhnesee, der sich etwas weiter nördlich viel besser vermarktet und mit dem Café Solo auch einen für Motorradfahrer beliebten Treffpunkt bereithält.

Schmallenberg ist sicherlich die Schiefer-Hauptstadt

Aber so weit nach oben wollen wir heute nicht touren. Es zieht uns nach Westen, wo das eigentliche Kurven-Highlight der Tour zwischen Hellefeld und Arnsberg auf uns wartet – die Hellefelder Höhe. Rot-weiß verzierte Leitplanken und Geschwindigkeitsbegrenzungen weisen uns bereits vorzeitig darauf hin, dass dieser Streckenabschnitt vermehrt von ambitionierten Zweiradfahrern, die ihre maximalen Schräglagen ausloten wollen, besucht wird. Schade eigentlich, denn der fast parallel verlaufende, kurvenreiche »Ochsenkopf« ist am Wochenende bereits für Motorradfahrer komplett gesperrt und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der wunderbaren Hellefelder Höhe das gleiche Schicksal droht. Wir steuern Arnsberg an, um die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Doch zuvor streikt die Guzzi von Walter, die nach einer umfangreichen Motorrevision im Winter erstmals wieder eine längere Ausfahrt unter die Laufräder nimmt. Die Ladekontrolle brennt im Cockpit rot auf und das Abblendlicht will nicht mehr. Also Seitendeckel ab, Sicherungskasten auf und schon lächelt uns eine durchgebrannte Sicherung an. Eine Reserve ist aber leider nicht mehr an Bord und so machen wir uns vorsichtshalber auf den Rückweg, der sich eher touristisch gestaltet.

Wer möchte kann hier auf engstem Raum gleich zwei der bekanntesten Bierbrauereien Deutschlands einen Besuch abstatten: Veltins und Warsteiner liegen quasi vis-à-vis und unterscheiden sich lediglich in Größe und Repräsentanz. Da die Lichtmaschine die Batterie der Guzzi anscheinend auch ohne Sicherung konstant mit Gleichstrom versorgt, ziehen wir die Runde noch wie geplant bis zum Ende durch. Die 270 Kilometer sind an einem Tag gut zu schaffen, wenn man nicht zu viele Pausen macht, die Besichtigungen auf ein Minimum beschränkt und rechtzeitig eine Tankstelle aufsucht. Das Sauerland gehört nämlich nicht nur zur dünn besiedelten Region von Nordrhein-Westfalen, abseits der Hauptstraßen gibt es in der Tat nicht viel – außer Kurven wie gesagt …
 




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Stand:20 September 2017 22:08:27/reiseberichte/kurz+mal+weg+-+hoehen+und+tiefen_176.html