Motorrad-Weltreise USA – Westwärts zieht der Wind

17.10.2017  |  Text: Bettina Höbenreich  |   Bilder: Helmut Koch
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Motorrad-Weltreise USA – Westwärts zieht der Wind
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Einsamkeit und Trubel, Entspannung und Abenteuer, Wüsten und Meere – all das und noch vieles mehr hat der Westen der USA zu bieten. Bettina Höbenreich (Text) und Helmut Koch (Fotos) waren einen Sommer lang in der Region unterwegs
Wir befinden uns noch keine Minute auf amerikanischem Boden, da werden wir gleich von einem äußerst unfreundlichen US-Grenzbeamten angeschrien, dass wir hier nicht in Europa sind und gefälligst sofort unsere Helme abnehmen sollen. Das ist die wohl unfreundlichste Begrüßung, die wir auf unserer Motorradweltreise je erlebt haben!

Über zwei Stunden sitzen wir dann an dem kleinen Grenzposten zwischen Mexiko und den USA fest, bevor all unsere Einreise- und Zollformalitäten geklärt sind. Unsere Route führt uns zunächst über hunderte Kilometer durch die trockene und sengend heiße Wüsten- und Steppenlandschaft Arizonas. Knapp 40 Grad Celsius und schnurgerader Highway bis zum Horizont sind nicht gerade das, was wir uns von unserer Motorradreise durch den Westen der USA erträumt hatten. Erst viel weiter nördlich erreichen wir die ersten spärlich besiedelten Wälder und schlagen am Fuße des fast 4 000 Meter hohen Humphreys Peak, dem höchsten Gipfel im US-Bundesstaat Arizona, unser Nachtlager auf.

Vom schneebedeckten Gipfel führt unser Weg direkt zu einer der längsten und tiefsten Schluchten der Welt, dem Grand Canyon! Da wir die 1,6 Kilometer tiefe und 16 Kilometer breite Schlucht aus leuchtendem Sandstein unbedingt zum Sonnenaufgang erleben wollen, kriechen wir bereits vor dem Morgengrauen aus dem Zelt. Es ist noch stockfinster, als wir den Rand des Grand Canyon erreichen und tief unten auf den Colorado River blicken. Wir machen es uns auf dem Sandsteinplateau gemütlich und genießen den Sonnenaufgang, der die steilen Sandsteinwände des Canyons in sanftes goldenes und orangefarbenes Licht taucht, während die Natur um uns herum so langsam zu neuem Leben erwacht.

Frühmorgens erwacht der Grand Canyon zu neuem Leben

Das einzigartige Wüstenklima der Region hat inmitten der weitläufigen Ebene des Colorado-Plateaus einige außergewöhnliche Felsformationen entstehen lassen, die spätestens seit »Easy Rider« auf fast jeder Tour durch den Westen zum Pflichtprogramm gehören: Die Tafelberge des Monument Valley! Bereits von Weitem sichtbar erheben sich die leuchtend roten und bis zu 300 Meter hohen Tafelberge über der flachen Ebene. 50 Millionen Jahre Wind, Regen und Temperaturschwankungen waren notwendig, um die charakteristischen Spitzkuppen, denen die Einheimischen so vielsagende Namen wie Elephant Butte oder Three Sisters gaben, zu erschaffen.
Unsere Route führt uns weiter in den Canyonlands Nationalpark, wo uns eine der schönsten Offroad-Strecken der USA erwartet.

Wir haben uns bereits am Vortag bei den Parkrangern eine Genehmigung für die Strecke besorgt und so können wir bereits früh am Morgen aufbrechen, um der sengenden Hitze des Tages zu entgehen. Der nur für Allradfahrzeuge und Geländemotorräder freigegebene »White Rim Trail« folgt auf gut 160 Kilometern der Steilklippe des gleichnamigen White Rim Plateau und führt dabei über schroffe Sandsteinplatten und durch sandige Steppenlandschaft immer am Rand eines Canyons entlang.  Mit fortschreitender Tageszeit und steigenden Temperaturen wird unsere Fahrt über die anspruchsvolle Piste immer schweißtreibender und so müssen wir regelmäßige Trinkpausen einlegen, um nicht zu dehydrieren, während wir im spärlichen Schatten einiger Dornbüsche Zuflucht vor der sengenden Wüstensonne suchen.

Die Abfahrt zum White Rim Trail – eine Offroad-Strecke, die ihresgleichen sucht

Wir sind bereits seit einigen Wochen in den Wüstenregionen Arizonas und Utahs unterwegs und so wird es langsam Zeit, uns auf den Weg nach Westen an die Küste zu machen, wo kühlere Temperaturen, grüne Küstengebirge und kurvige Uferstraßen auf uns warten. Doch bevor wir die Pazifikküste erreichen, müssen wir erst noch die weltberühmte Mojave-Wüste, die sich auf über 35 000 Quadratkilometer erstreckt, durchqueren. Es ist mittlerweile Hochsommer und der Fahrwind, der uns ins Gesicht und durch die weit geöffneten Lüftungsöffnungen unserer Motorradkombis weht, fühlt sich an wie ein Heißluftfön. Kein Wunder, denn die Mojave-Wüste, Heimat des weltberühmten Death Valley, gehört zu den heißesten Regionen der Erde! Kaum zu glauben, dass die ersten europäischen Siedler, die im Jahr 1829 auf der Suche nach Handelsrouten die Gegend erkundeten, eine Siedlung inmitten dieser Wüste gründeten: Willkommen in Las Vegas!

Auch auf unserer Reise darf ein Abstecher in die Stadt  des Glitzer und Glamour, der Spielkasinos, der vielen Elvis-Imitatoren und den Drive-Thru-Hochzeitskapellen natürlich nicht fehlen! Von der Aussichtsplattform des Stratosphere Towers bietet sich uns eine entsprechend atemberaubende Aussicht über den legendären, sieben Kilometer langen Strip, der sich wie eine riesige Lichterschlange durch die glitzernden und blinkenden Hochhausschluchten der Stadt zieht. Die Casinos und Shoppingmalls sind hier rund um die Uhr geöffnet und so statten auch wir einem der Glücksspieltempel einen Besuch ab, in der Hoffnung, unser Weltreisebudget etwas aufzubessern – was uns natürlich nicht gelingt! Las Vegas zählt sicherlich zu den schillerndsten und außergewöhnlichsten Städten der Welt, doch neben all dem Glamour und Prunk leben in dieser Stadt auch viele gescheiterte Existenzen, die hier in der Hoffnung auf den großen Jackpot und ein besseres Leben alles verloren haben. So verlassen wir das hektische Treiben und den Trubel von Las Vegas nach einigen Tagen mit gemischten Gefühlen und freuen uns darauf, über einsame Landstraßen abseits der großen Interstate-Highways gen Westen zu fahren.

Die Route 66 – eine sterbende Legende in der Mojave-Wüste

Es ist die legendäre Route 66 der wir folgen. Sinnbild für den amerikanischen Traum auf zwei Rädern und Freiheit, den auch wir (er)fahren wollen. Doch von der einst so legendären Strecke ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Die großen Interstate-Highways haben die Route 66 als wichtigste Handelsroute zwischen der amerikanischen Westküste und dem östlichen Teil der USA längt abgelöst und außer einigen wenigen nostalgischen Touristen nutzt kaum noch jemand die in die Jahre gekommene Landstraße. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist für uns die Fahrt auf der Route 66 so außergewöhnlich.

Wir fahren vorbei an Geisterstädten, deren Bewohner teilweise ihr gesamtes Hab und Gut zurückgelassen haben, als sie die sterbende Lebensader durch die Wüste verließen. Bücher, Geschirr, Kinderwagen, Möbel … alles liegt kreuz und quer in den Vorgärten der verlassenen Häuser herum und wurde dank des trockenen Wüstenklimas für die Nachwelt konserviert. Verlassene Tankstellen, verrostete, im Wind quietschende Werbeschilder und dürre Dornenbüsche, die vom sengend heißen Wüstenwind über die einsame Landstraße geweht werden, das ist die Route 66 heute.

Wir fühlen uns ein wenig wie in einem Endzeitfilm, in dem die Menschheit von einem Moment auf den anderen ausgelöscht wurde und alles so zurückbleibt, wie es im Moment der Katastrophe war. Fast schon ein wenig gespenstisch … Erst als wir die einsame Wüstenregion endgültig hinter uns lassen und uns der Küste Kaliforniens mit ihrem milden Meeresklima, den grünen Wäldern und fruchtbaren Tälern nähern, blüht die Landschaft wieder auf und auch in den Städten entlang der Strecke sind neue Energie und Lebensfreude zu spüren. In den kommenden Wochen werden wir dem Küstenhighway Number one immer weiter gen Norden folgen, denn unsere Reise durch Nordamerika hat gerade erst begonnen und wir freuen uns auf die vielen berühmten Großstädte, die beeindruckenden Nationalparks und die vielen einsamen Motorradstrecken, die auf unserer weiteren Reise bis hinauf in den hohen Norden Alaskas noch vor uns liegen.
 
Die Autoren

Die Autoren

Bettina Höbenreich und Helmut Koch - Über fünf Jahre waren die beiden unterwegs, um auf ihren Motorrädern die Welt abseits ausgetretener Pfade und jenseits ihrer Komfortzone zu erkunden. Heute arbeiten die beiden Abenteurer unter anderem als freie Fotografen, Reisejournalisten und Videofilmer und erzählen auf Multimediavorträgen von ihren Motorradabenteuern.
 

Reiseroute: Agua Prieta (Grenzübergang USA) – Tombstone (Arizona)- Benson – Tuscon – 
Phoenix – Flaggstaff – 
Grand Canyon – Page – Monument Valley – Port Bluff  (Utah) – Moab – 
Crescent Junction  – Fishlake National Forest– St. George – Las Vegas (Arizona) – (Kalifornien)

Reiseroute

Agua Prieta (Grenzübergang USA) – Tombstone (Arizona)- Benson – Tuscon – Phoenix – Flaggstaff – Grand Canyon – Page – Monument Valley – Port Bluff  (Utah) – Moab – Crescent Junction  – Fishlake National Forest– St. George – Las Vegas (Arizona) – (Kalifornien)
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Stand:25 November 2017 06:31:53/reiseberichte/motorrad-weltreiseusa+-+westwaerts+zieht+der+wind_171006.html