Motorradreise Italien, Trentino – Baldo für die Seele

10.05.2017  |  Text: Carsten Heil  |   Bilder: Carsten Heil
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Motorradreise Italien, Trentino – Baldo für die Seele
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Wie oft wir wohl schon den größten und schönsten See Italiens besucht haben? Doch den lassen wir jetzt mal links liegen und machen uns vom Monte Baldo auf in die Dolomiten. Weg vom Hochsommer-Wahnsinn des Gardasees hinüber in die entspannte Osthälfte des Trentinos.


Der widerlichste Pass der Alpen ist der Fernpass. Das liegt nicht an seinen Kurven, sondern an seiner Funktion als mautfreies Nadelöhr. Es ist der beschwerliche Einstieg in die wunderbare Alpenwelt, direkt nach der deutsch-österreichischen Grenze. Wer von Norden kommend über Ulm, Kempten und Reutte den Eintritt in ­Europas schönste und größte Spielwiese wählt, hat es meist eilig auf dem Weg in den Süden. Alle ­haben es eilig, es wird eng und zäh und klebrig. Besonders im August bei 36 Grad.

Wir sind unterwegs ins Trentino. ­Jenem italienischen Fleckchen Alpenglück, das im Norden an Südtirol grenzt und dem der nördliche Teil des Gardasees zugehört. Im Zentrum die Hauptstadt Trento, im Osten Venetien und die Dolomiten. Hört sich nach attraktiven vier Tagen an, die mein ­Kollege „Hominator“ und ich vor uns haben. Wir dürfen zwei brandneue GS, von den BMW-Ver­edlern Touratech und Wunderlich stark reiseoptimiert, einem ­intensiven Praxistest unter­ziehen und drei MoHo-Hotels haben Brot, Bier und zwei Bettchen für uns gerichtet. Na dann, los.

Nachdem der Fernpass und die bösartige Schlange aus Hausmitführern, Betonmischern, VW Tourans und Cabriofahrern niedergerungen und gefühlte fünftausend Grußgebärden mit anderen Mopedfahrern ausgetauscht sind, bleibt es weiter blöd. Wir wählen die westliche Südverbindung über Land­eck in der Hoffnung auf weniger Verkehrshölle und vielleicht ein paar Meter freie Fahrt beim Anstieg zum Reschenpass. Doch das wird nix. Wie auch, es ist Ferienzeit und unser Chefredakteur wird schon gewusst haben, warum er diesen Trip an uns abgetreten hat ...

Was ein Elend: Vor und nach dem Fernpass macht Motorradfahren keinen Spaß. Zumindest nicht zur Hauptreisezeit im ­August bei 35 Grad. Wir müssen hier weg

Erst hinter Meran, auf dem Weg von Lana hoch zum Gampenjoch, kommt erstmalig Freude am Fahren auf. Wir sind nun seit knapp sechs Stunden ­unterwegs. Drei Stunden Autobahn­bolzerei und ebenso lange Stop-and-go-­Gewürge bei brütender Hitze. Der Schritt ist feucht als wir die Boxer erstmals frei befeuern können. Die raffiniert geschwungene Straße durch den schattenspendenen Wald, der kühlende Fahrtwind und kaum Verkehr – nach vier, fünf Kehren ist das ganz Grauen der letzten Stunden vergessen. Trentino, wir kommen.

Das Ziel für diesen Tag ist Rovereto, oberhalb des östlichen Nordzipfels des Gardasees gelegen. Besser gesagt Mori, ein kleines Kaff, das noch ein paar ­Höhenmeter oberhalb liegt. Den See können wir von unserem Nachtquartier zwar nicht sehen, aber die Zimmer sind sauber, chic und schön. Und Paolo, der Wirt, fährt eine 2010er Super-Ténéré. Immerhin findet er unsere Gummikühe mindestens ebenbürtig und wir dürfen die BMWs neben seiner Yamaha im ­Innenhof des gemütlichen Familien­hotels parken. Wir trinken Bier und tauschen uns ein wenig über das EM-Halbfinale, das Wetter und Zweiräder im Allgemeinen aus. Paolo hält noch etwas nahrhaftes Rindfleisch bereit, das er auf offener Flamme für uns gart. Danach: Espresso. Dusche. Bett.

Der nächste Morgen fühlt sich an, wie sich ein guter Morgen anfühlt. Frühstück unter blauem Himmel, zwei vollgetankte GS und eine Frühstücksrunde um den See im Visier. Ich freu mich schon auf das Gesicht des Hominators, der eigentlich Christian heißt, wenn wir direkt nach Riva die traumhafte Westroute mit ihrem kühnen Schwung unter die Räder nehmen und unsere beiden Boxer durch die tausend Tunnels und um die wunderbar flott zu nehmenden Windungen knurren lassen. Christian war noch nie hier und ich bin mir sicher, er wird sein breitestes Grinsen aufsetzen. Es ist kurz nach halb neun, das Thermometer zeigt bereits 24 Grad an und wir zupfen erwartungsvoll am Gashahn. ­Hinab nach Rovereto über Riva del Garda Richtung Limone. Ja, wir zupfen. Mehr wäre lebensgefährlich, denn scheinbar sind alle, die sich gestern über den Fernpass gequält haben, jetzt hier. Es wird die mieseste Tunneltour aller Zeiten, wir sind schon weit vor Limone klatschnassgeschwitzt und es braucht volle zwei Stunden, bis wir unsere Foto-Location in Salo erreichen. Ich kenne dort einen meist leeren Parkplatz am Ostzipfel, mit freiem Blick auf den See und der Sonne im Rücken. Der optimale Platz zum Ablichten der beiden Ladys für unsere GS-Serie.

Abschied vom Gardasee, von Hitze und Verkehrsinfarkt. Der Anstieg zum Monte Baldo fängt gut an, wird besser und besser, um am Ende zum fahrtechnischen Höchstgenuss zu werden

Nur noch schnell zu meiner Stammtankstelle und die Maschinen abdampfen. Leider hat der Pächter gewechselt und auf dem Waschplatz hat bereits die Vegetation das Kommando übernommen. Da es auch weit und breit keine ­Alternativen gibt, machen wir die beiden BMWs mit ehrlicher Handarbeit fotofein. Dauert nur ein gutes Stündchen, was aber nichts macht, da seit dem letzten Mal vor sieben Jahren die Zypressen einen enormen Wachstumsschub hinter sich haben. Die Sonne kann ihr Licht frühestens High Noon über die gut und gerne 20 Meter hohen Kerlchen auf unsere Fotoobjekte werfen. Aber wie wir’s drehen und wenden – bis zum frühen Nachmittag hat’s mehr Schatten als Licht. Wir jonglieren mit den schweren Kühen wenige Zentimeter an der Wasserkante und nutzen die schmalen Licht­inseln so gut es geht. Zur Kaffeestunde sind wir endlich zufrieden und entschließen uns, auf die Umrundung der langweiligen Südküste, die eh nicht am Wasser vorbeiführt, zu verzichten. Mittlerweile melden unsere Bordcomputer 36,5 Grad und wir kürzen mit der Fähre von Toscanelo-Maderno auf die Ostseite ab.

Ich will mit Christian unbedingt noch den göttlichen Monte Baldo unter die Räder nehmen. Als Wiedergut­machung für die vermeintlichen Traum­kilometer um den schwer gestressten See. Wir genehmigen uns, während wir auf die Fähre warten, noch einen klitze­kleinen Sprung in den See, bevor wir übersetzen. Bei guter Laune stemmen uns die Berliner Mulis entschlossen Richtung Gipfel. Die Sonne beginnt ­gerade damit, ihr großes Tagesfinale einzuläuten, und die Temperaturen werden mit jedem Höhenmeter erträglicher. Uns kommen nur selten Fahrzeuge entgegen, der Asphalt ist warm, das Licht ein Traum. Endlich zeigt auch der Hominator sein freudigerregtes Kurven­gesicht.

Aber nur kurz: „Wir sollten das Navi anklemmen und den schnellsten Weg nach Lévico Terme nehmen“, sagt der, mit dem ich mir einig war, dass die ­digitale Spaßbremse nicht eingeschaltet wird. Also gut, meinetwegen. So erreichen wir gerade noch bei Einbruch der Dunkelheit das Rock’n’Road-Hotel mit rappelvoller Motorrad-Garage und eigener Werkstatt. Da die Küche bereits um neun geschlossen hat, kratzt man uns freundlicherweise noch zwei Teller Paella zusammen. Der Rest ist gelebte Vorfreude auf morgen, wenn die Tour endlich richtig losgeht ...

Der östliche Teil des Trentinos ist selbst zur Hauptreisezeit nicht komplett überlaufen. ­Besonders die kurvenreichen Passanfahrten sind erstaunlich wenig frequentiert. Gut so. Hier im Bild die ­Auffahrt von Ágordo zum Paso Cereda

Da wir zwei Übernachtungen in Lévico Terme geplant haben, können wir die Tour am nächsten Tag mit ­leichtem Gepäck und ohne Seitenkoffer antreten. Und ohne Navi. Den berühm­ten Kaiserjägerstieg finden wir auch so. Er führt uns kurvenreich und wenig ­befahren hinaus aus dem beschaulichen Kurstädtchen. Eng an den Fels geschmiegt, mit feinen Kurven aller ­Radien gesegnet und überdies höchst reizvollen Aussichten. Oben biegen wir östlich in Richtung Val d’Assa ab und passieren den Paso di Vezzena, der uns mit fröhlichem Schwung durch den schattigen Wald führt. Die Landschaft wird langsam weniger steinig und baumreich, eher sanft geschwungen und lieblich wie das Allgäu.

Wir zuckeln ein Weilchen gemütlich hinter einer Gruppe Harleyfahrer durch das dünn besiedelte Tal her. Ab und zu liegt ein wenig Schotter auf der Straße, weshalb wir ganz froh sind, den Fat Boys und Wide Glides in Slowmotion zu ­folgen. Vielleicht hätten wir etwas mehr Abstand halten sollen, denn die blonde Lady am Ende der Gruppe schleudert mir mit ihrem 240er-Hinterreifen ein gar nicht mal so kleines Steinchen mit Wucht durch mein geöffnetes Visier. Gut, dass es meine Wange und nicht das Auge trifft – das bisschen Blut trocknet der Fahrtwind.

Das lebhafte Asiago bietet neben einem hübschen Zentrum mit schönem Kirchlein, bunten Geschäften und gemütlichen Cafés Interessantes in Sachen Kriegsgeschichte. Die Stadt wurde während des Ersten Weltkriegs im Zuge der österreichisch-italienischen Kämpfe zum Schauplatz einiger der bewegendsten Kriegsereignisse. Zum Gedenken an die Tragödie wurde vor den Toren der Stadt ein im­posantes Militärdenkmal errichtet, in dem sich die Überreste der über 50.000 in der Schlacht gefallenen Soldaten befinden.

Wir lassen es geschmeidig laufen, durcheilen das Val Sugana auf der Schnellstraße, um bald Richtung Paso di Manghen die 2.000er-Höhenmarke zu knacken. Denn es ist wieder verdammt heiß im Tal. Der Anstieg ist knackig, die Tem­peraturen werden erträglich. Auf dem ­Gipfel fröstelt’s uns und wir gönnen uns einen Kaffee und Speck-Paninis auf der kurz nach der Passhöhe gelegenen ­Manghen-Hütte. Sehr idyllisch hier, dazu absolut preiswert und lecker.

Die Manghen-Hütte liegt unterhalb des Passes und bietet nicht nur ein uriges Ambiente, sondern auch eine schmackhafte Küche, die preislich erfreulich bodenständig bleibt – auf jeden Fall ein lohnender Stopp

Die Fahrt hinunter durchs Val di ­Cadino macht Laune. Dichter Wald, ­angenehm kühl, kaum Verkehr, feine Asphalt-Windungen. Am Ende, in ­Molina di Fiemme, biegen wir in südwestlicher Richtung ab, um noch eine schöne Schleife auf dem Rückweg ins Hotel nach Lévico Terme zu nehmen. Es ist mittlerweile Nachmittag, wir jagen auf engen Sträßchen an Valfloriana vorbei gen Gipfel. Keine Autos, keine ­Mopeds, keine Fahrräder – keine Weiterfahrt. Wir haben uns verfranzt und einen ewig langen Anstieg ins Nirgendwo erwischt. End of road. Also ­wieder zurück und nun richtig über Montesover den knapp 1.500 Meter ­hohen Passo Redebus genommen.

Eigentlich wollten wir ja auch noch etwas Kultur mitnehmen, aber wir sind im Kurvenrausch und schrauben uns Kehre um Kehre weiter ins Vergnügen. Über das malerische Val dei Mocheni ­erreichen wir schließlich Pergine Valsugana von wo aus wir die unspektakuläre Schnellstraße über Tenna zurück zum Hotel nehmen. Wir landen punktgenau mit Einbruch der Dunkelheit und ­müssen uns sputen, denn als Abend­programm erwartet uns noch ein Ausflug ins Museo della Moto im benachbarten Lochere ...

Wir freuen uns auf etwas italienische Zweirad-Historie und erwarten ein paar angestaubte Guzzis, Ducatis, MVs und Bimotas. Doch was wir dann im privaten „Garagebikemuseum“ von Sergio Lorenzini an zweirädrigen Perlen zu ­sehen bekommen, dürfte eine europaweit einmalige Sammlung an Limited-Edition-Bikes und Klassikern der 70er-und 80er-Jahre sein. Allein von Kawas legendärer Z 900 stehen mehr als zwanzig Modelle im absoluten Originalzustand im Untergeschoss des Privat­museums. Insgesamt finden sich mehr als 200 topgepflegte Machinen in dieser wunderbaren Sammlung. Alle fahrbereit!

Niemals zuvor haben wir so viele Kawasakis aus der Z-Reihe versammelt gesehen – und alle top restauriert

Wir sind beeindruckt und finden uns am Ende eines sehr anregenden Abends in Sergios Gewölbekeller wieder, wo wir die deutsch-italienische Freundschaft feucht-fröhlich begießen. Anschließend schlendern wir zufrieden die wenigen Meter zurück ins Cristallo, das Hotel unseres Gastgebers in Levico Terme.

Am nächsten Morgen ist Abreise, wir machen uns auf den Weg gen Osten, Richtung Dolomiten. Es sind nur knapp 60 beschwingte Kilometer und zwei Pässe bis zu unserer neuen Unterkunft in Transacqua, wo wir Glockenschlag zwölf Uhr unser Gepäck abstellen. Nach zwei doppelten Espressos starten wir in der prallen Mittagshitze erwartungsfroh Rich­tung Cortina d’Ampezzo. Die ­Strecke ist göttlich, bereits die Anfahrt zum Passo de Cereda setzt unsere Glückshormone in Wallung. Mit der Abfahrt verlassen wir das Trentino und befinden uns für die nächsten Stunden in Venezien, das uns direkt mit dem 1600er Passo Duran empfängt. Die Landschaft ist gleichermaßen lieblich wie abwechslungsreich und bietet ständig andere, atemberaubende Panoramen mit wechselnden Motiven der imposan­ten Dolomiten-Gipfel. Dazu erfreulich wenige Fahrzeuge, mit denen wir die Straße teilen müssen. Schöner kann ­Motorrad fahren kaum sein.

Wir schrauben uns weiter nach oben über Forcella Staulanza auf knapp 1.800 Meter bis zum Passo di Giau auf 2.236 Meter. Obwohl unsere Sinne berauscht sind und uns zur Weiterfahrt nach Cortina d’Ampezzo drängen, hören wir auf die Stimme der Vernunft und verzichten auf die ganz große Ostrunde. Denn es ist bereits später Nachmittag und wir vermuten, dass es auf den Straßen rund um den Nobelskiort doch deutlich ­lebhafter zugeht. Also winkeln wir in Pocol nach Südwest ab und nehmen noch den Passo di Falzarego mit, der uns mit höchst spektakulären Ausblicken auf die umliegenden Felsmassive begeistert. Bei Rocca Pietore wechseln wir auf die 203, die uns schwungvoll nach ­Alleghe führt. Ein zauberhafter Ort, an dem wir unsere ­Zehen in den gleich­namigen See stecken. Gerne würden wir bis Sonnenuntergang auf dem Steg sitzen und dem gemächlichen Treiben rund ums kristallklare Wasser zuschauen, aber unser sympathischer Gastgeber dürfte bereits den Kochlöffel schwingen und so machen wir uns auf den Weg zurück Richtung Ágordo, der uns erneut ein Kurveninferno der besonderen Art bietet. Die letzten 30 Kilo­meter auf der 347 kennen wir in ent­gegengesetzter Richtung bereits von heute Mittag und so lassen wir uns ­gemütlich im späten Abendlicht hinab nach Fiera di Primiero zu unserem Quartier in Transacqua rollen. Was für ein herrlicher Tag.

Die Auffahrt zum Passo di Giau ist der ­Vecchia Romagna unter den Pass-Anstiegen. Im Hintergrund wachen die Felskolosse ­Gusela, Nuvolau und Averau über uns

Marco Pasini ist Inhaber des Hotels Promenade und Chefkoch in Personal­union. Er sorgt dafür, dass dieser Tag für uns ein würdiges Finale bereithält. Wir sitzen an massiven Holztischen auf gemütlichen Bänken vor seinem Hotel, trinken kräftig-süßliches Regional-Bier und lassen uns mit Antipasti, Pasta und Carne aus seiner Küche verwöhnen.

Im Laufe des Abends gesellen sich Spanier, Italiener und Deutsche zusammen, es geht um Motorräder und Fußball, Hitler und Berlusconi. Weit nach Mitternacht liegen wir gut gelaunt in der Koje. Der einzig betrübliche Gedanke beim Einschlafen ist der, dass unser Trentino-Kurztrip morgen bereits zu Ende geht ...

Obwohl der Hominator gern auf kürzestem Wege die knapp 700 Kilometer in die Heimat rasen würde, kann ich ihn überreden, frühestens in Füssen mit der stieren Kilometerfresserei anzufangen. Wer will ernsthaft auf dem Highway durch die Alpen reiten? So verrückt nach seiner Frau kann man gar nicht sein.

Wir gönnen uns zunächst noch eine kleine Extraschleife über den Passo di Rolle auf knapp 2000 Meter, um über Pedazzo und Cavalese auf dem Passo di Lavaze den vorerst letzten Espresso auf einem Trentiner Gipfel zu schlürfen. Mit feinem Hüftschwung nehmen wir die Abfahrt nach Bozen hinunter, von wo aus uns die Schnellstraße mit einem Zug am Gashahn durchs Tal bis nach Meran führt.

Am Passo di Lavaze verabschieden wir uns vom Trentino und stürmen hinab ins Tal Richtung Bozen, Meran und Timmelsjoch

Es ist kaum zu glauben, aber der ­Hominator fuhr bisher noch nie übers Timmelsjoch. Ich verspreche ihm einen Höhepunkt, der jeglichen Zeitverlust wert ist. Und durfte Recht behalten. Nach einer erzwungenen Stadtrundfahrt durch Meran finden wir endlich den Einstieg Richtung St. Martin und freuen uns über die kooperativen Italiener am Steuer ihrer Autos. Noch nichtmal ein Wohnmobil-Blocker vermiest uns den Spaß. So können wir unbeschwert die immer spektakulärer und windungsreicher ansteigende Straße unter die Räder nehmen. Bis zum allzeit gut gelaunten Hütten-Toni in seinem Speckhäuschen, der seit Jahr und Tag mit Schüttelbrot, Schinken und Gemse-Salami auf dem Parkplatz vor dem schma­len, dunklen Gipfeltunnel inmitten der zugigen Mondlandschaft auf all die Gipfelstürmer wartet, können wir kraftvoll durchziehen.

Mein werter Kollege kriegt den Mund kaum zu und schwört auf ein Wieder­sehen am Timmelsjoch. Auf uns wartet nur noch die von Wehmut begleitete ­Abfahrt Richtung Imst und Fernpass. Passend dazu gibt’s rabenschwarze Gewitterwolken und eine Dusche, die so im Gore-Tex-Testprogramm kaum vorkommen dürfte.

Nach Füssen wird’s wieder heller, die Sonne kehrt zurück und wir können bei 200 Sachen gemütlich den Windschutz unserer BMWs genießen. In Ulm sind die Klamotten wieder trocken und uns fliegen gut ausgeleuchtete Bilder vom Trentino durch den Kopf. Schön war’s.





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Stand:20 September 2017 22:04:51/reiseberichte/motorradreise+italien+trentino+-+baldo+fuer+die+seele_175.html