Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg

11.08.2017  |  Text: Till Kohlmey  |   Bilder: Till Kohlmey
Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg
Motorradtour Erzgebirge - Kurz mal weg
Alle Bilder »

Wer bis nach Sachsen mit dem Motorrad fährt, hat gute Gründe. Motorräder werden hier zwar schon seit längerem keine mehr produziert, aber das Herz in dieser Region schlägt immer noch im Zweitakt


Ende August feiert Zschopau, die Motorradstadt Deutschlands schlechthin, ihren 725ten Geburtstag. Grund genug also, ihr vorab mal einen Besuch abzustatten, um den Zweiradduft, der diese Stadt umweht, tief einzuatmen. In der kleinen Pension »Zur Altdeutschen« am Marktplatz, direkt vis-à-vis vom Schloss Wildeck, ist das Zweirad samt Pilot ein gern gesehener Gast. Schließlich ist die Frühstückspension, die nur noch im Nebenerwerb von der Familie Schönstein betrieben wird, an exakt drei Terminen im Jahr komplett ausgebucht. Und die haben primär mit dem Zweirad zu tun: Bei den »Zschopau Classics« Ende Mai, beim Enduro-WM-Finale »Rund um Zschopau« im Oktober und natürlich beim Sachsenring Grand Prix der Anfang Juli in der Nähe über die Bühne geht.

Das zeigt auf, wie zweiradverrückt diese Region immer schon war und immer noch ist, obwohl hier schon lange keine Zweiräder mehr produziert werden. Seit 2016 um genau zu sein, denn der letzte Motorradhersteller aus Zschopau, die Motorradmanufaktur ZPMoto, stellte nach nur zwölf Fahrzeugen seinen Betrieb ein. Ein trauriges Kapitel, denn Ende der 20er Jahre, als hier noch jährlich bis zu 60 000  DKWs vom Band rollten, stand hier das größte Motorradwerk der Welt.

Motorradmuseum im Schloss Wildeck in Zschopau

Heute erinnert nur noch ein riesengroßes MZZ-Logo über dem ehemaligen Werksgelände an die glorreichen Zeiten. Das Kürzel steht für »Multi-Zentrum-Zschopau«, wobei die ersten beiden Buchstaben eins zu eins vom alten Eigentümer MZ übernommen wurden. Ansonsten hat hier auf dem großen Areal nur noch ein KTM-Händler etwas mit Zweirädern am Hut. Im Ort selbst gehört ein Besuch der Ausstellung »Motorradträume« im Schloss Wildeck aber schon zum Pflichtprogramm, denn hier wird die Geschichte des Motorradbaus in Zschopau recht lebendig wiedergegeben. 

Unsere Rundtour durch das Erzgebirge startet also in Zschopau und endet im Schloss Augustusburg, wo sich der Kreis schließt, denn das dortige Museum ist eine weitere Reminiszenz an die glorreichen Zweiradzeiten der Region. Aber zunächst geht es von Zschopau aus in gemütlichen Kehren entlang des gleichnamigen Flusses über Scharfenstein bis zum »Wolkensteiner Zughotel«, wo sich in der Regel auch schon am frühen Morgen einige Biker herumtreiben, denn die Location direkt an der Hauptstraße unterhalb der Burg ist definitiv einen Kaffee wert. Hier wurden kurzerhand mehrere stillgelegte Waggons stilecht zu einem Hotelkomplex mit großzügiger Außengastronomie umfunktioniert.

Motorradtreff an der Talsperre Eibenstock

Annaberg-Bucholz lassen wir später dann links liegen und fahren über Schettau ich Richtung Talsperre Eibenstock, wo oberhalb der Sperrmauer einer der größten Zweiradtreffs von Sachsen mit einem schlechten Kaffee und einer muffigen Bedienung auf uns wartet. Trotzdem sind hier erstaunlich viele Zweiradfahrer unterwegs. Vornehmlich auf zackig grünen Kawasakis oder auf hochbeinigen KTMs. Vereinzelt tauchen auch ein paar Jugendliche mit ordentlich frisierten Simsons auf, die viel Rauch aufwirbeln. Die Kurven rund um den Stausee scheinen die Biker magisch anzuziehen, so sehr, dass einige Kehren auch schon »entschärft« wurden. Bei einer der wohl schönsten Spitzkehren Sachsens wurde der Teerbelag in Streifen abgefräst, um als künstliche Buckelpiste die Raser zu bremsen.

Wer von hier aus eine schöne Runde drehen möchte, nimmt meist die Route über Kraslice in Tschechien bis nach Oberwiesenthal. Wir bleiben diesseits der Grenze und kurven über Sosa, vorbei am Bikertreff Ehrenzipfel mit seinem überdimensionalen Choppergerüst und stoßen von oben direkt auf den Kurort Oberwiesenthal, der Anfang Mai noch mit dem letzten Schnee zu kämpfen hat. Es ist Sonntag und am Abend lädt die freiwillige Feuerwehr zum traditionellen Osterfeuer ein. Das macht Sinn, denn es ist noch kalt und der Winter soll traditionell mit dem Verbrennen der Hexen final vertrieben werden. Danach stellt man dann noch recht zügig den Maibaum auf und begibt sich ins Festzelt, um das Ganze gebührend zu begießen, während die meisten Touristen dann doch lieber den Heimweg in ihre Pensionen antreten. Ich auch, denn morgen soll es früh auf den Fichtelberg gehen. Es ist bereits der zweite Anlauf in diesem Jahr, beim ersten Anfang April hat uns der Winter noch mit heftigen Schneefällen vom Fichtelberg vertrieben.

Und was lernen wir daraus? Das deutsche Mittelgebirge, das hier immerhin mit Höhen von über 1200 Metern aufwartet, ist erst nach Ostern ohne Heizwesten zu befahren. Ein strahlend blauer Himmel empfängt mich am nächsten Tag hoch oben auf dem Fichtelberg. Die große Friedensglocke, die hier am höchsten Punkt der östlichen Bundesländer am dritten Oktober 2010 aufgestellt wurde, erinnert mit ihrem Geläut an Sonn- und Feiertagen an die Friedliche Revolution von 1989.

Vom Aussichtsturm am Fichtelberg blickt man auf den Keilberg in Tschechien, mit 1244 Metern der höchste Berg im Erzgebirge

Über allem thront jedoch der Aussichtssturm vom Fichtelberghaus, von dem man einen wunderbaren Blick bis hinüber zu seinem Konkurrenten in Tschechien, den Keilberg (1244 Meter) hat. Der ist ihm nicht nur 30 Meter an Höhe überlegen, er kann inzwischen auch mit dem interessanteren Skigebiet punkten und lockt die Touristen auf die andere Seite – aber Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben.

Die Tracer und ich surfen in weiten Schwüngen den Berg runter Richtung Bärenstein und schauen noch kurz bei der großen Fichtelbergschanze vorbei, wo seinerzeit Jens Weißflog, der direkt gegenüber sein gleichnamiges Hotel betreibt, den Schanzenrekord auf 102 Meter schraubte. Wir fliegen das Tal weiter hinunter, begleitet von der historischen Fichtelbergbahn, die sich in weiten Bögen den Berg hinauf- und wieder hinunterquält. Die Dampflokomotiven haben zum Teil schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel, sind aber nicht die einzigen, die in dieser Region noch aktiv sind. Unten im Tal zwischen Jöhstadt und Steinbach verkehrt zum Beispiel auch noch die Preßnitztalbahn, wo Petra aus Holland am Haltepunkt Jöhstadt die wenigen Gäste an diesem Tag mit Bockwurst und Kaffee versorgt. Sie und ihr Mann betreiben oben im Ort auch noch das Rathaus-Hotel. Nicht weiter verwunderlich also, dass auch in diesem Mittelgebirge viele Holländer unterwegs sind, die sommers wie winters in Scharen kommen.

Wir halten noch einen kurzen Plausch mit dem jungen Heizer, der die Kohleschaufel während der Berg- und Talfahrten gar nicht erst aus der Hand legt. Stolz klärt er uns über die Funktionen der vielen Rädchen und Druckmanometer seiner Lok auf, aber wir verstehen nur Bahnhof. Nachdem der letzte Dampf der davonbrausenden Preßnitztalbahn verdunstet ist, folge ich der Bahn noch eine Weile der Preßnitz entlang bis nach Steinbach. Hinter dem Ort steigt die Straße leicht an bis hinauf zum Hirtstein, wo sich der Basalt in recht grotesken Formen bis an die Erdoberfläche gedrückt hat. Von hier oben hat man einen schönen Ausblick auf die höchsten Berge des Erzgebirges und wenn man ganz genau nach Norden schaut, kann man auch schon die vier mächtigen Zinnen der Augustusburg erblicken.

Über allem thront das Schloss Augustusburg

Das ist unsere Endstation der Erzgebirg-Rundfahrt, aber zuvor fahren wir noch an Rübenau vorbei, das verträumt in einer Hochmoorlandschaft zwischen Birken und Heidekraut sein Dasein fristet. Bis hinab nach Olbernhau genießen wir die wohl schönsten Kurven der Strecke. Die gut ausgebaute Straße mit griffigem Asphalt schlängelt sich grenznah am Bach entlang, während rechter Hand die Felsen mit leichtem Überhang auf die Straße zu fallen drohen. Wir nähern uns Augustusburg aus östlicher Richtung und können aus der Ferne schon das mächtige Renaissanceschloss ausmachen, das majestätisch über der Region zu schweben scheint. Wer jetzt noch die Energie für einen Rundgang im Museum aufbringt, wird es nicht bereuen.  
 
Allgemeine Infos



Der Rundkurs Erzgebirge ist an einem Tag locker zu schaffen, wobei die Museumsbesuche auf Schloss Wildeck (Zschopau) und auf Schloss Augustusburg nicht eingerechnet sind. Ein guter Startpunkt ist Zschopau oder aber Oberwiesenthal mit dem bikerfreundlichen Hotel Sachsenbaude, das zudem als BMW-Testride-Hotel die aktuelle Zweiradflotte aus München bereithält.   

Schloß Augustusburg
Bekannt ist das Schloss für die Zweiradfraktion vor allen Dingen durch sein Biker-Wintertreffen und das Museum. Letzteres beheimatet eine der bedeutendsten und umfangreichsten Zweiradsammlungen Europas. Hier verteilen sich insgesamt 175 Exponate auf 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche, wobei die geschichtlichen Entwicklung der Zschopauer Motorradfirmen DKW, Auto Union und MZ natürlich im Vordergrund stehen. Prädikat: absolut sehenswert! Aber auch das traditionelle Wintertreffen mit großem Teilemarkt, Bikergottesdienst und Camping am Schloss am 18. Januar 2018 ist nicht nur für »winterharte« Biker eine Pflichtveranstaltung 
(www.wintertreffen-augustusburg.de).



Szeneshop-Angebote
Szeneshop-Angebote

Stand:19 October 2017 08:56:13/reiseberichte/motorradtour+erzgebirge+-+kurz+mal+weg_178.html