Motorrad-Weltreise Südamerika - Über die Anden ans Ende der Welt

02.09.2017  |  Text: Bettina Höbenreich  |   Bilder: Helmut Koch
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Motorrad-Weltreise Südamerika - Über die Anden ans Ende der Welt
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Eigentlich wollten wir nur sechs Monate bleiben, doch die traumhafte Landschaft, die spannende Kultur und die abenteuerlichen Motorradstrecken Südamerikas haben uns so sehr gefesselt, dass wir schließlich eineinhalb Jahre auf dem südamerikanischen Kontinent verbringen
Es ist Ende Oktober, also gerade erst Frühlingsanfang auf der südlichen Hemisphäre, 
als unsere Reise durch Südamerika beginnt und so entschließen wir uns, erst einmal die etwas wärmeren Regionen im Norden Chiles sowie Argentiniens mit unseren Motorrädern zu erkunden. Wir folgen der legendären Ruta 40, die sich an den teilweise fast 7 000 Metern hohen Gipfeln der schneebedeckten Anden entlang gen Norden windet.

Uns zieht die karge, fast völlig vegetationslose Hochgebirgslandschaft sofort in ihren Bann, denn die schroffen Gesteinsformationen der argentinischen Anden überraschen uns mit ihrem leuchtenden Farbenspiel, das sich von hellem Beige über dunkles Braun bis hin zu leuchtendem Rot erstreckt.
Immer wieder folgen wir schmalen, unbefestigten Straßen bis hinauf in die Einsamkeit der Berge, wo wir mitten im Nirgendwo auf kleine Bergdörfer stoßen, die aus nicht mehr als ein paar einfachen Lehmhütten bestehen. Die Menschen hoch oben in den Anden führen ein einfaches und oft beschwerliches Leben. Sie leben vor allem von Viehzucht und Ackerbau, der noch heute in mühevoller Handarbeit und nur mit Hilfe von Ochsen betrieben wird.

Die schroffen Gesteinsformationen der argentinischen Anden überraschen uns mit ihrem leuchtenden Farbenspiel

So ist es nicht verwunderlich, dass wir jedes Mal, wenn wir mit unseren Motorrädern in einem der kleinen Dörfer anhalten, sofort von einer Horde Kinder umringt werden, die neugierig unsere großen, bunt beklebten und voll beladenen Motorräder bestaunen. Und wenn die Kleinen dann auch noch auf der »Dicken Rosi« und dem »Alperer« Probe sitzen dürfen, sind sie restlos begeistert.
Fast jede Stadt und jedes Dorf in Südamerika hat einen zentralen Platz, den sogenannten »Plaza Central«, wo neben regional angebautem Obst und Gemüse sowie lokalen Käse- und Wurstwaren auch traditionelles Kunsthandwerk und handgefertigte Kleidung aus Alpaka-Wolle angeboten werden. Vor allem die farbenfrohen Gewänder, Teppiche und Decken, die in leuchtendem Rot, Gelb, Orange, Blau und Grün erstrahlen und mit jahrhundertealten Symbolen und Mustern verziert sind, haben es uns angetan. Wir probieren verschiedenen Hüte und Ponchos an und entscheiden uns schließlich aus Platzmangel nur für ein kleines, aus Wolle gefertigtes Lama mit leuchtend violetter Schleife am Ohr, dass wir als Andenken mitnehmen.

Es ist mittlerweile Januar, also Hochsommer in Südamerika, als wir auf der legendären Carretera Austral in Richtung Süden fahren. Die unbefestigte Fernstraße im Süden Chiles führt über mehrere hundert Kilometer durch eine regenreiche, von dichten Wäldern bedeckte Fjordregion. Dank des hohen Niederschlags in diesem rauen Küstengebiet sind viele der Bäume mit leuchtend grünem Moos bewachsen und riesige Farne, die sich im Unterholz ausbreiten, verwandeln den Wald in eine schier undurchdringliche, immergrüne Mauer.

Die legendäre Carretera Austral führt uns viele hundert Kilometer durch dichtes, mit leuchtend grünen Moosen und riesigen Farnen bewachsenes Waldgebiet

Wir haben bereits einige hundert Kilometer auf der relativ einsamen Strecke zurückgelegt, als sich die fast menschenleere Landschaft öffnet und den Blick freigibt auf schneebedeckte Hochgebirgszüge, aktive Vulkane und glasklare Seen, und so nutzen wir die Gelegenheit, um den 1.222 Meter hohen Vulkan Chaitén zu besteigen. Dieser Vulkan war im Jahr 2008 völlig unerwartet mit einer gigantischen Eruption ausgebrochen und vernichtete die Vegetation in einem Umkreis von mehreren Kilometern. Auch der gleichnamige Ort, der zehn Kilometer südwestlich des Vulkans liegt, wurde von einer 15 Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt und teilweise zerstört. Noch heute ist der Vulkankrater überzogen von toten Bäumen, die wie gespenstische, knochenweiße Leichen wirken und uns ansatzweise erahnen lassen, welch zerstörerische Naturgewalt der Vulkanausbruch freisetzte.

Nach mehreren tausend Kilometern durch die vom Wind gepeitschte Steppenlandschaft Südargentiniens und dem täglichen Kampf gegen die starken und heimtückischen Winde Patagoniens erreichen wir schließlich mit Ushuaia nicht nur die südlichste Stadt der Welt, sondern auch den südlichen Wendepunkt unserer Motorradreise auf dem amerikanischen Kontinent. Wir fühlen uns erschöpft von der langen und anstrengenden Fahrt, aber zugleich auch absolut euphorisch und überglücklich, dass wir mit Ushuaia eines der großen Ziele unserer Reise erreicht haben.

Über Argentinien, Uruguay, Brasilien und Paraguay führt uns unser Weg schließlich bis hoch hinauf in das bolivianische Altiplano. Nach einigen Tagen der Akklimatisierung an die Höhe und die dünne Luft machen wir uns schließlich auf, den größten Salzsee der Welt mit unseren Motorrädern zu erkunden.

Die untergehende Abendsonne am weit entfernten Horizont taucht den Himmel und die glitzernde Oberfläche des Salar in ein sanftes orangefarbenes Licht

Es ist halb acht Uhr morgens und das Thermometer zeigt noch immer frostige minus neun Grad, als wir uns auf den Weg zum 3 653 Meter hoch gelegenen Salar de Uyuni machen. Als wir allerdings die ersten Meter auf der steinharten, funkelnden Salzkruste dahinfahren, haben wir die klirrende Kälte schnell vergessen. Das Gefühl, mit den eigenen Motorrädern über die schneeweiße Ebene zu fliegen, lässt uns jegliches Gefühl für Zeit und Raum vergessen und so ist es bereits später Nachmittag, als wir unser Zelt inmitten der endlosen Weite des Salar aufschlagen. Der Anblick der untergehenden Abendsonne, die am weit entfernten Horizont verschwindet und den Himmel und die glitzernde Oberfläche des Salar in sanftes orange-farbenes Licht taucht, ist einfach einmalig. Auch der kalte Wind flaut endlich ab und es legt sich eine fast schon unheimliche Stille über die menschenleere Ebene.

Nach so viel Einsamkeit geht es für uns weiter nach Sucre, das mit seinen bunten Märkten und engen, mit Kopfstein gepflasterten Gassen voller Einheimischer und Touristen nur so vor Leben sprüht. Auch wir schlendern durch die belebte Altstadt, bestaunen prunkvoll verzierte Kolonialstilbauten und besuchen den lokalen Bauernmarkt. Die weitläufigen Markthallen sind geschwängert vom schweren Duft exotischer Gewürze und Kräuter und die freundlichen Marktfrauen haben einen Heidenspaß mit uns, denn sie können es gar nicht fassen, dass wir mindestens die Hälfte der dargebotenen exotischen Früchte und Gemüse nicht kennen. Während wir uns ganz begeistert durch ihr Sortiment kosten, werden wir stets von neugierigen Kindern beobachtet, die von ihren Müttern in den für die Andenvölker so typischen Rückentüchern mit zur Arbeit genommen werden. Diese traditionellen, meist aus Alpaka-Wolle gefertigten bunten Tücher werden von den Frauen allerdings nicht nur als Tragetuch für ihre Kinder, sondern auch zum Transport jeglicher Waren genutzt. 

Die Marktfrauen tragen ihre kleinen Kinder noch heute in den für die Andenvölker so typischen Rückentüchern umher

Fast eineinhalb Jahre waren wir in Südamerika unterwegs und haben dabei von der südlichsten Stadt des Kontinents über die längste Gebirgskette bis hin zum größten Salzsee der Welt viele landschaftliche sowie geographische Superlative auf unseren Motorrädern erkundet. Doch vor allem haben wir, wie schon so oft auf unserer Reise um die Welt, viele Fremde getroffen, aus denen Freunde wurden. Auch wenn uns die Kulturen, Sitten und Gebräuche Südamerikas oft exotisch und fremd vorkamen, so waren die Menschen uns gegenüber stets offen, hilfsbereit und voller Gastfreundschaft. So verlassen wir Südamerika mit einem lachenden und einem weinenden Auge, doch vor allem freuen wir uns auf die neuen Abenteuer, die uns auf unserer weiteren Reise durch Zentral- und Nordamerika noch erwarten werden.
 
Reiseroute
Wir überqueren entlang der Anden insgesamt neun Mal die Grenze zwischen Chile und Argentinien, bevor uns unsere Reise weiter nach Uruguay, in den Süden Brasiliens sowie quer durch Paraguay, Bolivien und Peru bis hinauf nach Ecuador und schließlich nach Kolumbien führt.
 


Die Autoren Bettina Höbenreich und Helmut Koch
Über fünf Jahre waren die beiden unterwegs, um auf ihren Motorrädern die Welt abseits ausgetretener Pfade und jenseits ihrer Komfortzone zu erkunden. Heute arbeiten die beiden Abenteurer unter anderem als freie Fotografen, Reisejournalisten und Videofilmer und erzählen auf Multimediavorträgen von ihren Motorradabenteuern.
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