Fahrbericht Ducati Multistrada 1260 S - Bulle und Ballerina

20.12.2017  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: Ducati
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Fahrbericht Ducati Multistrada 1260 S - Bulle und Ballerina
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Ein bisschen mehr Hubraum, eine neue Motorsteuerung und eine Menge Feinarbeit an vielen Bauteilen machen die Ducati Multistrada 1260 S zu einem hochfeinen Sport-Reisebike
Leistung alleine ist es nicht, die im Segment der großvolumigen Reiseenduros über den Erfolg entscheidet. Auch Ducatis Marketing-Strategen in Bologna blieb nicht verborgen, dass die gewaltige Leistung von 152 PS, die ihre Multistrada 1200 seit Anfang 2015 brachte, nicht genug ist; neben reichlich Elektronik sind auch die Punkte Ausgewogenheit des Triebwerks und ein jederzeit stabiles Fahrverhalten von größter Bedeutung, will man Absatzzahlen dauerhaft auf hohem Niveau stabilisieren. Deshalb zünden die Italiener schon nach drei Jahren die nächste Stufe: Multistrada 1260 heißt die neueste Multistrada; es handelt sich dabei nicht um ein neues Motorrad, sondern um eine tiefgreifende Modellüberarbeitung. Motor, Schwinge, Teile des Rahmens, Räder, Fahrwerksabstimmung sowie das TFT-Display im Cockpit sind neu.



Geblieben sind die vier Modellvarianten Basis, also Multistrada 1260, darüber rangiert die deutlich besser ausgestattete 1260 S, noch höher angesiedelt ist die besonders sportliche Pikes Peak, die sich primär durch feinste Öhlins-Federelemente auszeichnet. Und es gibt die D-Air-Version mit werksseitiger integrierter Airbag-Komponente, deren sonstiger Ausstattungsumfang der S-Version entspricht. Alle vier haben dasselbe Herz: Einen neuen V2 – natürlich in bewährter L-Bauweise – mit exakt 1.262 Kubikzentimetern Hubraum und einer Maximalleistung von 116 kW/158 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 129,5 Nm. Ein echter Bulle, dieser Motor, zugleich aber drehfreudig wie eine Ballerina.

Für den deutschen Markt seit jeher bei weitem am bedeutendsten ist die S-Version der Multistrada: Von ihr verkaufen die Italiener etwa viermal so viele wie von der Basisversion; dass die S 2.400 Euro mehr kostet, stört die Käufer nicht – genauso wenig wie die absolute Höhe des Kaufpreises. Immerhin 20.659 Euro repräsentiert die Testmaschine, die wir einen Tag über die extrem kurvigen Straßen Gran Canarias treiben, um die Qualitäten des neuen Multi-Jahrgangs zu ergründen. Von dem genannten Preis entfallen 19.390 Euro auf die S-Version in Basisfarbe Rot, dazu addieren sich 200 Euro für die graue Metallic-Lackierung und weitere 1.069 Euro für das Touring-Paket. Es umfasst sehr gut integrierte Gepäckkoffer, feine Heizgriffe und den ausreichend leicht bedienbaren Hauptständer.



Am deutlichsten spürbar ist die neue Motor-Charakteristik: Statt eines Durchhängers zwischen 3500 und 5500 Umdrehungen liefert das neue Triebwerk nun in jedem Drehzahlbereich eine satte, bestens nutzbare Leistung. Ein Plus von bemerkenswerten 18 Prozent weist das Drehmomentdiagramm bei 5500/min. im Vergleich zur 1200er mit 1198 Kubik aus! Mag sein, dass die Leistungsabgabe bei 6000/min. nun weniger spektakulär erfolgt – in der Praxis fährt sich die 1260er deutlich ausgewogener und angenehmer. Die neue Motorsteuerung sorgt zudem für eine feine Gasannahme bereits ab 2000 Touren, ohne „obenraus“ Leistung zu kappen. Selbst in engen Serpentinen wird der erste Gang nun nicht mehr gebraucht – so soll es sein bei einer überlegen motorisierten Reiseenduro. Wer das drehfreudige Triebwerk nicht permanent „jubeln“ lässt, wird zudem mit einem moderaten Verbrauch belohnt. 

Eine neue Qualität liefert auch der weiterentwickelte Serien-Schaltassistent: Die Gänge lassen sich jetzt äußerst geschmeidig ohne Kupplung wechseln – ein echtes Plus während der Kurvenorgien auf Gran Canaria; für Fans von Alpenstraßen ein Schmankerl. Nur geringfügig wirkt sich die fünf Zentimeter längere Schwinge auf die Handlichkeit der Multistrada aus: Auch die 1260er gehört zur leicht dirigierbaren Gruppe der großvolumigen Reiseenduros. Dafür soll die Fahrstabilität bei sehr hohem Tempo noch besser geworden sein; „soll“ deshalb, weil sich das beim ersten Fahrtest nicht überprüfen ließ. Die Autobahn auf der Ostseite der Atlantikinsel ist auf 120 km/h beschränkt, und mehr als ein kurzer Spurt auf gut 160 schien zu riskant. 



Weitere Maßnahmen zum Erreichen des Ziels tadelloser Stabilität auch bei hohem Tempo mit beladenen Koffern sind ein veränderter Lenkkopfwinkel und ein vergrößerter Nachlauf des Vorderrades. Die deshalb unumgängliche Änderung der Fahrwerksabstimmung behagt uns, das präzisere Einlenkverhalten gefällt ebenfalls. Fiel es bei der 1200er Multi noch relativ schwer, in Schräglage Kurskorrekturen vorzunehmen, so benimmt sich die neue 1260er auch in diesem Punkt weitaus kulanter.

Unverändert aufwändig ist die Ausstattung der 235 Kilogramm wiegenden Multistrada 1260 S mit elektronischen Assistenzsystemen: Kurven-ABS, elektronische Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, vier Fahrmodi – alles ist an Bord, alles funktioniert tadellos. Dass man angesichts des Preises Voll-LED-Beleuchtung samt adaptivem Kurvenlicht, neuerdings eine automatische Blinkerrückstellung, Tempomat, Berganfahrhilfe und manches mehr geliefert bekommt, ist nur recht und billig. Schön wäre freilich, wenn der Tankdeckel ins Keyless-System integriert wäre; wer diesen Komfort auch noch will, muss zuzahlen.

Absolut gelungen sind Fahrkomfort und Ergonomie: Die Sitzposition ist entspannt, Schalter und Hebel am Lenker finden sich fast intuitiv, die wichtigsten sind sogar hinterleuchtet. Deutlich verbessert präsentiert sich die Menüstruktur des umfangreichen Bordcomputers, der ins gut ablesbare TFT-Display integriert ist. Dem einhändig leicht verstellbaren Windschild gebührt die Note gut, der Sitz-Höhenverstellung um zwei Zentimeter nur ein befriedigend, weil dafür Werkzeug benötigt wird. Geringfügig unterhalb des maximal möglichen bleibt die Multistrada bei der Fahrwerkseinstellung: Statt einer vollautomatischen Einstellung der Feder-Vorspannung bedarf es des Knöpfchendrückens – wir können damit gut leben. 



Denn auch wenn die Multistrada 1260 S eine neue Modellbezeichnung trägt, so ist sie doch keine rundum neue Modellgeneration, sondern eine Weiterentwicklung. Die Integration eines Automatiksystems zur Anpassung der Federvorspannung hätte im Rahmen des Updates einen unverantwortlichen Aufwand bedeutet, ist von den Entwicklern aus Bologna zu hören. Bereits Ende Dezember werden die Händler beliefert, so dass Kundenwünsche bereits ab Januar erfüllt werden können. 

Fazit Ducati Multistrada 1260 S

Die Situation bei den großvolumigen Reiseenduros ist mit Präsentation der neuesten Multistrada-Generation noch interessanter geworden: Die BMW R 1200 GS, die KTM 1290 Super Adventure und die Duc bilden zusammen ein gewaltiges Triumvirat, gegen das Marken wie Yamaha, Honda und selbst Triumph mit der für 2018 deutlich verbesserten Tiger 1200 es sehr schwer haben. Unter allen Reiseenduros ist die Multi die einzige mit 17 Zoll-Vorderrad, was ihren Offroad-Fahreigenschaften trotz eines entsprechenden Fahrprogramms natürlich nicht förderlich ist. Für Leute, die höhere als Feldweg-Ansprüche an die Multi stellen, gibt es die Enduro-Version. Die 1260er ist im Grunde eine besonders komfortable Reisemaschine, extrem kräftig motorisiert und als S-Version auch sehr gut ausgestattet. Dass Ducati sich das bezahlen lässt, ist nicht verwunderlich.
 

TECHNISCHE DATEN Ducati Multistrada 1260

Preis Multistrada 1260 S: 19.390 Euro
Preis Testmotorrad: 20.659 Euro

Motor: L-2-Zylinder 4-Takt-Motor, Flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile pro Zylinder
Hubraum: 1.262 ccm
Leistung: 158 PS (116,2 kW) bei 9.500/min
max. Drehmoment: 129,5 Nm bei 7.500/min
Bohrung x Hub: 106 x 71,5 mm
Verdichtung: 13 : 1
Gemischaufbereitung: elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad, hydraulisch betätigt
Anzahl Gänge: Sechsganggetriebe
Endantrieb: Kette
Rahmen: Stahl-Gitterrohrrahmen
Federung vorne: Sachs 48mm Upside-Down-Gabel, semiaktiv elektronisch geregelt
Federung hinten: Sachs Zentralfederbein, semiaktiv elektronisch geregelt
Federweg vo/hi: 170 mm
Reifen vorne: 120/70 R17
Reifen hinten: 190/55 R17
Bremse vorne: Doppelscheibenbremse 330 mm, radial montierte Vierkolben-Bremssättel
Bremse hinten: Scheibenbremse 265 mm, Doppelkolben-Bremssattel
Sitzhöhe: 825/845 mm
Radstand: 1.585 mm
Nachlauf: 111 mm
Trockengewicht: 212 kg
Leergewicht: 235 kg
Tankinhalt: 20 Liter
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Stand:22 February 2018 13:39:45/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/ducati+multistrada+1260+s+-+fahrbericht_171215.html