Fahrbericht Honda CB 650 F - Spanish Love

31.08.2017  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Werk
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Fahrbericht Honda CB 650 F - Spanish Love
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Drehzahlorgeln mit vier Töpfen, jeder davon kleiner als ein Kölsch: Für mich ist das nicht verknüpft mit dem Fräsen von Landstraßen. Doch Hondas neue CB 650 F belehrt mich eines Besseren
So können sich Ansichten ändern. Bisher ging ich mit hubraumverwöhnter Arroganz und genussgeschuldeter Körperfülle an Vertretern der 650er-Klasse gerne und schnell vorbei, nun aber ist der Präsentationszwang schuld am Überklettern aller Hindernisse und resultiert in deren Pulverisierung. Die Abrissbirne für meine Vorurteile ist heißt Honda CB 650 F. Und ich bin begeistert von der Einfachheit und Freiheit, die sie dem bietet, der bereit ist danach zu greifen.

Für 2017 wurde die zuletzt optisch überfrachtete CB verschlankt, von überflüssigem Plastik befreit und per neuer Lampenmaske mit LED-Licht besser proportioniert. Durch dickere Krümmer und neues Mapping wächst die Höchstleistung von 87 auf staatliche 91 Pferde, die bei 11 000 Touren im vollen Galopp liegen. Und durch die kürzeren Gänge eins bis fünf ziehen 64 Nm bei 8 000/min flott durch – auch wenn unter 6 000 Touren nur wenig Wind im Segel drückt. Mit ihrer Motorleistung steht die Honda deutlich über 650ern der Konkurrenz wie Kawas Z 650 oder Yamahas MT-07, die mit satten 20 beziehungsweise 16 PS weniger antreten. ­



Gegenargumente? Der 1.410-Euro-Aufpreis gegenüber den 6.995 Euro der beiden Konkurrenten und ein sattes Fettpolster: 26 Kilos trennen die CB von der Yamaha, 21 von der Kawa. Erhebliche Unterschiede also in dieser Hubraumklasse. Das Plus an Leistung wirft der dreh­freudige Vierzylinder in die Honda-Waag­schale, das Plus an Masse der Stahlprofil­rahmen. Die Klassenkameraden punkten hier mit leichten Rohr- oder Alurahmen – und mit richtig antrittsstarken Reihen-Twins.  Ist das Rennen da nicht schon vor dem Start verloren? Und: Woraus zieht der ­Chronist dann um Himmels Willen seine ­Begeisterung? 

Sie kommt vom sehr reifen Auftreten der Honda, es wirkt alles sehr erwachsen an ihr und so lädt sie Einsteiger wie Klassenaufsteiger mit offenen Armen ein. Weit weg vom Spielzeugcharakter der anderen 650er. Ein Motorrad zum Glücklichwerden. Selbst mit 187 Zentimetern Körperlänge findet sich eine angenehme, ausdauernde Sitzposition, die auch zum flotten Ritt ohne Einbußen taugt. Auch bin ich von guten Fahrwerken einfach zu begeistern und bei der CB ist das erfreulich harmonisch und gut abgestimmt. Die Dämpfungen zur Druck- und Zugstufe sind passend getroffen und bieten auch Komfort.



Maßgeblichen Anteil daran hat die neue Showagabel mit ihrer Dual-Bending-Valve-Technik. Dabei sind die Ventile für Zugstufe und Druckstufe getrennt voneinander. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Gabeln, bei denen das Öl bei den Hubbewegungen nur durch ein Ventil für beide Dämpfungen gedrückt wird. Showa kann mit der DBV-Technik feiner arbeiten, da beide Dämpfungen unabhängig abgestimmt sein können. Mit Erfolg: die Gabel arbeitet auf deutlich höherem Niveau als die Konkurrenz. Simple Technik clever genutzt.

Kommen wir zu dem Gefühl der Freiheit, das die neue CB 650 F stets vermittelt. Die freiheitsliebenden Katalanen haben die bergigen Regionen um Barcelona ebenso gestaltet: Weite Straßen mit sauengen Etappen auf EU-finanziertem Asphalt allerhöchster Qualität und das alles keine zehn Minten ausserhalb der Millionenstadt Barcelona. Als Bonus: kaum vierrädriges Störfeuer oder gar eine blauleuchtende Überpräsenz. Wer hier kein motoreskes Glück erfährt, dem ist nicht mehr zu helfen. Hier fühlt die Honda sich sehr wohl, läuft die schnellen Sprints mit hoher Stabilität, klappt auch in sich hinterhältig zuziehende Kehren noch locker weiter in Schräglage und stürmt aus den Kehren hinaus – den richtigen Gang vorausgesetzt. Größtes Vergnügen bereitet es, den kleinen Vierender in den verwinkelten Ecken, absinkenden Kehren und flotten Passagen bis zur Spitze bei 11.000 Touren auszuquetschen. Fast langweilig perfekt und kräftig dreht der Motor hoch und läuft selbst bei hohen Drehzahlen ohne Vibrationen. 



Ja, die Honda CB 650 F begeistert. Der drehfreudige Motor ist eine Bank, das darum gestrickte Moped ist erwachsen und von hondascher Qualität. Das vielgesungene »Mehr Moped braucht man nicht« trifft bei der CB 650 F gänzlich zu, sie taugt für die Stadt, das Bummeln und den flotten Lauf. Einfach ein gutes Motorrad.
 

Technische Daten Honda CB 650 F

Basispreis: 8.105 Euro

Leistung: 91 PS bei 11 000/min
Drehmoment: 64 Nm bei 8 000/min

Motor: Viertakt-Vierzylinder-Reihen-motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum: 649 ccm
Bohrung x Hub: 67 x 46 mm
Anzahl Gänge: Sechsgang
Sekundärantrieb: Kette

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahl
Federung vorn: Telegabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 120 mm
Federung hinten: Aluschwinge mit Zentralfederbein, Federweg 128 mm
Radstand: 1 450 mm
Lenkkopfwinkel: 64,5°
Nachlauf: 101 mm
Bremse vorne: 320-mm-Doppel-Scheibenbremse
Bremse hinten: 255-mm-Scheibenbremse
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55R17 hinten

Gewicht vollgetankt: 208 kg
Tankinhalt: 17,3 Liter
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Stand:14 December 2017 07:27:19/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+honda+cb+650+f+-+spanish+love_17829.html