Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version

29.08.2017  |  Text: Till Kohlmey  |   Bilder: Volker Rost
Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version
Fahrbericht Kawasaki Versys-X 300 - Basis-Version
Alle Bilder »
»Jede Straße, jederzeit« lautet der Slogan der Versys-Familie. Mit der kleinen X-300 sollen nun vermehrt Einsteiger auf den Tausendsassa von Kawa gelockt werden
Die deutsche Kawa-Zentrale war sich anfänglich gar nicht so sicher, ob sie die kleine Versys hierzulande überhaupt an den Start bringen sollen. Aber nun kommt sie doch und das ist gut so, denn sie dürfte nicht nur bei Einsteigern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was in erster Linie auf die recht einzigartige Kraftentfaltung – sofern man davon überhaupt sprechen kann – zurückzuführen ist. Der Zweizylinder-Viertakter erreicht nämlich seine maximale Leistung von 40 PS bei 11 500 Touren, was in Kombination mit den 26 Newtonmetern, die kurz zuvor bei 10 000/min das Drehmomentmaximum darstellen,  für eine ordentlich spitze Leistungscharakteristik spricht.

Man fühlt sich beim ersten Ausritt mit der Mini-Versys auch ein wenig in die Zeit zurückgebeamt, als drehzahlgierige Zweitakter auf den Straßen noch omnipräsent waren. Mit schleifender Kupplung, maximal geöffnetem Gasgriff und hohen Drehzahlen geht es daher durch den heimeligen Taunus, der diese Art von Radau gar nicht mehr gewöhnt ist. Die leichtgängige Kupplung und das exakt schaltbare Sechsganggetriebe sorgen dafür, dass die Anschlüsse passen. Wer hier die Drehzahl unter 6000 Touren fallen lässt, verliert schnell den Anschluss. Nach oben raus setzt der Begrenzer bei hohen 13 000/min dem Vortrieb gnadenlos ein Ende. Der sechste Gang soll zwar gegenüber den alten Z-300-Modellen etwas verlängert worden sein, ein echter Overdrive ist daraus aber immer noch nicht geworden.



Die bei diesen hohen Drehzahlen unweigerlich vorhandenen Vibrationen haben die Techniker durch Gummilager am Lenker und Ausgleichsgewichte an den Fußrasten gut in den Griff bekommen. Mit tollkühnen Drehzahlen nimmt die Versys-X jede Kurvenkombination recht lässig in Angriff, bietet über den breiten Lenker ein zielgenaues Einlenk-verhalten und rennt auch erstaunlich stabil ums Eck. Ein wenig Vertrauen muss man allerdings in die serienmäßig montierte Pseudo-Enduro-Bereifung von IRC haben, die bei den mauen Temperaturen hier oben nicht so recht warm werden möchte.

Wir nehmen also ein wenig das Gas raus und lernen das Gesamtkonzept zu schätzen. Während der Motor vermeintlich zum Heizen animiert, ist das Fahrwerk deutlich aufrechter und entspannter unterwegs. Die relaxte Sitzposition ergibt sich quasi schon aus der Radwahl mit 19-Zoll-Vorder- und 17-Zoll-Hinterrad, den langen Federwegen und dem breiten Enduro-Lenker, der sich dem Fahrer weit entgegenstreckt. Indizien für einen multikulturellen Einsatzzweck, der auch vor langen Touren und einigen Offroad-Einsätzen nicht zurückschreckt. Dafür sprechen auch die ordentliche Verkleidung mit dem großzügig dimensionierten Windschild sowie die optional erhältlichen Anbauteile wie Handschützer, Hauptständer und Gepäcksystem, das am Heck der Versys Platz nehmen kann.



In Kombination mit dem großen 17-Liter-Tank sagt der Hersteller sogar Reichweiten jenseits der 400 Kilometer voraus, was bei einem Durchschnittsverbrauch knapp über vier Liter durchaus realistisch erscheint. Dagegen spricht nur  die etwas zu straff gepolsterte Sitzbank, die standardmäßig mit 845 Millimeter Sitzhöhe aufwartet, aber auch die Option auf niedrige 820 Millimeter bietet. 

Gegenüber den großen Versys-Modellen ist auch eine erstaunlich hohe Offroad-Kompetenz vorhanden, was natürlich in erster Linie auf das große 19-Zoll-Vorderrad, das geringe Gewicht (175 kg) und die großzügige Bodenfreiheit (180 mm) zurückzuführen ist. Robuste Speichenräder mit Alu-Felgen und ein nicht zu knapp über dem Vorderrad montierter Frontkotflügel zeigen auf, dass der Hersteller es mit dem Multipurpose-Einsatz der Versys auch durchaus ernst meint. Einzig der nicht vorhandene Motorschutz dürfte für so einige unschöne Macken an den fein verlegten Krümmern der Auspuffanlage sorgen.  

Die Verzögerung übernehmen wie gehabt Nissin-Doppelkolben-Schwimmsättel im Vorder- und Hinterrad, die  hier mit einem leichten ABS von Bosch kombiniert werden. Die Bremse benötigt allerdings erstaunlich hohe Handkräfte, um ordentlich zu verzögern, was durchaus noch auf die geringe Laufleistung des Testmotorrades zurückzuführen ist. Das ABS selbst arbeitet hingegen recht grobschlächtig mit vergleichsweise langatmigen Regelintervallen, was auf eine mangelnde Feinabstimmung mit dem großen 19-Zoll-Vorderrad hinweist. 

Trotz der vergleichsweise langen Federwege (130 mm vorn und 148 mm hinten) ist die Versys keine Sänfte. Die 41er-Gabel vorn und das angelenkte Zentralfederbein hinten sprechen auf Bodenunebenheiten etwas knochig an, sorgen im Gegenzug aber für hohe Stabilität durch ihre recht straffe Auslegung.  



Ausstattungsmäßig kann man der kleinen Dreihunderter auch nicht viel vorwerfen: Das Cockpit sieht aus wie bei den Großen, die Verkleidung inklusive Windschild hat absolutes Mittelkasse-Format und ein Träger am Heck nimmt wahlweise Topcase oder Gepäckrolle locker auf. Nur der etwas zu kurz geratene Seitenständer macht den nachträglichen Anbau eines  Hauptständers unentbehrlich. Wer noch mehr will, kann beim freundlichen Kawa-Händler auf die Modellvarianten »Urban« (6.250 Euro) und »Adventure« (6.695 Euro) zurückgreifen. 
 

TECHNISCHE DATEN Kawasaki Versys-X 300

Basispreis: 5.795 Euro

Leistung: 40 PS (29,3 kW) bei 11 500/min

max. Drehmoment: 26 Nm bei 10 000/min

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 296 ccm, Bohrung x Hub 62,0 x 49 mm, Nass-Sumpfschmierung, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk: Zentralrohrrahmen aus Stahl, Telegabel vorn Ø 41 mm, nicht einstellbar, Stahlschwinge mit angelenktem Zentralfederbein hinten, Federbasis einstellbar, Federweg v./h.: 130/148 mm, Einzelscheibenbremsen vorn Ø 290 mm mit Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten Ø 220 mm mit Doppelkolben-Schwimmsattel, Reifen v. 100/90-19, hi. 130/80-17, IRC  Trial Winner GP-210

Abmessungen und GewichtE: Radstand 1450 mm, Gewicht fahrfertig 175 kg, Sitzhöhe 845 mm, Bodenfreiheit 180 mm, Tankinhalt 17 Liter
Szeneshop-Angebote
Szeneshop-Angebote
Weitere Kawasaki Artikel
Weitere Reiseenduro Artikel
Stand:25 November 2017 06:37:58/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+kawasaki+versys-x+300+-+basis-version_178.html