Fahrbericht Triumph Tiger 800 – Geländekatze mit sanften Pfoten

14.02.2018  |  Text: Matthias Hirsch  |   Bilder: Hersteller
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Fahrbericht Triumph Tiger 800 – Geländekatze mit sanften Pfoten
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Die Tiger 800 hat uns, speziell in der XC-Variante, schon immer gut gefallen. Jetzt hat Triumph die 800er überarbeitet und modernisiert. Wir sind die Top-Variante XCa in der wunderschönen Gegend am Fuße des Atlasgebirges in Marokko ausführlich zu fahren.
Triumph hat seine Abenteuer-Mittelklasse überarbeitet. Wobei - was bedeutet hier Mittelklasse. Die Tiger 800 leistet immerhin 95 PS, damit gehörte man vor nicht allzu langer Zeit bei den Reiseenduros noch zur Oberklasse. Und ältere Semester werden sich erinnern: Es gab da auch eine freiwillige Leistungsbeschränkung der Industrie auf 98 PS. Und heute ist ein Moped mit 95 Pferden Mittelklasse – man muss die Schubladen halt nehmen, wie sie sind. Wer mit dieser Schublade Begriffe wie „Verzicht“ oder „Beschränkung“ verbindet, ist absolut auf dem Holzweg. Die heutige Mittelklasse hat das Zeug der sogenannten Oberklasse die lange Nase zu zeigen. Bestes Beispiel: die Tiger 800.



Die gibt es weiterhin in zwei unterschiedlichen Versionen und bis zu drei unterschiedlichen Ausstattungen. Die XR-Modelle haben ein 19-Zoll-Vorderrad, Gussräder und zielen vor allem auf den Einsatz auf befestigten Straßen, nehmen bei Bedarf auch mal Feld- und Schotterwege unter die Räder. Das XC steht bei der Tiger für noch mehr Betonung auf die Abenteuerfähigkeit der 800er. Entsprechend sind die XC-Modelle mit einem schmalen 21-Zoll-Vorderrad und längeren Federwegen für den Einsatz jenseits des öffentlichen Straßennetzes bestens gerüstet. Der Lenker ist zudem höher montiert (30 mm) und 25 Millimeter breiter als bei den XR-Modellen. Durch die längeren Federwege ergibt sich eine höhere Sitzposition: 840/860 Millimeter bei der XC gegenüber 810/830 Millimetern der XR. Die Zahlen verraten es: Beide Varianten bieten eine (übrigens mit wenigen Handgriffen) verstellbare Sitzbank.

Ausstattungsseitig gibt es die Tiger 800 in einer Basis- sowie einer mittleren und hohen Ausstattung. XR ist die Basis, XRx die mittlere und XRt die Topvariante. Bei den XC-Modellen geht es erst bei der mittleren los, also gibt es die XCx und das Spitzenmodell XCa. Die Basisvariante ist knapp kalkuliert und bietet mit ABS, Traktionskontrolle und verstellbarer Sitzhöhe mit 10.700 Euro den Einstieg. Die mittlere Variante XRx bietet da deutlich mehr: farbiger 5-Zoll-TFT-Bildschirm, LED-Tagfahrlicht, erweiterte Bedienelemente, vier Fahrmodi Straße, Regen, Off-Road und Sport, Tempomat, Handprotektoren, verstellbarer Windschild sowie Brembo-Stopper und komplett einstellbares Showa-Fahrwerk. Im Fall der XCx kommen noch Motorschutzbügel, Motor- und Kühlerschutz sowie ein WP-Fahrwerk und der Fahrmodus Off-Road Pro dazu. Die Spitzenmodelle XRt und XCa haben komplette LED-Lichttechnik, Hauptständer, Heizgriffe, Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer sowie den individuell einstellbaren Fahrmodus „Rider“.



Nicht ganz einfach den Varianten- und Ausstattungsdschungel der Tiger 800 zu durchschauen. Preislich geht es mit 10.700 Euro bei der Tiger 800 XR los, die XRx kostet 12.350 Euro, die XRt 14.050 Euro. Die Geländevariante beginnt mit der XCx bei 13.150 Euro, mit 14.550 Euro ist die XCa die teuerste Version. Hier sei ein Blick zur ebenfalls neuen BMW F 850 GS gestattet. Die kostet in der Basis zwar einen glatten 1000er mehr, voll ausgestattet ergibt sich mit 14.530 Euro aber fast der gleiche Preis wir bei der Tiger 800 XCa. Allerdings hat die BMW mit Kurven-ABS, semiaktivem Fahrwerk und Schaltassistent ein Plus an Technik, die Triumph aktuell für die Tiger 800 nicht anbietet.

Daten, Fakten und Preise – alles Schall und Rauch, als wir vor unserem Testmotorrad in Marokko stehen. Die neue Tiger 800 sieht speziell in der Topvariante XCa verdammt schick aus. Auf den ersten Blick als Tiger zu erkennen, allerdings in einer frischeren, knackigeren Version. Verarbeitung und Finish sind auf einem hohen Niveau, die Triumph macht einen sehr ausgereiften und wertigen Eindruck. An der Front glänzen die frisch gelifteten LED-Augen mit Tagfahrlicht, Anbauteile wie Zusatzscheinwerfer, Motorschutzbügel sowie Kühler- und Motorschutz fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild. Das farbige TFT-Display lässt sich hervorragend ablesen und bietet bei der XCa insgesamt sechs unterschiedliche Anzeigeversionen. Jede davon wahlweise (oder auch automatisch) mit hellem oder dunklem Hintergrund. Der erste Blick auf die Vielzahl von Knöpfen und Schaltern am linken Lenkerende mag verwirren, tatsächlich ist die Bedienung weitgehend eingängig. Wem Schalter und Instrumente bekannt vorkommen, die sind nahezu identisch mit denen der Tiger 1200. Zentrales Element der Bedieneinheit ist ein kleiner Joystick, der unterhalb des Blinkers zu finden ist. Anfangs blinkt man das ein oder andere Mal statt das Menu zu steuern, nach kurzer Zeit findet sich der richtige Schalter intuitiv.



Einfache Bedienbarkeit stand auch bei dem verstellbaren Windschild ganz oben auf der Liste der Entwickler. Einhändig und ohne Werkzeug sollte es in fünf Stufen variabel einstellbar sein. Zuerst wirkt es, als sei der Schild fest montiert. Allerdings sitzen die Schrauben auf einer Feder, die sich aus Sicht des Fahrers nach vorn drücken lässt. Damit schiebt sich der Schild aus seiner Arretierung und lässt sich problemlos in die gewünschte Position bringen. Zusammen mit den seitlich fest montierten, transparenten kleinen Schilden ergibt sich ein sehr guter Windschutz. In Kombination mit den Handprotektoren kann man auch bei einstelligen Temperaturen auf die wirksame Griffheizung verzichten.

Die Ergonomie der Tiger 800 XCa ist gut gelungen, sie passt sowohl für Menschen mit Gardemaß und mehr als auch für die, die deutlich darunter liegen. Die schmale Taille der Tiger nimmt den minimum 840 Millimetern Sitzhöhe den Schrecken und sorgt für recht sicheren Stand. Die Sitzbank ist straff gepolstert und doch komfortabel, der Kniewinkel auch in der unteren Einstellung des Sitzmöbels entspannt. Die aufrechte Sitzposition ist angenehm und sorgt für eine gute Übersicht. Der breite Lenker liegt sehr gut in der Hand, die Spiegel zeigen tatsächlich, was sich hinter einem so tut, und nicht nur die eigenen Schultern und Oberarme.



Einen wesentlichen Anteil zum Wohlfühlfaktor steuert natürlich der Reihendreizylinder bei. Die Leistung bleibt mit 95 PS identisch, ebenso das Drehmoment von 79 Nm. Noch immer ist die Leistungsabgabe sehr linear, aber die Tiger 800 fühlt sich insgesamt etwas spritziger an. Schon im Drehzahlkeller nimmt der Drilling sauber Gas an, drückt kräftig in der Mitte und zeigt sich oben raus drehfreudig. Selbst im Sportmodus geht die Tiger 800 sauber ans Gas, die Leistung lässt sich wunderbar dosieren. Dazu faucht die Katze aufgrund der neuen Abgasanlage gut vernehmbar, dennoch sind die Manieren trotz der ungeraden Zylinderzahl insgesamt hervorragend. Auch das Getriebe arbeitet mustergültig, ein kurzer Impuls genügt und die Gänge flutschen wie von selbst – ganz ohne störende Begleitmusik. Gerade wenn man flott unterwegs ist, vermisst man schon ein wenig einen Schaltassistenten. Dann ließ es sich ganz ohne Kupplung und Gaswegnahme noch flotter durch das Getriebe steppen.

Wenn jetzt das Fahrwerk noch passt, kann eigentlich nix mehr schiefgehen. Und nein, es geht absolut nichts mehr schief. Im Fall der Tiger 800 XCa arbeitet voll einstellbare WP-Ware an Front und Heck. Und die macht ihre Arbeit wirklich gut. Bereits im Basis-Setup zeigt die Triumph sauberes Ansprechverhalten und findet die richtige Mischung aus Komfort und notwendiger Straffheit. Wer mehr in die ein oder andere Richtung tendiert, findet mit Sicherheit die passende Einstellung für sich. Das schmale Vorderrad und der breite Lenker sorgen für einfaches Handling, die gute Lenkpräzision des 21-Zöllers in Verbindung mit den langen Federwegen überraschte. Vor allem weil die ebenfalls gefahrene XR-Variante in diesem Fall etwas enttäuschte.



Wo die XCa präzise einlenkte und sauber ihre Linie zog, verlangte die XR ein aufmerksameres Händchen und wollte der eingeschlagenen Richtung nicht ganz so sauber folgen. Die im Grunde eher für den Offroad-Einsatz optimierte Tiger zeigt der Straßenvariante auf Asphalt die Krallen. So sind wir mit der XCa wirklich flott unterwegs, trotz des teilweise dürftigen Straßenzustands. Aber die üppigen Federwege nehmen den Bodenwellen und Schlaglöchern den Schrecken, der Drilling schiebt in allen Lagen. Bei schnellen Passagen zeigt sich die hochbeinige Triumph bis in tiefe Schräglagen stabil, schnelle Wechselkurven meistert sie problemlos. Aber auch winklige Strecken nimmt sie mustergültig. In engen Kehren sorgt der breite Lenker für gute Unterstützung, das flinke Handling sorgt für viel Fahrspaß. Dazu passen die sehr guten Bremsen mit gutem Druckpunkt und zuverlässiger Bremsleistung.

Insgesamt begeistert die neue Tiger 800 XCa, im Fall des Autors weckt sie sogar echte Haben-will-Gelüste. Wir sind schon jetzt auf den ewigen Schlagabtausch zwischen Tiger 800 und F 850 GS gespannt. Denn so gut die Triumph auch funktioniert, technisch haben die Engländer die Chance verpasst zu BMW aufzuschließen. Und zumindest im Quartett und am Stammtisch ist das ein kräftiges Argument.
 

Fazit Tiger 800 XCa

Operation gelungen – Patient noch besser. Die Tiger 800 XCa sieht gut aus, hat einen potenten Antrieb und fährt auch noch gut. Die Empfehlung innerhalb der 800er-Familie geht ganz klar in Richtung XC und aufgrund der kompletten Ausstattung gleich zur XCa. Der Geländegänger glänzt auf der Straße mit guter Lenkpräzision und Komfort, geht aber auch richtig flott um die Ecken. Und wer möchte, findet sein Glück auch abseits befestigter Straßen. Auch wenn es abgedroschen klingt: Mehr Motorrad braucht wirklich kein Mensch. Allerdings ist der Preis von 14.550 Euro recht hoch, zumal die Konkurrenz aus Süddeutschland technisch mehr zu bieten hat.

Fahrerausstattung
  • Helm: Icon Variant
  • Jacke und Hose: Rukka Energater
 

TECHNISCHE DATEN Triumph Tiger 800 XR / XC

Preise
Tiger 800 XR: 10.700 Euro
Tiger 800 XRx: 12.350 Euro
Tiger 800 XRt: 14.050 Euro
Tiger 800 XCx: 13.150 Euro
Tiger 800 XCa: 14.550 Euro

Motor: Wassergekühlter Dreizylinder-Viertaktreihenmotor, vier Ventile pro Zylinder
Hubraum: 800 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW) bei 9500/min
max. Drehmoment: 79 Nm bei 8050/min
Bohrung x Hub: 74,05 x 61,9 mm
Verdichtung: 11,3 : 1
Gemischaufbereitung: elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad
Anzahl Gänge: Sechsganggetriebe
Endantrieb: Kette
Rahmen: Stahl-Brückenrahmen
Federung vorne: Upside-Down-Gabel 43 mm
Federung hinten: Zentralfederbein
Federweg vorne: 180 mm / 220 mm
Federweg hinten: 170 mm / 215 mm
Reifen vorne: 100/90-19 / 90/90-21
Reifen hinten: 150/70 R17
Bremse vorne: Doppelscheibenbremse 305 mm
Bremse hinten: Einscheibenbremse 255 mm
Länge: 2215 mm
Höhe: 1350 mm / 1390 MM
Sitzhöhe: 810 - 830 mm / 840 - 860 mm
Radstand: 1530 mm / 1454 mm
Nachlauf: 86,6 mm / 93,5 mm
Tockengewicht: 199 kg / 205 kg
Tankinhalt: 19 Liter
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Stand:25 April 2018 18:01:56/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+triumph+tiger+800+xc+-+gelaendekatze+mit+sanften+pfoten_18213.html