Fahrbericht Yamaha MT-09 SP

12.02.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Yamaha
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Fahrbericht Yamaha MT-09 SP
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Trotz des Megaerfolgs der MT-09 trug sie immer einen dunklen Fleck auf ihrer weißen Weste. Das Fahrwerk konnte nie an die Qualitäten des formidablen Reihendreiers reichen. Jetzt bessert Yamaha mit der SP in Sachen Fahrwerk nach. Jens ist die MT-09 SP gefahren.
Warum man knapp vier Jahre gebraucht hat, um dem Topseller MT-09 ein vernünftiges Fahrwerk zu geben, bleibt von Yamaha unkommentiert. Nur ein Nebensatz fällt dazu: Die SP soll als gute Alternative für europäische Marken dienen. Für mich klingt das eher nach: Na ja, die gesamten Mitbewerber bauen in ihre sportliche Mittelklasse eben gleich funktionierende Fahrwerke ein. Beispiele: Triumph Street Triple, Ducati Monster 821, vielleicht noch die F800R von BMW und natürlich die erstarkte japanische Konkurrenz mit der Z900 als Speerspitze. Wie so oft geht Yamaha aber einen anderen Weg. Einfach einen neuen Dämpfer einbauen und als Update bringen, wäre fast unfair den bestehenden 38000 MT-Wackeleimer-Fahrern gegenüber und trüge eben nicht bei, neue Marktanteile zu erschließen. Also haut Yamaha ordentlich auf die Kacke.



Hallo, MT-09 SP: Öhlins-Dämpfer im Heck und neue Kayaba-Gabel in der Front. Beides voll einstellbar, die Druckstufe der Gabel sogar mit einer Low- und Highspeed-Einstellung. SP steht bei Yamaha für SPecial, sieht aber eher nach SPort aus. Und gefällt schon im Stehen. Beim ersten Probesitzen sackt die MT nicht mehr bis auf den Boden ein, sondern hält die Höhe.  Vielversprechend für die kommenden 220 Kilometer im Süden Portugals, garniert mit besten Kurven.

Auf den ersten Kilometern durch die Stadt und den dorfreichen Speckgürtel Faros braucht der Hintern aber Nehmerqualitäten. Der Nachteil einer straffen Abstimmung ist bei touristischer Fahrweise eben mangelnder Komfort. So ein Fahrwerk braucht Tempo, braucht Kurven und das bekommen wir. Keine zwanzig Kilometer hinter der Stadt geht’s ordentlich rund. Das oft gesungene Hohelied der Asphaltachterbahn bekommt hier eine neue Strophe: Ruckzuck habe ich die Orientierung verloren, der Guide gibt guten Speed vor und es reiht sich Kehre an Kehre. Perfekt für dieses Fahrwerk.



Nicht so perfekt für den Serienreifen: Bridgestones S20. Schon auf der Standard-09er weiß er zwar mit guten Allroundfähigkeiten und Neutralität zu punkten, er kippelt aber gern in tiefe Schräglagen rein, was im weichen Standardfahrwerk aber erst spät auffällt. Doch als Teil des scharfen Setups der SP ist der S20 fehl am Platz. Selbst weichgeknetet vom rauen Asphalt, bleibt er die Schwachstelle der MT-09 SP. Werden die Schräglagen höher und steigen die Kurvengeschwindigkeiten, kommt der Bridgestone zu schnell an seine Grenzen und schmiert im Extremfall leicht über die Front. Zudem sieht das hintere Gummi nach knapp 60 Kilometern im flotten Straßenmodus aus, als hätte es gerade zehn Runden Husarenritt am Hockenheimring hinter sich. Erster Eindruck: Fahrwerk top, Reifen Flop.

Ein Glück ist so ein Gummi schnell gewechselt und dann steht SP nur noch für SPaß. Bleibt noch Zeit, das Fahrwerk den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Besonders die Vorspannungen brauchen Zuwendung. Beim Öhlins-Dämpfer geht das bequem per Handrad und bietet einen weiten Raum zur Einstellung, auch wenn sich erst am oberen Ende eine merkliche Veränderung für starkhüftige Fahrer einstellt. Bei der Kayaba-Gabel braucht es einen 14er-Schlüssel und eine Plastiktüte, um die orange Eloxalschicht am Einsteller nicht zu beschädigen. Überraschenderweise ist die Vorspannung vorn fast offen, aber nicht zu wenig. Also ist noch viel Platz für eine individuelle Einstellung der progressiven Federn.



Passt die Vorspannung für den flotten Landstraßenritt, brauchen die Dämpfungen ein wenig Betreuung. Wieder fängt das Öhlins an. Am ebenfalls externen Ausgleichsbehälter kann die Druckstufe verändert werden, die Zugstufe am Dämpfer selbst. Auf den oft holprigen Straßen darf gerne beides leicht geöffnet werden. So kommt etwas Sahne ins Heck. Interessante Randnotiz: Die SP hat eine knapp dreimal so starke Dämpfung im Heck wie die Standard-MT.

In der Front wartet die Druckstufe sogar mit einer Low-High-Speed-Verstellung auf. Lowspeed regelt langsame Einfedergeschwindigkeiten – beispielsweise in langen Senken oder beim Bremsen, Highspeed entsprechend schnelle Stöße und dient bei Schlaglöchern auch als Durchschlagschutz.  Ich öffne nur die High-Speed-Dämpfung leicht, da die MT über kurze Wellen etwas uncharmant stolpert. Und auch die Zugstufe öffne ich ganz wenig. Jetzt passt es erstmal mit mir und der Yamaha.

Über den weiterhin fulminant aufspielenden 847-Kubik-Triple mit kräftigen 115 PS und 88 Nm muss im Grunde nichts weiter gesagt werden, außer: Er ist weiterhin der beste Landstraßenmotor, den es aktuell zu kaufen gibt. Der kann einfach alles. Unten drücken, oben ballern. Neu hingegen: Die immense Kraft des Triebwerks lupft über das straffe Heck das Vorderrad bei jedem Beschleunigen, man wünscht sich einen Lenkungsdämpfer. Auch würde der SP ein Blipper hervorragend stehen. Aber dazu ist ja noch Zeit, nur bitte keine weiteren vier Jahre. Obrigado, Yamaha.



1.200 Euro Aufpreis zur Standard-MT sind für die SP zu berappen. Bei Öhlins kostet das YA535-Federbein 1.195 Euro. Klingt nach Kuhhandel, aber: Die SP trumpft eben auch mit ihrer neuen, deutlich besseren Gabel auf, die man quasi geschenkt bekommt. Weiterhin gibt’s für 10.195Euro noch die exklusive Lackierung on top. Vor dem Hintergrund, dass die meisten MT-09-Fahrer ohnehin das Federbein tauschen, also ein gutes Angebot.

Fazit MT-09 SP

Was viele seit Jahren in der MT-09 vermissen, wurde der SP gegeben: Dämpfung, Stabilität und Präzision. Die Kombination aus Öhlins und Kayaba macht in Sachen Fahrwerk nahezu wunschlos glücklich. Endlich passen Motor und Fahrwerk zusammen. Topseller in Topform zu einem Toppreis. Einzig der in dieser Kombination schwache Serienreifen braucht jetzt ein Update.

Fahrerausstattung
Helm Shark Race R-Pro, Kombi Spidi Track Touring Suit, Handschuhe Spidi Carbon 4, Schuhe Modeka SpeedTech
 

Technische Daten Yamaha MT-09 SP

Preis: 10.195 Euro in Silver Blue Carbon
Leistung: 115 PS bei 10 000/min
Drehmoment: 88 Nm bei 8 500/min
Motor: Viertakt-Dreizylinder-Reihenmotor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc,
Hubraum: 847 ccm
Bohrung x Hub: 78 x 59,1 mm
Getriebe:  6-Gang
Endantrieb: Kette
Rahmen: Brückenrahmen aus Aluminium
Federung vorn: Telegabel, Standrohr Ø 41 mm, voll einstellbar
Federweg: 137 mm
Federung hinten: Aluschwinge mit Zentralfederbein, voll einstellbar
Federweg: 130 mm
Radstand: 1 440 mm
Lenkkopfwinkel: 66°
Bremsen: 298-mm-Doppelscheibenbremse vorn, 245-mm-Scheibenbremse hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten
Gewicht vollgetankt: 215 kg
Tankinhalt: 14 Liter
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Stand:22 February 2018 13:40:19/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+yamaha+mt-09+sp_18212.html