Ein Meilenstein der Dolomitenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 11

15.10.2017  |  Text: Markus Golletz  |   Bilder: Golletz / www.lagazuoi.it
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Ein Meilenstein der Dolomitenstraße – Die schönsten Alpenklassiker Teil 11
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Der Passo di Falzàrego liegt im venezianischen Teil der großen Dolomitenstraße und in seinem Umkreis befinden sich etliche bekannte Pässe wie zum Beispiel der Giau, der Valparola, der Passo Pordoi und der Fedaia. Insgesamt hat der Pass drei Auffahrten und ist damit als Bikertreff prädestiniert
Der Falzàrego ist heute ein friedlich-spektakulärer Pass mit drei Auffahrten, der bei keiner Dolomitenrundfahrt fehlen sollte. Zum 100-jährigen Kriegsende werden besonders die Freilichtmuseen herausgeputzt. Zur Saison füllt sich die Passhöhe jeden Tag mit Bikern, nur leider hat die Gastronomie am Pass etwas gelitten. Souvenirläden mit allerhand Tinnef sind am Platz, was aber nicht von dem positiven Kult- und Kurvenerlebnis rund um den Falzarego ablenken soll. Der Passo Valparola und das Rifugio Col Gallina liegen in Sichtweite und sind daher eine empfehlenswerte Alternative. Vom Falzarego kann man mit der Seilbahn hinauf auf den Kleinen Lagazuoi oder gar den Weg zu Fuß antreten. Zum Lagazuoi 2778 Meter sind es dann noch zwanzig Minuten. Abwärts von der Bergstation geht es abenteuerlich für einen Kilometer durch den stockdunklen Lagazuoistollen (Taschenlampe mitnehmen!), von dem aus 1917 die Sprengung der österreichischen Stellung erfolgte. Auch kleinere Stellungen, Artillerie-Einsatzorte, Laufgräben und Bunkeranlagen können dort angeschaut werden. Der »kleine« Lagazuoi bietet bei gutem Wetter einen sagenhaften Panoramablick auf die vergletscherte Marmolata, die Cinque Torri und andere berühmte Berge der Dolomiten. Fährt man nicht mit der Seilbahn hinauf, ist der Ausblick von der Straße zum Valparolapass etwas besser.

Der Falzarego wird ganzjährig schneefrei gehalten, trotzdem ist in den Dolomiten grundsätzlich ab Ende September schon mal mit temporärem Schneefall zu rechnen. Bei den drei Abfahrten hat man dann die Qual der Wahl. Nach Cortina hinunter links vorbei am Rifugio Col Gallina, in dem auch preiswert eine Übernachtung und regionaltypisches Essen zu bekommen ist. Linkerhand schaut man auf die Tofana-Spitzen, den Stock des Nuvolau, davor die Cinque Torri und schließlich die Croda da Lago (2709 m). Dreizehn Serpentinen nach dem Falzarego mündet die Zufahrt zum Passo di Giau ein – eine beliebte kurvenreiche Variante zur Großen Dolomitenstraße.

Der »kleine« Lagazuoi bietet bei gutem Wetter einen sagenhaften Panoramablick

Die Kurvenradien werden enger je näher man Cortina kommt und die Strada delle Dolomiti ist nicht immer im Bestzustand. Nur die bizarre Dolomitenlandschaft bleibt ständiger Begleiter. In einer letzten Serpentinengruppe eröffnen sich Blicke auf Cortina d’Ampezzo mit dem beherrschenden Gipfel des Monte Cristallo (3008 m), an dem entlang die Passo-Tre-Croci-Strecke (1809 m) führt.
Die dritte Abfahrtsmöglichkeit verläuft nach Andraz und ist etwas kürzer, aber auch steiler, besonders auf den ersten vier Kilometern. Die Straße führt um den Hexenstein (2477 Meter), auf dem die Italiener im Gebirgskrieg zunächst unentdeckt Stellungen bauten. Heute ist er ein Wander- und Klettergebiet, in dem man teilweise restaurierte Stollen und Schützengräben besichtigen kann. Markant und kunstvoll ist der Straßenbau besonders auf dem kurz darauf folgenden Pian Falzarego, bei dem die in den Berg gehauene Straße mit starkem Unterbau und einem Kehrentunnel versehen ist. Darunter liegt eine Ebene mit ehemals militärischen Bauten. Kunstvoll angelegte Kurven und Serpentinen leiten hinunter nach Andraz (1430 Meter). Kurz vor dem Abzweig nach Castello sind im Wald in der Ferne die Ruinen des Schlosses Buchenstein (Castel Andraz) zu erkennen.

Tipp: Auf der gesamten Sellarunde finden in den Sommermonaten mehrfach Fahrradveranstaltungen mit Massencharakter (z. B. Sellaronda Bikeday, Ende Juni) statt. Solche Tage sollte man meiden. Die schönste Zeit ist das Frühjahr von April bis Juni, wenn der Bergfrühling erst langsam erwacht, sowie September bis Mitte November, wenn die kürzer werdenden Tage und die einsetzende Laubfärbung zu Genusstouren einladen. An solchen Tagen ist der Falzarego ein Bikertreff, ruhiger geht es am benachbarten Valparolapass zu.

Bikertreff am Falzaregopass mit drei Auffahrten und Lagazuoi-Seilbahn

Die Geschichte des Passes
1909 wurde das letzte und schwierigste Teilstück der Großen Dolomitenstraße fertiggestellt. Dem Gipfelanstieg des Passo Falzarego ist es heute auf der SS48, der Strada delle Dolomiti, immer noch anzusehen, dass der Straßenbau ein aufwendiges Stück Arbeit war. Der Name des Passes stammt aus dem Ladinischen und dort bedeutet Falza Rego der Sage nach so viel wie »falscher König«. Gemeint ist der König der Fanes, der, wegen seines Verrats zu Stein verwandelt, heute noch am Lagazuoi zu sehen ist – eine anschauliche Anekdote.

In den Fokus der Öffentlichkeit geriet die Region Lagazuoi / Cinque Torri und der Passo Falzarego im Gebirgskrieg 1915–1918. Nach Kriegsbeginn überließen die Österreicher kampflos das Vorland der natürlichen Gipfellinie und bauten ihre Stellungen auf den Kammlinien der Felsberge aus. Damit bestimmten die Österreicher zunächst den Frontverlauf: Die Linie führte über den Passo Valparola, den Hexenstein, Tofana, den Piccolo oder Kleinen Lagazuoi, die Drei Zinnen sowie den Passo Falzarego. Der Hexenstein und die österreichische Stellung sperrten von Nordwesten die Große Dolomitenstraße gegen das Gadertal ab. Nachdem mehrere Vorstöße der Italiener gescheitert waren diese Stellung einzunehmen, verschanzten sich die Alpini in der Ostwand des Lagazuoi, an der 1916 der unsägliche Minenkrieg begann. Österreichische Sprengungen waren vorangegangen, als am 20. Juni 1917 die Italiener 35 Tonnen Sprengstoff unterhalb einer österreichischen Stellung zündeten. Am Ende blieben alle Sprengungen für den Frontverlauf und den Kriegsausgang ohne nennenswerte Bedeutung, außer dass es tausende Tote zu beklagen gab. Dieser Minenkrieg ging als Unterminierung in die Geschichte der Dolomiten ein. An der eisgepanzerten Kuppe der Marmolata wurden gar Stollen ins Eis getrieben, um dann ganze Bataillone von Soldaten wegzusprengen. Auch die Zahl der Lawinenopfer ging in die Tausende, viele wurden erst Jahre nach ihrem Tod vom Eis freigegeben.

Das geübte Auge erkennt auch heute noch die Spuren dieser Sprengmaßnahmen. Schuttkegel sind besonders an den Felsabstürzen nördlich des Passes zu sehen. An den Stellen dieser ehemaligen Gebirgskriegsschauplätze trifft man heute auf verschiedene Freilichtmuseen.

Am Sasso di Stria (2477 m) nahe des berühmten Falzarego- Kehrentunnels

Zwischen Col die Lana und Marmorlata
Von Arabba führt die Straße in gefälligen Kurven Richtung Col di Lana und dann zum Falzaregopass hinauf. Fragt man, wie wir im Sommer 2013, alte Einheimische nach dem Col di Lana, so erinnern sie sich an die vielen gefallenen Soldaten oder gar, dass man als Kind im Wald beim Spielen oft die ausgeblichenen Gebeine der Gefallenen fanden, wie sie nur eine Handbreit unter der Erde lagen. Der Berg wurde zum Mahnmal für die Gefallenen, darunter 12 italienische Infanterie- und 14 Alpini-Kompanien, deutsche Alpenkorps und österreichische Truppenangehörigen. Auf dem Gipfel des Col di Lana steht heute eine Kapelle, die als Andachtsort für die allein dort 20 000 Gefallenen dienen soll.
 

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Stand:23 July 2018 04:09:06/reiseberichte/ein+meilenstein+der+dolomitenstrasse+-+die+schoensten+alpenklassiker+teil+11_171006.html