Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika

20.10.2017  |  Text: Bettina Höbenreich  |   Bilder: Helmut Koch
Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika
Motorrad-Weltreise: Jamaika, Kuba und Mittelamerika
Alle Bilder »
Von Kolumbien aus nehmen die beiden Motorradweltreisenden Bettina Höbenreich und Helmut Koch ihre nächsten Abenteuer in Angriff. Zunächst durchqueren sie die Karibik auf einem Segelschiff, legen dann einen Zwischenstopp in Jamaika ein und bereisen schließlich das kommunistische Kuba, bevor sie das Segelschiff zur Ostküste Mexikos bringt
Sechs Tage ist es her, seit das über 110 Jahre alte Segelschiff, das nicht nur uns, sondern auch unsere beiden Motorräder mit an Bord hat, den Hafen der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena verlassen hat. Sechs Tage, die geprägt waren vom rauen Wellengang der Karibik, der unser Schiff wie eine Nussschale unerbittlich hin- und herschaukeln ließ. Immer wieder brachen große Wellen über das Schiffsdeck herein und spülten über unsere nur mit großen Lkw-Planen abgedeckten Motorräder hinweg. Beim Gedanken daran, wie unsere treuen Reisegefährten diese Salzwasserbehandlung überstehen, wird uns angst und bange. Doch im Moment können wir nichts an dieser Situation ändern und so fokussieren wir uns auf das, was aktuell vor uns liegt.

In der letzten Nacht haben wir den idyllischen Hafen von Port Antonio an der Nordküste Jamaikas erreicht. Eine Woche haben wir Zeit, um die Insel zu erkunden, da die Mannschaft unseres Segelschiffs neue Vorräte organisieen, die fast leeren Dieseltanks auffüllen und einige Wartungsarbeiten an dem historischen Zweimaster durchführen muss. Leider ist es nicht möglich, unsere Motorräder in dieser Zeit aus ihrem salzigen Gefängnis zu befreien. Um trotzdem mobil zu sein und Jamaika erkunden zu können, besorgen wir uns kurzerhand einen vierrädrigen fahrbaren Untersatz, der uns die nächsten Tage vom Nordosten der Insel bis ganz in den Westen und hinein in das dünn besiedelte und touristisch nur wenig erschlossene Hinterland Jamaikas führen wird.

Die traumhaften Sonnenuntergänge auf unserem Segelturn durch die Karibik entschädigen definitiv für die raue See

Eines wird uns jedoch gleich an unserem ersten Tag im Land der Rastafari klar: Kein anderes Land auf unserer Reise erfüllt unsere Klischeevorstellungen so sehr und in so kurzer Zeit wie Jamaika. Kaum von Bord gegangen werden wir von sehr freundlichen, aber ziemlich bekifften Rastafari mit »Yaaaah Man! Relaaax Man!« begrüßt, bevor uns von Kokosnüssen über exotische Gewürze bis hin zu bestem »Jamaika-Gras« alles angeboten wird, was das Touristenherz begehren könnte. Schnell lassen wir das geschäftige Treiben der kleinen Hafenstadt hinter uns und folgen einer Küstenstraße, die sich über viele Kilometer hinweg in sanften Kurven und Kehren am Meer entlangwindet, gen Westen.

Wir stoppen an kleinen Straßenrestaurants, um die lokale Jamaika-Küche, die vor allem für ihr »Jerk Food« – scharf mariniertes, über Pimentholz gegrilltes Fleisch – und fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte berühmt ist, zu probieren. Auch die kleinen Sandstrände, die sich wie eine Perlenkette entlang der Küstenstraße aufreihen, laden zum Verweilen ein, während an einfachen Strandbars aus Bambusholz frische, eisgekühlte Kokosnüsse serviert und allerhand Souvenirs in den Farben der jamaikanischen Flagge angeboten werden.

Nach einer sehr spannenden Woche geht es für uns zurück an Bord, um nach einem weiteren 24-stündigen Segelturn auf offener See endlich Kuba zu erreichen. Die kommunistische Staatsmacht nimmt es mit unserer Einreise allerdings sehr genau und so dauert es fast zwei volle Tage, bis wir endlich alle nötigen Papiere in den Händen halten. Unsere erste Station ist die Hafenstadt Santiago de Cuba. Nicht umsonst trägt die zweitgrößte Stadt Kubas den Namen »Perle des Oriente«, denn die vor über 500 Jahren vom spanischen Eroberer Diego Velázquez gegründete Hafenstadt sprüht nur so vor kubanischem Flair. Aus weit geöffneten Fenstern und Türen ertönen bereits morgens rhythmische Rumba- und Salsa-Klänge und die Einwohner haben stets ein freundliches Lächeln auf ihren von der karibischen Sonne gebräunten Gesichtern.

Mit unseren großen Motorrädern sind wir ein absoluter Publikumsmagnet auf Kuba!

Neben seinen sehr gut erhaltenen Kolonialstilstädten ist Kuba vor allem für seine traumhaften Strände und einige der besten Schnorchel- und Tauchgebiete weltweit bekannt. Deshalb beschließen wir, das geschäftige Treiben des urbanen Kubas für ein paar Tage hinter uns zu lassen. Nach einer schönen Offroadfahrt entlang der Küste erreichen wir am späten Nachmittag ein einsames Plätzchen direkt an der schroffen Steinküste Südkubas, an dem wir unser Zelt für die Nacht aufschlagen. Es ist noch früh am nächsten Morgen, als wir von drei Fischern geweckt werden, die mit Hilfe von kleinen Harpunen exotische Fische und riesige Hummer aus den rauen karibischen Fluten ziehen und sie mit schnellen, geübten Handgriffen zerlegen und in eine mit Eis gefüllte Styroporbox verfrachten.

Insgesamt vier spannende Wochen sind wir mit unseren Motorrädern auf Kuba kreuz und quer unterwegs. Wir wandeln auf den Spuren des berühmten Revolutionsführers Che Guevara und erhalten interessante Einblicke in die unruhige Geschichte des Inselstaats. Wir erfahren am eigenen Leib, wie schwierig es ist, sich in einem Land, das seit Jahrzehnten unter internationalen Handelsembargos und Mangelwirtschaft leidet, mit Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs zu versorgen. Doch trotz ihrer schwierigen Wirtschaftssituation und ihrem einfachen und oft harten Leben sind die Kubaner herzlich und hilfsbereit und sprühen nur so vor Lebensfreude.
Der Abschied fällt durchaus schwer, als wir unsere Motorräder in der Hafenstadt Cienfuegos ein letztes Mal auf das Segelschiff laden.

Nach einer weiteren Tagesetappe erreichen wir Cancún auf der mexikanischen Yucatán-Halbinsel. Wir bleiben nur wenige Tage in der Stadt, um die Einfuhr unserer Motorräder zu regeln. Zu touristisch, geschäftig und westlich erscheint uns die Großstadt, deren Straßenbild von gigantischen Hotelburgen und schwer bewaffneten Polizisten auf Pick-up-Trucks dominiert wird. Unsere Reise führt uns weiter in Richtung Westen. Die Landschaft in dieser Gegend ist eher eintönig und wenig spannend bis wir mitten auf einer Landstraße in eine Straßenblockade geraten.

Eine Gruppe vermummter Männer und Frauen hat zu beiden Seiten der Straße Bretter mit dutzenden fingerlangen Nägeln ausgelegt. Wir hatten in Südamerika schon des Öfteren mit dieser Art von illegalen Straßensperren zu tun und unserer Erfahrung nach sind die beteiligten Personen in der Regel friedlich, solange man sich an ihre Spielregeln hält. Nach einiger Zeit fragen wir, ob wir denn passieren könnten? »Für 100 Peso pro Fahrzeug«, lautet die Antwort, was umgerechnet knapp fünf Euro entspricht. An sich bezahlen wir derartige »Wegezölle« nicht, aber wir sind wir froh, dass wir überhaupt durch gelassen werden. In der Regel versuchen die Menschen durch diese Art von Blockaden nur etwas Geld für ihre Familien und ihr Dorf zu beschaffen, da in Mexiko speziell die Landbevölkerung sowie die indigenen Stämme wenig Unterstützung durch den Staat erhalten. Solange man den Aufständischen freundlich und mit Respekt begegnet, hat man normalerweise nichts zu befürchten.

Je weiter wir gen Norden fahren, desto gebirgiger wird die Landschaft um uns herum, bis wir schließlich den gut 3 000 Meter hohen Gebirgszug der »Sierra Madre Occidental« erreichen, der sich über 1 500 Kilometer vom Südosten des US-Bundesstaats Arizonas bis weit in den Norden Mexikos hinein erstreckt. Nach mehreren tausend Kilometern fast schnurgerader Straßen freuen wir uns nun umso mehr über die Bergstrecke, die sich in sanften Kurven durch die lichten Kiefern- und Eichenwälder der Sierra windet. Der im Herzen der Sierra auf gut 2 300 Meter hoch gelegene Ort Creel sollte uns eigentlich als Ausgangspunkt für den Besuch eines der größten Schluchtensysteme Nordamerikas dienen.

Der Gebirgszug der Sierra Madre Occidental, ein nur spärlich besiedeltes Gebiet im Nordwesten Mexikos

In Creel angekommen staunen wir allerdings nicht schlecht, als wir plötzlich von einer ganzen Horde mexikanischer Biker auf Choppern und Cruisern überholt werden. Wie es der Zufall so will, sind wir mitten in einem großen mexikanischen Bikertreffen gelandet und dank der Offenheit und Gastfreundschaft der Mexikaner sind wir binnen weniger Minuten mittendrin statt nur dabei! Es gibt leckere, scharfe Taccos, eine gemeinsame Ausfahrt durch den Ort und natürlich dürfen auch feucht-fröhliche Trinkspiele auf einem echten mexikanischen Bikertreffen nicht fehlen.

Musikalisch wird die Veranstaltung von einer Live-Rock-Band untermalt, die mit englischsprachigen Klassikern und spanischen Rocksongs für gute Stimmung sorgt. Doch das Treffen ist nicht nur eine große Feier, es dient auch einem guten Zweck. Die Biker erzählen uns, dass sie im Rahmen der Veranstaltung Nahrungsmittel, vor allem getrocknete Bohnen und Reis, für die mexikanischen Ureinwohner des »Rarámuri Stammes« sammeln, die zum Teil ohne fließendes Wasser oder Elektrizität in Höhlen am Fuße des Urique Canyons leben.

Wenige Tage später geht unsere fast dreimonatige Motorradreise durch Mexiko mit dem Erreichen der amerikanischen Grenze zu Ende. Nun heißt es Abschied nehmen von einem unglaublich vielfältigen Land und seinen herzlichen Bewohnern und auf zu neuen  Abenteuern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!
 


Reiseroute
Cartagena (Kolumbien) – Port Antonio (Jamaica) – Montego Bay – Maggotty – Port Antonio – Santiago de Cuba (Kuba) – Manzanillo – Playa Santa Lucia – Camagüey – Trinidad – Havanna – Vinales – Cienfuegos – Cancún (Mexiko) – Palenque - Chiapa de Corzo – Oaxaca - Paso de Cortes/Vulcano Popocatépetl – Teotihuacan -  San Miguel de Allende - Calera de Victor Rosales - Hidalgo del Parral – Creel/Barranca del Cobre - Nuevo Casas Grandes - Agua Prieta (Grenzübergang zu den USA)
 


Die Autoren
Insgesamt 5 Jahre und 4 Monate waren Bettina Höbenreich und Helmut Koch unterwegs, um auf ihren mehr als zwanzig Jahre alten Motorrädern die Welt abseits ausgetretener Pfade und jenseits ihrer Komfortzone zu erkunden. Heute arbeiten die beiden Abenteurer unter anderem als freie Fotografen, Reisejournalisten und Videofilmer und erzählen auf Multimediavorträgen von ihren Motorradabenteuern.
  Teilen
Stand:14 November 2018 12:14:17/reiseberichte/motorrad-weltreise+jamaika+kuba+und+mittelamerika_17904.html