Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich

09.06.2010  |  Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann   |   Bilder: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich
Motorradreise Griechenland - Kreta, Wild und unwiderstehlich
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Die Sonneninsel Kreta lockt von Frühjahr bis in den Spätherbst mit warmen Temperaturen, Bergen, Traumbuchten und antiken Stätten.
Früh um sieben Uhr landen wir in Heraklion. Unser Tourguide Achilles holt uns vom Flughafen ab und nun fahren wir Richtung Süden auf Matala zu. Es regnet in Strömen, Sturzbäche kommen vom Himmel ­herab, die Landschaft ist grau und mit Wolken verhangen. Zum Trost kehren wir auf halber Strecke in einer Taverne ein. Kleinigkeiten werden zum Essen serviert und trotz der frühen Morgenstunde bekommen wir einige Runden Raki spendiert – das ist unumgänglich. Ja, das ist Kreta! Diese Form von Gastfreundschaft werden wir während unserer zehntägigen Tour noch öfter
erleben dürfen.

Am nächsten Morgen hat der Wind alles Übel weggeblasen, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen beherrschen nun das Wetter. Zur Einstimmung geht es mit Achilles und einem kleinen Freundeskreis in die nächste Kreisstadt, nach Mires zum Markttag. Ein guter Anlass, um erstmal eine Runde Kaffee zu sich zu nehmen und dann bei Wein, Raki und einem üppigen Vormittagessen zu landen. Und nachmittags geht es weiter an den Strand von Matala. Dort wo einst Zeus mit Europa an Land ging und wo in den 60/70er Jahren des 20. Jahrhunderts Hippies die neolithischen Wohnhöhlen bevölkerten, trifft man sich heute im Strandcafé Dolphin, wo täglich das Musikerduo „Akrobates“ aufspielt. Es ist Helmuts Geburtstag. Achilles taucht mit einer gigantischen Cremetorte, dekoriert mit zwei Motor­rädern und einem Kerzchen auf. Und obwohl sich alle Cafégäste fleißig an ­ihrer Vernichtung beteiligen, ist sie kaum zu bezwingen. Der Raki fließt und ­immer wieder werden Happy-Birthday-Ständchen gesungen. Ja so ist das im ehemaligen Hippie-Nest Matala. Wenn es ums Feiern geht, sind alle mit Riesenbegeisterung dabei.

Die wilde Südküste ist nicht nur für Endurofreaks ein Highlight

Nun aber genug der Schlemmereien und Festlichkeiten. Schließlich sind wir hier, um Kreta per Motorrad zu erkunden. Mittlerweile ist auch unsere Mitfahrerin Regine eingetroffen und so kann unsere kleine Gruppe losdüsen. Achilles fährt eine BMW 1150 GS, ­Regine eine BMW F650, Helmut und ich haben uns jeweils für eine Yamaha XT 660 entschieden. Ein sehr angenehmes, wendiges Motorrad, genau das Richtige für die kretischen Straßenverhältnisse, wie wir schon nach wenigen Kilometern feststellen. Bald sind wir auf den kleinen Straßen im hügelig-bergigen Gebiet Mittelkretas, die immer wieder kurvenreich über Land und dann eher eckig und kantig durch kleine Ortschaften führen. Teils sind sie gut asphaltiert, so dass man zügig fahren kann. Doch unvermutet tauchen Schlaglöcher, Buckel im Asphalt oder sandige Stellen auf – und zwar bevorzugt in Kurven. Also Vorsicht, mit den kretischen Straßen ist nicht zu spaßen!

In einem dieser einsamen Dörfer, irgendwo zwischen Matala und Herak­lion, halten wir bei einem Straßenlokal, verdeckt von Weinreben und leuchtend violettroten Bougainvillea an. Die Wirtin freut sich über uns zwei Motorrad fahrende Damen und spendiert uns ­würzigen Bergtee mit Weintrauben. Und dann geht es in die Berge, die sich steil und schroff zwischen der fruchtbaren Messara-Ebene und der Südküste aufschlichten. Entsprechend kurvenreich und mit gigantischen Panoramen ge­segnet ist die Strecke. Asteroussia heißt diese einsame Berglandschaft, an deren Ende am Meer angekommen, uns die kleine Siedlung Lendas mit ihren wenigen weiß getünchten Häusern erwartet. Richtung Westen führt nur eine staubige Schotterstrecke entlang der Küste aus dieser Einsamkeit heraus, die lediglich einmal pro Tag ein Bus ansteuert; Samstag und Sonntag ausgenommen, versteht sich! Denn das Wochenende ist den Kretern heilig, da wird nicht gearbeitet. Und dann geht es noch mal kurvenreich hoch hinauf über das Asteroussia-Gebirge, nun auf asphaltierter Straße, wo wir am Scheitelpunkt herrliche Ausblicke über die Messara-Ebene bis hin zum höchsten Gebirgszug Kretas, zum Psiloritis, genießen.

In Kokkinos Pirgos lebt mit einem ­verrosteten Flüchtlingsschiff ein Stück Geschichte auf

Am nächsten Tag starten wir unsere Tour entlang der Küste der Messara Bucht. Kokkinos Pirgos, ein hübsches Hafenstädtchen mit weißen Kaianlagen und Fischerbooten, ist unser erstes Ziel. An Land dümpelt ein alter verrosteter Kahn vor sich hin, der vor einigen Jahren als Flüchtlingsschiff diente. An die 160 illegale Einwanderer aus Afrika sollen, zusammengepfercht im Rumpf des Schiffes, so nach Kreta gekommen sein. Kontrastprogramm: Nun geht es auf zu einer Fahrt entlang des Berg-
massivs des Psiloritis. Achilles führt uns durch eine begrünte Landschaft, auf kringeligen, schmalen Landstraßen, durch Bergdörfer mit steilen Passagen zwischen eng zusammen geschachtelten Häusern. In Hordaki, einer am Steilhang platzierten Ortschaft, sitzt ein altes Mütterchen und häkelt Deckchen. Gegenüber liegt die Taverne von Maria, wo uns Bergtee aus selbst gesammelten Kräutern serviert wird. Der Ort ist in Frauenhand, da die meisten Männer, wie man uns berichtet, weggestorben sind.

In Männerhand hingegen ist Vrondisiou, unser nächstes Ziel, ein einsam am Berghang gelegenes kleines Kloster, dessen Kirche wunderbar erhaltene ­orthodoxe Fresken aufweist. Achilles macht uns mit dem Popen bekannt, der ganz weltlich seine Zeitung liest und uns zu einem Kaffee einlädt. Weiter geht es. Die Landschaft wird immer karger, steiniger, nur noch hier und da sprießen kleine Nadelbäumchen aus dem felsigen Umfeld. Doch plötzlich ein schmaler Felseinschnitt, ein enges Tal, eine Oase: Der von Quellwasser gespeiste Votomos-See bei Zaros. „Wie im Schwarzwald“ ist mein erster Gedanke. Alles grünt und blüht und inmitten der Fruchtbarkeit prangt ein grünlich schillernder See. Denn hier entspringt frisches Quell­wasser, das in Flaschen abgefüllt in der Gegend vertrieben wird. Weiter bergab dehnt sich die fruchtbare Messara-Ebene aus, wo uns Achilles bei Moroni, versteckt zwischen Wein- und Olivenhügeln, das kleine Labyrinth des Minotaurus präsentiert. Die tief in den Fels vordringende Höhle weist deutliche Anzeichen langjähriger menschlicher Nutzung auf – nun, seit Minotaurus sind immerhin einige Jahrtausende vergangen!

Und betörende Ausblicke auf Meer und schroffe Berge muss man nicht lange suchen

Aktuell und lebhaft hingegen geht es in dem Hafenstädtchen Agia Galini zu. Zwar recht touristisch, aber dennoch bezaubernd, liegt es in der Messara-Bucht. Übereinander gruppieren sich die Häuser, nur unterbrochen von schmalen Gassen und Treppenfluchten und überall leuchten Bougainvilleas in den prächtigsten Farben. Auch abends wird es ­gemütlich im nur wenige Kilometer von Matala entfernten Pitsidia, einem schmucken alten Städtchen mit verwinkelten Gassen und traditionellen Häusern. Ein Lokal kocht extra für uns auf und lauter leckere Kleinigkeiten werden aufgetischt: Gemüse, Käse, Fleisch, Muscheln in allen Variationen; die in Honig getränkte Nachspeise ist ein Gedicht. Zudem sitzen wir in netter Umgebung, umringt von großen Weinfässern. An den Wänden hängen alte Schwarzweiß-Fotografien, die Familienmitglieder und stolze Freiheitskämpfer zeigen.

Ein neuer Tag. Wunderbar kurvenreich geht es hoch hinauf über die Berge an der östlichen Südküste. Die schön zu fahrende Asphaltstraße führt über den Bergkamm, eröffnet atemberaubende Ausblicke auf das Meer und bringt uns bis zu dem kleinen Hafenstädtchen Tsoutsouros. Danach wird es holperig – und staubig. Denn hier führt nur eine Sandpiste entlang der Küste, mal vorbei an kahlen Felsklippen, dann an Bananenplantagen. Trotz dieser landwirtschaftlichen Nutzung ist es menschenleer. Und hoppla, unerwartet stehen wir vor einem frisch aufgebuddelten Loch über die gesamte Fahrbahnbreite, das uns zu einem Umweg über die Bergstraße landeinwärts zwingt. Erst weiter im Osten, wieder an der Küste, wird es lebendiger. Tertsa ist ein beschaulicher kleiner Urlaubsort mit Sonnenschirmen am Strand und netten Lokalen. Das ist die Gelegenheit für eine Mahlzeit mit Blick aufs Meer, bevor wir das nächste Highlight ansteuern, den Mirambelos Golf.

Ganz anders, grün und fruchtbar dagegen präsentiert sich das Weinanbaugebiet Mittelkretas, hier beim Winzerörtchen Karkadiotissa

Traumhaft, wie die riesige Bucht von kargen Felswänden eingefasst wird, davor gibt das ungewöhnlich azurblaue Meer ein famoses Farbenspiel. Bei Agios Nikolaos und Elounda hat sich der Nobeltourismus etabliert, edle Ferienanlagen zieren an dieser Stelle die Küste, Treffpunkt der High Society. Doch schon am Ende der Bucht wird es ruhig, kurvenreich geht es den Berghang hinauf und oben genießt man einen wunderbaren Blick auf das Felseneiland Kalidon vor der Insel Spinalonga. Die zu Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete veneziani­sche Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Leprakolonie ausgebaut, die bis 1957 in Betrieb war. Die Leprakranken lebten hier in einer Dorfgemeinschaft mit kompletter Infrastruktur. Es gab Geschäfte, eine Schule, Tavernen und kulturelle Veranstaltungen.

Von ganz eigenem Charakter, grün und fruchtbar, zeigt sich dagegen die ­Inselmitte nördlich der Messara-Ebene. Eine neue Schnellstraße mit weiten Kurven, super und zügig zu befahren, bringt uns nach Pano Archanes, einem reichen Dorf, das sich als Zentrum des Wein­anbaus seinen Ruf erworben hat. Rundherum dehnt sich die Weinregion aus, die wir auf kleinen Nebenstrecken unter die Räder nehmen. Überall wird geerntet und Tonnen von Weintrauben auf klapprige Transporter verladen. Die Stra­ßen sind schwarz und schmierig vom Saft verloren gegangener Trauben. Schön gemächlich kurven wir folglich durch die bezaubernde Weingegend, wo sich die Rebstöcke in Tälern, Niederungen und an den Hängen breit machen, vorbei an Weindörfern mit so berauschen­den Namen wie Metaxohori, Karkadiotissa, Kyparisos und Avgeniki. Weiter im Süden kommen wir an Plantagen vorbei, auf denen die Weintrauben zum Trocknen ausgelegt wurden, Vorboten der ­späteren süßen Rosinen. Und dann gibt es noch eine kulturelle Sehenswürdigkeit: Die alte minoische Stadt Phaistos. Sie liegt bezaubernd auf einem Hügel in der weiten Messara-Ebene vor der beeindruckenden Kulisse des Psiloritis.

Serpen­tinenstraße an der Südküste

Nun aber auf in den Südwesten, in die Sfakia, eine wilde Bergregion und Heimat der kretischen Widerstandskämpfer. In Mittelkreta machen wir erst einmal Halt in Spili, einem malerischen Bergstädtchen, das bekannt für sein gesundes Quellwasser ist. Aus Löwenköpfen einer venezianischen Brunnenanlage sprudelt das schmackhafte Wasser, das auch die Wirte für ihre Lokale abschöpfen. So erfrischt nehmen wir sogleich die erste Schlucht in Angriff, Kotsifou, der große Durchbruch eines Bergbaches durch das Kouronaos-Massiv zur Südküste. Nach mehreren Serpentinen erreichen wir die Engstelle, an der sich die überhängenden Felswände fast zu berühren scheinen. Dann taucht das kleine Felsenkirchlein Agios Nikolaos auf und schließlich weitet sich die Schlucht und gibt den Blick frei auf die Bucht von Plakias. Nun ­haben wir das absolute Highlight vor uns. Auf traumhaften Serpentinen geht es gen Westen. Auf der einen Seite das herrlich blau schimmernde Meer, auf der anderen die kargen, schroffen Felswände der Weißen Berge. Ein tolles Panorama jagt das nächste, wir passieren die venezianische Festung Frangokastello und den Einstieg zur Imbros-Schlucht, um dann die Pass-Straße durch die Weißen Berge Richtung Norden einzuschlagen. Eine geniale Abfolge an Kurven führt hinauf zur Passhöhe. Schwindel erregend blickt man von dort oben in die Tiefe der ­Imbros-Schlucht, welche früher die wichtigste Verkehrsverbindung von der Nordküste in die Sfakia war und oftmals als Rückzugsort und Fluchtweg bei verschiedenen Auseinandersetzungen diente. Noch heute sind die Reste des befestig­ten Maultierpfades zu finden.

Noch undurchdringlicher und wilder werden die Berge der Sfakia. In Hora Sfakion, Hauptstadt der Sfakia und wunderschön gelegenem Hafenstädtchen, endet die befahrbare Küstenstraße, dafür kann man ab hier mit der Fähre entlang der kargen Felswände bis Paleochora im Westen schippern. Nun, wir nehmen begeistert nochmals die Küsten­straße in entgegen gesetzter Richtung unter die Räder, um von Asomatos aus einen Abstecher nach Preveli zu unternehmen. Hoch über dem Meer schmiegt sich das Kloster Moni Preveli an das Bergmassiv. Nur leider bringt die exponierte Lage auch eine gewaltige Ansammlung von Touristen mit sich. Urtümlich und ruhig, ganz so wie wir es ja von den weniger heimgesuchten Schönheiten Kretas gewöhnt sind, ist da das landeinwärts gelegene Kato Moni Preveli, die Ruine des Unteren Preveli-Klosters, und eine alte Bogenbrücke vor der Berg­enge Kourtaliotiko.

Die Tage gehen viel zu schnell vorbei! Unser letzter Abend naht. Noch einmal geht es rund in der Dolphin-Bar. Die Akrobates spielen auf, man redet und amüsiert sich, dann geht es ans Abschied nehmen – eine langwierige Angelegenheit bei ­einer derart verschworenen Gemeinde. Man sieht sich wieder in Matala, bei Achilles und seinen „kretischen“ Freunden.
 

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Stand:20 April 2019 03:14:01/reiseberichte/motorradreise+griechenlandkreta+-+wild+und+unwiderstehlich_171024.html