Motorradreise Österreich, Italien und Slowenien - Ticket to Ride

10.08.2016  |  Text: Klaus Hinterschuster  |   Fotos Peter Wahl
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Seit zehn Jahren liefern die Initiatoren des „Motorradland Kärnten“ beste Voraussetzungen, um aus dem Motorradurlaub ein unvergessliches Erlebnis zu machen. Dazu gehört auch das „Panoramastraßen-Ticket Kärnten“, das dem Pässefan die fünf schönsten Bergstrecken des südlichsten österreichischen Bundeslandes zum Sonderpreis offeriert. Wir haben alle fünf in unsere Dreiländertour integriert und dabei auch unser Herz für die Alpenperle Slowenien entdeckt.
Unser Motorradurlaub beginnt kurz hinter Bruck, wo wir nach fünfstündiger Anfahrt unser Panoramastraßen-Ticket (siehe Infokasten auf Seite 38) am Kassenhäuschen der Großglockner-Hochalpenstraße vorlegen. Zwei von vier Abschnitten sind damit fällig. Der Pessimist würde jetzt jammern, dass der halbe Spaß bereits vorbei ist, obwohl er noch nicht eine Kehre gesehen hat. Der Optimist freut sich, dass alles noch vor ihm liegt. 

Die Königin der Alpenstraßen polarisiert die Motorradfahrer. Pässebolzer sprechen von einer Kurvenautobahn mit teilweise hohem Verkehrsaufkommen und einer sündhaft teuren Maut. Die Fans der Mutter aller Passstraßen halten das Gesamterlebnis dagegen, das eben nicht nur die Straße selbst, sondern vor allem die grandiosen Naturschauspiele und die vielen besuchenswerten Ausstellungen mit einschließt. Dazu kommen noch die Motorradtreffpunkte auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und auf der Edelweißspitze. Dass man den Motorradfahrer als wichtigen Besucher ernst nimmt, machen die Straßenbetreiber mit vorbildlichem Service deutlich. Bikerparkplätze und -safes an gekennzeichneten Meetingpoints, ein hervorragender Straßenbelag mit maximaler Griffigkeit, die Absicherung scharfkantiger Leitplankenpfosten und ein erleichterter Ticketkauf zeigen, dass hier Profis am Werk sind.

Die Großglockner-Hochalpenstraße ist weit mehr als ein Alpenübergang. Der Interessierte kann in eine faszinierende Erlebniswelt rund um Österreichs höchsten Berg ­eintauchen

Rund 50 begeisternde Glockner-Kilometer weiter und 56 Kehren später fahren wir in der Sonnenstadt Lienz ein und sorgen auf der Terrasse vorm Kaffeehaus für Kaloriennachschub. Nach einem kurzen Stadtbummel sitzen wir wieder auf, um unser Übernachtungsquartier anzufahren, die Gailberghöhe. Dazu setzen wir in Oberdrauburg den Blinker nach rechts und powern die knackige Bergstrecke zum Gailbergsattel hinauf, die den Motorradtag krönt. Bei Familie Buzzi, unter Bikern auch gerne die „Moto Buzzis“ genannt, werden wir wie immer herzlich empfangen. „Zu Gast bei Freunden“ ist hier kein Werbespruch, sondern angenehme Realität.

Über Kötschach-Mauthen, das alleine schon wegen seines „Museum 1915-1918“ einen Stopp wert ist, geht es weiter in Richtung Hermagor, bis der Wegweiser in Richtung Tröpolach und Nassfeld zeigt. Passo Pramollo heißt die Straße dann ab exakt 1530 Höhenmetern, und wir rollen ins Pastaland ein. Unser Aufenthalt im italienischen Friaul ist diesmal allerdings nicht sehr lang, denn über den Sella Cereschiatis und den Sella Nevea erreichen wir die slowenische Grenze inklusive Espressostopp in knapp eineinhalb Stunden.

Predilpass lautet der Name der Alpenstraße, die uns in das einst zum Vielvölkerstaat Jugoslawien gehörende Land Slowenien führt. 1156 Höhenmeter hören sich nicht spektakulär an, machen aber ungeheuren Spaß. Bekannt ist der Pass durch sein Löwendenkmal, das zu Ehren der Gefallenen im Kampf gegen Napoleon I. errichtet wurde. Auf keinen Fall verpassen sollte man die Abzweigung zum Mangart, dessen mautpflichtige Stichstraße auf knapp über 2000 Meter hinaufführt. Die höchste Straße Sloweniens ist zwölf Kilometer lang, hat siebzehn Kehren und bietet tolle Ausblicke auf die Julischen Alpen und den Mangart-Gipfel.

Im Sommer fasziniert die Fahrt auf den Mangart, die mit herrlichsten Ausblicken belohnt wird

Danach ist entspanntes Dahingleiten entlang des smaragdgrünen Flusses Soča angesagt, einem Paradies für Kanufans, und spätestens hier hat die Region das Herz des Motorradgenießers erobert. Diese Fahrt kann man allerdings getrost als die bekannte Ruhe vor dem Sturm bezeichnen. Es ist die Zahl 51, die uns bald von einem Kehrenschild entgegenblickt und nur ansatzweise andeutet, was uns auf den nächsten Kilometern erwartet. Wir sind auf dem Weg zum Vršič-Pass und damit sicherlich auf der spektakulärsten Motorradstraße Sloweniens. Die Bikes stehen nicht mehr gerade, die Spitzkehren erfordern viel Gefühl in der Gashand und vor allem sollte man immer sehr vorausschauend in die Windungen einfahren. Motorradarbeit vom Feinsten, Bergspaß pur. 
Auf 1611 Metern erreichen wir die Passhöhe, parken die Bikes und befinden uns schnell im Benzingespräch mit ebenfalls restlos begeisterten Artgenossen. Das Motorrad auf die Plattform zu stellen und ein Erinnerungsfoto zu schießen, ist Pflicht. Hinunter zum Wintersportort Kranjska Gora warten jetzt einige Kopfsteinpflasterpassagen, die allerdings nur bei Nässe unangenehm werden können. Die Oberkrainer Gemeinde kann man getrost vernachlässigen, lediglich ein Stopp an den Skisprungschanzen sorgt für ein Aha-Erlebnis.

Mehr zu sehen gibt es da schon am Wurzenpass, der weniger durch seine spektakuläre Stra­ßenführung als mit seinem Bunkermuseum, dem Russen-Panzer T34 und seinem Mahnmal in Erinnerung bleibt. Es wird deutlich, dass hier einst die Grenze zwischen der Nato und den Warschauer-Pakt-Staaten verlief und man später ganz nah am Jugoslawienkrieg war, der Ende des 20. Jahrhunderts zur Zerschlagung des Vielvölkerstaates führte. Wenig später erreichen wir Villach, checken im Romantik-Hotel Post ein und erfreuen uns einer vorzüglichen Küche, die vom rosa gebratenen Lammrücken bis zu Salzburger Nockerl keine Wünsche offen lässt. 

Villach, nach Klagenfurt die zweitgrößte Stadt Kärntens, liegt in unmittelbarer Nähe des Faaker Sees. Hier findet mit der European Bike Week jährlich Anfang September Europas größtes Harleytreffen statt. Dann sind die „Good Vibrations“ im Umfeld von mehr als hundert Kilometern wahrzunehmen. Da wird tagsüber durch die Region gecruised und am Abend im Harley-Village richtig abgefeiert. Weit über 100 000 Motorradfans besuchen die gigantische Veranstaltung, wobei sich auch viele Fahrer anderer Marken unter das Harley-Volk mischen. Berührungsängste? Nein. Höhepunkt der seit 1998 stattfindenden Veranstaltung ist die Parade mit gut und gerne 25 000 Bikes.

Die Villacher ­Alpenstraße

Am nächsten Tag zieht es uns noch einmal für eine Halbtagesrunde ins faszinierende Slowenien. Dabei steigen wir diesmal über den Loiblpass ein, besuchen die Altstadt in Kranj und genießen die Windungen des Seebergsattels auf dem Rückweg nach Österreich. Bevor wir den nächsten Abschnitt unseres Panoramatickets verbraten, ist Friedls Garage in Treffen unser Ziel; der glatzköpfige Bikerwirt hat schon Kultstatus. Eine Portion Kärntner Kasnudeln später machen wir uns auf zur Villacher Alpenstraße, die als Stichstraße von der Stadt zum Zielpunkt Rosstrappe mit Dobratschblick führt. Es ist bereits spät am Nachmittag und wir haben Glück, denn das Kassenhäuschen ist nicht mehr besetzt. Auf 16,5 Kilometer warten sieben Kehren und sage und schreibe 116 Kurven. Begleitet von spek­takulären Aussichten und einzigarti­gen Natur­erlebnissen, erklimmen wir 1200 Höhenmeter und sind restlos begeistert. Am Abend finden wir uns erneut zur Schlemmer­orgie im Hotel Post ein und sind am nächsten Tag für die restlichen drei Alpenstraßen des Vorteilstickets gerüstet, die wir attraktiv miteinander verknüp­fen wollen. 

So starten wir mit der Goldeck-Panoramastraße, bei der wieder ein Abschnitt fällig wird. Da wir die Kurvenhighlights der Villacher ­Alpenstraße von gestern noch unterm Helm ­gespeichert haben, ist die Goldeckstrecke vergleichsweise enttäuschend, auch wenn der Ausblick am Ziel ein wenig entschädigt. Anschließend fahren wir oberhalb des Millstätter Sees entlang, nehmen Kurs in Richtung Katschberg, bis wir Gmünd erreichen. Dort fordert die Malta-Hochalmstraße unseren letzten Passgutschein, der allerdings jeden Cent wert ist. Eine vierzehn Kilometer lange Erlebnisfahrt durch Felstunnel und Spitzkehren katapultiert uns zur höchsten Staumauer Österreichs, der Kölnbreinsperre. Zur Weiterbildung besuchen wir die Ausstellung zum Staumauerbau. Eine Stunde später erden wir uns mit einem Spaziergang durch das verträumte Städtchen Gmünd und statten dem Porsche-Automuseum einen Besuch ab – absolut sehenswert.

Die Malta-Hochalmstraße gehört zu den absoluten Highlights eines Kärntenbesuch

Ohne Ticket stehen wir dann in Innerkrems vor dem Mauthäuschen der Nockalmstraße und lassen nach dem Motto „nur Bares ist Wahres“ zehn Euronen und fünfzig Cent den Besitzer wechseln. „Rock the Nock“ heißt es jetzt, denn mit der herrlichen Bergstraße wartet das nächste Meisterstück der Straßenbaukunst. Gleich zweimal bietet sich dem „Nocker“ der Auffahrtsgenuss in den 2000er-Bereich. Während bei vielen Alpenstraßen nach Überquerung der Passhöhe nur noch downhill angesagt ist, sattelt die Route durch den Naturpark einen weiteren Höhepunkt oben drauf, und der Spaß beginnt von neuem. Gerne trifft sich die Kurvengemeinde dann an der Glockenhütte bei Germknödel & Co. und um ein Erinnerungsfoto auf dem Holzbock zu schießen.

Ja, wir werden uns gerne an diese Tour erinnern, die uns jetzt über die Turracher Höhe in nördliche Richtung führt, um dann auf der „geliebten“ Autobahn die schnelle Rückreise einzuleiten. Nur eine Frage, deren Antwort uns brennend interessiert hätte, blieb ungeklärt: Gab es in Österreich zuerst die Berge oder zuerst die Mauthäuschen?

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Stand:16 December 2018 02:20:35/reiseberichte/motorradreise+oesterreich+italien+und+slowenien+-+ticket+to+ride_173.html