Motorradtour Lechtal in Österreich

07.10.2014  |  Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann  |   Bilder: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
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Motorradtour Lechtal in Österreich
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Wild und ungestüm, naturverbunden und traditionsbewusst, herzlich und mondän. So gibt sich die Region am Tiroler Lech, dem letzten Wildfluss der Nordalpen.
In geisterhafter Atmosphäre durchlaufen wir effektvoll beleuchtete Turbinen und Kanäle im Bauch eines historischen Wasserkraftwerks. Wir befinden uns ein ganzes Stück vor unserem Zielgebiet, im ­bayerischen Langweid, wo wir uns im sehenswerten Lechmuseum mit unse­rem Reisethema vertraut machen. Im oberen Stockwerk erfahren wir allerhand Interessantes zu Geschichte, Kultur und Ökologie des Flusses, eine Tafel beschreibt die Landschaft des Tiroler Lechtals: „Der Tiroler Abschnitt des Oberen Lechs beginnt zunächst wenig spektakulär. Die Lechtaler Alpen und die Allgäuer Alpen umrahmen den hier noch schmalen Fluss und stille Dörfer. Bei Forchach zeigt der Gebirgsfluss seine ganze Wildheit. Im ,Naturpark Wildflusslandschaft Tiroler Lech‘ darf der Fluss noch in einem breiten Bett Kiesbänke verlagern, um die sich seine ungebändigten Seitenarme schlängeln.“

Ein toller Start
Das klingt doch viel versprechend! Und tatsächlich, sonnenbeschienen und idyllisch gibt sich das Tiroler Lechtal. Am Morgen wabern noch hier und da Wolken zwischen den Bergspitzen über der flussnahen Auenlandschaft und geben der Szenerie eine geheimnisvolle Aura. In erwartungsvoller Stimmung satteln wir unsere Zweiräder und düsen los, um im unteren Lechtal zunächst das Naturschutzgebiet Pflacher Auweiher zu besichtigen. Nicht ganz leicht zu finden, aber nach kurzer Fahrt auf beschaulich kleiner Straße stehen wir auf dem geschotterten Damm und blicken vor dem Panorama der Tannheimer Berge hinab in eine üppige Wasserlandschaft, in der eine reiche Tierwelt zu Hause ist.

Von zarten Dunstwolken ­umwoben erstrahlt das Lechtal in der Morgensonne.

Weit ist das Tal und flussaufwärts hat der Lech viel Platz in seinem breiten Flussbett, um sich windungsreich immer wieder neue Wege zu bahnen. Hier und da erhascht man von der Straße einen Blick auf die herrlich weißen Kiesbänke. Links und rechts rahmen die Allgäuer und die Lechtaler Alpen unsere Route majestätisch ein. Auf der flotten Überlandstraße kann man gut aufdrehen, aber immer schön in Maßen! Denn hoppla, plötzliche Übergänge von schnel­lem Highway zu engsten, kurvigen Ortsdurchfahrten zwingen zu gedrosseltem Tempo. Die Straße schlängelt sich meist zwischen den Häusern der alten Dörfer hindurch, manchmal gar auf eine Fahrbahnbreite begrenzt. Langsam passieren wir die Ortskerne, und so lässt sich ­immer wieder ein Blick auf die fesch ­bemalten Häuser werfen. Dann geht es zügig weiter bis zum nächsten Dorf. Am Ortseingang von Elbigenalp begrüßt uns ein monströses Denkmal, natürlich aus Holz geschnitzt im Tal der Schnitzstuben. Elbigenalps berühmte Tochter Geierwally, vom Lechtaler Holzschnitzer Silvio Wolf sehr realistisch dargestellt, klettert da hinauf zum majestätischen Adler.

Einige Kilometer weiter erreichen wir Holzgau. Auf einem Hügel oberhalb des Dorfes thronen die Kirche und die goti­sche Sebastianskapelle, umgeben vom Friedhof und mit spätbarocker Lüftlmalerei schön dekorierten Bauernhäusern. Die phänomenale Hängebrücke, man sieht sie schon vom Tal über einem schweben, ist unser Ziel. Also lassen wir die Motorräder an der Pfarrkirche stehen und stapfen mitsamt unseren Motorradstiefeln den Hang hinauf. Steil geht es bergan zwischen blumenübersäten safti­gen Wiesen. Und dann haben wir sie ­erreicht, die 200 Meter frei schwebende Hängebrücke. Dicke Stahlseile fassen sie seitlich ein. Wir marschieren über durchsichtige Gitterroste, sanft schwingt sich die Brücke unter unseren Schritten auf. Ein faszinierender Ausblick bietet sich auf das Lechtal und unter uns in die 110 Meter tiefe und steile Schlucht der Höhenbachklamm.



Nach diesem abwechslungsreichen Wanderausflug schwingen wir uns wieder aufs Motorrad und das Tal bergauf. Stetig steigt die Straße nun an, auch die Bergwände links und rechts ziehen sich merklich zusammen und nehmen uns ein auf ­unserer flotten Kurvenfahrt. Auffallend viele Holzschnitzstuben säumen die Dorfstraßen. So machen wir nochmals Halt in Steeg, um uns dieses für das Tiroler Lechtal typische Kunsthandwerk anzusehen. Neben zahlreichen Heiligen- und Weihnachts­figuren entdecken wir auch einige ­„moderne“ Objekte wie das dekorative, aus Holz geschnitzte Windspiel. Dessen Ausmaße sind leider nicht motorrad­tauglich, aber ein kleines Zirbelholz­kissen, das zu gutem Schlaf beitragen soll, lässt sich gut verstauen.

Doch bevor das ausprobiert werden kann, haben wir noch eine fantastische Etappe vor uns. Denn nun befinden wir uns im Talabschnitt, wo der Lech wild und mit Getöse die enge Klamm herabstürzt. Da wollen wir hinauf und schon geht es stracks über Serpentinen entlang der Steilwand hinauf nach Warth. Ein gepflegtes Bergstädtchen mit schicken Hotels und blumengeschmückten Häusern, das sich auf dem Hochtal ausbreitet und von mächtig aufsteigenden Bergmassiven umrahmt wird. Duftender Bergkäse und deftige Schinken werden angeboten und verlocken uns zu einer Rast auf der sonnenbeschienenen Terrasse im Ortszentrum.

Ein echter Genuss: die Abfahrt von Warth durch das enge Obere Lechtal.

Die Gegend um Warth zieht ein begütertes Publikum an, deutlich spürbar ist die Nähe zu Schweiz und Liechtenstein. Teure Limousinen, edle Cabrios und zahlreiche glänzende, wohl gepflegte Oldtimer beleben die Passstraßen. Noch auffälliger wird es in Lech, wohin uns die enge Kurvenstraße entlang des Tannbergmassivs bringt. Lech rühmt sich mit dem Titel „Schönstes Dorf Europas 2004“, und in der Tat ist es ein attraktiver Ort, der da im Hochtal zwischen den kargen Bergspitzen ruht. Und mondän dazu. Prächtige Hotelbauten säumen die Ufer des jungen Lech, schicke Leute flanieren über die Straßen, edle Karossen sind ein Blickfang. Wir begegnen einem Bentley-Cabrio aus den frühen 1930er-Jahren, dem wir spaßeshalber eine Weile folgen und das wir später in einem Berggasthof wieder treffen.

Auf der Höhe
Sehr idyllisch gibt sich das Hochtal bei Lech, saftig grüne Wiesen rundherum, baumbestandene Hänge und dahinter die schroffen karstigen Bergspitzen des Lechquellengebirges; ein prachtvolles Panorama, das unseren Weg nach Zug und zum Unteren Älpele begleitet. ­Einige verstreut liegende Bauernhäuser und zufrieden weidende Kühe vervollständigen die Alpenidylle. Unweit von hier vereinigen sich die Gebirgsbäche Formarin und Spuller zum Lech und hier beginnt die Mautstraße, die entlang des noch sehr jungen Lech führt und auf der man die Quellseen Fomarinsee und Spullersee erreichen kann.

Ein prächtiges Panorama: Der Lech in seinem Bett voll weißer Kieselsteine vor der Kulisse der Lechtaler Alpen.

Zurück in Warth zweigen wir ab zum Hochtannbergpass. Die Passhöhe liegt zwar nur auf 1676 Metern, dennoch versprüht die Umgebung den rauen Charme einer Hochgebirgslandschaft. Dann steht ein fahrerischer Genuss bevor, denn von der hochalpinen Bergstraße winden wir uns hinab in klimatisch sanftere Zonen. Bis 1260 Meter düsen wir Kurve um Kurve hinab, mit herrlichen Panoramaausblicken ins Vorarlberg. Dort begrüßt uns eine der beeindruckendsten Kurven der Alpenregion, die frei über dem Bregenzer Wald schwebende Spitzkehre in Schröcken.

Rund um das Lechtal begeistert uns eine ganze Reihe weiterer Täler mit spannenden Passsträßchen. Da wäre die Auffahrt von Steeg nach Kaisers, zur höchstgelegenen Gemeinde des Außerfern. Das kleine Bergbauerndorf liegt eingebettet zwischen zwei eindrucksvollen Gebirgsmassiven. Noch mehr begeistert uns die Stille dort oben sowie die spektakuläre Serpentinenstraße, die wir mit Genuss nicht nur hinauf-, sondern auch hinabschwingen. In Weißenbach zweigt die beliebte Motorradstrecke zum Gaicht-Pass ab. Spitzkehren schrauben sich die Bergwand hoch, den Rhythmus von Bremsen und Beschleunigen der Maschinen hört man weit ins Tal. Nach der Passhöhe geht es geruhsam weiter Richtung Tannheimer Tal bis zum Haldensee, dessen idyllische Lage und das sanft sich kräuselnde Wasser viele Motorradfahrer zum Rasten verlocken. Und dann sind da noch zwei bekannte Namen, das Hahntennjoch und das Namloser Tal, auf deren einwandfreien Bergrouten sich Touren bis hinüber nach Imst, zum Fernpass und zur Zugspitze unternehmen lassen. Welch erlebnisreiche Motorradregion! Was will man mehr?

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Stand:29 May 2020 11:33:54/reiseberichte/motorradtour+lechtal+in+oesterreich_173.html Warning: fopen(cache/6a9c114ea63d5cd153c7ec34912cb327.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163