Motorradtour Limesstraße - Immer an der Grenze

12.02.2016  |  Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann  |   Bilder: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
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Motorradtour Limesstraße - Immer an der Grenze
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Zehn Jahre Welterbe Obergermanisch-Raetischer Limes, 20 Jahre Deutsche Limes-Straße, 550 Kilometer Grenzwall und 700 Kilometer Fahrstraße durch kulturell und landschaftlich vielfältige deutsche Regionen. Was will man mehr?
Wir stehen am Caput Limitis, dem äußersten Ende des Obergermanisch-Raetischen Limes, dem sich nordwärts der Nieder­germanische Limes anschloss. Im heutigen Rheinbrohl betrachten wir einen wieder aufgebauten römischen Wachturm. Vor 2000 Jahren hatten die Römer großes Interesse, dieses für sie ferne Land zu besitzen und zu besiedeln, denn die germanischen Länder verfügten über reiche Bodenschätze, eine florierende Landwirtschaft und hervorragende Handwerker, wie wir im Erlebnismuseum RömerWelt erfahren. Kein klassisches Museum und ganz und gar nicht langweilig, erleben wir im In- und Outdoor-Bereich sehr vergnüglich das alltägliche Leben am Ende des römischen Riesenreiches, wie man/frau sich kleidete, was man aß, wie man wohnte und sich vergnügte.

Wir folgen der Limes-Straße, die bei der perfekten Ausschilderung nicht zu verfehlen ist. An den Ausläufern des Westerwaldes geht es weg vom Rhein auf kurvige Hangstraßen, die uns weit hinab ins Rheintal blicken lassen. In einer der reizvollen Ortschaften, in Höhr-Grenzhausen, grüßen überdimensionierte Keramiktöpfe, das Aushängeschild des Kannenbäckerlandes. In dieser Region, bekannt für ihre Keramikproduktion, zieht sich auch die Kannenbäckerstraße ent­lang, die eine Weile in Einklang mit der Limes-Straße verläuft. Am Ort eines ehemaligen Kleinkastells in Hillscheid steuern wir dann den rekonstruierten römischen Wachturm an. Es sieht ein wenig nach Disneyland aus, aber wir haben Spaß, denn wir begegnen einem „echten Römer“ in Tunika. Das idyllische Mühlenhotel Hüttenmühle bei Hillscheid ist dann unser Abend- und Nachtparadies. Nach einem köstlichen Abend­essen gibt es standesgemäß den „Verteiler“ im Tontöpfchen, wie es sich für die Römerkultur und das Kannenbäckerland gehört.

So könnte es einst ­ausgesehen haben: das rekonstruierte Kastell Pohl im Naturpark ­Nassau.

Westerwald und Taunus
Vom Rheintal zum Maintal, das ist unsere heutige Etappe. Aus der grünen Frische des Westerwaldes rollen wir westwärts, kurvige Strecken unter uns, weites Hügelland vor uns und zwischendurch immer wieder hübsche historische Städtchen. Auch hier ziert eine kulturhistorische Attraktion nach der anderen unseren Weg. Der elegante Kurort Bad Ems an der Lahn, das rekonstruierte römische Kastell Pohl, Bad Schwalbach und Idstein im Taunus. Da sind wir nun in einer der reizvollen deutschen Mittelgebirgsregio­nen, sehr verlockend für jede Art des Zweirads. Die Stimmung ist bestens, steigt aber noch, als wir die Hochtaunusstraße entlangdüsen, reizvolle Blicke auf romantische Burgen und Backsteinhäuser erhaschen, und schließlich unser nächstes Highlight erreichen, das Römerkastell Saalburg. In der anschaulichen Rekonstruktion begeben wir uns durch eine spannende Ausstellung über das römische Imperium und das Wirken und ­Leben der Römer in Germanien. In einer Sonderpräsentation über römische Waffen fallen uns Armbrüste auf, die derart effektiv und „modern“ aussehen, dass man ihr Alter von fast 2000 Jahren kaum glauben mag.

Die Saalburg liegt hoch oben im waldreichen Taunus. Nun geht es in gerader Schneise den Berg hinab, vor uns am Horizont die Skyline der Bankenstadt Frankfurt am Main. Damit kommt aber auch ein Wermutstropfen daher, denn die Limes-Straße zieht sich nun durch die stark bebaute Peripherie – nicht gerade prickelnd. Also fahren wir schnell durch, um zum Main vorzustoßen, der zu Römerzeiten die natürliche Grenze bildete. Hier gab es keine Befestigungen, keine durchgehende Mauer, nur Wachtürme. Idyllisch, hell und freundlich ist es an dem breiten Fluss, dessen Ufer interessante Städte wie Hanau, Seligenstadt und Aschaffenburg säumen. Mit dem „Dorf am See“ erreichen wir unseren Übernachtungsort. „Da hätten Sie’s schlechter erwischen können“, meint der Torwächter an der Einfahrt zur Hotelanlage. Stimmt, das Seehotel, das von verwinkelten Häuschen, Fachwerk, Giebeln, Terrassen und einem Weiher gebildet wird, ist wirklich zauberhaft. Und davor lädt der weite Niedernberger See zu einem erfrischenden Bad ein.



Main und Schwabenland
Von Mainfranken oder auch Churfranken geht unsere nächste Etappe strikt nach Süden. Nicht ganz so direkt wie der Limes, der hier tatsächlich über hundert Kilometer schnurgerade in Nord-Süd-Richtung verlief, dürfen wir die ein oder ­andere Kurve fahren. Und vielfältig ist die heutige Strecke allemal. Auf der einen Seite der Spessart, auf der anderen Seite der Odenwald, passieren wir Orte mit so wohlklingenden Namen wie Obernburg, Klingenberg und Miltenberg, bis der Main nach Osten abzweigt und wir durch die beschauliche Landschaft hügelauf und hügelab südwärts kurven, um schließlich am Römermuseum in Osterburken vorzufahren. Es befindet sich an der Stelle einer ehemaligen zivilen Siedlung, wo man Badeanlagen ausgegraben hat und besichtigen kann.

Im Lauf des Tages nehmen wir neben der Limes-Straße noch manch andere Touris­tikroute unter die Räder: die „Württem­bergische Weinstraße“, die „Idyllische Straße“ und die „Schwäbische Dichterstraße“. Sehr reizvoll ist das Hohenloher Land, wo wir die Flüsse Jagst und Kocher queren sowie Ber­lichingen und das Städtchen Jagsthausen mit der Götzenburg. Sie ist Stammsitz der Herren von Berlichingen und war Aufenthaltsort von Götz, dem Ritter mit der Eisernen Hand. Schade nur, dass am schönsten Stück der Strecke, als wir auf tollen Kurvenstraßen die Hänge rauf- und runterwedeln und malerische Täler passieren,  das Wetter nicht mitspielt. Dunkle Wolken verhängen den blauen Himmel und es beginnt zu regnen. Doch dann haben wir Glück, noch vor unserem Tagesziel ändert der Wettergott seine Meinung. Auf herrlichen Serpentinen schwingen wir den letzten Hang hinab ins Städtchen Lorch, einem ruhigen, beschaulichen Ort in wunderschöner Lage im Tal der Rems. Fachwerkhäuser säumen die Hauptstraße, Friedrich Schiller und Eduard Mörike lebten hier. Panoramabilder und Wandgemälde an den Fassaden der Stadthäuser und im Kloster Lorch lassen die Geschichte der Staufer lebendig werden. Dort, wo sich heute das Kloster befindet, stand einst ein Limes-Wachturm, während das Kohortenkastell in der Altstadt von Lorch seinen Sitz hatte.

Auf ins Frankenland
Am nächsten Morgen ist das Rems­tal in Nebel gehüllt. Die Nacht hat Regen gebracht und die Hitzeschlacht der Vortage beendet. Bei nun angeneh­men Temperaturen ziehen wir angesichts der Masse an Blitzapparaten bei äußerst moderater Geschwindigkeit weiter ostwärts. Mit etwas Geduld dringen wir bis Aalen vor, der Zentrale der Deutschen Limes-Straße und dem Zentrum des Obergermanisch-Raetischen Limes. Im Limesmuseum erfahren wir viel über die Entstehung und Geschichte der Limes-Straße und den Kastellstandort Aalen. Auch hier finden wir ein lebendiges Museum, in dem sich zwischen den historischen Artefakten erstaunlich viele junge Leute tummeln. Nach dem quirligen Aalen kehren wir auch dem verkehrsemsigen Remstal den Rücken und kurven gemütlich über die Höhen der Ostalb, um alsbald in Bayern, oder besser gesagt in Franken einzutreffen. Friedlich ist es hier, das Verkehrsaufkommen hat sich in Nichts aufgelöst und die kurvigen Strecken entlang weiter Felder, durch Waldstücke und gemütliche Dörfer machen richtig Spaß. Unterhalb des weit sichtbaren Hesselberges, dem Wahrzeichen der Region, peilen wir den Römerpark Ruffenhofen an und damit das spannende Limeseum, wo uns der Soldat December durch das Museum begleitet und uns auf eine Zeitreise durch das Leben im Kastell und der Zivilsiedlung nimmt.
 
Reizvoll und friedlich gibt sich die fränkische Juralandschaft bei Oberhochstatt.

Nun folgen romantische Städtchen wie Wasser­trüdingen, Unterschwaningen, Schloss Dennenlohe und Gunzenhausen im fränkischen Hügelland. In Theilenhofen steuern wir die Ruinen des römischen Kastellbades an. Interessanter noch erweist sich ein alter Trecker, der dort postiert ist. Helmut setzt sich unbekümmert darauf. Da taucht der Besitzer auf: „Mogst mal fohren?“, tönt er, was Helmut aber lieber verneint. In Ellingen passieren wir die Schwäbische Rezat und das barocke Deutschordensschloss, um das nahe gelegene Römerkastell zu begutachten, dessen Mauern teilrestauriert wurden. Noch beeindruckender gibt sich dann das Römerareal in Weißenburg. Die historische Stadt ist das Zentrum des Limes in Bayern mit den Römischen Thermen und dem riesigen Kastell Biriciana, dessen Nordtor in Originalgröße rekonstruiert worden war. Wenige Kilometer weiter passieren wir Oberhochstatt. Der Ort liegt in ausgesprochen idyllischer Lage auf der Jurahochfläche, wo man auf einem Aussichtshügel einen pfiffigen Infopunkt über die Gepflogenheiten der Römer aufgestellt hat. Witzig geht es auch am Römererlebnispfad in Burgsalach weiter, denn da stehen wir erst im „Barbaricum“, um dann auf die andere Seite, die römi­sche Provinz „Raetia“ zu wechseln.

Mit Oberbayern ans Ziel
Die nächste Etappe bringt uns in den Naturpark Altmühltal. Erkertshofen war ebenfalls ein Grenz­ort, wo wir den rekonstruierten Limesturm nicht nur von außen bewundern, sondern auch besteigen können. Etwas südlich versteckt sich die Villa Rustica im Dörfchen Möckenlohe. Der restaurierte römische Gutshof besticht mit anschaulichen Räumlichkeiten und einem Tierpark, wie er wohl in der Antike ausgesehen haben muss. Zurück an der Altmühl, erreichen wir das wiederaufgebaute Römerkastell in Pfünz. Für mich ist es das schönste Kastell, auch wegen der landschaftlichen Lage und der steilen Stichstraße, die zu dem gewaltigen Areal mit Mauern und Wach­türmen hochführt. Von hier ziehen wir weiter auf kurviger Topstrecke entlang der Altmühl bis Kipfenberg. In traumhafter Lage posiert das Städtchen mitsamt der markanten Spornburg auf einem steilen Felsen. Vor 2000 Jahren führte der Limes exakt durch den heutigen Ortskern. Dort feiert die Gemeinde auch alljährlich ihr Limesfest, bei dem Soldaten aufmarschieren, römische Damen vorbeiflanieren und die Limeskönigin auf einer Quadriga vorfährt.

Gut ausge­rüstet: römi­scher Legionär im Dienst

Mit Laimerstadt nähern wir uns schon dem Donautal. Der Ort liegt in Oberbayern an den sanften Anhöhen des Jura und mutet auch recht bayerisch an mit seinem weiß gekalkten Kirchturm. Zur Donau hin glättet sich die Landschaft allmählich, die Fernsichten werden weiter. An der „Hadriansäule“ bei Hienheim biegen wir von der Asphaltstraße auf einen holperigen Feldweg ab, um einen modern rekonstruierten Wachturm, das letzte Wahrzeichen unserer römischen Reise, aufzusuchen. Ja, und dann stehen wir mit dem Römerkastell Abusina in Eining an der Donau am Endpunkt des Obergermanisch-Raetischen Limes. Ab hier setzte sich der Grenzwall als ­Donaulimes fort. Das war’s. Zum Abschluss begeben auch wir uns aufs Wasser, indem wir per Seilfähre übersetzen, und düsen davon.

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Stand:23 August 2019 04:23:45/reiseberichte/motorradtour+limesstrasse+-+immer+an+der+grenze_173.html Warning: fopen(cache/ec7269cee915c750fbb484312d73b536.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163