Reisebericht Sardinien mit Enfield – Live like a Bullet

17.10.2017  |  Text & Bilder: Frank Siepmann  |  
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Reisebericht Sardinien mit Enfield – Live like a Bullet
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Daheim am Bodensee sind die Tage kalt und feucht, aber ich habe noch etwas Ferien. Kurz entschlossen packe ich meine alte 350er Enfield Bullet in den Wagen und fahre nach Sardinien
Das Wetter ist megawarm für diese Jahreszeit und der Südwesten Sardiniens bietet Traumplätze zum Übernachten. Für ein paar Tage lasse ich mich in Is Arutas westlich von Oristano nieder. Ist dieser Landstrich im Sommer vollkommen überlaufen, habe ich die wunderschönen Reiskornstrände außerhalb der Saison fast für mich allein. Am ersten Morgen springe ich erst einmal ins Meer. Die Temperaturen sind schon bei ca. 20 Grad, angenehm wie ich finde, genug für ein morgendliches Bad. Die Sonne wärmt auch schon am Morgen, ich trockne mich ab, lass die Kaffeemaschine laufen und hole die Enfield aus dem Auto. Ein Kick, ein kurzer Griff am Gashahn und der Motor der Bullet läuft gemächlich an. 

Doch zunächst stelle ich den Einzylinder wieder ab und genieße den Espresso – der Tag kann beginnen. Über kleine ungeteerte Wege die am Strand entlangführen, geht es dann erst einmal nach Oristano. Hier wird vollgetankt und das Frühstück in einer kleinen Panetteria nachgeholt. Die Enfield erregt direkt Aufmerksamkeit bei einigen älteren Italienern: »Molto bene« höre ich immer wieder! Klangmäßig kann sie auf jeden Fall mit den alten Guzzis und Ducatis mithalten.

Endstation Sehnsucht - Capo Pecora

Am Vormittag erkunde ich zunächst ein wenig die Gegend der Westküste. Vorbei am Stagno di Cabras geht es gemütlich in Richtung Südspitze der Sinis-Halbinsel zur Ausgrabungsstätte Tharros. Diese nimmt fast den ganzen schmalen Landzipfel am Capo San Marco ein und ist sicherlich ein sehenswerter Höhepunkt der Halbinsel. Die phönizisch-römische Hafenstadt Tharros galt einst als eine der größten Städte des antiken Mittelmeerraums. Seit 1956 finden hier Ausgrabungen statt, die inzwischen einen sehenswerten Teil der alten Hafenanlage freigelegt haben.

Nach dem kleinen archäologischen Event donnere ich weiter auf der Sinis-Halbinsel herum. Bucht um Bucht ziehen sich die Strände wie auf einer Perlenkette aufgezogen fast 50 Kilometer weit. Mal fahre ich über kleine Schotterpisten direkt an der Küste entlang, dann mal wieder auf rauem Asphalt ein paar Kilometer im Landesinneren durch Palmenalleen und Obstplantagen. Früher war diese Gegend mit Moskitos und Malaria verseucht, deshalb ist sie auch jetzt noch fast unbewohnt. Nur im Sommer sind die Strände für zwei Monate mit sonnenhungrigen Touristen überlaufen. Nach ein paar Tagen habe ich genug Strand und Wasser gesehen und fahre weiter gen Süden.

Ein kleiner Abstecher führt mich mit meiner Bullet in die frühere Bergarbeiterstadt Iglesias. Hier wurde in früheren Jahren vor allem Erz abgebaut, was man an der roten Erde gut erkennen kann. Auch zeugen alte verlassene Bergwerke von der früheren Haupteinnahmequelle. Eine der Minen ist als Museum ausgebaut und durchaus lohnenswert. Für mich und die Enfield erscheint die Route in die Berge von Iglesias besonders reizvoll. In »Tausenden« von Kurven führt die Straße zuerst in die Berge hinauf, um von Fluminimaggiore dann wieder ganz langsam und sehr kurvig ans Meer zurückzuführen. Vom Capo Pecora über Buggerru bis nach Gonnesa zieht sich eine wunderbare Steilküste. Insbesondere die Bucht von Cala Domestica überzeugt durch ihre einmalige Schönheit. Meine von der Bullet durchvibrierten Gliedmaßen reaktiviere ich mit einer kleinen Wanderung oberhalb der wildromantischen Küstenklippen. Die Sicht von hier auf die Bucht ist zauberhaft, insbesondere im milden Abendlicht.

Kaffeestopp mit der voll beladenen Bullet in Buggerru

Die Bergstraßen hier machen der Bullet schwer zu schaffen. Geht es bergauf noch im zweiten Gang mit Tempo 30, wechsele ich beim Bergabfahren lieber in den ersten Gang, um den Bremsvorgang der Enfield zu unterstützen. Bei meinem Indien-Eigenimport ist es nämlich so, dass die vordere Bremse, ja wie soll man sagen, zwar vorhanden ist, aber nicht wirklich viel Wirkung zeigt. Also rolle ich gemächlich, schnurstracks geradeaus die von hohen Felsen gesäumte Klamm bergab, um plötzlich einen kurzen, aber einmaligen Ausblick auf das tiefblaue Meer zu erhaschen, aus dem majestätisch der schneeweiße Pan di Zucchero seine ganzen 132 Meter stolz und senkrecht in die Höhe reckt.

Am nächsten Tag geht es mit meinen 17 PS ganz entspannt die Costa del Sud entlang. Mit ihren schier endlosen Traumstränden, die sanft ins kristallklare, türkisblaue Meer abfallen, ist diese Costa von karibischer Schönheit. Sie ist nur etwa 40 Kilometer lang und nur wenige kleine Dörfchen säumen die Strecke. Der touristische Hotelbau ist hier nur sehr begrenzt möglich, da strenge Bauvorschriften die Ursprünglichkeit bewahren. Beim antiken Amphitheater von Nora endet die schöne Küstenstrecke und führt durch weniger spannende Industriegebiete bis zur Hauptstadt Cagliari. Diese Multikulti-Stadt ist übrigens sehr sehenswert, auch wenn es der erste Augenschein nicht erwarten lässt. Internationale Kleinkunst, viele nette Boutiquen, eine Altstadt mit unzähligen kleinen Kirchen und natürlich hervorragende Restaurants laden zum kurzen oder längeren Verweilen ein.

Traumstraßen für Zweiräder – die Costa del Sud

Mein Ziel ist das Künstlerdorf von San Sperate. Es ist teilweise Künstlerdorf, teilweise lebendes Museum und weit über Sardinien hinaus bekannt. Es sind die Einwohner des Dorfes selbst, die sich mit Malerei, Töpferei, Bildhauerei und Theaterprojekten einen Namen gemacht haben. Mich zieht es weiter zur Königsküste, der Costa Rei. Unendlich schön ziehen sich tausende Kurven entlang der Küste und ein Panoramablick nach dem anderen verwöhnt das Auge. Von Villasimius biege ich ab auf eine kleine geteerte Straße bis zum Capo Carbonara. Ich nutze die Nebensaison aus, denn hier sollte man im Juli/August nicht vorbeikommen. Dann ist nämlich wegen Überfüllung geschlossen! Jetzt ist es fast leer.

Ein Schäfer kommt vorbei und bietet mir den berühmten Schafskäse zum Kauf an. Aus seinem Auto holt er eine Handwaage und schnell hat er mir anderthalb Kilo Käse angedreht. Kleinere Mengen will er nicht verkaufen! Für mich passt es auch, schließlich habe ich jetzt ein Mitbringsel für zu Hause, das ich in den Ortlieb-Packtaschen verstaue. Nach einem kurzen Plausch zieht der Schäfer wieder von dannen und ich erwecke die Enfield mit einem kräftigen Tritt wieder zum Leben. Entlang Unmengen kleiner Buchten tuckere ich ganz entspannt den einsamen Küstenstrich hinunter. Es ist ein Fahren, das ich dem Temperament meiner Enfield angepasst habe. Erst bei Arbatax nimmt der Verkehr wieder zu und es wird italienisch hektischer. Hier schlage ich für ein paar Tage mein Lager auf, nicht weil ich es hier besonders schön finde, sondern weil es ein guter Platz ist, um ein paar Abstecher in die naheliegenden Berge zu machen. 

Mein Ziel ist die Region um den Lago Alto di Flumendosa. Je nach Jahreszeit hat man hier verschiede Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Wenn es heiß ist, bietet der Lago nette Badegelegenheiten in seinem blauschimmernden Wasser oder aber man fährt auf der Südseite des Stausees ganz gemütlich oberhalb des Ufers entlang in Richtung der Felsnadel Perda e Liana. Ich entscheide mich für diese zweite Variante und kann mein Ziel schon von Weitem anvisieren. Der Perda e Liana ist eine Felsspitze, die absolut senkrecht aufsteigt und mit fast 1300 Metern einen der höchsten Gipfel der Region darstellt. Karten oder Navi braucht man eigentlich nicht, da das Ziel schon aus der Ferne gut zu erkennen ist. Bis ich den Fuß des Berges erreicht habe, muss die Enfield allerdings noch Schwerstarbeit leisten. Eine Steigung mit maximal achtzehn Prozent gilt es zu meistern. Aber auch das schafft die Bullet mit viel Anlauf problemlos. Für mich und meine Enfiled sind die Ferientage allerdings auch fast schon gezählt und so langsam geht es zurück zum Fährhafen. Ein nächstes Mal wird es mit Sicherheit geben.
 

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Stand:15 August 2018 20:23:56/reiseberichte/reisebericht+sardinien+mit+enfield+-+live+like+a+bullet_17905.html