Motorradtour Luxemburg - Rock'n'Roll

05.08.2015  |  Text: Helmut Strauß  |   Bilder: ONT, Jonathan Godin
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Motorradtour Luxemburg - Rock'n'Roll
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Ob es die Felsen in der Kleinen Luxemburger Schweiz, die tief eingeschnittenen Täler in den Ardennen oder die ehemaligen Eisenerzgruben im „Land der roten Erde“ sind – Luxemburg rockt, und das im besten Sinne des Wortes!
Vielfältig, kontrastreich und weltoffen, so lässt sich Luxemburg kurz beschreiben. Das einzige Großherzogtum der Welt hat eine solche Bandbreite an landschaftlichen Eindrücken zu bieten, dass einem ganz schwindlig werden kann. Tief eingeschnittene Täler, hoch gelegene Plateaus, grüne und je nach Jahreszeit reich geschmückte Acker- und Wiesenflächen, weite, einsame Wälder und mit Mosel und Sauer zwei imposante und zugleich liebliche Grenzflüsse. Vielfältig und kontrastreich, das ist nicht nur die Landschaft, sondern auch das, was die Menschen daraus gemacht haben. Zahlreiche Burgen und Schlösser, Festungsanlagen, kleine Dörfer mit ­alten Bauernhöfen, alte und zugewachsene Grubenareale genauso wie futuristisch anmutende neue Stadtzentren – all das gehört zu einer Kultur, die sich gerade in Luxemburg ungeheuer weltoffen und multikulturell darstellt.

Rebellischer Neubeginn
„Terres Rouges“, das „Land der Roten Erde“, so wird der Süden genannt. Seinen Namen verdankt er dem leuchtend roten Eisenerz namens Minette, das den Erfolg der Stahlindustrie in Luxemburg erst ermöglichte. Wenn man sich Esch-sur-Alzette nähert, wird klar, dass sich hier eine Region im Umbruch befindet – weg von der Eisen- und Stahlindustrie hin zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft, die alten Industriestandorten zugleich neues Leben einhaucht. Ganz besonders deutlich wird diese Aufbruchsstimmung in Belval, das wir gut ausgeschildert problemlos finden. Und noch ein Hinweisschild fällt auf: „Rockhal“.

Gut gelaunte Gruppe: Stopp an den still­gelegten Hochöfen der „Terres Rouges“.

Wir parken die Motorräder vor dem Konzertsaal, genau gegenüber den stillgelegten Hochöfen und den alten Hüttengebäuden, die renoviert und neu genutzt werden, und das inmitten eines quasi neuen Stadtteils. Hier ist die neue Universität zu Hause, mit Campus, mit Hochhäusern eng an den alten Strukturen angelehnt, mit Grün­zügen, neuen Wohnquartieren und vielen Menschen scheinbar aller Nationalitäten. Nach 1870 begann genau hier der Aufbruch in ein ­erstes industrielles Zeitalter, das vor allem auf der Eisen- und Stahlindustrie beruhte. Aber das ist Vergangenheit: Mitte der 1950er-Jahre wurde klar, dass diese Struktur zu anfällig für weltwirtschaftliche Schwankungen war, die Erzminen wurden geschlossen, 1997 traf es den letzten Hochofen. Jetzt ist neues Leben eingezogen, ohne dabei die Vergangenheit zu leugnen. Der Hochofen A ist seit 2014 für die Öffentlichkeit zugänglich – den Aufstieg sollte man sich auch in Motorradklamotten nicht entgehen lassen. Die Aussicht ist phänomenal: auf das neue Stadtquartier mit Uni-Hochhaus und den futuristisch anmutenden Bahnhof, auf den Süden mit seinen modernen Einkaufsstädten wie Dudelange und Differdange, und nicht zuletzt auf die Rockhal, die wegen ihrer Konzertangebote weit über Luxemburg hinaus bekannt sein dürfte.

Aber genug an Besichtigungen oder Erinnerungen an die Vergangenheit, wir wollen jetzt endlich ein Stück „er-fahren“, die Ducati drängt. Erstes Ziel ist die Moselregion mit einem kleinen Abstecher nach Mondorf-les-Bains, ein kleines, feines Kurstädtchen mit Spielbank und Park. Hier lässt es sich aushalten, und gerade der Park lässt zumindest die Pflanzenfreunde unter uns strahlen. Die kurze Mittagspause gibt uns aber auch Gelegenheit, die Küche Luxemburgs kennenzulernen. „Judd mat Gaardebounen“, so heißt der geräucherte Schweinehals mit dicken Bohnen, oder „Fierkelsjelli“, was so viel bedeutet wie „Ferkel im Gelee“. Darf es noch mehr sein? „Bouneschlupp“, also Bohnensuppe mit Speck und einiges andere mehr. Also mehr oder weniger sehr gehaltvolle Mahlzeiten, aber – und dies ist ganz wichtig: Die Küche, so deftig sie auch sein mag, übernimmt immer mehr auch die Feinheiten der französischen Nachbarn, wo es nicht immer auf die Menge, sondern vor allem auf feine Raffinesse ankommt. Das können wir zumindest auf unserem Trip absolut bestätigen.



Nun geht es weiter an die Mosel, und endlich können wir es so richtig fliegen lassen – aber nur kurz. Die Moselgegend ist nämlich eine bevorzugte Touristenlandschaft, was sich auch im zunehmenden Verkehr zeigt. Schengen, der kleine Ort direkt am Moselufer, dürfte allen bekannt sein, denn hier wurde 1985 das Schengener Abkommen beschlossen, das die Abschaffung der Personenkontrollen besiegelte. Viel erinnert daran, auch die schöne Geste, sich an einem dafür extra eingerichteten Denkmal mit einem Vorhängeschloss verewigen zu können. Übrigens, jetzt ist REISE MOTORRAD auch dort vertreten, den Schlüssel haben wir ...

Kurz hinter Remich wartet ein ganz anderes Erlebnis auf uns. Während auf der gegenüber­liegenden Moselseite der Muschelkalk in einem Steinbruch abgebaut wird, hat das Gestein hier eine vollkommen andere Funktion übernommen. In den Caves St. Martin wird unterirdisch in einem Weinkeller auf einer Länge von über einem Kilometer ein Crémant hergestellt, der sich in keinster Weise hinter seinen Vorbildern aus der Champagne verstecken muss. Ein Glas, mehr nicht, dann geht es abseits der Touristenströme weiter in Richtung Sauer und zwar nach Wallendorf-Pont, wo die erste Übernachtung im Hotel Dimmer ansteht.

Mullerthal und Ardennen
Mit dem Mullerthal – oder Mëllerdall auf Luxem­burgisch – steht am nächsten Morgen schon das erste Highlight auf dem Programm. Im Volksmund wird das Mullerthal auch die „Kleine Luxemburger Schweiz“ genannt. Kurven, nichts als Kurven, hoch und runter, so lautet die Devise. Die Landschaft aus Sandsteinfelsen verdankt ihr eigentümliches Aussehen der über Jahrtausende wirkenden Erosion. Heute ist die Kleine Luxemburger Schweiz ein Anziehungspunkt für Touristen aus nah und fern. Wer wandern will, auch dem kann geholfen werden: Der Mullerthal-Trail führt den geübten Wanderer über 112 Kilometer durch diese herrliche Hügel- und Felslandschaft. Die markantesten Felsen haben im Volksmund bizarre Namen erhalten wie zum Beispiel Piteschkummer, Geyerslay oder Hohllay, um nur einige zu nennen. Uns ist natürlich nicht zum Wandern zumute. Larochette – im Deutschen Fels – und Beaufort locken mit den Ruinen ihres Schlosses beziehungsweise ihrer Ritterburg, und nicht zu vergessen Echternach, die Hauptstadt des Mullerthals und gleichzeitig die älteste Stadt in Luxemburg. 2010 hat die UNESCO die ­Echternacher Springprozession in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Für uns geht es jetzt in den Norden, die Luxemburger Ardennen warten. Die beiden ­Naturparks Obersauer und Our setzen im Rahmen der ländlichen Entwicklung auf nachhaltige Agrarwirtschaft und sanften Tourismus. Zu den lokalen Produkten „vum Séi“ gehören Kräuter, ätherische Öle, Tee und Getreide ebenso wie schmackhaftes Bier, das in so genannten Mikro­brauereien hergestellt wird. Der Stausee bei Esch entstand 1961 auf einer Fläche von 380 ha und sorgt bis heute für Trinkwasser und Strom. Das Gebiet um den „Stau“, wie die Einheimischen ­sagen, gilt als beliebtes Ausflugsziel, nicht zuletzt weil man auf großen Teilen des Sees Wassersport treiben kann. Wir haben mehr die Straßen im Blick, und hier offenbart sich wieder der „Rock ’n’ Roll“-Charakter: Von breit und gut ausgebaut bis klein und eng reicht das Spektrum, das die Ducati zumindest auf den manchmal auch etwas holprigen Teilen an ihre Grenzen bringt. Nicht zu unterschätzen sind auch manche Kurvenverläufe, die für die eine oder andere Überraschung sorgen können. Da tut die Pause an der Bourscheider Mühle neben dem Campingplatz richtig gut; auch hier lässt sich hervorragend speisen und das zu einem mehr als vernünftigen Preis.

Nördlichster Punkt der Tour: Clervaux mit seinem Schloss.

Neben den landschaftlichen Erlebnissen kommt aber auch hier die Kultur nicht zu kurz: In Clervaux gibt es nicht nur eine berühmte ­Benediktinerabtei, sondern ebenfalls ein Schloss aus dem 12. Jahrhundert. Dort hat seit 1994 ­Edward Steichens bekannteste Ausstellung „The Family of Man“, die der gebürtige Luxemburger Fotograf 1955 für das Museum of Modern Art in New York zusammenstellte, ihren festen Sitz. Diese Ausstellung ist auch als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt, und ganz klar: Das Ding ist absolut sehenswert! Uns zieht es schließlich nach Vianden, der „Perle der Ardennen“. Schon von weitem sichtbar ist die zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert errichtete und aufwändig restaurierte feudale Residenz, die während der romanischen und gotischen Zeit zu den größten und schönsten Burgen in Europa zählte. Heute übernachten wir in dem motorradfreundlichen „Hotel Belle Vue“, abends geht es traditionellerweise zum Hunn mit seinen köstlichen Grill­gerichten und einem nicht minder tollen Wein. Das haben wir uns einfach verdient.

Grünes Herz mit Vergangenheit
Wer in Luxemburg ist, der muss natürlich auch in die „Stadt“. Obwohl die Hauptstadt des Großherzogtums lediglich 107 000 Einwohner zählt, tummeln sich hier Menschen aus über 150 verschiedenen Ländern. Nicht umsonst spricht man im Zusammenhang mit der Stadt vom „grünen Herzen Europas“. Ein Drittel sind Grünflächen, die zu Wanderungen oder Ausflügen einladen. Die Altstadt um die Kathedrale gehört seit etlichen Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO. Während rund um den Bockfelsen die imposan­ten Überreste der ehemaligen Festungsanlagen zu bestaunen sind, zeichnet sich das Europa- und Bankenviertel auf dem Kirchberg durch seine zeitgenössischen Bauten aus, darunter die viel ­gelobte Philharmonie und das lichtdurchflutete Museum für moderne Kunst (Mudam).

Sehenswert: die ­historischen Terras­sengärten am Fuß des Bockfelsens in der Stadt Luxemburg.

Andererseits kann man bequem durch die Geschäftsstraßen der Altstadt flanieren, sich auf einer schattigen Terrasse auf ein Glas Wein niederlassen und später in eines der zahlreichen Restaurants einkehren – geboten wird alles, von gutbürgerlicher Küche bis zu Sterne-Menüs. Die Stadt bleibt überschaubar, gerade auch in der Unterstadt Grund, ein tolles Ensemble an Gebäuden, die wunderbar restauriert sind. Die ­historischen Terrassengärten am Fuß des Bockfelsens mit Weinreben, Feigenstrauch und Aprikosenbaum zählen sicherlich zu den schönsten Gärten in Luxemburg. Ein fast romantischer Ausklang für eine Tour, die auch an dieser Stelle von Felsen, den „Rocks“, bestimmt wird, die uns immer wieder begegnet sind. „Rolling Home“ heißt es nun für uns, und für euch: Auf nach Luxemburg!

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Stand:17 June 2019 21:21:19/reiseberichte/rock+%3Fn%3F+roll_173.html