Mit der Triumph Tiger 800 auf Korsika – Test und Reise

26.06.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Carsten Heil, Guido Kupper
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Mit der Triumph Tiger 800 auf Korsika – Test und Reise
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Das erste Mal Korsika und dann gleich auf einer neuen Tiger 800 XRT. Es gibt wahrlich schlechtere Kombinationen. Auf der Fahrt von Bastia nach Porticcio mit einem Ausflug in den tiefen Süden der Insel
Unerträglich. Korsika ist einfach unerträglich. Unerträglich schön. Korsika ist einfach unerträglich schön. Knapp über 1200 Kilometer in drei Tagen bringen diese Erkenntnis und sie ist in Stein gemeißelt wie die D4 zwischen Murzo und Rezza. Womit wir in Sachen Panorama-Porno auch schon beim Höhepunkt der südlichen Inselhälfte wären. Zwischen genannten Dörfern schlängeln sich 25 Kilometer Straße, die in Sachen Ausblick nach jeder Kurve ein „Boah, wie geil!“ mit sich bringen und natürlich Herden frei laufender Hausschweine.

Erbaut in den frühen 1970ern – seither auch unberührt von weiteren Bauarbeiten – schlängelt sich die D4 an tiefen Schluchten und Tälern vorbei immer am Bergrücken entlang. Der Blick in die Tiefe bringt lebendiges Grün mit berauschend klarem Wasser. Ein Klischee. Ein Traum. Haben die nicht den Herr der Ring hier gedreht? Nein. Könnten sie aber. Egal.



Unter mir die neue Tiger 800 XRT mit dem optionalen Twin-Kofferset. Also nahezu Vollausstattung für den ohnehin üppig bestückten Gussradtiger mit 19”-Frontfelge für zusammen gute 14.880 Euro. Hoppla. Dafür kommt sie einfach edelst rüber in dem endgeilen blauen Lack „matt cobalt blue“ getauft. Kann sich eigentlich noch jemand an die Zeiten erinnern, als Mopeds rot, schwarz und blau waren? Ich auch nicht mehr. Sei es drum, das kann ja nicht das Problem der Tiger sein.

Die knapp 200 Kilo Zuladung – und damit nahe dem Maximum – übrigens auch nicht. Nicht nur die Kameraausrüstung des Knipsers, dessen Gepäck und den schweren Seesack eines packfaulen Mitfahrers muss sie ertragen, sondern auch einen gut hundert Kilogramm schweren Fahrer. Damit sie trotzdem noch sauber ums Eck geht, muss die Vorspannung im Heck wirklich ganz weit geschlossen werden. Ein Kurvenwunder wird die Triumph aber trotzdem nicht.


Auch der fast neue Triple mit seinen 800 Kubik, kräftigen 95 Pferden und ausdauernden 79 Newtonmeter Drehmoment macht seinen Knochenjob wirklich tadellos. Kein Auswuchs an Spritzigkeit, eher auf die elastische Seite der Drehbereitschaft getrimmt, bummelt sie dir im 6. Gang sauber durch die Stadt, um dann ruck- und klaglos bis zur Höchstgeschwindigkeit bei knapp über 200 Sachen durchzuziehen.

Sehr passend zu dem kräftigen Motor ist die Brembo-Bremse: kein Hypersport, ein bisschen zahnlos, aber kräftig und ausdauernd. Positiv auffällig wird das bei der Abfahrt vom Col de Tartavellu bei Rezza. Hier bemerkt die Nase eine heiße Bremse, aber Fading ist den Stoppern fremd. Ebenso trefflich ist die Abstimmung der Federelemente: Die volleinstellbare Gabel mit 180 Millimeter Federweg und das in Vorspannung und Zugstufe justierbare Federbein mit auch nutzbaren 170 Millimeter Federweg sind in tiefster Seele komfortabel abgestimmt. Sie besitzen aber die nötige Progression, um bei schnellem Geläuf nicht wie flüssige Butter auf heißem Toast durch den Radius zu fließen.

Kleine Käse-Pause an der D4, hoch über dem Fluß

Wer die Tiger eh mehr auf der Straße bewegt, sollte die Dämpfungen der Gabel ruhig etwas zudrehen (Handbuch benutzen) und dem Heck mehr Vorspannung und Zugstufe gönnen, dann wird die kleine Raubkatze ziemlich wuselig.

Diese höhere Agilität braucht es auch, um zu Beginn unsere erste Inseletappe sauber zu bestehen. Vom Fährhafen Bastia über die T20 nach Corte und dann nach Ajaccio. Einmal quer drüber. Gute 150 Kilometer nur geradeaus, Autobahn halt. Weit gefehlt, mein spöttischer Freund. Diese breite Landstraße könnte weder besser ausgebaut noch besser geführt sein. Tolle Kurven, wahnsinnig abwechslungsreiche Landschaft, inklusive schneebedeckter Gipfel, Serpentinen, schnelle Kurven, Walddurchfahrten, hier und da ein Wasserfall, feine kleine Dörfer. Ich könnte die Strecke tagelang fahren ohne Langeweile.

Langweilig wird’s beim Fahren, wenn man sich an die Vorschriften hält, denn das machen nur die Deutschen. Der Korse fährt, wie es ihm gefällt, Polizei gibt’s im Hinterland keine, Radarfallen und sonstiger Spaßbeschnitt sind Fremdworte auf der rebellischen Insel. Also immer schön laufen lassen, das Krad und das Land genießen.
Die Altstadt und Festung von Corti, im Zentrum der Insel

Erste echte Station der Reise ist die alte Stadt Corte. Eine herrlich erhaltene Touristenfalle, gefühlt mitten auf der Insel. Malerische Altstadt, viele junge Menschen (Unistadt), sehr variantenreiche
Gastronomie und auch ein logischer Startpunkt für allerlei Abenteuer in die nähere Bergwelt. Als da wären der Stausee Lac de Calacuccia mit herrlichem Blick auf den höchsten Berg der Insel: mit 2706 Metern ist der Monte Cinto nur wenig kleiner als die Zugspitze und auch im Mai mit einer Schneekuppe bedeckt.

Problemfall Hotelsuche. Schon bei Vorbereitung der Reise fällt auf, dass Hotels auf Korsika eine sehr eigene Art haben, ihre Qualität in Sternen zu beurteilen. Soll heißen: Unterkunft der Machart Studentenwohnheim protzt mit drei Sternen, während die Übernachtung pro Nase dann nur 35 Euro kostet, plus Frühstück. Da muss man sich dran gewöhnen und natürlich nicht vergessen, dass ein französisches Petit Déjeuner eben nur aus Kaffee, Croissant, Butter und – wenn überhaupt – Marmelade besteht. Zur Erklärung: Kaffee heißt Filterkaffee in Brühqualität. Nix mit gentrifizierter Milchschaum-Kacke wie „Ladde Maschiado“, wie der Deutsche gerne bestellt.

Blick von der T20 auf die Ruine des Fortin de Pasciola

Apropos Sprache: Auffällig ist, im Norden und der Mitte der Insel kann man sich recht gut auf Englisch verständigen und man hat den Eindruck, das Gegenüber hat keine Probleme damit, nicht in der Amtssprache Französisch zu sprechen. Im Süden der Insel indes fehlt dazu größtenteils Wille wie Können. Auf der anderen Seite kann der vom Korsen ohnehin ungeliebte Tourist ja auch mal ein wenig Französisch lernen. Zur Erklärung sei gesagt: Der korsische Ureinwohner – gerade im Hinterland – mag die Touristen einfach nicht und die ganzen Nutznießer der Urlauber sind zumeist Festland-Franzosen.

In Sachen Sprache auch sehr interessant: Die Korsen sprechen eine eigene Regionalsprache. Das Korsische. Eine recht alte Verwandte des toskanischen Dialekts und des Galluresischen. Eine sehr ähnliche Variante wird auch auf Sardinien gesprochen, dass allerdings vom Korsischen abstammt, sich phonetisch aber sehr nah an dem romanischem Stamm orientiert. Gesprochen hört sich das Korsische sehr hart an, erinnert an ein sehr ungenau gesprochenes Latein, der eigentlichen Wurzel der Sprache. Im Allgemeinen ist das Korsische eher unverständlich, aber sehr interessant anzuhören.

Die Ponte Vecchio Brücke direkt an der T20 in Richtung Porticcio

Die Unterschiede zum Französischen selbst sind vor allem auf den Straßenschildern zu lesen: Alle Ortschaften sind in korsisch und französisch ausgewiesen. Wobei der auf der Insel ungeliebte französische Name meist mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht und in sehr ländlichen Gebieten mit Schrottkugel oder größeren Kalibern löchrig geschossen ist. Sonst noch Fragen zum Verhältnis der Korsen zu Frankreich?

Weiter geht es von Corte in Richtung Ajaccio, weiter auf der T20, wo die Pont du Vecchio das Auge erfreut. Eine über hundert Jahre alte Eisenbahnbrücke, die sich genausoviele Meter über der Straße zwischen zwei Berge spannt. Toller Fleck, den der Fluss Vecchio darunter noch schön in Szene setzt. Allerdings verliert die bisher geliebte T20 kurz vor Bocognano etwas von ihrem Reiz: es geht wieder bergab und uninspiriert in Richtung Küste.
Viel grün auch in Richtung Küste von Ajaccio aus

Am besten für Tiger und Dompteur ist es, in Bocognano die D3 in Richtung Tolla zu fahren. Zwar ist die Straße zwischen Bastelica und Occa teilweise von einer Kraterlandschaft nicht zu unterscheiden, aber dafür ist die Tiger ja dabei, schluckt selbst diese Löcher mit beinah gelangweilter Routine.

Und lässt viel Zeit, den wunderschönen See bei Tolla zu betrachten – wenn der nicht gerade im Nebel liegt und/oder schwere Regengüsse Sicht und Gefühl auf der Straße gänzlich zerstören. Dieses Fleckchen Insel liegt gerne genau unter den landeinwärts ziehenden Tiefdruckgebieten und von einer Kurve auf die andere stehen dann schon mal ein paar Zentimeter Wasser auf der Gasse. Wobei das sieht man nicht, sondern hört es nur bei der Durchfahrt im tief stehenden Nebel. Reizvoll allemal.



Ein Phänomen, das man leider auch sehr gut auf der D420 in Richtung Aullene auf dem Col de St. Euchstache erleben kann – wobei sich hier strahlende Sonne und Gewitter kurvenweise abwechseln können. Doch wer auf schroffe Bergwelten steht und enge Bergabfahrten schätzt ist auf diesen zweiundzwanzig Kilometern zu Hause. Auch sehr empfehlenswert ist von Aullene weiter bergabwärts in Richtung Arbellara und Propriano zu kurven. Hier ist man mittendrin in der sehr abwechslungsreichen Welt von Korsika.

Und die Triumph? Nun, seit Bastia begnügt die sich mit knapp über fünf Litern Sprit – vollbeladen und nicht langsam – und zieht von allerlei Störfeuer in Form von Wetter und Belagwahl der Korsen unbeeindruckt stoisch ihre Bahnen. Und das können bei riesigen 19 Liter Tankinhalt auch schon mal gute 380 Kilometer am Stück sein.



Auf den flotten Etappen indes nervt der in der höchsten Position scheppernde Windschild. Dafür entschädigt das neue TFT-Display (in jeder Topversion von Triumph verbaut) mit guter Übersicht, einfacher Ablesbarkeit und mit seinen sechs verschiedenen Anzeigen das Auge.
Kurzer Test der serienmäßigen Heizung von Hand und Hintern: heizt schnell und vor allem gleichmäßig.

Fazit Korsika

Das muss man gesehen haben. Der erkundete Süden ist ein reichhaltiges Menü an tollen Straßen und feinster Landschaft. Die oft als teuer gebrandmarkte Mittelmeerinsel zeigt sich Anfang Mai in Sachen Gastronomie überraschend gut mit vertretbaren Preisen, die Hotels – wie schon geschrieben – versprechen teils mehr als sie halten. Haben aber auch ein recht gut finanzierbares Niveau. Alternativ sind Campingplätze allerorts zahlreich vorhanden, sogar mit vollausgestatteten Hütten. Nur der Sprit ist mit deutlich über 1,55 Euro je Liter Super recht teuer.

Fazit Tiger 800 XRT

Wirklich gefährliche Raubkatzen waren die Tiger von Triumph seit Hinckley nie. Angefangen mit der schweren T400 über die ersten Einspritzer mit dem 955 Kubik-Motor und die 1200er Wuchtbrumme Tiger Explorer (heute nur noch Explorer) bis hin zu den 800er-Modellen. Immer waren die Reiseenduros von Triumph eher Rundum-sorglos-Pakete für das unaufgeregte, souveräne Vorankommen. Dieser Tradition schuldet die neue Tiger 800 nichts. Klangloses Arbeitstier mit enorm hohen Nutzwert, souveräner Antrieb für alle Lebenslagen und ein off- wie onroad gut nutzbares Fahrwerk. Dazu eine sehr hochwertige Ausstattung und viel Komfort bei vergleichsweise leichten 225 Kilogramm Gewicht. So gesehen eine eierlegende Wollmilchsau und ein Lastesel für den Langstreckenfreund.
 

Technische Daten Triumph Tiger 800 XRT



Preis: 14.050 Euro

Motor: Wassergekühlter Dreizylinder-Viertaktreihenmotor, vier Ventile pro Zylinder
Hubraum: 800 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW) bei 9500/min
max. Drehmoment: 79 Nm bei 8050/min
Bohrung x Hub: 74,05 x 61,9 mm
Verdichtung: 11,3 : 1
Gemischaufbereitung: elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad
Anzahl Gänge: Sechsganggetriebe
Endantrieb: Kette
Rahmen: Stahl-Brückenrahmen
Federung vorne: Upside-Down-Gabel 43 mm
Federung hinten: Zentralfederbein
Federweg vorne: 180 mm
Federweg hinten: 170 mm
Reifen vorne: 100/90-19
Reifen hinten: 150/70 R17
Bremse vorne: Doppelscheibenbremse 305 mm
Bremse hinten: Einscheibenbremse 255 mm
Länge: 2215 mm
Höhe: 1350 mm
Sitzhöhe: 810 - 830 mm
Radstand: 1530 mm
Nachlauf: 86,6 mm
Trockengewicht: 199 kg
Tankinhalt: 19 Liter
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Stand:23 July 2018 04:21:31/reiseberichte/test+und+reise+triumph+tiger+800+auf+korsika_18625.html