Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6

14.12.2016  |  Text: Heinz E. Studt  |   Bilder: Studt/Fotolia
Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6 Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6 Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6 Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6 Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6
Der Große Sankt Bernhard – Die schönsten Alpenklassiker Teil 6
Alle Bilder »
Von Römern, Feldherren und Lawinenhunden - Napoleon Bonaparte machte ihn Anfang des 19. Jahrhunderts berühmt und kuschelige Familienhunde mit umhängenden Schnapsfässern sorgen heutzutage dafür, dass sein Ruhm nicht endet - der Große Sankt Bernhard!
Sobald Sie eine Ihrer Reisen auch nur in die Nähe dieses Passes führen sollte, erfahren Sie ihn. Es ist ein unvergessliches Erlebnis – sofern Sie den Tunnel tunlichst meiden, versteht sich. Bevor Sie sich allerdings die schnellstraßengleiche ​ Nordrampe in Form der perfekt ausgebauten Kantonstraße 21 zum Aufstieg aussuchen, sollten Sie vor dem Start im sehenswerten Walliser Städtchen Martigny einen Blick auf die Karte werfen. Und vielleicht vom Vorort Les Valettes aus rechts abzweigend die Piste Richtung Champex-Lac über den Col de Champex wählen. Achtundzwanzig größtenteils anspruchsvolle Spitzkehren mit zudem ordentlicher Steigung schenkt uns dieses Kurvenparadies, das allerdings nicht anfängertauglich ist. In Orsières treffen Sie dann wieder auf die Nationalstraße, die in entspannter Kurvenhatz hinauf zum Pass führt.

Perfektes Trainingsgelände: Vor allem die Nordrampe bietet für Anfänger wie auch für »Alte Hasen« ein prächtiges Terrain für unbeschwertes Kurvenwedeln.

Auf der vollkommen überbauten Passhöhe liegen das heute von Augustinermönchen geführte Hospiz, ein einfaches Hotel sowie die berühmteste Hundezucht der Welt. Hier werden jene Originale gezüchtet mit dem braun-weißen Fell und dem klischeehaften Schnapsfässchen um den Hals. Legendär wurde die Bernhardinerrasse vor allem durch ihren unfehlbaren Ortssinn, die gute Nase sowie ihre Wetterfestigkeit und Ausdauer. Prädestiniert für die Nutzung als Lawinenhund soll allein der Stammvater aller Bernhardiner, Lawinenhund Barry, bis zu seinem Tod 1814 weit über vierzig Menschenleben gerettet haben. Nur dieses Schnapsfässchen hat wohl keiner der Rettungshunde jemals getragen. Doch die »Schnapsidee« zu annullieren, hat sich bislang kein Marketingstratege getraut.

Heutzutage ist der Bernhardiner für die Lawinenrettung schlichtweg zu schwer, zu behäbig geworden. Dennoch müssen Sie auf einen Welpen dieses idealen Familienhundes bis zu fünf Jahre warten. Die legendäre Bernhardinerzucht der Augustinermönche können Sie gegen einen geringen Obolus sofort besichtigen. Erwarten Sie aber bitte kein Kuscheltierparadies. Die Hundezucht ist durchaus kommerziell aus- und eingerichtet.

Begeistert seit tausend Jahren: Blick auf den Lago del Gran San Bernardo samt  Walliser Alpen.
 
Nach den Gebäuden öffnet sich der Blick auf einen herrlich frischen Bergsee sowie ganz in der Ferne die Grenzstation nach Italien. Auf ordentlicher Piste geht es anschließend hinunter in das angrenzende Aostatal, ein Tourenrevier, wie es vielversprechender kaum sein kann. Aber das ist dann doch eine andere Geschichte ...

DIE GESCHICHTE DER PASSSTRAßE
 
Bereits zur Eisenzeit 1 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zogen Menschen über den für damalige Verhältnisse lebensfeindlich hohen Pass. Und 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung soll kein Geringerer, als der legendäre Feldherr Hannibal höchstpersönlich über den Pass gezogen sein, um Römer zu jagen. Wenngleich man darüber in Historikerkreisen heute heftig streitet, eines ist unbestritten: Der Pass war für die Römer eine der wichtigsten Verbindungen von Oberitalien in die gallischen Provinzen am Rhein. Bereits Julius Cäsar berichtete von ihm in seinen Erzählungen über den Gallischen Krieg, Kaiser Claudius ordnete dann um die Zeitenwende herum den Ausbau des Saumpfades zu einer ersten befestigten Piste an. Von großem Vorteil war, dass sowohl die Nord- wie auch Südrampe des Passes keinerlei unüberwindbare Schluchten aufwiesen, wie zum Beispiel der östlich verlaufende Gotthard (siehe RM 2/2016).

Die Römer errichteten direkt auf der Passhöhe einen Tempel für ihren Gott Jupiter Optimus Maximus, der im Mittelalter wohl die Wurzel des einstigen Pass-Namens »Mons Jovis« war. Seine Bedeutung in dem immensen Netzwerk an Handels- und Pilgerstraßen in ganz Nord- und Mitteleuropa wuchs beinahe unaufhaltsam, ja sogar zahlreiche Kreuzritter zogen über den Großen Sankt Bernhard direkt ins orientalische Verderben.

1050 kam Bernhard von Aosta - auch bekannt als Bernhard von Menton - hier vorbei, ein reisefreudiger adliger Wanderprediger aus Savoyen, und gründete angesichts der prächtigen Lage der Scheitelhöhe spontan ein Hospiz, eine Schutzunterkunft für alle Reisenden. Denn nicht nur das hochalpine Wetter, auch unzählige Räuberbanden machten die Passquerung damals zu einem lebensgefährlichen Abenteuer. Aufgrund seiner Verdienste um die Sicherheit der Menschen wurde Bernhard im 12. Jahrhundert seliggesprochen. Sowohl der Große wie auch der gut 80 Kilometer entfernt und 300 Höhenmeter tiefer liegende Kleine Sankt Bernhard – auch hier hatte er ein Hospiz errichtet – wurden nach ihm benannt.
 
DER PASS DER BERÜHMTHEITEN
 
Viele weitere Persönlichkeiten nutzten den Pass im Laufe der Jahrhunderte auf ihren Reisen nach Rom. So zum Beispiel Karl der Große, Heinrich IV., Friedrich I. oder Heinrich VI. Vollends berühmt wurde er, als besagter Napoleon Bonaparte im Mai 1800 mit 40 000 Mann und unzähligen Geschützen über den Pass nach Italien zog. In Bourg-Saint-Pierre im Mittelteil der Nordrampe gibt es bis heute ein winziges Café, in dem der kleine Franzose damals gefrühstückt haben soll. Mit einer gehörigen Portion Ehrfurcht wird dort auf jenen Lehnstuhl verwiesen, in dem sich der legendäre Feldherr entspannte. Und vielleicht über die Wichtigkeit des Passes sinnierte respektive erste eigene Pläne für den strategischen Ausbau des Passes schmiedete.

1840 begann man von Schweizer Seite aus mit dem Bau einer modernen Passstraße, die allerdings erst 1903 bis zur Passhöhe fertiggestellt werden konnte. Zwei Jahre später wurde die italienische Rampe eingeweiht. Doch es sollten nochmals fast zehn Jahre vergehen, bis die gesamte Straße für den motorisierten Verkehr freigegeben wurde. So lange mussten selbst Automobilisten zwingend Ochsen oder Pferde vor ihre Fahrzeuge spannen, wenn sie den Pass erobern wollten. Glaubte man doch nicht, dass motorgetriebene Fahrzeuge diese Höhen gefahrlos erklimmen konnten.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg bildete der Pass die Südwestgrenze der Schweizer Verteidigungslinien und war dementsprechend mit Sperren und Festungsbauwerken gesichert. Zwischen 1950 und 1970 wurde die deutlich in die Jahre gekommene Passstraße dann zur einer der bedeutendsten alpenquerenden Schweizer Nationalstraßen um- und ausgebaut.

Dass sie aus klimatischen Gründen nur sechs bis sieben Monate im Jahr nutzbar ist, war den Schweizern Grund genug, parallel dazu den Bau eines sechs Kilometer langen Scheiteltunnels voranzutreiben. 1964 wurde der »Tunnel des Grossen Sankt Bernard« für den Verkehr freigegeben und ermöglicht seitdem die Passquerung ganzjährig. Mit dem für uns Biker sehr erfreulichen Nebenaspekt, dass die auch heute noch gut ausgebaute Scheitelstrecke frei von Schwerlast- und Durchgangsverkehr auf uns wartet. Und das alljährlich von Juni bis weit in den Oktober hinein. 

  Teilen
Stand:18 February 2020 16:49:59/reiseberichte/von+roemern+feldherren+und+lawinenhunden+-+die+schoensten+alpenklassiker+teil+6_1612.html Warning: fopen(cache/b919dceeef0344345a0b86fb75a9b928.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163