Fahrbericht Suzuki Intruder C1500T - Alte, neue Trude

12.06.2013  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Markus Jahn
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Fahrbericht Suzuki Intruder C1500T - Alte, neue Trude
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Endlich bringt Suzuki wieder ein neues Modell auf den Markt. Kommt mit der 2 neuen Intruder auch wieder etwas Glanz in die legendäre Baureihe?

Es war still geworden um Suzuki. Viel zu still. Zumindest für einen Motorradhersteller, der sich noch vor einer Dekade den deutschen Markt zum Großteil mit den anderen japanischen Herstellern teilte. Inzwischen schrumpft Suzukis Marktanteil kontinuierlich Jahr für Jahr. Kaum Modellpflege und so gut wie keine neuen ­Motorräder haben die Kundschaft weitgehend vertrieben. Umso größer die Überraschung, als Suzuki auf der letztjährigen Intermot plötzlich eine neue ­Intruder präsentierte.

Denn Suzuki selbst hatte durch eine glücklose Modellgestaltung den legendären Namen Intruder beinahe zu Grunde gerichtet. Die polarisierende M1800- und die M1500-Reihe konnten das angekratzte Image nicht retten und mit der VL1500 wurde der letzte luft-/ölgekühlte V2-Cruiser aufgrund immer schärferer Abgasbestimmungen zwangsweise in Rente geschickt. Dabei wurden von dem 1998 gestarteten Modell immerhin über 73.000 Einheiten produziert. Offenbar hat man sich bei Suzuki daran erinnert, dass man mit der Intruder einstmals große Erfolge verzeichnete und hat nun mit Technik aus den hauseigenen Regalen einen neuen Cruiser auf die Räder gestellt: Die klassische Optik mit langen Fendern, Windschild und Koffern, garniert mit viel Schwarz, soll wieder Käufer anlocken und glücklich machen.



Nicht jeder steht auf amerikanisches Eisen und mit der erfolglosen M1500 Intruder war sogar eine vernünftige Basis vorhanden. So übernimmt die C1500T vom M-Modell den Antrieb sowie Rahmen und Schwinge. Und daran gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Bei einer ersten Fahrt an Portugals Westküste präsentierte sich der schwere Cruiser überraschend wendig und agil. Das hätten wir der wuchtigen Intruder nicht zugetraut.

Die Sitzposition ist auch für lange Gräten sehr komfortabel. Die Beine ruhen auf Trittbrettern, der gekröpfte Lenker liegt gut in den Händen und das Fahrwerk lässt kaum Wünsche offen. Es ist nicht zu straff, aber auch nicht zu kom­fortabel gefedert, die C1500T gibt sich sehr spurtreu und stabil. Die Balance stimmt und das Kurvenfahren zieht einem richtig das Grinsen ins ­Gesicht. Selten, dass ein schwerer Reisedampfer seinen Fahrer mit ordentlicher Schräglagenfreiheit überrascht. Wir können die Kiste so weit ­legen, bis hässliche Kratzgeräusche unter den Trittbrettern das Ende der Kurvenräuberei ankündigen, und das ist schon sehr weit unten. Einziger Wermutstropfen ist die Einscheibenbremse ohne ABS. Zwar ist die Leistung für die Masse des ­Motorrades angemessen, aber ein bisschen mehr Biss dürfte sie schon haben. Doch mal ehrlich: Welcher Cruiser­fahrer bremst schon Kurven auf der letzten Rille an?

Die Schräglagenfreiheit wird durch die Trittbretter begrenzt. Trotzdem geht es ziemlich weit runter.

Der Motor hingegen hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zwar liegen ­nominal schon bei 2.600 U/min über 130 Nm an, doch davon spürt man ­zunächst wenig. Unwillig ruckelt der Bolide bei untertouriger Fahrweise, tritt dann aber beherzt die Flucht nach vorne an, sobald er etwas Drehzahl bekommt. Vielleicht würde ein kürzer übersetztes Sechsganggetriebe mit Overdrive der ­Intruder besser zu Gesicht stehen und die Charakteristik des V2 hervorheben. Potenzial hat das Aggregat, aber die fünf Schaltstufen sind einfach zu lange übesetzt. Im dritten Gang stottern wir manchmal aus den Kurven heraus und müssen herunterschalten.

Ab Werk gibt es reichlich Ausstattung. Hartschalenkoffer, Trittbretter und Schaltwippe sorgen für angenehmen Komfort. Dafür erzeugt die Scheibe bei schneller Fahrt nervige Turbulenzen, ­zumindest ab einer gewissen Körpergröße. Dass Koffer und Scheibe nicht im Handumdrehen abnehmbar sind, sollte Suzuki noch schleunigst ändern. Dann hätten wir (fast) nichts mehr zu bemängeln. Und ein ABS sollten sie aus Hamamatsu schnellstens nachreichen.

Die Hartschalenkoffer gibt es ab Werk, sie fügen sich harmonisch in die Linien der Intruder ein. Eine mattschwarze Doppelauspuffanlage sorgt für den richtigen Klang

Fazit
Suzuki hat mit der Intruder C1500T einen coolen Cruiser auf die Räder gestellt, der mit ausgewogenem Fahrwerk, kräftigem Motor und ­iner umfangreichen Ausstattung zu überzeugen weiß. Technisch könn­ten die Japaner noch ein paar Briketts nachlegen. So gehört ein ABS inzwischen zur Grundausstattung und Koffer sowie Scheibe mit Schnellverschlüssen zu versehen, ist kein Hexenwerk. Potenzial hat die neue Intruder auf jeden Fall. Und die Käufer wird’s freuen: Wieder ­etwas mehr Auswahl am Markt.

PLUS

  • Drehmomentstarker Motor 
  • Gut ausbalanciertes, agiles Fahrwerk
  • Komfortable Sitzposition
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Ansprechende Optik


MINUS

  • Koffer und Scheibe nicht abnehmbar
  • Getriebe zu lange übersetzt
  • Kein ABS

Schwarz, wohin das Auge blickt. Kleine Chrom­applikationen sorgen für Kontrast

Technische Daten Suzuki C1500T

Bauart: Flüssigkeitsgekühlter 54°-V2-Zylinder Viertaktmotor
Hubraum: 1.462 ccm
Bohrung x Hub: 96 x 101 mm
Verdichtung: 9,5 : 1
Leistung: 58 kW (79 PS) bei 4.800 U/min
Drehmoment: 131 Nm bei 2.600 U/min
Getriebe: 5-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmenart: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Radstand: 1.675 mm
Federung vorn: Teleskopgabel 45 mm, ­Federweg 130 mm 
Federung hinten: Zentralfederbein mit Hebelsystem, Schraubenfeder, Gasdruckdämpfer, Federvorspannung verstellbar
Bremsen vorn: 330-mm-Bremsscheibe, ­Doppelkolben-Bremssattel
Bremsen hinten: 275-mm-Bremsscheibe, ­Zweikolben-Bremssattel
Bereifung vorn: 130/80 R 17 65H 
Bereifung hinten: 200/60 R 16 79H
Sitzhöhe: 720 mm
Leergewicht: 363 kg (fahrfertig vollgetankt)
Max. Zuladung: 197 kg
Tankinhalt: 18 l
Ausstattung: Windschild, Koffersystem, Trittbretter 
Preis: 13.590,– Euro zzgl. Nebenkosten


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Stand:15 August 2018 20:25:06/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/alte+neue+trude+-+suzuki+intruder+c1500t_175.html