BMW F 800 R – Fahrbericht

16.03.2009  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: fbn
BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht BMW F 800 R – Fahrbericht
BMW F 800 R – Fahrbericht
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Ein guter Schluss ziert alles, sagt der Volksmund. Drei Jahre nach dem Start der komplett neu entwickelten F 800-Baureihe von BMW erscheint nun Anfang Mai 2009 mit der F 800 R das fünfte und letzte Modell im Handel. Dass ausgerechnet die preisgünstigste F-Version den BMW-Firmenslogan „Freude am Fahren“ ­besonders gut auf der Straße umsetzt, hat RM-Autor Ulf Böhringer dann doch überrascht
In den letzten Monaten hat sich manches verändert. Viele Kunden haben – wenn auch eher unfreiwillig – „Freude am Sparen“ gefunden, und wie alle Hersteller notiert auch BMW deshalb sinkende Absatzzahlen. Da sieht es fast nach perfektem Timing aus, dass BMW am 1. April mit der F 800 R die fünfte und letzte Version der vor genau drei Jahren gestarteten F 800-Baureihe in München der Presse vorstellte. Denn der Roadster ist nicht nur das jüngste, sondern mit 7.850 Euro auch das preisgünstigste Modell des Reihen-Zweizylinder-Programms; das sind im Vergleich zur ST- oder GS-Variante immerhin rund 2000 Euro weniger. Dafür verzichtet die R, im Gegensatz zur S und ST, neben einer Verkleidung auch auf Einarmschwinge und Zahnriemenantrieb. Statt dessen begnügt sie sich mit einer Zweiarmschwinge aus Aluguss und konventionellen Kettenantrieb. Was angesichts des Preisvorteils sicher zu verschmerzen ist.



Frühlings-Erwachen
Auf geht’s, dem Frühling ­entgegen, zum ersten Probe­ausritt gen Italia an den ­Gardasee. Wer, wie die RM-Redaktion, sämtliche bisher erschienenen F-Modelle, also die sportliche S, die tourensportliche ST, die leistungsmäßig etwas reduzierte 650 GS und die in vollem Saft stehende 800 GS ausgiebig gefahren hat, ahnt schon vor dem ersten Anlassen, dass die F 800 R ein ziemlich agiles Motorrad sein muss. Genauso leicht wie die 650 GS, aber mit einer wesentlich angriffslustigeren Sitzposition als die S und mit zwei zusätzlichen PS gegenüber den anderen 800ern ausgestattet. „Das muss doch einfach Spaß machen!“ erwartet das Gehirn. „Das macht teuflisch Spaß!“ lautet die Rückmeldung aus dem Bauch nach den ersten Kilometern. Sie muss auch 500 Kilometer später nicht revidiert werden.
Woran liegt’s? Wir suchen nach den konstruktiven ­Unterschieden der R-Version zu den bisherigen Modellen. Grundsätzlich gibt es – ab­gesehen von der Zweiarmschwinge – aber keine. Für den 798 Kubikzentimeter großen Paralleltwin hat BMW eine noch effizientere Motorabstimmung gefunden, dass man im Datenblatt zwei PS mehr angeben muss als bei den anderen 800ern. Nicht die Welt, klar, aber ein gutes Zeichen.

Neu an der R sind die Lenkerarmaturen. Deren Grundkonzeption haben wir im letzten REISE MOTORRAD im Beitrag über die neuen K-Modelle ausführlich dargelegt. Das Ergebnis ist überzeugend: logische Bedienung, sehr gute Übersichtlichkeit. Leider weist im Dunkeln keine Hinterleuchtung zum Warnblinkschalter. Neu gezeichnet sind auch die ana­logen Instrumente. Sie sind hübsch anzuschauen und einwandfrei abzulesen. Nicht neu ist, dass der Bordcomputer, der das große LCD-Display erst so richtig zum Leben erweckt, Auf- preis kostet. Immerhin: Eine Gang­anzeige ist Serie. Zu ihr später mehr.



Neu ist auch die Frontmaske des bayerischen Road­sters. Zwar hat sie die Doppelscheinwerferkombina­tion von der GS, doch sitzt auf dieser im Serienzustand nur eine kleine Abdeckung. Das sehr hübsche, in Fahrzeugfarbe gehaltene „Windschild Sport“ lässt sich BMW extra bezahlen. Dass man sich dabei ein wenig an die erfolgreichen Triumph-Modelle Street Triple und Speed Triple erinnert fühlt, werten wir nicht als Nachteil.

Mit mehr konstruktiven Veränderungen kann BMW nicht dienen. Doch ist die Gesamtabstimmung der fahrfertig (ohne Sonderausstattungen) nur 199 Kilogramm wiegenden F 800 R dermaßen gut gelungen, dass sie ­ihrem Fahrer tatsächlich ein anhaltendes Grinsen ins Gesicht treibt. Egal ob enge oder weite Kurven, ob schnelle oder bummelige Gerade­ausfahrt – wir bemerkten weder ein Konstantfahrruckeln noch eine ruppige Gasannahme, auch keine unziemlichen Geräusche beim Gangwechsel und auch keine ­Verkrampfungen bei längerem Sitzen. Der breite Lenker liegt prima zur Hand. Zwar ist der Kniewinkel eher eng, aber gestört hat er uns, ehrlich gesagt, nicht. Zu faszinierend war die fast schon ­federleichte Handlichkeit der R. Sehr angenehm ist auch der in die Zeit passende, weil niedrige Verbrauch des Zweizylinders. Und auch die Bremsanlage und die Funktion des 710 Euro zusätzlich kostenden ABS fallen sehr positiv auf. Beim ABS hat BMW sogar etwas nachgelegt; es regelt noch sorgfälti­ger als die bisherigen Versionen.



Reife(n)-Prüfung okay
Ein paar Kleinigkeiten seien noch erwähnt: Nicht nur die vordere Felge ziert ein be­dienungsfreundliches Reifenventil am Felgenstern, sondern auch die hintere. Die Spiegel überzeugen dagegen nicht wirklich: Sie vibrieren etwas zu stark. Wie überhaupt der Motor nicht ganz frei ist von Vibrationen, nämlich zwischen 4.000 und 5.000 Touren. Doch es genügt, einmal zu schalten, schon ist wieder alles paletti. Die Ganganzeige signalisiert nämlich meist noch einen Zusatzgang, da die Übersetzung recht lang gewählt ist. Der dritte Gang reicht bis 160 km/h, so dass bis zum Höchsttempo von 210 km/h noch dreimal geschaltet werden kann.

Am liebsten würden wir das Wort „Reise“ im RM-Zeitschriftentitel mal ein Wochenende lang vergessen und mit F 800 R, Aprilia Shiver (95 PS), Buell XB12 (95 PS), Ducati Monster 1100 (95 PS), Honda Hornet (102 PS), KTM Super Duke (120 PS) und Triumph Street Triple (106 PS) einen verschärften Gardasee-Ausflug machen. Es wäre eine echte Überraschung, wenn sich die BMW (zusammen mit der Honda und der Triumph das „billigste“ Bike) nicht im ­Vorderfeld dieser für ihre Fahraktivität und Handlichkeit gerühmten, zugleich aber doch etwas stärker motorisierten Motorräder platzieren könnte. 
Einen Unterschied zu fast allen genannten Modellen gibt es allerdings, und der ist insbesondere für jene wichtig, die mit einem Motorrad gerne mal – auch zu zweit – auf Reisen gehen: Die BMW F 800 R ist durchaus reise­tauglich. Zwar ist ihr Fahrer, wie auf jedem Naked Bike, schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt. Aber er kann die auf Reisen nötigen Utensilien problemlos mitnehmen; der neue Tankrucksack hat seine Tauglichkeit auf unserer Tour ­bereits bewiesen, die Nützlichkeit der Vario-Sportkoffer ist von S und ST her bekannt und ein Gepäckträger ist ebenfalls lieferbar.

Schaut man auf den Preis der F 800 R, dann zeigt sich, dass bei BMW offenbar neue Zeiten begonnen haben. Mit 7.850 Euro Grundpreis ist die F 800 R knallhart kalkuliert, ohne deshalb sparsam aus­gestattet zu sein. Dies dokumentieren der Lenkungsdämpfer oder auch die automatische Blinkerrückstellung. So muss es allerdings auch sein, wenn man die Wett­bewerber der so genannten Mittelklasse aufmischen will. Dies hat BMW bei Einführung der F-Baureihe vor drei Jahren leider vergessen, wofür der Markt – auch wegen der anfänglichen Qualitätsprobleme – die entsprechende Antwort gab.

Mit der vergangenes Jahr präsentierten F 800 GS und der F 650 GS haben die ­Bayern dann jedoch gezeigt, dass sie dazu gelernt haben. Prompt schafften beide Bikes den Sprung in die Top Ten der in Deutschland meistverkauften Motorräder. Und mit der F 800 R haben sie jetzt bewiesen, dass sie verstanden haben. Zwar erst zum Schluss, aber immerhin. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass Krisenzeiten auch was Gutes haben können.              

Technische Daten F 800 R               



Kosten: Kaufpreis 7.850 plus 262 Euro NK
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Parallel-Twin. DOHC, Schlepphebel, vier Ventile je Zylinder, Verdichtung 12:1, Benzineinspritzung, digita-les Motormanagement BMS-KP, Nasssumpfschmierung, G-Kat. Bohrung x Hub 82 x 75,6 mm, Hub-raum 798 cm3, Leistung 87 PS (64 kW) bei 8.000/min, maximales Drehmoment 86 Nm bei 6.000/min
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe, hydraulische Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Kette.
Fahrwerk: Alu-Brückenrahmen, Motor mittragend, Telegabel x 43 mm vorn, Alu-Guss-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein, mit Handrad verstellbare Vorspan-nung, Zugstufendämpfung einstellbar. Federwege vorn/hinten 125/125 mm
Räder und Bremsen: Alu-Gussräder, Größe 3,00 x 17 vorn/5,50 x 17 hinten, Bereifung 120/70 ZR 17 vorn und 180/55 ZR 17 hinten; vorne Doppelscheibenbremse, x 320 mm, hinten Scheibenbremse, x 265 mm; optional BMW Motorrad ABS
Maße und Gewichte: Länge/Breite 2.145/905 mm, Lenkkopfwinkel 65°, Radstand 1520 mm, Nachlauf 91 mm, Sitzhöhe 800 (775 bzw. 825) mm, Leergewicht fahrfertig 199 kg, max. Zuladung 206kg. Tank-inhalt 16 Liter
Fahrleistungen: 0-100 km/h: ca. 3,9 sec, Vmax ca. 210 km/h, Verbrauch ca. 4 bis 5,5 Liter Super/100 km
Wartungsintervalle: 1.000 km, danach alle 10.000 km oder einmal jährlich
Farben: Alpinweiß-uni mit Schwarz-seidenglänzend, Feuerorange-uni, Weißaluminium-metallic matt
Ausstattung: Analog-Tachometer, Analog-Drehzahlmesser, Zeituhr, verstell-bare Handhebel, Instrumenten-Abdeckung, Warnblinkanlage, Seitenständer, Wegfahrsperre
Sonderausstattungen ab Werk: BMW Motorrad ABS € 710, Diebstahlwarnanlage € 205, heizbare Griffe € 195, Bordcomputer € 145, Hauptständer € 110, LED-Blinker € 95, Fahrersitz niedrig (775 mm) oder hoch (825 mm) kostenlos; Steckdose € 20, Reifendruckkontrolle RDC € 205; Windschild Sport € 100
Zubehör: (incl. Befestigungsteile) Akrapovic-Sportschalldämpfer € 695, Motorschutzbügel € 274, Gepäckbrücke € 60, Topcase klein*; Innentasche für Topcase € 85; Anbausatz für Kofferhalter*; Satz Vario-Sportkoffer (17-25 l)*; BMW Motorrad ZUMO inkl. Halterung*, Sozius-Sitzabdeckung*; Motorspoiler*; Kühlerblende schwarz genarbt und Kühlerblende Aluminium*; Leistungsreduzierung auf 25 kW/34 PS kostenlos. * Preise standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest. 
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Stand:31 March 2020 12:32:10/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/bmw+f+800+r+-+fahrbericht_18315.html Warning: fopen(cache/6673f97b8959869d34e73d6a50775a9c.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163