BMW R 1200 GS gegen KTM 1190 Adventure

07.08.2013  |  Text: Carsten Heil, Christian Heim  |   Bilder: Carsten Heil
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BMW R 1200 GS gegen KTM 1190 Adventure
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Die beiden neuen Allzweckwaffen von BMW und KTM im großen Praxistest: Kann die GS die bärenstarke 1190er aus Österreich in die Schranken weisen? Die GS bekommt keine Verschnaufpause: Von Aprilia bis Yamaha haben mittlerweile fast alle Hersteller mehr oder weniger ernsthafte Konkurrenten zu BMWs Dauerbrenner im Angebot. Und sie alle wollen nicht nur ein kleines Stück vom großen Fernreisekuchen abbekommen, sondern die bayrische Edelkuh am liebsten endlich vom Thron stürzen.

Die GS bekommt keine Verschnaufpause: Von Aprilia bis Yamaha haben mittlerweile fast alle Hersteller mehr oder weniger ernsthafte Konkurrenten zu BMWs Dauerbrenner im Angebot. Und sie alle wollen nicht nur ein kleines Stück vom großen Fernreisekuchen abbekommen, sondern die bayrische Edelkuh am liebsten endlich vom Thron stürzen. Doch BMW hat es in den vergangenen 30 Jahren immer wieder geschafft, rechtzeitig nachzulegen und die GS technisch und fahrdynamisch an der Spitze zu behaupten.

Nun schickt sich also die komplett neue Generation des ewigen Bestsellers an, weiter vorauszufahren. Ob sie dabei auch gegen die ebenfalls neue KTM 1190 Adventure bestehen kann, haben wir auf einer 3.000-Kilometer-Alpentour getestet: Boxer gegen V2, 125 gegen 150 Pferdestärken, Kardan gegen Kette, Freude am Fahren gegen Ready-to-race!

BMW R 1200 GS 

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt, die neue GS ist eine komplette Neukonstruktion. Die einschneidenste Veränderung betrifft dabei den Boxer-Motor, der erstmals in seiner 90-jährigen Geschichte flüssigkeitsgekühlt ist – wenn auch nur partiell.Nach den ersten Metern mag man sich verwundert die Augen reiben, was die bayrischen Motorenbauer aus dem altehrwürdigen Flattwin-Konzept gezau­bert haben: Im Vergleich zum Vorgänger hängt das Triebwerk geradezu giftig am Gas, reagiert spontan auf jedes Zupfen am Gasgriff und dreht wie der Teufel bis in den roten Bereich bei 9.000 U/min. Dennoch hat der Boxer seine alten ­Tugenden nicht abgelegt und lässt sich noch immer geradezu unverschämt schaltfaul bewegen. Untertourig durch die Stadt zu prötteln und anschließend den Hahn durchzuspannen, nimmt er gelassen hin – wenn auch einen Tick ­weniger souverän als früher.

Wie gut die unauffällig integrierte Wasserkühlung funktioniert belegt die Tatsache, dass der Lüfter während des gesamten Tests gerade zwei Mal angesprungen ist – und das auch nur für weniger als eine Minute während hitziger Stop-and-go-Fahrten in der Stadt. Ungewohnt sind die auffälligen mechanischen Geräusche von Motor, Getriebe und Kardan. Für Akustik-Ästheten ein Graus, aber technisch unbedenklich, würden wir uns hier eine Verfeinerung des „Soundmanagements“ wünschen …

Ansonsten bleibt die GS typisch BMW: Ergonomisch, funktional und durchdacht bis in den letzten Winkel. Das fängt bei der in Höhe und Neigung verstellbaren Sitzbank an und endet bei den in die Gussspeichen integrierten Ventilen.

Antrieb BMW R 1200 GS

Der neue Boxer ist ein geschmeidiges Triebwerk, das fast alles besser kann, als sein Vorgänger. Es ist leistungsstärker, zieht ohne Leistungsloch bis in den Begrenzer und besticht angesichts der Fahrleistungen mit einem günstigen Verbrauch. Im Schnitt lag dieser bei 5,4 Litern auf 100 Kilometer. Das Getriebe überzeugte allerdings genauso wenig wie der Antriebsstrang. Lange Schaltwege, ein heftiger Ein­legeschlag im ersten Gang und lautstarke „Klonks“ bis hinauf in den vier­ten Gang sind keine Referenz. Auch der Kardan hinterließ mit mahlenden und wummernden Geräuschen keinen angenehmen Eindruck. Der Ventiltrieb überraschte ebenfalls negativ mit lauten mechanischen Geräuschen.

Fahrwerk R 1200 GS

Dank Dynamik ESA, das aufpreispflichtig bestellt werden kann, passt sich das Fahrwerk den über Sensoren ermittelten Fahrzuständen automatisch an. Das funktioniert sehr gut und völlig unauffällig. Dank des tiefen Schwerpunkts und des perfekt ausbalancierten Fahrwerks ist die GS ein famoser Kurvenjäger, der extrem willig in Kurven aller Radien einlenkt. Unglaublich, wie mühelos und selbstverständlich dieses Motorrad richtig schnell bewegt werden kann.

Praxis
Das hervorragende ABS ist serienmäßig, Windschild, Federbein und Sitzbank lassen sich per Hand verstellen – mehr gibt die Serienausstattung nicht her. Der Rest wie Traktionskontrolle, Dynamic ESA oder Koffer will hinzu­gekauft werden. Mit den Variokoffern plus Topcase bietet das Gepäcksystem von BMW stolze 109 Liter Stauraum. Die Liste der Zubehörteile ist fast endlos.

Emotionen
Die neue GS sieht nicht nur knackiger und dynamischer aus, sie fährt sich auch so. Dazu der kernige Klang des bärenstarken Wasser-Boxers und das ausgewogene Fahrwerk. Es macht einfach Laune, das meistverkaufte Motorrad Deutschlands zu bewegen. Egal ob On- oder Offroad.

KTM 1190 Adventure

Nein, die Geschmeidigkeit des BMW-Boxers erreicht der 75°-V2 der KTM nicht. Aber im Vergleich mit dem alten 990er-Motor sind die Manieren deutlich besser geworden – für einen kurzhubigen 1200er V2 sind sie geradezu vorbildlich. Aber wer sich für eine KTM interessiert hat vermutlich auch weniger universelle Geschmeidigkeit als Ready-to-race im Sinn. Und hier bekommt er genau dies: Einen hochbeinigen Supersportler, leicht, knackig und mit Leis­tung im Überfluss gesegnet.

Doch trotz des deutlich besseren Leis­tungsgewichts hatte die Österreicherin in den Alpen stets das Nachsehen, wenn wir im Express-Modus unterwegs waren. Denn auch wenn KTM durch die weit heruntergezogenen Tankflanken versucht hat, den Schwerpunkt möglichst tief zu setzen, fällt sie nicht so selbstverständlich in die Kurven wie die GS. Außerdem muss der Fahrer mehr schalten, um das Triebwerk bei Laune zu halten. Während man auf der KTM mit schleifender Kupplung im zweiten Gang um eine Spitzkehre zirkelt ist die BMW schon mühelos davongezogen. Oder ­anders gesagt: Mit der GS kann jeder mühelos schnell fahren, die Adventure verlangt für den gleichen Speed deutlich mehr Arbeit und Können am Lenker.

Dafür belohnt sie ihren Fahrer mit dem besseren Kontakt zum Vorderrad. Die massive USD-Gabel agiert mitteilsamer als das alles wegschluckende Telelever von BMW. Und auch die Bremsen packen nochmals einen Tick bissiger und besser dosierbar als die ebenfalls sehr guten Bremsen der GS zu.

Ebenfalls besser gelungen ist die Bedienung des umfangreichen Bordcomputers bis hin zur Fahrwerksverstellung per logisch angeordneter Viertastenschalter: intuitiv, übersichtlich, perfekt!

Antrieb KTM 1190 Adventure

Ein entschärfter Superbike-Motor mit 150 PS Leistung ist für eine Reise-Enduro schon beeindruckend. Leider ist der Antrieb nicht ganz so geschmei­dig, wie man erwarten könnte. Untertourige Fahrweise mag er gar nicht und er ruft häufig nach Gangwechseln. Erst ab 3.000 Umdrehungen erwacht das Feuer in dem V2, um ab 4.000 U/min zu einem Vulkan zu werden. Dann ist Alarm angesagt und selbst Supersportler können sich schon mal wegducken. Mit der richtigen Drehzahl wird die KTM zum Biest und versprüht Dynamik pur. Allerdings zieht dann auch der Verbrauch an. Im Schnitt saugte die Adventure 6,31 Liter auf 100 Kilometer durch ihre Drosselklappen. Dafür überzeugte sie mit einem präzise und knackig zu schaltenden Getriebe. Wermutstropfen: Die Kette verlangt nach regelmäßiger Pflege.

Fahrwerk 1190 Adventure

Per Knopfdruck lässt sich das Fahrwerk elektronisch verstellen. Im Sport-Modus lässt sich die Adventure wie ein Superbike bewegen. Präzise und mit jeder Menge Bodenfreiheit lassen sich ungeahnte Schräglagen ­erreichen. Im Komfort-Modus geht es unaufgeregt und gelassen zur Sache, werden Fahrbahnunebenheiten elegant weggebügelt.

Praxis
Serienmäßig mit ABS, verstellbarem Windschild und einer großen Gepäckbrücke ist die KTM ähnlich wie die BMW ausgestattet. Leider lässt sich der sonst gute Windschutz nicht während der Fahrt verstellen. Mit dem aufpreispflichtigen Koffersystem stehen inklusive Topcase stolze
115 Liter Stauraum zur Verfügung. Allerdings ist die Reisegeschwindigkeit dann auf 150 km/h begrenzt. Darüber wird es kritisch.

Emotionen
Gelassenheit ist nicht die Stärke der Adventure. Sie will mit straffen Zügeln geführt werden, denn sie fordert ihren Fahrer beständig. Dafür ist ihre Dynamik unbezahlbar, die Extraportion Fahrspaß eingeschlossen.

Fazit BMW R 1200 GS

Nein, die neue GS ist nicht perfekt. Das Getriebe gibt sich garstig, die Kupplung trennt schwammig, im Zylinderkopf klingelt’s und der Kardan wummert (siehe „Nachgefragt“ auf der linken Seite). Dies sind zwar keine schwerwiegenden funktionalen Mängel, aber doch unschöne Kleinigkeiten, die das Fahrvergnügen schmälern. Davon abgesehen gibt sie sich jedoch keine Blöße: Der Boxer ist enorm elastisch und hat deutlich mehr Feuer als zuvor. Das Fahrwerk mit Dynamik-ESA kann komfortabel wie sportlich gleichermaßen, ist unfassbar handlich und dennoch unbeirrbar stabil. Ergonomie, Zubehörangebot und Verarbeitung sind ebenfalls top. Dazu ist sie unverändert sparsam, wartungsfreundlich, wertstabil und erleichtert das Leben mit durchdachten Detaillösungen. In der Summe ihrer Eigenschaften ist sie einfach nicht zu schlagen.

Fazit KTM 1190 Adventure

Sie ist leichter, stärker und insgesamt sportlich-straffer als die BMW. Ihre USD-Gabel vermittelt mehr Fahrbahnkontakt als das vergleichsweise indirekt agierende Telelever-System. Die perfekt dosierbaren Bremsen sind ebenso wie das sahnig zu schaltende Getriebe ein absoluter Traum. Der bärenstarke V2 macht aus der Adventure ein hochbeiniges Superbike, verlangt aber mehr Schaltarbeit, klingt bis 4.000 Touren wie ein 125er-Viertakt-Roller und braucht deutlich mehr Sprit. Auch lässt sie sich nicht ganz so spielerisch und narrensicher bewegen wie die GS. Ihre Sitzbank ist zu lasch gepolstert, die Koffer hakeln und verursachen jenseits von 160 km/h extremes (und gefährliches) Fahrwerkspendeln. Das darf nicht sein, da hilft auch kein Warnaufkleber im Kofferdeckel! Andere Hersteller schaffen es schließlich auch, das Gepäck vollgasfest unterzubringen ...
 

TECHNISCHE DATEN BMW R 1200 GS


Bauart: Luft- /wassergekühlter Zweizylinder-Boxermotor
Hubraum: 1.170 ccm
Bohrung x Hub: 101 x 73 mm
Leistung: 95 kw (125 PS) bei 7.700 U/min
Drehmoment: 125 Nm bei 6.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 219 km/h
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmen: Stahlbrückenrahmen, Motor mittragend
Radstand: 1.507 mm
Federung vorn: BMW Telelever 43 mm, Zentralfederbein, 190 mm Federweg 
Federung hinten: Alu-Guss-Einarmschwinge, WAD-Federbein, 200 mm Federweg  
Bremsen vorn: 2 x 305-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Radialsättel, ABS
Bremsen hinten : 276-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel, ABS
Vorderreifen: 120/70 R 19 60V
Hinterreifen: 170/60 R 17 72V
Zuladung: 219 kg
Gewicht1: 238 kg
Tankinhalt: 20 Liter
Grundpreis: 14.100 Euro
 

TECHNISCHE DATEN KTM 1190 Adventure


Bauart: Flüssigkeitsgekühlter 75°-V-Zweizylindermotor
Hubraum: 1.195 ccm
Bohrung x Hub: 105 x 69 mm
Leistung: 110 kW (150 PS) bei 9.500 U/min
Drehmoment: 125 Nm bei 7.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Rahmen: Stahl-Gitterrohrrahmen
Radstand: 1.560 mm
Federung vorn: Upside-down-Gabel 48mm, 190 mm Federweg 
Federung hinten: Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, 190 mm Federweg
Bremsen vorn: 2 x 320-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Radialsättel, ABS
Bremsen hinten: 267-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Festsattel, ABS
Vorderreifen: 120/70 ZR 19 60W
Hinterreifen: 170/60 ZR 17 72W
Zuladung: 210 kg
Gewicht1: 230 kg
Tankinhalt: 23 Liter
Grundpreis: 13.995 Euro
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Stand:11 December 2019 14:48:59/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/bmw+r+1200+gs+gegen+ktm+1190+adventure_175.html Warning: fopen(cache/c7f3447f8855bf09d5f6b977b451b89c.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163