BMW R nineT - Fahrbericht

12.02.2014  |  Text: Anton Sacher  |   Bilder: BMW
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BMW R nineT - Fahrbericht
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Motorrad pur - zurück zu den Wurzeln
Während das Design oft polarisiert, gerade auch bei BMW-Motorrädern, ist bei der neuen nineT genau das Gegenteil der Fall. Schlechter als „ganz nett“ fiel kein mir bekanntes Urteil aus, sogar von Leuten, die andere Marken favorisieren und mit dem Boxermotor oder generell mit der weißblauen Marke nicht viel anfangen können. Dass die nineT ein Sympathieträger ist, fällt auch gleich auf der ersten ­Testfahrt im sonnigen Andalusien auf. Kaum ein anderes Motorrad erntet so viele interessierte und anerkennende Blicke. Doch deshalb fahren wir nicht Motorrad, sondern weil es Spaß macht. Und davon bietet dieser puristische Roadster jede Menge.

Schon beim Drücken des Startknopfs kommt Freude auf. Der Klang aus den beiden linksseitig übereinander liegenden Auspuffendtöpfen betört bereits im Stand, Erinnerungen an alte Sport- und Rennmaschinen setzen sich im Fahrbetrieb fort. Da hört man sich gerne beim Gas geben zu. Besonders, wenn man wie wir im Pulk mit sechs Motorrädern über die Landstraßen galoppiert.
Der Motor ist ein alter Bekannter, nämlich die letzte Evolutionsstufe des luft-/ölgekühlten Boxers, und passt ­hervorragend in dieses Konzept. 110 PS und 119 Nm gepaart mit einer kurzen Endübersetzung und 222 kg Leer­gewicht sind ein Wort. Das drückt ­ordentlich nach vorn.



Und überhaupt fährt dieses Motorrad so, wie es aussieht. Das Fahrwerk ist sportlich-straff, das Fahrgefühl sehr ­direkt und die Fuhre lässt sich leicht um die Ecken treiben. Egal ob weite oder enge Kurvenradien, man hat jederzeit das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Dazu passt auch die leicht nach vorn geneigte Sitzposition und der breite Lenker, der nach meinem Geschmack sogar noch einen Tick breiter und einen Zentimeter höher sein dürfte. Auch die Fußrasten könnten gerne noch etwas weiter hinten angebracht sein. 

Die Vierkolben-Doppelscheibenbremse arbeitet auf hohem Niveau und verzögert das Bike auch bei sportlicher Gangart souverän. Wie alle BMW-Motorräder verfügt auch der neue Roadster über ein serienmäßiges ABS, weitere elektronische Assistenz­systeme sind nicht an Bord.

BMW versteht die klassisch gestaltete nineT nicht als Retro-Bike, sondern als modernes Motorrad, das die Markenwerte aus der 90-jährigen Firmen­geschichte repräsentiert; daher auch der Name. Hochwertige Materialien sind edel verarbeitet, der Fokus liegt auf dem Wesentlichen und es gibt viel Raum für Individualisierungen. Die sind durchaus gewollt und wurden bei der Konstruktion mit berücksichtigt.



Aber nicht nur deshalb hat man auf den Telelever verzichtet. Auch optisch passt die massive, aus der S 1000 RR entlehnte Upside-down-Telegabel viel besser ins Konzept, unterstreicht den klassischen Anspruch und manch einem ist das sowieso lieber, weil die Rückmeldung vom Vorderrad differenzierter ist. 

Der Stahl-Gitterrohrrahmen besteht aus einem vorderen und einem hinteren Hauptrahmen sowie einem Endteil und einem Soziusrahmen. Alle vier Komponenten sind miteinander verschraubt, was das „Customizen“ erleichtert. Für Solobetrieb kann der Soziusrahmen leicht abgenommen werden, in Verbindung mit dem Höcker entsteht dadurch ein ganz anderer Look. Parameter und Schnittstellen im Bordnetz sind so gewählt, dass problemlos Blinker oder Scheinwerfer ausgetauscht werden können. Außerdem gibt es zwei getrennte Kabelbäume, die größere Umbaumaßnahmen erleichtern. 



Ob sich die nineT auch für längere Touren eignet, werden wir sobald wie möglich ausgiebig testen. Immerhin gibt es einen Tankrucksack (200,– €) und eine Hecktasche (250,– €) im Originalzubehör. Sogar an zwei serienmäßige Gepäckhaken hat man gedacht und ein Komfortsoziussitz (122,72 €) ist auch im Programm. Ansonsten ist die Liste des BMW-Sonderzubehörs mit nur 16 Positionen recht überschaubar. Wirklich schick sind die LED-Blinker (140,– €), und die Alu-Höckerabdeckung (395,– €) ist eigentlich ein Muss. Für ­einen noch rotzigeren Boxersound und einen anderen optischen Charakter gibt es eine Auspuffanlage aus Titan (695,– €), die, je nach Verbindungsrohr (195,– € bzw. 360,– €), ebenso wie die Originalanlage von Akrapović stammt. 

Wir sind schon sehr gespannt, was der freie Zubehörmarkt für die nineT anbieten wird und natürlich auf die Uni­kate von professionellen Customizern. Doch erstmal muss man eine ­haben, denn bis September ist sie bereits ausverkauft ... 
 

TECHNISCHE DATEN BMW R nineT

Motor: Zweizylinder-Boxermotor, luft-/ölgekühlt
Hubraum: 1170 ccm
Leistung/Drehzahl: 110 PS / 7.500/min
Max. Drehm./Drehzahl: 119 Nm / 6.000/min
Kraftübertragung: 6 Gänge, Kardan
Radstand: 1476 mm
Federweg vorn/hinten: 120/120 mm
Reifen vorn: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 785 mm
Gewicht fahrfertig: 222 kg
Tankinhalt: 18 l
Preis: ab 14.500 Euro 
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Stand:22 January 2019 09:15:29/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/bmw+r+ninet+-+fahrbericht_176.html