Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling

14.10.2013  |  Text: Dirk Mangartz  |   Bilder: Indian
Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling
Fahrbericht Indian Chieftain - Der Oberhäuptling
Alle Bilder »
Unter der Regie von Polaris hat Indian die neu entwickelten Chief-Modelle präsentiert. In South Dakota konnten wir eine Runde mit dem Luxus-Tourer Chieftain drehen.

Tourer verkaufen sich blendend in den USA. Auf gefühlt jedem zweiten Motorrad in den Staaten prangt ein „Electra Glide“- oder „Road King“-Schriftzug. Kein Wunder, dass die wiederbelebte Marke Indian in ­ihrem soeben vorgestellten Modellprogramm einen waschechten Bagger führt. „Chieftain“ nennen die US-Boys ihr Spitzenmodell, das über geräumige Koffer, eine Verkleidung und volles Touren­equipment verfügt. Doch was hat es ­eigentlich mit der Marke mit dem Indianerkopf auf sich?

Der Name Indian hat trotz hektischer Besitzerwechsel und vieler wirtschaftlicher Tiefschläge noch immer ­einen geradezu mystischen Klang – und mit dem weltweit größten Hersteller von Schneemobilen und Quads jetzt auch ­einen solventen Besitzer. Indian Motorcycles soll „zu einer echten Alternative ­unter den US-Bikes werden“, so Marketingmann Robert Pandya. Gegen wen da geschossen wird, ist also glasklar.



Diese Herkulesaufgabe will Indian mit drei komplett neu entwickelten ­Modellen meistern, die pünktlich zur Sturgis Motorcycle Rally 2013 präsentiert wurden. Der nackten „Chief Classic“, der „Chief Vintage“ mit Ledertaschen und Scheibe sowie dem verkleideten Tourer „Chieftain“ ist der Thunderstroke-111-Motor mit 1.811 ccm gemein­sam. Er ist klassisch luftgekühlt, verfügt über unten liegende Nockenwellen und erinnert mit seinen verrippten Ventil­deckeln und den nach unten verlaufenden Auspuffrohren stark an die ­alten Indian-Seitenventil-Motoren der Vier­zigerjahre.

Auf der anderen Seite verfügt der V-Twin mit Ausgleichswelle, elektronischer Benzineinspritzung und inte­griertem Sechsganggetriebe über moderne Zutaten. Alle drei verfügen zudem über den gleichen Aluminiumrahmen, identische Telegabeln und eine Drei­scheibenbremsanlage mit serienmäßigem ABS. Anders als die Classic und die ­Vintage mit 16-Zoll-Speichenrädern, steht die Chieftain auf Alugussrädern. Zudem verfügt der Bagger über ein ­Federbein mit Luftunterstützung und ein Cockpit mit Drehzahlmesser, Reifendruckmonitor und Audioanlage.


Der erste Eindruck überzeugt. Die Chieftain sieht so aus, wie eine Chief eben aussehen muss: mit langem 1668-mm-Radstand, weit heruntergezogenen Schutzblechen im Art-déco-Stil und traditionellen Linien. Dabei entspricht ihre Größe heutigen Ansprüchen. Ihre imposante Erscheinung wird unterstützt von dicken Lenkerrohren, aus­ladenden Sturzbügeln und chromglänzenden Zusatzscheinwerfern. Alleine die optische Präsenz des Thunderstroke-Motors nötigt dem Betrachter jede Menge Respekt ab. Und auch die Verarbeitung der getesteten Vorserienmodelle passt zum selbst gestellten Premiumanspruch. Volltreffer.



Die von oben zu beladenen Koffer sind formschön und geräumig, fassen ­allerdings keinen Helm. Dafür lassen sich in den Deckeln der Koffer Zusatzlautsprecher unterbringen, die das Klang­erlebnis aus der Audioanlage selbst bei 130 km/h noch zum Erlebnis machen. Classic Rock und Country passen na­tür­lich am besten zum traditionellen Charakter der Chieftain. Doch unter den geschwungenen Linien ist die Indian ein durchaus modernes Motorrad. Wasserdichtes iPod-Fach, Reifendruckkontrolle und Verbrauchsanzeige sowie die elektrisch verstellbare Scheibe erfüllen gehobene Ansprüche an ein Tourenmotorrad.

Wie schön, dass die neue Indian auch auf der Straße hält, was der Auftritt ­verspricht. Durch den Verzicht auf übertriebene Reifenbreiten lenkt sich die Chief präzise ein, schwingt sie trotz der mächtigen Dimensionen handlich durch die Kurven und setzt auch erst sehr spät, dann aber hart, auf. Die auf Komfort ­getrimmten Federbeine bügeln auch per­forierten Asphalt glatt, und die groß ­dimensionierte Dreischeiben-Bremsanlage mit Blockierverhinderer distanziert ihre direkten Mitbewerber deutlich. Bes­tenfalls die Suzuki M 1800R und die Moto Guzzi California 1400 können bei dieser Performance mithalten.



Auch der V2-Motor, setzt sich perfekt in Szene. Kraftvoll geht er aus niedrigsten Drehzahlen ans Werk, ohne Lastwechsel­ruckeln und mit Vibratio­nen in korrekter Dosierung. Wie schön, dass der Klang aus Auspuff und Airbox als glatte Eins durchgeht. Dumpf, kraftvoll und von leichtem Stößelstangen­tickern begleitet. Einfach betörend. Hoffentlich bleibt auch den EU-Versionen ein Großteil dieses famosen Klangteppichs erhalten. Dann wird die Chieftain nicht nur den gigantischen Tourermarkt in den USA aufmischen, sondern auch uns verwöhnte Europäer begeistern. Das Zeug dazu hat sie allemal.

Fazit
Klassisch-amerikanische Tourer kommen vor allem in ihrem Heimatland bestens an. Doch auch in Europa macht so ein lässiges Retrobike Sinn. Auf Wunsch geht es nämlich durchaus zügig nach vorne. ABS, Alurahmen, Unit-Motor oder Federelemente sind durchaus auf der Höhe der Zeit. Doch vor allem gemütliche Naturen werden dem Charme und dem Charakter einer Indian Chief erliegen. Ganz zu schweigen von dem Nimbus der US-Marke, den jedes dieser Dickschiffe automatisch mit sich führt.

PLUS

  • Drehmomentstarker V-Twin 
  • Wendiges Fahrverhalten
  • Perfekter Langstreckenkomfort
  • Vollständiges Cockpit, gute Audioanlage
  • Betörender Sound aus Auspuff und Airbox


MINUS

  • Koffer zu klein für einen Helm
  • Reichlich Pfunde auf den Rippen

TECHNISCHE DATEN Indian Chieftain

Bauart: Thunderstroke 111, V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Vierventiler
Hubraum: 1811 ccm
Bohrung x Hub: 101 x 113 mm
Leistung: 91 PS bei 5.300 U/min
Drehmoment: 139 Nm bei 2.600 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Riemen
Rahmenart: Aluminium-Doppelschleifenrahmen
Radstand: 1.668 mm 
Federung vorn: Telegabel, ­Federweg 119 mm 
Federung hinten: Einzelstoßdämpfer mit Druckluft­verstellung, Federweg 114 mm
Bremsen vorn: Doppelscheibe, Vierkolbenbremssattel
Bremsen hinten: Einzelscheibe, Zweikolbenbremssattel
Bereifung vorn: 130/90-16, Räder 3,5 x 16“
Bereifung hinten: 180/65-16, Räder 5 x 16“
Länge: 2.571 mm
Sitzhöhe: 660 mm
Leergewicht : 370 kg
Tankinhalt: 20,8 l
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Lieferbare Farben: Schwarz, Rot, Blau
Preise Chieftain: 26.099,– Euro


  Teilen
Stand:22 January 2019 09:12:15/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/der+oberhaeuptling+-+indian+chieftain_175.html