Fahrbericht Triumph Tiger Explorer – Der Tiger von Hinckley

29.03.2012  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Triumph
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Fahrbericht Triumph Tiger Explorer – Der Tiger von Hinckley
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Triumph hat Maß genommen. Mit geschärften Krallen und deutlich muskulöser geht der neue Tiger auf die Jagd, die Konkurrenz immer im Visier.
Es ist Triumphs unverhohlener Frontalangriff auf einen Markt, der fast ausschließlich von einem Modell und einer Marke dominiert wird. Zeit, das zu ändern, müssen sich die ­britischen Strategen vor mehr als fünf Jahren gedacht haben, als die ersten ­Entwürfe für die Tiger Explorer in den Köpfen der Designer und Ingenieure ­geboren wurden. Aber wie immer im ­Leben, will gut Ding auch Weile haben, und erst jetzt kann der Tiger die Krallen ausfahren und sein neues Revier erforschen. Wie er sich dabei schlägt, konnten wir bei einer ersten Testfahrt in ­Erfahrung bringen.

Mit der Explorer knüpft Triumph an das Design der kleineren Tiger 800 XC an. Die Ähnlichkeit ist verblüffend, die Verwechselungsgefahr von vorn jederzeit gegeben. Dabei ist das Auftreten der Explorer wuchtiger, kantiger und noch martialischer. Der dominante Tank vermittelt einen kopflastigen Eindruck, der sich bei der ersten Platzprobe aber nicht bestätigt. Lenker und Armaturen sind gut erreichbar, und dank einer verstellbaren Sitzbank müssen auch Fahrer mit kürzeren Beinen keine Umfaller an der Ampel befürchten. Wer es noch niedriger braucht, kann sich aus dem Zu­behör-Programm eine flachere Sitzbank bestellen.



Die Ergonomie passt jedenfalls schon mal. Genauso wie die Bedienung des Multifunktionsdisplays. Kein lästiges Ge­fummel an schlecht erreichbaren Knöpfen während der Fahrt, um Informatio­nen abzurufen. Das wird ab sofort lässig mit dem linken Daumen vom Lenker aus erledigt. Hier hat die Elektronik-Abteilung einen guten Job gemacht. An der rechten Armatur befindet sich der Knopf für den Tempomat. Da die ­Explorer auf eine elektronische „Ride-by-wire“-Drosselklappensteuerung statt eines klassischen Seilzugs setzt, kommt der Fahrer in den Genuss des entspannten Cruisens, wenn einmal auf langen Touren die Gashand entlastet werden muss. Immerhin lässt sich dieser Luxus gut versteckt hinter der verstellbaren Windschutzscheibe bis 160 km/h genießen.

Die erreicht der komplett neuentwickelte Dreizylindermotor im Hand­umdrehen. Satte 137 PS stehen im Bedarfsfall zur Verfügung. Damit lassen sich auch schlecht kal­kulierte Überholmanöver durchziehen, ohne einem Herzinfarkt zu erliegen. Wer es ruhiger angehen will, kann sich auch an dem bulligen Drehmoment von maximal 121 Newtonmetern erfreuen und schaltfaul dahinzuckeln. Das fein zu schaltende Sechsganggetriebe gibt genauso wenig Grund zur Klage, wie der momentabgestützte Kardan, der sich weder durch Lastwechselschläge noch durch einen Fahrstuhleffekt bemerkbar macht. Das hat Triumph richtig gut hinbekommen. Die Einarmschwinge wirkt nicht nur massiv, sondern macht aufgrund ihrer Dimensionierung einen nahezu unzerstörbaren Eindruck und schafft Vertrauen in den Antrieb.



Obwohl die Triumph Tiger Explorer mit 260 Kilogramm Masse alles andere als ein Leichtgewicht ist, erweist sie sich als erstaunlich handlich. Das Fahrwerk ist sportlich abgestimmt, aber nicht unkomfortabel und sowohl an der Vorderradgabel als auch am hinteren ­Federbein lassen sich die Einstellungen den gewünschten Erfordernissen anpassen. Schnelles Kurvengeläuf nimmt die Explorer eher lässig unter die Räder und durchfährt auch enge Radien, ohne zum Kurveninnern abzukippen oder sich plötzlich aufrichten zu wollen.

Einmal zu früh am Kurvenausgang am Gas gedreht, und schon regelt die zweistufige Traktionskontrolle, bevor der Hinterreifen den Grip verliert. Die Brem­sen sind für die Leistung der Explorer mehr als ausreichend ausgelegt, lassen sich jedoch nicht so fein dosieren und verlangen eher nach einem beherzten Zupacken. Auch regelt das ABS an der Hinterhand recht früh und macht sich durch ein Klackern im Fußbremshebel bemerkbar. Zum Glück aber lassen sich die beiden elektronischen Fahrhilfen auch abschalten. Gerade wenn es einmal abseits der ­asphaltierten Bänder zur ­Sache gehen sollte, kann auf das ABS verzichtet werden. Auf den Verkaufsstart können sich die Kunden jedenfalls freuen, denn Triumph hat offensichtlich erkannt, was der Markt wünscht und eine gut ausgestattete Reise-Enduro entwickelt. Die Ähnlichkeit zur Kollegin aus Bayern sei ihr verziehen. 

FAZIT Triumph Tiger Explorer

Die Triumph Tiger Explorer überzeugt in vielerlei Hinsicht. Mit ihrem charakteristischen und bärenstarken Motor stellt sie jederzeit ausreichend Leistung bereit. Fahrwerk und Se­rienausstattung lassen kaum Wünsche offen, und für weitere Indivi­dualisierungen hält Triumph jede Menge Zubehör parat. Ob und wie sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen kann, muss sie erst noch ­beweisen. Das Potential ist auf alle Fälle vorhanden.

PLUS
  • Drehfreudiger, starker Motor
  • Sportlich-komfortables Fahrwerk
  • Gut funktionierender Kardan
  • Traktionskontrolle und ABS serienmäßig
  • Umfangreiche Serienausstattung
MINUS
  • Grob regulierendes ABS
  • Vergleichsweise hohes Gewicht
  • Teilweise billig anmutendes Plastik

Technische Daten Triumph Tiger Explorer

Bauart: Dreizylinder-Viertaktmotor, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 12 Ventile
Hubraum: 1.215 ccm
Bohrung x Hub: 85,0 x 71,4 mm
Verdichtung: 11,0 : 1
Leistung: 101 kW / 137 PS bei 9.000 U/min
Drehmoment: 121 Nm bei 6.400 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Getriebe: 6-Gang
Rahmenart: Stahl-Gitterrohrrahmen
Sekundärtrieb: Kardan mit Momentabstützung
Radstand: 1.530 mm
Federung vorn: 46 mm Upside-down-Gabel, Federweg 190 mm
Federung hinten: Leichtmetall-Einarmschwinge, Zentralfederbein – Federweg 194 mm
Bremsen vorn: 305 mm Doppelscheibe, schwimmend, Vierkolben-Festsättel, ABS
Bremsen hinten: 282 mm Einscheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel, ABS
Bereifung vorn: 110/80 R 19, Felgen 2,5 x 19
Bereifung hinten: 150/70 R 17, Felgen 4,0 x 17
Reifentyp: Metzeler Tourance EXP
Sitzhöhe: 840/860 mm – einstellbar
Gewicht fahrfertig: 260 kg
Tank: 20 Liter
Grundpreis: 13.790 Euro zzgl. Nebenkosten
Sonstiges: ABS und Traktionskontrolle serienmäßig, abschaltbar
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Stand:26 March 2019 05:10:29/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/der+tiger+von+hinckley_175.html