Fahrbericht Triumph Trophy – Die Rückkehr der Trophy

05.10.2012  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Triumph
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Fahrbericht Triumph Trophy – Die Rückkehr der Trophy
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Knapp neun Jahre war sie verschwunden, die Trophy. Triumphs beliebtes Tourenmotorrad verabschiedete sich 2003 aus dem Motorradmarkt. Jetzt ist sie zurück: Die Neuauflage der Trophy glänzt mit feiner Technik in neuem Gewand.
Endlich ist sie wieder da, die ­Triumph Trophy. Ganze neun Jahre haben die Fans des britischen Tourenmotorrads auf ihre Rückkehr warten müssen. Sang- und klanglos war sie 2003 aus dem Portfolio der ­Motorradmarke verschwunden. Ein adäquater Ersatz stand seither nicht im ­Angebot. Die Sprint ST und Sprint GT waren und sind vielen Motorradreisenden einfach zu sportlich, der Bedarf nach einem komfortablen und gut ausgestatteten Tourenmotorrad mit Kardanantrieb war nach wie vor ungestillt.

Offenbar hat man auch in Hinckley den Wunsch nach einem Luxus-Tourer ernst genommen. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit, parallel zur Tiger Explorer, präsentierte der britische Hersteller die Trophy erstmals auf den TriDays im österreichischen Neukirchen Ende Juni der Öffentlichkeit. Wer aber einen Jahrhundert-Entwurf in Sachen Design erwartet hatte oder gar die Neuerfindung des Rades, sah sich schnell enttäuscht. Die neue Trophy ist ein konventionelles Tourenmotorrad mit Vollverkleidung, Windschild und Koffern. Parameter wie Aerodynamik und Funktionalität gestatten den Designern nur einen begrenzten Spielraum, Ähnlichkeiten mit Modellen der Mitbewerber sind daher fast zwangsläufig. Über die Qualitäten, Stärken und Schwächen eines Motorrades sagt dies aber alles nichts aus, und nicht zuletzt ist Aussehen auch eine Frage des Geschmacks, und darüber lässt sich bekanntlich streiten.



Umso erfreuter waren wir, dass ­Triumph der schreibenden Zunft die Gelegenheit gab, die neue Trophy in den schottischen Highlands vorab einem ­ersten Fahrtest zu unterziehen. Beste Gelegenheit, Motor, Fahrwerk sowie die umfangreiche Ausstattung in der Praxis auszuprobieren. Zwei Varianten werden den Käufern in Zukunft zur Verfügung stehen: Die Trophy und Trophy SE. ­Triumph stellte uns die SE zur Ver­fügung, die zusätzlich über ein elektronisch einstellbares Fahrwerk, ein Audiosystem, Reifendruckkontrolle und eine dritte 12-Volt-Bordsteckdose verfügt.

Vor der ersten Sitzprobe stellen wir die Fahrersitzbank gleich auf die höchste Stufe; lange Beine wollen gerne etwas gestreckt sein. Immerhin zwei Zentimeter lassen sich so an Höhe gewinnen. Damit ist die Sitzposition richtig komfortabel, Lenker und alle Armaturen gut erreichbar und einem Ausritt über den schottischen Asphalt steht nichts mehr im Wege. Unter uns erwacht der aus der Tiger Explorer bekannte Dreizylinder zum Leben. Der Sound aus dem zuge­gebenermaßen langen Auspufftopf ist etwas gedämpfter und nicht so aggressiv wie beim geländegängigen Bruder. In Anbetracht des sehr guten Windschutzes mit der elektrisch stufenlos verstellbaren Windschutzscheibe aber verständlich. Auf diesem Motorrad ist es sehr ­ruhig und unnötiger Lärm würde nur den Komfort schmälern.

Die Armaturen sind klassisch rund und gut ablesbar. Das Info-Display kann individuell konfi­guriert werden und liefert umfangreiche Informationen

Das Getriebe schaltet sich exakt und ist sehr gut abgestuft. In Verbindung mit dem hochelastischen Motor lässt es sich auch mal mit knappen 1.200 Umdrehungen im vierten Gang durch die Städtchen der Highlands bummeln, ohne dass der Motor auch nur im Geringsten stottert oder in den Kardan haut. Für lange Autobahn- oder Überlandfahrten haben die Entwickler aus Hinckley den sechsten Gang angenehmerweise als Overdrive ausgelegt. Das spart noch mal Sprit und schont die Nerven. Überhaupt ist das Ansprechverhalten des Motors sehr gut, wohl auch dank des feinfühligen Ride-by-Wire-Gasgriffes. Zeitverzögerungen bei der Umsetzung der Gasbefehle konnten wir nicht feststellen.

Richtig Freude bereitet das elektronisch verstellbare Fahrwerk, das sich über das Menü des Bordcomputers auf insgesamt neun Modi einstellen lässt. Komfort, Sport oder Normal und alles nochmal mit Sozius und/oder Gepäck. In den Highlands mit dem teilweise rauen und ruppigen Asphalt offenbart die Trophy keine Schwächen. Der neuentwickelte Rahmen zeigt sich verwindungssteif und in Verbindung mit den Federelementen werden alle Fahrzustände klar und deutlich an den Fahrer weitergegeben. Da kommt schon fast etwas Sporttourer-Feeling durch. Auf den kurvenreichen Berg- und Talfahrten jedenfalls kennt das Motorrad kein ­Halten mehr und animiert zur flotten Kurvenhatz.

Großen Anteil daran haben die serien­mäßig montierten Pirelli Angel ST-Reifen, denn die Trophy lässt sich so präzise wie ein Skalpell führen und einlenken, trotz oder gerade auch wegen des 190er-Hinterreifens mit dem 55er-Querschnitt. Mit ihrer 51,5 Prozent-Gewichts­verteilung vorne/hinten liegt sie zudem nahezu perfekt ausbalanciert auf der Straße. Jedenfalls ist von den angegebenen 301 Kilogramm Lebend­gewicht nichts zu spüren. Im Gegenteil; so behände und leicht, wie sich die Maschine auch durch enge Kehren legen lässt, fühlt sich das eher nach einem viel ­leichteren Motorrad an. Die Bremsen haben mit der Masse der Trophy erst recht keine Probleme. Die Vierkolben-Sättel verzögern punktgenau mit klarem Druckpunkt und sehr geringen Handkräften. Wer möchte, kann aber auch überwiegend nur die Fußbremse bedienen. Das teilintegrierte Bremssystem schaltet bei festerem Druck auf den Fußbremshebel zusätzlich zwei Kolben der Vorderradbremse mit hinzu und liefert dabei Verzögerungswerte, die alleine schon ausreichen würden, den Tourer in einem angemessenen Bereich zum Stillstand zu bremsen.

Die serienmäßigen Koffer sind schwingungsentkoppelt befestigt, ein Topcase kann optional geordert werden.

Kein Wunder also, dass wir durch die Mountains fliegen und beinahe das Gefühl haben, Achterbahn zu fahren. Von der großartigen Landschaft bekommen wir nämlich nur sehr wenig mit, zu viel Laune bereitet uns die Trophy. Auf den langen Geraden und schnellen Autobahnabschnitten spielt der Windschutz seine Stärken exzellent aus. Mit voll ausgefahrener Scheibe wird es erstaunlich still, die Windgeräusche verstummen fast. Dafür liefert das Audiosystem vollen Genuss und beschallt uns mit coolem Sound. So lassen sich auch lange, langweilige Passagen locker überwinden.

Leider endet auch diese Ausfahrt zu schnell. Zu vieles gibt es an der neuen Trophy, was wir noch gerne ausprobieren würden. Deshalb freuen wir uns schon auf den ersten Vergleichstest.

Fazit Triumph Trophy
Triumph ist mit der neuen Trophy ein richtig guter Wurf gelungen. Eine umfangreiche Serienausstattung, der feine Dreizylinder, das sehr gute Fahrwerk und eine gelungene Balance machen die Britin zu ­einer überaus angenehmen Tourenbegleiterin. Da bleiben fast keine Wünsche mehr offen. Ab Oktober 2012 stehen dann Triumph Trophy und Trophy SE in den Farben Blau oder Silber bei den Händlern. Die Preise für die Trophy beginnen bei 16.990 Euro.

PLUS
  • Drehmomentstarker Motor
  • Lastwechselfreier Kardanantrieb
  • Gut ansprechendes Fahrwerk
  • Sehr gute Balance
  • Hervorragende Bremsen
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Sehr guter Windschutz

MINUS
  • Bordcomputer mit zu vielen Menü-Ebenen

Prädestiniert für Überlandfahrten und ausgedehnte Touren: Die Trophy bietet erstaunlich viel Komfort.

Technische Daten Triumph Trophy

Bauart: Dreizylinder-Reihenmotor, flüssigkeitsgekühlt, dohc, Vier Ventile pro Zylinder
Hubraum: 1.215 ccm
Bohrung x Hub 85 x 71,4 mm
Gemischaufbereitung: Multipoint-Einspritzung, Ride-by-Wire
Leistung: 134 PS bei 8.900 U/min
Drehmoment: 120 Nm bei 6.450 U/min
Getriebe: 6-Gang
Rahmenart: Leichtmetall-Brückenrahmen
Sekundärtrieb: Kardan
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Radstand: 1.542 mm
Federung vorn: 43 mm Upside-Down-Gabel, Federweg 127 mm, elektr. einstellbar
Federung hinten : Vertikales Zentralfederbein, Federweg 120 mm, elektr. einstellbar
Bremsen vorn: 320 mm Doppelscheibe, Vierkolben-Festsättel, Integralbremse, ABS
Bremsen hinten: 282 mm Einscheibenbremse, Zwei-kolben-Schwimmsattel, ABS
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17, Felgen 3,5 x 17
Bereifung hinten: 190/55 ZR 17, Felgen 6,0 x 17
Sitzhöhe: 800 bis 820 mm
Gewicht fahrfertig: 301 kg ohne Koffer
Zuladung: 239 kg
Tank: 26 Liter
Preis: ab 18.670 Euro zzgl. NK
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Stand:24 June 2019 11:18:51/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/die+rueckkehr+der+triumph+trophy_175.html