Ducati Multistrada 1200 – Das Multitalent im Fahrbericht

05.10.2012  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Ducati
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Ducati Multistrada 1200 – Das Multitalent im Fahrbericht
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Seit etwas mehr als zwei Jahren bringt die Multistrada nun schon den Asphalt zum Kochen. Jetzt hat Ducati sein 150 PS starkes Multitalent überarbeitet, elektronisch weiter aufgerüstet und mit LED-Licht bestückt.
Auch bei den neuen 2013er Modellen der Multistrada-Reihe setzt Ducati weiterhin auf eine Mischung aus Hightech und Emotio­nen. Wie schon bei den Vorgängermodellen, ist auch beim kommenden Jahrgang jede Menge Elektronik mit an Bord. Ob Ride-by-wire-Technologie, 2-Kanal-ABS der neuesten Generation, eine achtstufige Traktionskontrolle oder ein elektronisch gesteuertes und verstellbares Fahrwerk, das italienische Multitalent ist technisch Up-to-date.

Wichtigste Neuerung ist das Ducati Skyhook-Suspension-System, das in den S-Versionen verbaut wird. Dabei handelt es sich um ein semiaktives Fahrwerksmanagement, das die Federelemente elektronisch steuert und die Dämpfung während des Fahrbetriebs den Fahrzuständen anpasst. Die zur Berechnung benötigten Daten ermittelt das DSS über Sensoren, die am Motorrad verteilt platziert sind und in Echtzeit bearbeitet werden. Der Vorteil dieser Fahrwerkstechnologie ist neben einem verbesserten Fahrkomfort auch der konstante Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn. Unebenheit werden spürbar besser weggefedert, auch wenn der entsprechende Fahrwerksmodus auf „Sport“ eingestellt ist. Konventionelle Fahrwerke dagegen bilden meistens einen Kompromiss aus weicher und harter Abstimmung, der nicht allen Fahrzuständen optimal gerecht wird. Dass das Skyhook-Suspension-System ganz ausgezeichnet funktio­niert, bewies die Multistrada bei der Pressevorführung auf den spanischen Straßen rund um Bilbao.

Neu ist auch die silbermatte Lackierung mit der Bezeichnung „Matt Chrome”, die das Weiß ersetzt.

Selbst kurze, harte Bodenwellen, oder un­ebener Fahrbahnbelag brachten keine Unruhe ins Fahrwerk der Touringmodelle, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Das DSS ergänzt die bisherigen Einstellmöglichkeiten der Multistrada, die nach wie vor in den ­Riding-Modes auch während der Fahrt  elektronisch verändert werden können. In den Modi Sport, Touring, Urban und Enduro kann zusätzlich die Option „nur Fahrer“, „Fahrer mit Gepäck“, „Fahrer und Beifahrer“ und „Fahrer und Beifahrer mit Gepäck“ gewählt werden, die Federbeineinstellung passt sich entsprechend an. Während beim Sport- und Touring-Riding-Modus jeweils die vollen 150 PS Leistung des Motors bereitstehen, wird im Urban- und Enduro-Riding-Modus die Leistungsabgabe reduziert, ABS und Traktionskontrolle entsprechend angepasst.

Beim Motor bringt Ducati die zweite Generation des Testastretta 11° DS-Motors zum Einsatz. Die Leistung liegt unverändert bei 150 PS, dafür wurde das Drehmoment im Vergleich zum Vorgängermodell um 6 Nm auf nun 125 Nm angehoben. Der Motor soll jetzt nach Aussage von Ducati mehr Leistung über den gesamten Drehzahlbereich und eine verbesserte Laufruhe besitzen. Im Fahrtest konnten wir das natürlich nicht direkt vergleichen und wahrscheinlich fällt der Unterschied auch gar nicht so sehr ins Gewicht. Der L-Motor hat Kraft ohne Ende, nur Drehzahlen unter 2.000 Umdrehungen sind ihm nach wie vor sus­pekt. Dann ­ruckelt er unwillig vor sich hin und hackt störrisch in die Kette. Ein Gang runterschalten ist die beste Medizin, dann läufts wieder.

Dynamik in Reinkultur: Eine Multistrada lässt sich bei Bedarf extrem flott bewegen.

Ab 6.000 U/min entfacht er dann ohnehin ein Feuerwerk und ist in seiner Drehfreude kaum zu bändigen. Trotz flotter Fahrt über die kurvenreichen Küstenstraßen überraschte uns der Bordcomputer mit einem angegebenen Verbrauch von knapp 6 Litern auf 100 Kilometern. Ob sich dieser Wert auch bei schneller Autobahnfahrt halten lässt, muss die Multistrada im Einzeltest beweisen. Das Getriebe jedenfalls ist sehr gut abgestuft und passend zur Leis­tung des Motors übersetzt. Die Gangwechsel klappen geschmeidig, die Gänge rasten sauber ein, verschaltet haben wir uns kein einziges Mal.

In Verbindung mit der hydraulischen Kupplung und den geringen Handkräften macht das Schalten sogar richtig Laune und lässt ein sportliches Feeling aufkommen. Mit Anteil daran haben auch die kraftvollen Bremsen von Brembo. Die lassen sich nicht nur mit zwei Fingern leicht be­dienen, sondern auch punktgenau dosieren. Das ABS regelt je nach eingestelltem Riding-Mode entweder früh, spät oder gar nicht, falls es abgeschaltet ist. Bei normaler Fahrweise haben wir es nicht in den Regelbereich gebracht.

Äußerlich verändert haben die italienischen Designer nur sehr wenig und stattdessen eine angenehme Zurückhaltung geübt. Die neuen Multistrada-Modelle haben einen größeren Windschild bekommen, der sich tatsächlich auch während der Fahrt mit nur einem Handgriff 6 Zentimeter in der Höhe verstellen lässt. Der Windschild hat insgesamt um 18 Millimeter an Höhe zugelegt, in der Breite sogar 43 Millimeter. Das ist ausreichend, um selbst bei großgewachsenen Fahrern den Wind bei unterster Stellung des Schildes ohne Verwirbelungen über den Helm zu leiten. Ebenfalls überarbeitet wurden die Scheinwerfer, die nun LED-Tagfahrlichter tragen. Auch das Abblendlicht bedient sich der LED-Technik, während das Fernlicht noch mit konventionellen Halogen-Lampen auskommen muss. Vom gleißend hellen Tagfahrlicht waren wir ­jedenfalls angetan. Nicht nur optisch bietet die neue Scheinwerfertechnik ein Plus, auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz, da das helle Licht von anderen Verkehrsteilnehmern deutlich besser und vor allem früher wahrgenommen wird.

Analoge Instrumente besitzt die Multi­strada keine. Die Anzeige übernimmt ein LCD-Multi-Infodisplay, über das sich beliebig viele Informationen ab­rufen lassen

Der Sitzkomfort der Multi­strada ist enduro-typisch hoch und mit einem relativ entspann­ten Kniewinkel. Auch lange Beine finden auf den gut platzierten Fußrasten ausreichend Gelegenheit sich zu entfalten. Lange Touren dürften somit nicht zu einer quälenden Angelegenheit werden. Beim Sitz hat Ducati ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Das Gestühl ist sportlich straff, ohne hart zu sein und bettet den Fahrer quasi ins Motorrad. Durch die Abstufung zur Soziussitzbank bekommt der untere Rücken sogar noch etwas Abstützung, was bei sportlicher Fahrweise ein Vorteil ist. Lenker und Armaturen sind gut zu erreichen, alle Schalter und Taster lassen sich ohne großartige Fingerverrenkungen ausgezeichnet bedienen.

Allerdings ist die Belegung mit den verschiedensten Funk­tionen zumindest am Anfang für „Nicht-Ducatisti“ unverständlich und zum Teil sogar verwirrend. Allein die Startprozedur hat es in sich. Mit dem Keyless-System benötigt man zwar keinen Zündschlüssel, doch bevor man den Motor starten kann, muss zunächst das System hochgefahren werden. Dies geschieht über einen Schalter, unter dem sich der Starterknopf verbirgt. Um einer Über­ladung mit Schaltern und Knöpfen an den ­Armaturen zu entgehen, hat Ducati verständlicherweise die Mehrfachbelegung der Taster in Kauf nehmen müssen. So gelingt es uns am Anfang nicht, das Fernlicht abzuschalten, egal inwieweit wir versuchen, eine logische Lösung zu finden. Auf Nachfrage klappt es dann aber doch. Einfacher als gedacht, aber eben nicht selbsterklärend. Auch die Heizgriffe lassen sich nicht über einen simplen Knopf ein- oder ausschalten. Das geht auch erst, nachdem über das Menü die entsprechende Funktion aufgerufen wird. Letztlich ist es aber nur eine Frage der Gewohnheit. Wer das Motorrad öfter fährt, findet sich schnell mit der komplexen Bedienung zurecht.

Analoge Instrumente sucht man an der Multistrada vergeblich. Über ein zentrales LCD-Multi-Infodisplay und Kontrollleuchten werden alle relevanten Fahrerinformationen bereitgestellt. Zum Glück ist das Display kein farbiges Mäusekino, sondern monochrom und gut ablesbar, Zeiger werden nicht vermisst.



Insgesamt hat uns die neue Multi­strada S in der Touring-Version nicht nur Spaß gemacht, sondern auch fah­rerisch richtig gefordert. Das Motorrad ist  sehr gut ausbalanciert, das Ducati-Skyhook-Suspension-System funktioniert hervorragend und die Fahrwerksreserven sind enorm. Eine sportliche Fahrweise wird geradezu herausgefordert, nicht nur dank des drehfreudigen Motors. Denn, wie man uns mitgeteilt hat: „Wo Ducati draufsteht, soll auch Ducati drin sein.“

Insgesamt vier Versionen der Multi­strada stehen den Kunden ab Dezember zur Auswahl. Standardversion wird die Multistrada sein, die nicht über das DSS-System verfügt. Dafür ist sie mit 15.490 Euro auch das Einstiegsmodell in die Welt der Multitalente und es gibt sie in Rot oder „Matt Chrome“. Ab der „S Touring“, 18.490 Euro, ist DSS serien­mäßig. Zusätzlich können Koffer mit jeweils 58 Liter Stauvolumen optional mitbestellt werden. Ganz neu im Programm ist die „Grantourismo“. Sie bietet eine Reihe von Erweiterungen und Ergänzungen und soll das Flaggschiff der Touring-Familie werden. Ihre Koffer fassen stolze 73 Liter pro Seite, das Topcase 48 Liter. Dazu gibt es eine Komfortsitzbank und der Lenker ist noch einmal um 20 Millimeter erhöht, um eine noch aufrechtere und entspann­tere Sitzhaltung zu ermöglichen. Eine vergrößerte Windschutzscheibe bietet zusätzlichen Schutz, ebenso wie die Motorschutzbügel. LED-Spotlights sorgen für eine noch bessere Sicht. Nur für die Grantourismo hat Pirelli brandneue ­Angel GT-Reifen entwickelt. So viel Aus­stattung hat ihren Preis: Ab 19.990 Euro ist eine Grantourismo in der neuen Farbe „Touring Grey“ zu haben.


Für die ganz Sportlichen bleibt nur eine Wahl und die heißt „Pikes Peak“. Das Spitzenmodell der Multistrada-Reihe glänzt mit jeder Menge rennsport­erprobter Komponenten wie Carbon-Windschild und geschmiedete Leichtmetallräder, hat von allen Modellen das geringste Gewicht, dafür die schönste Lackierung im weiß-roten Ducati Corse-Look und kostet ab 20.990 Euro. Dafür gibt es dann aber auch eine geballte ­Ladung Sport. Mehr geht in diesem Segment nicht.

Fazit
Leichte optische Änderungen, aber dafür jede Menge neuester Technik zeichnen die kommende Multi­strada-Generation aus. Ducati hat das Potential seines Multitalents weiter ausgeschöpft und vielen Bereichen verbessert. Noch mehr Dynamik, noch mehr Komfort und noch mehr Emotionen.

PLUS
  • Leistungsstarker Motor
  • Semiaktives Fahrwerk
  • Hervorragende Fahreigenschaften
  • Geringes Gewicht
  • Hervorragende Bremsen
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Sehr guter Windschutz
MINUS
  • Nicht immer logische Schalterbedienung

Technische Daten Ducati Multistrada 1200 S Touring

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-L-Motor, 4 Ventile
Hubraum: 1198,4 ccm
Bohrung x Hub: 106 x 67,9 mm
Verdichtung: 11,5 : 1
Gemischaufbereitung: Benzineinspritzung
Leistung: 150 PS bei 9.250 U/min
Drehmoment: 124,5 Nm bei 7.500 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Kupplung: Hydraulische Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Rahmenart: Stahlrohrgitterrahmen
Radstand: 1.530 mm
Federung vorn: 48-mm-Upside-Down-Gabel, elektronisch verstellbar, Federweg 170 mm
Federung hinten: Alu-Einarmschwinge, Zentralfederbein, elektr. verstellbar, Federweg 170 mm
Bremsen vorn: 320-mm-Doppelscheibenbremse, Vierkolbenfestsattel, ABS 
Bremsen hinten: 2245-mm-Einscheibenbremse, ­Zweikolbenbremszange, ABS, 8-stufige Traktionskontrolle, abschaltbar
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17
Bereifung hinten: 190/55 ZR 17
Sitzhöhe: 850 mm
Gewicht fahrfertig: 234 kg
Tank: 20 Liter 
Garantie Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung
Preis ab 18.490 EUR zzgl. Nebenkosten
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Stand:09 April 2020 21:44:46/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/ducati+multistrada+-+das+multitalent+im+test_175.html Warning: fopen(cache/d660a64d99d7c312e022f8f750c7880c.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163