Honda VFR1200 DCT - Easy Going

09.06.2010  |  Text: Dr. Heinrich Christmann  |   Bilder: Honda
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Honda VFR1200 DCT - Easy Going
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Hondas VFR 1200 DCT ist weltweit das erste Motorrad mit Doppelkupplungsgetriebe, aber sie wird garantiert nicht die einzige bleiben. Wir prognostizieren dieser Technologie eine ganz große Zukunft im Motorradbereich.
Double Clutch Transmission heißt die Getriebetechnologie, die Honda jetzt erstmals serienreif 
in ein Motorrad gepackt hat. Und um ganz ehrlich zu sein, haben wir uns zunächst gefragt, ob das alles unbedingt sein muss. Aber bereits nach 150 Kilometer Landsträßchen surfen im Spessart hat sich die eher von skeptischer Zurückhaltung geprägte Einstellung des Autors ins genaue Gegenteil verkehrt. Double clutch rules, Leute. Das ist ganz ganz großes Kino!

Um eine solche Neuerung vor allem auch im Kopf anzunehmen, half es immens, dass es trotz der Option, automatisiert schalten zu lassen, eben auch noch möglich ist, aktiv selbst zu schalten. Kupplungshand und Schaltfuß allerdings muss man komplett vergessen – sprich stilllegen – denn es gibt schlichtweg keinen Kupplungshebel und keinen Fußschalthebel mehr an dieser VFR. Manuell geschaltet wird per Druckknöpfen mit der linken Hand. Der Zeigefinger gibt den Befehl zum Hochschalten, der Daumen schaltet herunter.

Wer es dagegen relaxed haben möchte, switcht nach dem Starten des Motors vor dem Losfahren an der rechten Lenkerarmatur einfach lässig auf Automatikmodus D (Drive) oder S (Sport) und muss sich fortan um nichts mehr kümmern. Im D-Modus geht es gemächlicher zu, im dynamischeren S-Modus dreht der Motor in jedem Gang etwas höher. Der Bordcomputer ist dabei dauernd selbstlernend, das heißt, nach ein paar hundert Kilometern hat das System den Fahrstil seines Fahrers analysiert und begriffen und passt das Automatik-Setup zusätzlich den Fahrgewohnheiten des Fahrers an. 

Kein Kupplungshebel mehr am linken Lenkerende , dafür gibt’s zwei Drucktasten: Mit dem (–)-Schalter wird manuell herunter-, mit dem (+)-Schalter hochgeschaltet.

Nachdem wir auf den ersten zehn, fünfzehn Kilometern vorsichtshalber ausschließlich auf Automatik-Modus dahinglitten, kam doch so langsam Vertrauen in die Sache auf und damit einhergehend der Wunsch, auch mal ein bisschen interaktiver zu werden. Wer bei Überholvorgängen der Boss am Lenker sein will, tippt einfach mit dem linken Daumen auf den Schalter „Runterschalten“, und schon ist das System automatisch im manuellen Schaltmodus. Das Wechseln von Automatik-Modus (AT) in Manuell (MT) und umgekehrt kann während der Fahrt erfolgen. Die Fahrmodi zu wechseln ist tatsächlich so einfach wie ein Mausklick beim Surfen im Internet. 

Besonders beeindruckend fallen die Beschleunigungsphasen aus. Die Tatsache, dass bei Vollgas hochgeschaltet wird, ohne das Gas beim Gangwechsel lupfen zu müssen, macht den Vorwärtsdrang der mit 173 PS bärenstarken VFR 1200 fast unwiderstehlich. Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung nennt das der Fahrzeugingenieur. Und so verrückt das jetzt vielleicht klingen mag, aber erst bei dieser VFR mit Doppelkupplungsgetriebe hat sich beim Autor jenes Fahrvergnügen eingestellt, das er bei der konventionell geschalteten Variante ein wenig vermisst hat. VFR fahren mit Doppelkupplungsgetriebe ist zugebenermaßen eine etwas andere Art des Motorradfahrens, aber es die geilere Art.

Wenn man möchte, hat die linke ­Körperhälfte Ruhe. Der Vorteil: Man kann sich viel mehr aufs Fahren konzentrieren.

Über Land fuhren wir zum Beispiel aktiv manuell und ließen in Städten und Dörfern per Fingerdruck den AT-Modus die Arbeit machen. Andere mögen es vielleicht genau anders herum. Na und, ganz egal, jeder nach seinem Gusto, denn das System bietet ja mehrere ­Optionen an. Reisen oder rasen, alles ist jederzeit machbar. Wer lieber reist, darf sich über bisher ungekannte Sinnes­komfort freuen, denn die Aufmerksamkeit, die die althergebrachte Schalterei bislang erfordert (hat), kann der Fahrer jetzt annähernd zur Gänze seiner Um­gebung widmen.

Fazit
Das von Honda hier erstmals in einem Motorrad verbaute Doppelkupplungsgetriebe wird – ähnlich wie beim Auto – auch im Zweiradsektor eine Erfolgsgeschichte werden. Unsere Prognose: 
In fünf Jahren wird jeder bedeutende Hersteller jeweils Bikes mit dieser Technologie anbieten. Honda hat die anlässlich des Presslaunches anwesenden Fachjournalisten verdächtig oft und verdächtig intensiv nach Modellen im Honda-Portfolio abgefragt, zu denen dieses Getriebe auch noch passen könnte. Das deutet darauf hin, dass man die Ausweitung dieser Technik in Hamamatsu bereits fest im Auge hat. Uns Fahrern soll’s recht sein, denn selten sind wir mit mehr Fahrspaß durchs deutsche Mittelgebirge gedüst. Der Mehrpreis von 1.300 Euro im Vergleich zur normalen VFR erscheint angesichts des gesteigerten Fahrvergnügens schon fast als Schnäppchen.
 


Technik Doppelkupplungsgetriebe
Ein Doppelkupplungsgetriebe ist ein teilautomatisiertes Schaltgetriebe, das mittels zweier Teilgetriebe einen automatischen Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung ermöglicht. Vom Radsatz her entsprechen die Teilgetriebe einem herkömmlichen manuellen Fahrzeug­getriebe. Die Getriebesteuerung wählt die Gänge selbstständig oder nach Fahrerwunsch (Handschalthebelchen) im Rahmen der zugelassenen Drehzahlbereiche. Im Gegensatz zu ­Automatikgetrieben mit hydraulischem Drehmomentwandler erfolgt die Übertragung des Moments über eine von zwei Kupplungen, die die zwei Teilgetriebe mit dem Antrieb ver­binden. Dieses Prinzip ermöglicht einen Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung, indem gleichzeitig eine Kupplung schließt, während die andere öffnet.

Die Bedienung des Getriebes entspricht weitestgehend der Handhabung vollautomatischer Getriebe. Wünscht der Fahrer die manuelle Gangwahl, kann er dies über elektrische Druck­tasten am Lenker auslösen.
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Stand:22 January 2019 09:46:39/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/easy+going_175.html