Fahrbericht – Kawasaki VN1700 Voyager – Die neue Üppigkeit

09.06.2009  |  Text und Bilder: Ulf Böhringer  |  
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Fahrbericht – Kawasaki VN1700 Voyager – Die neue Üppigkeit
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Mit den drei vollkommen neu entwickelten VN1700-Modellen gibt Kawasaki im Cruiser-Segment ordentlich Gas. In Südfrankreich sollten die nackte Classic, der chice Classic Tourer und vor allem die üppigst ausgestattete Voyager ihr Flair ausspielen. Und zeigen, ob sie die von Milwaukee mittlerweile ganz schön hoch gelegte Messlatte überwinden.
Versetzen Sie sich mit uns geistig einfach mal ins sonnenverwöhnte Arizona oder nach Südkalifornien. Alle Ihre Nachbarn fahren eine Harley, der eine hat eine Electra Glide, der andere eine Heritage Softail, der dritte eine Road King. Jetzt schauen Sie sich die zweifarbig in ­Metallic Tita­nium und Metallic Diablo Black lackierte Kawasaki VN1700 Voyager mit ihrer mächtigen Front­verkleidung an. Sie lassen den großen Rundscheinwerfer und die beiden schön integrierten Zusatzscheinwerfer auf sich wirken. Ihr Blick wandert langsam über die schön verrippten Zylinder und die verchromte Auspuffanlage nach hinten. Sie staunen über die serienmäßige opulente LED-Lichterkette auf der Rückseite des voluminösen Topcase und das LED-Rück- und Bremslicht. Nur dass die meisten Chromteile aus verchromten Plastik sind, ärgert Sie etwas.



Mai 2009 musste es werden, bis Kawasaki als erster ­japanischer Motorradhersteller einen voll verkleideten Cruiser-Tourer mit V2-Motor auf den Markt gebracht hat. Maß genommen hat man am bislang einzigen Vertreter ­dieser Art, der Harley-Davidson Electra Glide, und zwar an der üppigen Version „Ultra Classic“. Angesichts der zahlreichen Ähnlichkeiten würde US-TV-Talkmaster David Letterman, Vorbild des deutschen Lästermauls Harald Schmidt, bestimmt einen scharfen Satz fallen lassen, verstünde er was von Motorrädern. Wahrscheinlich würde er die VN1700 Voyager als Kawasaki VN1700 Ultra Classic titulieren. Wie beim US-Vorbild öffnet der Topcase-Deckel zur linken Fahrzeugseite, und auch die Seitenkoffer werden von oben beladen. Es gibt auch eine ­Geschwindigkeitsregelanlage und ein kräftig dimensioniertes Audiosystem, im Falle der Kawa sogar mit Anschluss­buchse für einen iPod (dafür ohne Extralautsprecher im Passagierbereich). Natürlich ist der Motor ebenfalls ein V2 (wenn auch wassergekühlt), das Hubvolumen sichert mit 1700 zu 1584 Kubikzentimetern das unerlässliche Quäntchen mehr.



Dicht liegen auch die Leistungswerte beisammen: 73 PS (54 kW) müssen der Voyager genügen, um 406 Kilogramm Fahrzeugmasse plus Besatzung in Schwung zu bringen, der Harley-V2 leistet neuerdings nominell 82 PS (nachgemessen allerdings auch nur um die 75 PS). Bei der Voyager spielt allerdings das Drehmoment die wichtigere Rolle. Es harmoniert bestens mit dem Sechsganggetriebe, das sich dank der Schaltwippe gut bedienen lässt. Am wohlsten fühlt sich die dicke Kawa zwischen ca. 2.500 und 4.000 Touren und schaltfaule Fahrer kommen mit dem vierten Gang bestens zurecht. Die Rahmenkonstruktion ist mit einem Doppelschleifen-Stahlrahmen prinzipiell gleich, und auch die hinteren Federbeine sind bei beiden Modellen luftunterstützt.



 Bewegen wir die Voyager in jener Art, die man in Amerika Cruising nennt, dann kommt für den Piloten, also Sie, Freude auf. Die Kawa ist dann in ihrem Element. Souverän liegt sie auf der Straße, unerschütterbar. Sanft umschmeichelt der von einem riesigen Windschild parierte Fahrtwind den Fahrer, der ­bequem auf einem 730 Millimeter tief postierten Sitz „thront“. Etwas ratlos sind Sie vielleicht wegen der geringen Zuladung. Sie wiegen 90 Kilo, Ihre Sozia 65, da bleiben gerade noch 13 für das Gepäck. Eigentlich schade, schließlich bieten das Topcase und die beiden Seitenkoffer sowie die Zusatzgepäckträger reichlich Platz. Als Ami freuen Sie sich, dass zwei Jet-Helme im Topcase Platz finden. Und dass die Steifigkeit und Passge­nauigkeit der Seitenkoffer-Deckel der Qualität der Türchen Ihrer häuslichen Einbauküche entspricht, findet ebenfalls Ihre Anerkennung. Mit etwas hakeligen Schlössern haben Sie seit Jahrzehnten Erfahrung, also alles bestens.



Sehr zufrieden sind Sie auch, dass Sie nicht – wie beispielsweise die Schweizer – extrem auf die Tempolimits achten müssen; so kriegen sie wegen der doch recht groben Skalierung des Tachos nie ­Ärger. Außerdem fahren Sie ja eh’ meist mit Tempomat; zwischen 47 und 137 km/h können Sie mit der rechten Hand also guten Gewissens mit dem Knöpfchen für den Bord­computer spielen. Maximal möglich wären übrigens 160 km/h, aber das ist natürlich überall illegal (außer in Deutschland). Super finden Sie bestimmt auch den Sound, der den oberarmdicken Auspuff-End­rohren entfleucht. Fast wie der V8 Ihres seligen Chevrolet BelAir blubbert’s im Leer- lauf, und auch bei höheren Drehzahlen – zum ordentlichen Beschleunigen gern ­aktiviert – umschmeichelt Wohlklang Ihre Ohren. Harleys patentierte Geräuschkulisse „Potato potato“ erscheint Ihnen dagegen profan. Vorteil Japan.



Wie viele Amerikaner, so werden auch Sie nicht wissen, dass Harleys spätestens seit Herbst 2008 keine Low Tech-Bikes mehr sind, obwohl sie noch immer so ausschauen. Deshalb fällt es Ihnen leicht, von Ihrer brandneuen VN1700 Voyager aus auf „die anderen“ hinab zu sehen: Die „K-ACT“-Bremsanlage Ihrer Voyager ist ein echtes Stück High Tech (und übrigens nur in diesem VN1700-Modell zu haben, also exklusiv!). Betä­tigen Sie die Fußbremse, wie Sie es von Ihrem Auto ja gewöhnt sind, schaltet sich nach kurzer Zeit eine der beiden vorderen Bremsscheiben zu. Sanft, aber mit gewissem Nachdruck, wird die Fuhre verzögert, und zusätzlich beugt ein ABS dem Ungemach einer Radblockade vor. Auch derjenige, der am Handhebel zieht, erntet blockade­sichere Verzögerung, und zwar von beiden vorderen Bremsscheiben. Tut er dies aber ­zugleich mit der Fußbremse, dann greift vorne nur eine Bremszange zu. Fraglos High Tech.



Die singenden Geräusche, die bei Tempo 50 im dritten Gang aus der Kraftübertragung dringen und vermutlich vom Primärantrieb stammen, sind Musik in Ihren Ohren. Welche unglaubliche Kraft da laut wird! Die Lastwech­sel­reaktionen bei niedrigen Drehzahlen stören Sie nicht. Hauptsache, die Einspritzung Ihrer VN1700 hat elektronisch betätigte Drosselklappen. Nur das erste Mal irritiert Sie, dass das Gas nach dem Zurückdrehen des Gasgriffs mitunter nicht gleich auf Leerlaufniveau absinkt. Es gibt ja nun wirklich Schlimmeres! Der 20 Liter-Tank der ­Voyager reicht für rund 175 Meilen (280 km). Diese Reichweite entspricht einem reisetauglichen Radius. Auf der Tour genießen Sie den ­Luxus rund um Ihren Chefsessel. Neben dem bereits ­erwähnten Tempomat sorgt das Sound-System mit iPod-Anschluss und 2 x 20 Watt starken Boxen für gute Laune. Und der dazu gehörende vielknöpfige Bedienungssatellit am linken Lenkerende fasziniert Sie.



Zweifellos hat Kawa­saki damit die richtige Entscheidung getroffen, dass man dieses Modell ganz überwiegend in den USA ausliefert. So kommen Sie als Ami schnell zu Ihrer in den Staaten vorzüglich funktionierenden VN1700 Voyager ABS. Und billig dazu: Nur 17.899 Bucks kostet sie in der Neuen Welt. Für die deutschen ­Cruiserfans sind nur 50 Exemplare der 17.995 Euro
teuren VN1700 Voyager vorgesehen, allerdings inklusive iPod.
 

Technische Daten VN 1700 Voyager

Preis 17.995 Euro plus Neben­kosten

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, vier Ventile je Zylinder
Verdichtung: 9,5:1
Gemischaufbereitung: elektronische Benzineinspritzung
Bohrung x Hub: 102 x 104 mm
Hubraum: 1700 ccm
Leistung: 73 PS (54 kW) bei 5.000/min
Maximales Drehmoment: 136 Nm bei 2.750/min.
Kupplung: Mehrscheiben-Ölbad
Anzahl Gänge: 6
Sekundärantrieb: Zahnriemen
Rahmen: Stahl-Doppelschleifenrahmen
Federung vorn: Telegabel 45 mm
Federung hinten: Stahl-Zweiarmschwinge und zwei luftunterstützte Federbeine, einstellbar
Federwege vorn/hinten: 140/80 mm
Bereifung vorn: 130/90 B16
Bereifung hinten: 170/70 B16
Bremse vorn: Doppelscheibenbremse 300 mm
Bremse hinten: Scheibenbremse 300 mm
Länge: 2560 mm
Breite: 995 mm
Höhe: 1550 mm
Radstand: 1665 mm
Sitzhöhe: 730 mm
Leergewicht: 406 kg
Zuladung: 168 kg
Tankinhalt: 20 Liter (davon 4 l Reserve)
 

Die VN1700-Baureihe besteht aus drei Modellen. ­Zusätzlich zur Voyager gibt es die „VN1700 Classic“ für 12.495 Euro, ein nackter Cruiser und deshalb auch 345 Kilogramm „leicht“. Ihre Zweirohr-Auspuff­anlage verläuft auf der rechten Seite. Der „Classic Tourer“ (ab 14.495 Euro, in den USA als „Nomad“ 14.399 Dollar) hat, wie die Voyager, ein Auspuffrohr auf jeder Seite und bietet außer einer (nicht abnehmbaren) Scheibe im „Road King“-Stil auch hinten Trittbretter, zwei Seitenkoffer, eine Sissy­bar, eine Geschwindigkeitsregelanlage und zudem die Möglichkeit, noch allerlei sonstiges Zubehör an ihr zu befestigen. Die beiden „Classic“-Versionen haben statt der 45-mm-Gabel der Voyager eine mit 43 Millimetern Standrohrdurchmesser und besitzen zumindest vorerst nicht das Kombi-Brems­system K-ACT mit ABS; es soll aber vermutlich einmal ins Programm genommen werden.  

VN1700 Classic Tourer


VN1700 Classic


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Stand:09 July 2020 13:36:47/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+-+kawasaki+vn1700+voyager+-+die+neue+ueppigkeit_18607.html Warning: fopen(cache/c98744c1009eb1d8ef42cbcbc06e0e04.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163