Fahrbericht Ducati Monster 821 – Mein liebes Monster

11.01.2018  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Ducati
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Fahrbericht Ducati Monster 821 – Mein liebes Monster
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Nach der Modellpflege schafft die neue Monster 821 mein emotionsloses „Na ja” in ein herzliches „Mamma mia“ zu wandeln.Sie ist reif, erwachsen und prächtig geworden. Einzig weiche Gabel und hoher Preis fallen unangenehm auf
Ducati. Kaum einem anderen Namen liegen Emotionen, Geschichte und Sport so dicht gepackt in der Marke. Kaum ein anderer Motorradhersteller schafft es, durchgehend Mopeds fürs Herz zu bauen und trotzdem finanziell zu bestehen. Im Gegenteil sind andere italienische Marken eher gute Beispiele dafür, wie man es besser nicht machen sollte. Herzliche Grüße nach Varese, Noale und Mandello de Lario.

An Ducatis 821er-Monster aber hab ich mich schon immer gerieben und war bis zuletzt kein Freund dieses Mopeds: Preislich wie qualitativ in der gehobenen Mittelklasse daheim, ist es beim Hubraum zu nah dran an der 797, beim Preis aber zu weit weg. Und die üppigen 1200er-Monster sind in beiden Disziplinen eine Galaxie entfernt. Die 821 also mittendrin im Nirgendwo? Am Gas jedenfalls widerspricht sie der gewohnten italienischen Smartness und zeigt sich zu ruppig, zu ungenau, ohne Charme. Schön fahren kostet Geduld, die ich nicht habe – vor allem nicht bei den über 11.000 Euro, die zum Händler wandern.



Unter diesen Vorzeichen entlockt die Einladung zur Präsentation einer neuen, „kleinen“ wassergekühlten Monster erstmals keine Jubelschreie. Außerdem wird Rimini Ende Oktober kaum in Sonnenbad und Urlaubsstimmung enden. Doch dann denkt sich der Chronist: „Die haben da  bestimmt den 937-Kubiker aus der Hypermotard eingebaut. Ist doch logisch“, und die Stimmung hellt sich schlagartig auf.  Die Verwunderung ist groß, als am Ende der drei Tage vier Dinge auf dem Block stehen. Erstens: Sonnencreme vergessen. Zweitens: Es bleibt bei 821 Kubik. Drittens: Geiles Teil geworden, aber die Gabel ist zu weich. Viertens: auch zum 25-jährigen Monster-Jubiläum immer noch teuer. 

Jede weitere Erläuterung zu erstens wird erspart. Direkt zu zweitens: Ja, es ist ganz bewusst bei 821 Kubik geblieben, der kleine Wasserkocher soll weiterhin den Einstieg in die vierventilige Monsterwelt darstellen. Außerdem biete der größere Motor nur fünf PS mehr Spitzenleistung, sei schwerer und brauche mehr Erfahrung am Griff. So weit das Marketing-Gewäsch, das weiterführend ein neues Heck und den Tank der 1200er-Familie nebst Endtopf als schlagende Argumente ins Feld führt. Auch das tolle, neue TFT-Display (übrigens wirklich toll) sei erwähnt, endlich mit Ganganzeige und Tankuhr samt wechselndem Design je nach Fahrmodus (Urban, Touring, Sport).



Gepaart mit dem Ducati Safety Pack inklusive Traktionskontrolle (8-fach einstellbar), ABS (3-fach) und Hinterradabhebeerkennung bewegt sich die Monster 821 auf einem Elektroniveau, für das sich andere Vertreter der Klasse weit strecken müssen. Besonders durch die neuen Mappings ist der kleine Testastretta-Twin auf dem Höhepunkt seiner Fahrbarkeit angekommen: sanfter Druck im Keller, dicke Mitte mit 86 Nm und tolle Drehfreude am Ende des Drehzahlbands. In den ersten drei Gängen ist es dem V2 wurscht, welche Drehzahl anliegt, er setzt sie in präsenten Schub um. Die andere Hälfte des Getriebes braucht dann schon über 3 500/min, um ruckfrei zu ziehen und mehr als 109 PS braucht kein Mensch in der Monster 821 oder sonstwo auf der Landstraße. So die erfahrbaren Reaktionen auf die sich authentisch anfühlende „Gaszug“-Betätigung am Ride-by-Wire-Griff mit spontanem und feinfühligem Ansprechen.

Damit sind wir bei Punkt drei: Beim Fahrwerk bleibt es bei straffem Federbein und weicher Gabel, der es an Vorspannung und Dämpfung fehlt. Die Abstimmung passt für die Landstraße ganz gut, wirklich sportliche Ambitionen verhindert aber die tief abtauchende Front. Schade, denn der neue Pirelli Diablo Rosso III wäre zu mehr gewillt. Seine Warmfahrphase ist zwar etwas länger, dafür verwöhnt er hinterher mit viel Haftung, Handlichkeit und Vertrauen. Beim provozierten ABS-Griff eines Eisenbiegers in die Frontbremse rubbelt nix, die Monster stellt sich direkt aufs vordere Gummi. Ein toller Reifen – aus der Hüfte geschossen auch eine Empfehlung für andere Mopeds. Blöd nur, dass die Straßen um Rimini einfach scheiße sind. Entweder ist der Belag von einer Million Touri-Bussen spiegelblank poliert. Dann rutscht die Kiste trotz top arbeitender Traktionskontrolle übel weg. Oder Schlaglöcher der Dimension Baugrube killen die Fahrfreude. Dann ist die Gabel überfordert und der Fahrer übellaunig.



Vierter Punkt: 11.490 Euro für die Monster 821 sind ein Haufen Geld. Für die Varianten in Schwarz oder Gelb sind noch mal 200 Taler Aufschlag fällig. Dafür ist aber auch ein konkurrenzlos dickes Sicherheitspaket an Bord. Zusammen mit dem tollen Motor ist das Angebot umso runder und macht die Monster 821 zu einem herzlich guten Moped. Außerdem war es immer schon etwas teurer, Ducati fahren zu dürfen. Also alles tutto bene.
 

Technische Daten Ducati Monster 821

Preis: 11.490 Euro

Motor: L-Twin, wassergekühlt
Hubraum: 821 ccm
Leistung: 109 PS (80 kW) bei 9250/min
max. Drehmoment: 86 Nm bei 7750/min
Bohrung x Hub: 88 x 67,5 mm
Verdichtung: 12,8 : 1
Gemischaufbereitung: Elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad
Anzahl Gänge: 6
Endantrieb: Kette
Rahmen: Stahlgitterrohrrahmen
Federung vorne: USD-Gabel 43mm
Federung hinten: Aluminium-Zweiarmschwinge, einstellbares Federbein
Reifen vorne: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 180/55 ZR17 
Bremse vorne: Doppelscheibe 320 mm, radial angeschlagene Brembo M4-32 Monoblöcke mit 4 Kolben
Bremse hinten: Scheibe 245 mm, 2 Kolben
Sitzhöhe: 785/810 mm
Radstand: 1.480 mm
Lenkkopfwinkel: 65,7 Grad
Nachlauf: 93,2 mm
Trockengewicht: 180,5 kg
Leergewicht: 206 kg
Tankinhalt: 16,5 Liter
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Stand:25 May 2018 11:14:28/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+ducati+monster+821+-+mein+liebes+monster_18111.html