Fahrbericht Harley-Davidson Sport Glide

07.02.2018  |  Text: Heinrich Christmann  |   Bilder: Werk
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Fahrbericht Harley-Davidson Sport Glide
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Auf der letztjährigen EICMA in Mailand präsentierte Harley-Davidson die Sport Glide der Öffentlichkeit. Der jüngste Spross der Softail-Familie zeigt sich wandelbar, denn sowohl die Lenkerverkleidung als auch die Koffer sind leicht abnehmbar. Wir sind die Sport Glide auf Teneriffa gefahren – mit und ohne.
In den vergangenen Jahren haben sich die Marketingstrategen von Harley-Davidson angewöhnt, nach der großen Präsentation des neuen Modelljahrgangs im August immer noch ein oder zwei Modelle im darauffolgenden Frühjahr nachzuschieben. Im ersten Schwung trugen die Amis die Dyna-Modelle zu Grabe, um sie zeitgleich als neue Softails zu präsentieren. In Mailand folgte dann die Sport Glide, auf den ersten Blick der Tourer unter den Softails – denn sie trägt eine Lenkerverkleidung und Koffer. Der Clou: Beides lässt sich mit geringem Aufwand entfernen und schon ist man „nackt“ unterwegs. 



So manch einer denkt da an die etwas unglückliche Dyna Switchback. Die trug einen Windschild nebst Koffern, war aber nicht wirklich hübsch anzuschauen. Dieses Schicksal trifft auf die Sport Glide nicht zu. Die ist sowohl mit als auch ohne wirklich gelungen. Die Sitzposition passt gleichermaßen für kurz Geratene und auch für den langen Lulatsch. Das Dreieck aus Sitz, Lenker und Fußrasten ergibt ein harmonisches Ganzes, die Fahrposition passt. Die Sitzhöhe liegt bei gerade einmal 680 Millimetern, das Sitzkissen ist ausreichend breit und wirklich bequem. Im Fall eines Zweipersonenbetriebs bietet sich eine kleine Sissybar aus dem Zubehör an, dann passt auch hier der Komfort. 

Für die Verkleidung ist auch ein höherer Windschild erhältlich. Leider stand dieser beim Fahrtest nicht zur Verfügung. Das ist schade, denn die Schutzfunktion der schicken Schale hält sich im Serienzustand doch arg in Grenzen. Die Koffer sind Harley-typisch schmal gehalten und schlucken jeweils bis zu 25 Liter. Harley-untypisch öffnen sich die Koffer seitlich, wie man es von anderen Marken gewohnt ist. Ein Gasdruckdämpfer lässt den Deckel sanft nach unten gleiten, eine dicke Gummilippe soll die Feuchtigkeit draußen halten. Das Volumen der Koffer reicht für den Wochenendtrip, allerdings weder für einen Jet- noch Integralhelm.  Wer mehr verstauen möchte, findet im Zubehör einen passenden Gepäckträger. Bei Bedarf lassen sich die Koffer ohne Werkzeug in ungefähr 10 Sekunden abnehmen. Die Verkleidung ist noch schneller ab, in gerade einmal der Hälfte der Zeit verwandelt sich die Sport Glide in eine Nackte.


 

Antrieb Softail Sport Glide

Es ist natürlich keine Überraschung, dass die Sport Glide den bereits bekannten Milwaukee-Eight im Rahmen trägt. Der große V2 hat 1745 Kubik und leistet 84 PS bei 5450 Umdrehungen. Die Leistungsdaten weisen nicht gerade auf einen Spitzensportler hin, viel wichtiger als die Spitzenleistung ist bei dicken V2-Aggregaten aus den USA schon immer das Drehmoment. In diesem Fall sprechen wir hier von satten 145 Nm bei gerade einmal 3250 Umdrehungen. Und diese Drehzahl braucht es nicht einmal, um satt anzuschieben. Beispiel gefällig? Der Vierventiler schiebt ohne Probleme ab 1500 Umdrehungen im sehr lang übersetzten 6. Gang. Da haben andere Antriebe noch nicht einmal stabiles Standgas.

Gelungen sind die „Good Vibrations“, trotz zweier Ausgleichswellen massiert der V2 die Seele mit genau der richtigen Dosis Vibrationen. Der Antrieb lebt, nervt aber nicht. Dafür ist er eine eher stille Natur. Die Auspuffanlage sieht super aus, erledigt ihre Arbeit zu gut – der Sound enttäuscht. Aber kein Vorwurf, Harley-Davidson hält sich lediglich an bindende Vorgaben der EU-Bürokratie.


 

Fahrwerk, Bremsen, Handling Sport Glide 

Die neuen Softails, und damit auch die Sport Glide, sind alle mit einem neu entwickelten Fahrwerk ausgestattet. Dieses ist laut Harley um 34 Prozent steifer. Allen gemein sind Rahmen, Schwinge und das Federbein. Dies ist nicht wie früher unter dem Motor angebracht, sondern stützt sich am Oberrohr hinter dem Tank ab. Abhängig von der Breite des Hinterreifens gibt es unterschiedliche Schwingen. Im Fall der Sport Glide mit einem 180er auf 16-Zoll-Felge kommt die schmalere Dreiecksschwinge zum Einsatz. Das 130/70-18 große Vorderrad wird von einer nicht einstellbaren Upside-down-Gabel geführt. Diese beherbergt in einem Holm die Dämpfung, im anderen die Federung. Die Abstimmung der Gabel ist eher komfortabel, jede Bremsung führt zu einem kleinen Nicken der Front nach vorn. Ein wenig dieser Nachgiebigkeit wünscht man auch dem Heck, denn es spricht recht trocken an. 

Eine Besonderheit sind in dieser Preisliga die Mantis genannten Räder. Die Leichtmetallgussspeichen sind drehrichtungsweise designt, schon im Stand verleiht dies der Sport Glide eine gewisse Dynamik. Für die Testfahrten auf Teneriffa reichten die montierten Michelin Scorcher 31 völlig aus. Allerdings waren die Bedingungen bis auf leichten Nieselregen recht gut. Ob dies bei dem hiesigen Regenwetter so bleibt, müssen wir ausführlicher testen. Und doch hängt einer der wesentlichen Kritikpunkte direkt mit dem Reifen zusammen. Denn die Sport Glide reagiert empfindlich auf falschen Reifendruck.



Als es früh morgens auf die Straße geht, zeigt die Sport Glide ein leichtes Pendeln um die Lenkachse. Bei langsamen Kurvenfahrten legt sie zudem eine unangenehme Kippeligkeit an den Tag. Bei der ersten Pause stellt sich heraus, dass gleich mehrere Fahrer ähnliche Erfahrungen machten. Harley bessert nach und sorgt in der Mittagspause für den korrekten Reifendruck bei allen Testmotorrädern. Und siehe da, die Sport Glide zeigt sich daraufhin von ihrer besten Seite. Sie lenkt deutlich präziser ein, die Kippeligkeit ist komplett verschwunden. Mit dem viel besseren Handling lässt es sich behände durch die Kurven swingen, Schräglagenwechsel funktionieren wie von selbst.

Wir sind zügig unterwegs, dank der vernünftigen (aber alles andere als unendlichen) Schräglagenfreiheit kommt ordentlich Fahrfreude auf. Dabei ist die Sport Glide mit 317 Kilo noch immer eher Sumo-Ringerin als Primaballerina. Einmal in Bewegung, fallen einige der Pfunde scheinbar ab, denn das Motorrad fühlt sich viel leichter an. Die Bremsanlage steht der zügigen Fortbewegung dabei nicht im Weg. Die Scheibe am Vorderrad arbeitet einsam und unauffällig, aber zuverlässig. Die hintere Bremse könnte dabei etwas entschlossener unterstützen. Erfreulich: Trotz des hohen Gewichts bleibt die Bremse bei der bremsintensiven Abfahrt vom Vulkan Teide frei von Fading.
 

Fazit Sport Glide

Die Sport Glide ist sehr gelungen und eine Bereicherung im Harley-Programm. Das Konzept mit der Wandelbarkeit vom Tourer zum reduzierten Cruiser funktioniert. Die Sport Glide weiß in beiden Fällen zu gefallen. Der Fahrer ist sehr gut untergebracht, der Motor ist eine Wucht, Fahrwerk und Bremsen taugen ebenfalls. So ist man durchaus zügig unterwegs, mit sportlich sollte man dies allerdings nicht verwechseln. Ein echter Tourer ist die Sport Glide zwar nicht, muss und soll sie ja auch nicht sein. Im Gegenteil: Uns gefällt sie so, wie sie ist – auf beide ihrer Arten.
 

Technische Daten Harley-Davidson Softail Sport Glide

Motor: Milwaukee-Eight 107
Hubraum: 1745 ccm 
Bohrung x Hub (mm): 100,0 x 111,1 mm 
Ventiltrieb: ohv Vierventiler, Steuerung über Stößelstangen
Gemischaufbereitung: elektron. Kraftstoffeinspritzung, 55 mm Saugrohr
Leistung (lt. Herst.): 84 PS bei 5450 U/min
Drehmoment (lt. Herst.): 145 Nm bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Radstand: 1625 mm
Lenkkopfwinkel: 30°
Nachlauf: 150 mm
Bereifung vorne: 130/70 B18 Michelin Scorcher 31
Breifung hinten 180/70 B16 Michelin Scorcher 31
Leergewicht (fahrfertig): 317 kg
Zuladung: 209 kg
Tankinhalt: 18,9 l (davon 3,8 l Reserve)
Sitzhöhe ohne Fahrer: 680 mm
Preis: ab 17.995 Euro zuzüglich Nebenkosten
 
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Stand:23 September 2018 00:57:23/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+harley-davidson+sport+glide_18206.html