Fahrbericht Honda NC750X - Die Alleskönnerin

15.06.2016  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: Honda
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Fahrbericht Honda NC750X - Die Alleskönnerin
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Die schon gute Substanz der Mittelklasse-Honda NC750X wurde in einigen Details fein modifiziert und durch ein super DCT auf ein neues Niveau gehoben.
Positive Überraschungen, gibt’s die? Eher selten, sagt die Lebenserfahrung. Ein Exemplar dieser raren Spezies steht gerade vor mir: Die Honda NC750X, Modelljahr 2016. Die Änderungen gegenüber der 2015er klangen sparsam: Lediglich sechs Positionen ­benannte die Honda-Presseinformation vom letzten Herbst. Die Wahrheit ist bedeutsamer, denn die Modifikationen – technisch wie optisch – schlagen sich sehr positiv nieder. Die NC750X, das sei schon vorab verraten, hat sich stark gemausert und darf ihren Adventure-Touch durchaus stolz präsentieren.

LED-Lichttechnik für Scheinwerfer und Rücklicht, überarbeitete Vorderraddämpfung, vergrößerte Utility-Box, einstellbare Farben für das LCD-Cockpit-Display, Doppelkupplungsgetriebe mit nunmehr dreistufigem Sportmodus, neuer Schalldämpfer – klang damals nicht aufregend. Dazu ein Design-Update, primär an der Front, und die Bewältigung der Euro-4-Vorgaben. Nun ja. Der pfiffig konstruierte 745-Kubik- Reihenzweizylinder liefert trotz Erfüllung der Euro-4-Emissionsnormen auch weiterhin 55 PS bei 6250/min. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der neue, leichtere, kürzere und dennoch wohl­tönende Endschalldämpfer. Dank füllig verlaufender Drehmomentkurve rührt sich auch untenrum schon was. Erst recht, wenn die X mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe DCT ausgerüstet ist, weil dann in so gut wie jeder Situation die passende Übersetzung zur Verfügung steht.

Kann durchaus auch gute Pisten: Der Adventure-Touch der NC750X wird durch die frischere Optik unterstützt.

Mittels Knopfdruck kann man nun für praktisch jedes Straßenprofil ein fast immer passendes Schaltprogramm einstellen. Beim heftigen Angasen auf sehr kurvenreichen (Berg-)Strecken war S3 (dreht am höchsten) der Bringer, auf gut ausgebauten Straßen mit höherem Tempo stellte sich S1 (dichter am niedertourig-verbrauchsoptimierten D) als perfekt heraus. D gefällt vor allem in der Stadt und beim Dahingondeln. S2 kam im Hinterland von Benidorm nicht oft zum Einsatz. Nur in verzwickten Fällen nutzte ich die zwei Tasten „Plus“ und „Minus“ links am Lenker: Jederzeit kann man so blitzartig und ohne Kraftschlussunterbrechung rauf- oder runterschalten. Fazit: Hondas DCT in seiner jüngsten Form ist die 1000 Euro Aufpreis absolut wert!

Das zweite Lob gleich hinterher: Höchstens 4,8 Liter Benzin für 100 Kilometer meldete der Bordcomputer trotz vorwiegend gasiger Fahrweise in bergi­gem Gelände. Die Erstfahrt endete mit einem Durchschnitt von 4,4 Litern, aber weniger geht auch. Sehr gut machte sich die von Showa neu entwickelte „Dual Bending Valve“-Technologie der 41-mm-Gabel, auch auf den teils doch recht ruppigen andalusischen Straßen mit mitunter bösen Verwerfun­gen, die in Schräglage überfahren wurden. Da auch die Grundabstimmung des Federbeins gelungen ist, legte die NC ein prima Fahrverhalten an den Tag. Schade lediglich, dass für die Vorspannungsverstellung ein Hakenschlüssel genügen muss.

Unter den Deckel der Tankattrappe („Utility-Box“) passt jetzt sogar ein Integralhelm.

Die weiteren technischen Änderungen sind von geringerer Bedeutung, aber sämt­lich gelungen. Perfekt wäre die jetzt im XL-Format dimensionierte Utility-Box (Tankattrappe), wenn sich der Deckel auch ohne vorheriges Abziehen des Zündschlüssels öffnen ließe. Das neue Design bringt deutlich besseren Windschutz (Windschild sieben Zentimeter höher), mehr Ruhe (Hinterlüftung) und mehr Sitzkomfort (besserer Sitz).   

Fazit
Die sechs Änderungen plus das Design-Update in Verbindung mit der Erfüllung der EU-4-Normen schlagen sich bei der Honda NC 750X äußerst positiv nieder. Sie ist zu einer gut aussehenden, gut ausgestatteten und nochmals deutlich besser fahrbaren Maschine herangereift. Viel Motorrad für überschaubares Geld.

PLUS
  • stimmige Gesamtkonzeption, preiswert
  • souveräner 55-PS-Vorwärtsdrang, sparsam
  • gutes Fahrwerk mit guter ABS-Bremse
  • einfache Bedienung, dazu komfortabel
  • gute Reisequalitäten, XL-Utility-Box
  • ausgezeichnete DCT-Funktionalität

MINUS
  • Federvorspannung nur mit Hakenschlüssel
  • Display teils nur befriedigend ablesbar
 

TECHNISCHE DATEN Honda NC750X

Motor: flüssigkeitsgekühlter Paralleltwin
Hubraum: 745 ccm
Bohrung x Hub: 77 x 80 mm
Leistung: 55 PS bei 6250 U/min
Drehmoment: 68 Nm bei 4750 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Rahmenart: Stahlrohr-Brückenrahmen
Radstand: 1535 mm 
Federung vorn: Telegabel, x 41 mm, 153,5 mm Federweg 
Federung hinten: Stahl-Zweiarmschw., Monofederbein, 150 mm
Bremsen vorn: Einscheibenbremse, 320 mm
Bremsen hinten: Einscheibenbremse, 240 mm
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17
Bereifung hinten: 160/60 ZR 17
Sitzhöhe: 830 mm
Gewicht : 220 kg fahrfertig, mit DCT 230 kg
Tankinhalt: 14,1 l
Preis: 6.540,– Euro, mit DCT 7.540,– Euro, zzgl. NK
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Stand:22 January 2019 09:40:16/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+honda+nc750x+-+die+alleskoennerin_175.html