Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt

13.04.2016  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim
Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt
Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Aufgepumpt
Alle Bilder »
Die Super Adventure ist die Stärkste, Größte, aber auch die Schwerste in KTMs Portfolio der Reiseenduros: eine Bestandsaufnahme.
Es ist ja nicht so, dass KTM keine leistungsfähige Reiseenduro im Angebot gehabt hätte, als man mit der Super Adventure im vergangenen Jahr auf den Markt kam. Schließlich sind die Adventure 1190, ihre R-Schwes­ter und die leichtere 1050 nicht gerade untermotorisiert und stecken auch Offroad-Einsätze ziemlich locker weg. Dem österreichischen Hersteller war das offen­bar nicht genug, schließlich wirft die Konkurrenz Maschinen ins Rennen um die Käufergunst, die mit noch mehr PS auftrumpfen. Und da KTM mit dem Motor der Super Duke ein echt heißes Eisen in den Regalen liegen hat, was wäre da naheliegender, als eine richtige Über-Reiseenduro in Stellung und die Mitbewerber ins Schwitzen zu bringen?

Verpackt mit dem wohlklingenden Namen „Super Adventure“ macht die Neue auch keinen Hehl, für welchen Einsatzzweck sie konzipiert wurde. Dafür haben ihr die Entwickler jede Menge Hightech mit an Bord gegeben wie Ride-by-Wire-Steuerung, Kurven-ABS, Antihopping-Kupplung, Doppelzündung, Traktionskontrolle, Berganfahras­sistent, semiakti­ves Fahrwerk und, und, und. Die Liste der Goodies ist zu lang, um sie hier komplett aufzuführen. 



Reizvoll ist aber vor allem der wuchtige V2, den KTM in verschärfter Version in seinem Naked-Bike, der Super Duke 1290 R, einsetzt. Für das große Motorradabenteuer wurde das Triebwerk in der Spitzenleistung gekappt, im Gegenzug das Drehmoment optimiert. Auf dem Prüfstand erreichte die Super Adventure zwar nicht ganz die Herstellerangaben, was sich aber in der Praxis kaum bemerkbar macht. Ob 154 PS an der Kurbelwelle drücken oder 160 PS, wer will den Unterschied schon erspüren? Dafür überzeugt der Motor mit einer blitzsauberen Gasannahme auch im nied­rigen Drehzahlbereich. Da wird nicht unwirsch in die Kette gehackt, wenn es mal untertourig und gemächlich dahingeht. Nein, der Bursche setzt Gasbefehle sofort in Vortrieb um. Gepaart mit dem wuchtigen Drehmoment, bei 3300 Umdrehungen liegen schon 100 Nm an, und dem sauber abgestuften Getriebe macht das richtig Laune. Erst recht, wenn es mal etwas flotter zur Sache geht und die Leistung der Überenduro abgerufen wird. Dann zieht die KTM bis fast an den fünfstelligen Drehzahlbereich, bevor der Schub abreißt.

Überhaupt spielt die ohne Gepäck­system gut fünf Zentner schwere Reise­enduro ihre Stärken vor allem auf ausgebauten Straßen aus. In Verbindung mit den Contis, die KTM auf die hübschen Speichenräder aufgezogen hat, sind die Fahrleistungen richtig sportlich. Aufgesetzte und beladene Koffer sowie das Topcase kosten Leistung und gehen zu Lasten der Handlichkeit, denn dann überschreitet alleine das Fahrzeuggewicht schnell die 270 Kilogramm. Ausstattung kostet eben Gewicht, genauso wie der 30-Liter-Tank. Durch den hohen Schwerpunkt wird das Rangieren zu keiner leichten Angelegenheit. Im Fahrbetrieb macht sich das dagegen weniger bemerkbar. Dafür darf sich der Weltreisende von morgen bei der Suche nach dem ultimativen Abenteuer über Reichweiten von 400 Kilometern und mehr freuen. Vorausgesetzt, man peitscht die KTM nicht mit wilden Gaswechseln durch die Landschaft. Dann liegt der Normverbrauch auch mal unter sieben Litern auf hundert Kilometern. Aber wehe das Leistungsmaximum des österreichischen Buben wird häufig abgerufen und die Drosselklappen auf Durchzug gestellt. Dann schnellt der Verbrauch des kostbaren Brennstoffs auch mal in Richtung zehn Liter.



Beim Fahrwerk liegt die Super Adven­ture auf Augenhöhe mit ihren Mitbewer­bern. Semiaktive Fahrwerke, bei denen die Elektronik in Echtzeit permanent die Dämpfung auf Fahrbahnbeschaffenheit und Fahrstil einstellt, gehören inzwischen schon zum guten Ton. Das von KTM verbaute WP-Fahrwerk funktioniert einwandfrei, die Elektronik arbeitet dezent im Hintergrund, der Fahrer bekommt davon nichts mit. Zusätzlich kann je nach Geschmack die Dämpfung über vier Modi vorgewählt werden. Der Nachteil: Wo viel Elektronik zum Einsatz kommt, gibt es in der Regel auch viele Einstellmöglichkeiten. Das kann den Fahrer auf die Schnelle überfordern, denn der Bordcomputer ist textlastig, die Menüstruktur verzweigt.

Doch das ist auf hohem Niveau gejammert, auch wenn es sicher bessere Lösungen gibt. Wer sich aber mit der Super Adventure befasst und sie täglich im Einsatz hat, wird solche Nebensächlichkeiten schnell vergessen haben. Dann hält Routine Ein­zug und vieles wird selbstverständlich. Einzig die Abstimmung der Gabel trübte den ansonsten sehr guten Eindruck des Fahrwerks. Insbesondere bei wechselnden Fahrbahnuntergründen, Schlaglöchern und kurzen Bodenwellen. Da ist noch Luft nach oben. Keinen Anlass zur Kritik lieferten die Bremsen. Die radial angeschlagenen Brembos sind echte Beißer und haben auch mit einer vollbeladenen Super Adventure keine Probleme. Sie lassen sich gut dosieren, die Handhebelkräfte liegen im normalen Bereich. 



Die Ergonomie ist gelungen, was bei einem solchen Motorrad aber auch erwartet werden darf. Schließlich finden die echten Abenteuer nicht auf dem Weg zum nächsten Stamm­tisch statt. Dafür müs­sen schon mal ein paar hundert Kilometer zurückgelegt werden. Wehe, wenn die Sitzposition nicht passt, dann wird der Ausritt zur Tortur. Bei der Super Adventure ist die Sitzbank in der Höhe um 15 Millimeter verstellbar, der Lenker in zwei Positionen um jeweils 10 Millimeter. Selbst die Fußrasten können auf den Fahrer eingestellt werden – wer da nicht die passende Sitzposition findet. Nur das Thema Windschutz haut nicht ganz hin. Zumindest nicht bei knapp 1,90 Meter Körpergröße. Die Windschutzscheibe ist zwar stufenlos per Handrad verstellbar, doch nervende Turbulenzen an der Kante trüben den Fahrspaß, gerade auf länge­ren Etappen bei hohem Tempo. Da hilft oft nur den Kopf zwischen den Schultern einzuziehen. Eine Zubehörscheibe dürfte den Zustand sicher verbessern.

Beim Koffersystem tauchen dann wieder altbekannte Probleme auf. Zwar sind die Gepäckabteile funktional und bieten jede Menge Stauraum, gleichzeitig schränken sie aber durch ihre Bauweise die mögliche Reisegeschwindigkeit dramatisch ein. KTM empfiehlt nicht ohne Grund, maximal 150 km/h nicht zu überschreiten. Dann nämlich können sich unangenehme Resonanzen aufbauen. Die Super Adventure pendelt und treibt einem das Adrenalin bis in die Haarspitzen. Ärgerlich, denn mit 160 PS können langweilige Autobahnetappen theoretisch auch mal schneller bewältigt werden, wenn es der Verkehr zulässt. Vor allem weil es die Mitbewerber in diesem Punkt besser hinbekommen, ist das eine bittere Pille für KTMs neue Top-Reise­enduro. 

Doch Abhilfe schafft hier die neue, schwingungsentkoppelte Kofferbefestigung. Die Koffer selbst könnten noch etwas Zuwendung brauchen. Die Schließmechanismen hakten hin und wieder und ließen sich nur mit etwas WD-40 zu mehr Geschmeidigkeit überreden. Dafür sind die Griffmulden eine echte Erleichterung beim Transport, wenn die Koffer mal nicht am Motorrad hängen. Von der Verarbeitung her gibt sich die Super Ad­venture keine Blöße. Schalter, Armaturen, Oberflächen, alles top, wie man es dem Preis entsprechend auch erwarten darf.

Fazit
Super Adventure, der Name ist Programm, auch wenn er sich mehr aufs Abenteuer, denn die technische Überlegenheit bezieht. KTM jedenfalls lässt an diesem Modell keine Wünsche offen, außer einer besser ansprechenden Gabel vielleicht. Für rund 18.000 Euro gibt es ein vollausgestattetes Motorrad mit einem bärenstarken Motor und allen erdenklichen Fahrassistenzsystemen.

PLUS
  • bärenstarker, drehfreudiger Motor 
  • gutes Fahrwerk
  • standfeste Bremsen
  • umfangreiche Ausstattung 
  • hohe Reichweite
  • Gepäcksystem mit viel Stauraum

MINUS
  • Bordcomputer mit tiefer Menüstruktur  
  • Turbulenzen am Windschild


TECHNISCHE DATEN KTM 1290 Super Adventure 

Motor: 75°-V-Zweizylinder-Viertaktmotor
Hubraum: 1301 ccm
Bohrung x Hub: 108,0 x 71,0 mm 
Leistung: 160,5 PS bei 8750 /min
Drehmoment: 140 Nm bei 6750 /min
Verdichtung: 13 :1
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: X-Ring-Kette
Rahmenart: Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen
Radstand: 1560 mm
Federung vorn: Semiaktive Upside-down-Gabel, 48 mm, Federweg 200 mm
Federung hinten: Semiaktives WP-Monoshock-Federbein, 200 mm Federweg
Bremsen vorn: 320-mm-Doppelscheibe, Vierkolben-Festsattel, Bosch 9ME-ABS
Bremsen hinten: 267-mm-Scheibenbremse, Zweikolbenfestsattel, Bosch 9ME-ABS 
Bereifung vorn: 120/70 ZR 19
Bereifung hinten: 170/60 ZR 17
Sitzhöhe: 860 mm
Gewicht fahrfertig : 252 kg ohne Koffer und Topcase
Tankinhalt: 30 Liter
Preis: 17.995,– Euro
  Teilen
Stand:09 April 2020 22:55:39/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+ktm+1290+super+adventure+-+aufgepumpt_175.html Warning: fopen(cache/cb871c1541793b11f0b040655706eb19.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163