Fahrbericht Moto Guzzi V9 Bobber und Roamer - Voll Retro

15.06.2016  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Moto Guzzi
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Fahrbericht Moto Guzzi V9 Bobber und Roamer - Voll Retro
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Roamer und Bobber heißen die neuesten Modelle, die Moto Guzzi unter der Bezeichnung V 9 anbietet. Ein erster Ausritt ...
So genannte Retro-Klassikmodelle hat Moto Guzzi mit der V 7-II-Reihe schon seit ein paar Jahren im Programm. Trotzdem legen die Motorradbauer aus Mandello del Lario mit den beiden V 9-Modellen eine weitere Klassiker-Linie nach, um ihre Position auf dem inzwischen heiß umkämpften Motorradmarkt zu festigen. Von den nackten technischen Daten her erschließt sich nicht sofort, warum die Motorradwelt jetzt eine weitere V2-Reihe braucht, dazu sind die Unterschiede zu den V 7-II-Modellen doch zu gering. Allerdings spielt die Euro-4-Norm eine tragende Rolle, denn um die verschärfte Abgasnorm für Motorräder künftig zu erfüllen, enwickelten die Ingenieure für die V 9 einen neuen Motor, der Moto Guzzi sattelfest machen soll.

Mehr Hubraum und ein klein wenig mehr Leis­tung soll das Triebwerk von den V 7ern abheben. Auch drum herum durften sich die kreativen Köpfe in Mandello austoben. Nicht weniger als 90 Prozent neue Teile sollen an Roamer und Bobber zu finden sein. Dazu kommt der fast ­völlige Verzicht auf Plastikanbauteile, denn die Neuen zeichnen sich durch eine solide Bauweise und anmutige Materialien wie Stahl, Blech und Aluminium aus. Wer jetzt ein Eisenschwein erwartet, darf angesichts der fahrfertigen 211 Kilogramm Fahrzeuggewicht ruhig überrascht sein. Die Italiener können halt Leichtbau.

Da Moto Guzzi auch Jüngeres ­Publikum ansprechen möchte, ­haben sie gleich zwei Versionen der neuen V 9 aufgelegt. Für jeden Geschmack etwas.

Während die Roamer auf ein 19-Zoll-Vorderrad und zahlreiche Chromapplikationen setzt, präsentiert sich die V 9 Bobber in einem matten Lackkleid ohne Bling-Bling und sonstigen Schnickschnack. Das kommt genauso gut an wie die 16-Zoll-Räder mit ihren Ballonreifen. Auch die Sitzprobe zeigt, dass die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die Ergonomie jedenfalls passt. Die Positionierung von Lenker, Sitzbank und Fußrasten lässt auch für lange Kerle kaum zu wünschen übrig, auch wenn die Sitzposition selbst dank der flachen Sitzbank alles andere als integrierend ist. So wie früher eben. Und genauso fühlt sich nach einer guten Stunde der verlängerte Rücken an. Es zwickt und drückt und schreit nach einer Pause.

Dafür weiß der Motor zu überzeugen. Nach einem Druck auf den Anlasser erwacht der V 2 dumpf bollernd aus seinem Tiefschlaf und steigert sich mit zunehmender Drosselklappenöffnung in ein angenehmes Stakkato. Von wegen Euro-4 und zugeschnürte Motoren. Der Klang ist verdammt angenehm und spie­gelt den Charakter des V-Motors einwandfrei wider. Ein wenig für Irritation sorgt die Fahrwerksabstimmung, insbesondere die der Gabel. Zwar federt das Teil und gibt brav Rückmeldung, aber wehe die Fahrbahnbeschaffenheit wird schlechter und fordert das Fahrwerk mit kurzen Stößen. Dann wird die Guzzi zum Springbock, der gerne ungefragt die Linie ändert und dem Fahrer über den Lenker eins für die Unterarme mitgibt. Da ist noch Luft nach oben, was die Abstimmung betrifft. 

Das 19-Zoll-Vorderrad der Roamer läuft ­einfach besser und ist in Kurven präziser. Zudem verlangt es weniger Nachdruck als die 16-Zoll-Bereifung der V9 Bobber.

Nichts zu kritisieren gibt es an der Bremsanlage. Die Brembo-Stopper verbeißen sich gut in die Einzelscheiben, bringen Roamer wie Bobber jederzeit ­sicher zum Stehen. Übers ABS brauche ich hier nichts groß zu schreiben. Es ist serienmäßig und funktioniert. Punkt. Lediglich die fehlende Griffweitenverstellung des Bremshebels stößt sauer auf. Ernsthaft jetzt: Liebe Moto-Guzzi-Leute, da wolltet ihr wohl ein paar Cent sparen. Leider an der falschen Stelle, denn so ­etwas sollte heute Standard sein. 

Überraschend gut funktioniert dafür die 16-Zoll-Bereifung. Obwohl die aufgeblasenen und fett wirkenden Gummis in Kurven etwas Nachdruck verlangen, verleihen sie dem Italo-Bobber ein kaum vermutetes, agiles Handling. Die Roamer allerdings kann das mit ihrem 19-Zoll-Vorderrad noch einen Tick besser. Sie lenkt leichter ein, hält die Linie besser, kennt den Begriff „Kippmoment“ nicht und pfeilt durch Kurven, dass einem das Herz aufgeht. Der Rest ist, abgesehen von einer anderen Optik, identisch mit der V 9 Bobber. Die Fußrasten sind ebenfalls mittig positioniert, hätten für meinen Geschmack sogar weiter hinten platziert sein können. Sei’s drum. Die Haltung ist so oder so relativ entspannt, vom Gestühl mal abgesehen. Trotz allem dürfte die Roamer auf längeren Strecken eindeutig im Vorteil sein. Sie ist einfach gelassener.

Fazit
Bobber oder Roamer? Das ist nicht nur eine Frage der Begrifflichkeit, sondern vor allem des persönlichen Geschmacks. Spaß machen alle beide, auch wenn sie so manchen Kompromiss erfordern. Der Motor ist ­typisch Moto Guzzi, unverwechselbar und charaktervoll, genauso wie das Gesamtpaket der beiden Modelle. Technisch sind sie auf der Höhe der Zeit, entführen ihre Fahrer aber mit dem ersten Kolbenschlag in längst vergessene Epochen, als 55 PS noch glücklich machten.

PLUS
  • geschmeidiger, druckvoller Motor
  • gute Ergonomie
  • gefälliges Retro-Design
  • dumpf-bassiger Klang 
  • viel Zubehör ab Werk erhältlich 
  • gute Bremsen

MINUS
  • fehlende Griffweitenverstellung
  • schlecht abgestimmte Gabel
 

TECHNISCHE DATEN Moto Guzzi V9 Bobber (Roamer) 

Motor: luft-/ölgekühlter 90° V2-Motor
Hubraum: 853 ccm
Bohrung x Hub 84 x 77 mm
Leistung: 55 PS bei 6250/min
Drehmoment: 65 Nm bei 5500/min
Verdichtung: 10,5 : 1
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmenart: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen
Radstand: 1465 mm 
Federung vorn: hydraulische Telegabel, 40 mm, 130 mm Federweg
Federung hinten: Aluminium-Zweiarmschwinge, zwei hydr. Federbeine, Vorspannung einstellbar, 97 mm Federweg
Bremse vorn: eine Scheibe, x 320 mm, Vierkolben-Bremssattel, ABS
Bremse hinten: eine Scheibe, x 260 mm, Zweikolben-Bremssattel, ABS
Bereifung vorn: 130/90 - 16 (100/90 - 19)
Bereifung hinten: 150/80 - 16 (150/80 - 16)
Sitzhöhe: 785 mm
Länge: 2185 (2240) mm
Breite: 840 (865) mm
Gewicht: ca. 210 kg fahrfertig
Tankinhalt: ca. 15 l, davon 4 l Reserve
Preise: Bobber 10.390,– Euro, Roamer 9.990,– Euro
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Stand:31 March 2020 12:28:05/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fahrbericht+moto+guzzi+v9+bobber+und+roamer+-+voll+retro_175.html Warning: fopen(cache/db9a80c391ba86c235377b4ecc40ce29.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163