Fahrbericht Moto Guzzi MGX-21 - Fliegende Festung

17.10.2016  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Moto Guzzi
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Fahrbericht Moto Guzzi MGX-21 - Fliegende Festung
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Die neue Moto Guzzi MGX-21 ist zweifelsohne ein Reisemotorrad. Aber sie ist auch ein Showbike. Moto Guzzi goes America. Das ist nicht neu. Die Italiener hatten den amerikanischen Markt schon immer im Visier, davon zeugt die bald ein halbes Jahrhundert alte California in immer wieder neuen Auflagen. Jetzt legt Moto Guzzi ein weiteres Brikett nach, und das ist schwarz.
Moto Guzzi goes America. Das ist nicht neu. Die Italiener hatten den amerikanischen Markt schon immer im Visier, davon zeugt die bald ein halbes Jahrhundert alte California in immer wieder neuen Auflagen. Jetzt legt Moto Guzzi ein weiteres Brikett nach, und das ist schwarz. Die Buchstaben der MGX-21 stehen für „Moto Guzzi, Project X“, und die Zahl steht für das 21-zöllige Vorderrad, das der „Flying Fortress“ ein ganz eigenes Erscheinungsbild verleiht. Zusammen mit dem typischen absinkenden Heck ist das der amerikanische „Bagger“-Style. Die MGX-21 ist mithin ein Chopper für die große Tour.

Aber Halt! Moto Guzzi hat ganze ­Arbeit geleistet und den American-Style für die europäischen Straßen übersetzt. Das gilt in erster Linie für das Fahrwerk. Vom plüschig-amerikanischen Cruisen ist da nichts mehr geblieben. Die MGX-21 rollt gusseisern und punktgenau, macht auch höhere Geschwindigkeiten klaglos mit, schwänzelt nicht mit ihrem gewaltigen Heck. Das entspricht eindeutig europäischen Maßstäben.

Die kleine Frontscheibe sieht gut aus, zeigt aber kaum Wirkung.

Wie aber verhält es sich da mit dem gewaltigen Vorderrad? Je größer das Rad, desto schlechter die Kurvenwilligkeit, so lautet eine Faustregel. Korrigieren lässt sich das mit einer modifizierten Lenkkopfgeometrie. Als letztes Kind der Modellgeneration von Audace, Eldorado und California unterscheidet die MGX-21 sich darin auch von ihren älteren Schwes­tern, so die offizielle Verlautbarung von Moto Guzzi. Den für die MGX ange­gebenen Nachlaufwert von 187 Millimetern dürfen wir aber in Frage stellen. Dann würde sie mit dem Riesenrad gar nicht in die Kurve wollen. Auf der ersten offiziellen Testfahrt konnten wir das nicht nachmessen, aber wir konnten es im wörtlichen Sinne erfahren.   

Die „Flying Fortress“ ist natürlich kein flinkes Rehlein, das lustig von links nach rechts springt. Sie muss, wie auch jedes große amerikanische Motorrad, in die Kurven gewuchtet werden. So störrisch, wie wir es mit einem 21-Zoll-Rad erwartet hätten, gibt sie sich aber nicht. Obendrein erledigt sie Fahrtrichtungsänderungen exakt und trifft mit jeder Kurve ihr Ziel. Der Motor ist identisch mit dem der drei Schwestern. Es handelt sich um das moderne Triebwerk der großen Guzzis, um den italienischen Big Twin sozusagen. Der hat vier Ventile pro Zylinder, obenliegende Nockenwellen und leistet knapp 100 PS, die Guzzi-typischen Vibrationen inklusive. 1400 Kubikzentimeter sind nicht von amerikani­schem Niveau. Untertourig anrollen kann der Motor deshalb nicht, auf zweieinhalbtausend Umdrehungen will er schon gehalten werden. Dafür kann er obenrum mehr, und wir haben mit diesen Boliden noch jeden vierrädrigen Verkehrsteilnehmer weggeschnupft.

­Zwischen den Rundinstrumenten befindet sich eine USB-Buchse.

Obendrein bietet die Guzzi drei verschiedene elektronisch geregelte Fahrmodi, ebenso drei Modi für die Trak­tionskontrolle. Über den Sinn dieser Errungenschaften darf man streiten. Die 96 PS kommen, mal mit mehr, mal mit weniger Verzögerung. Im Fall der Traktionskontrolle sieht die Sache anders aus: Wer bei überfluteter Straße noch im Sportmodus fährt, muss mit einer zu früh einsetzenden Motorbremse rechnen.

Die Frontverkleidung ist eines Baggers würdig. Sie hält wenigstens den Druck des Fahrtwindes ab. Das Gesicht liegt trotzdem im vollen Wind. Und wenn wir uns mit dem Gesicht tiefer beugten, gerieten wir in die Schläge der Verwirbelungen, die diese cool ausse­hende, aber kaum wirksame Frontscheibe verursacht. Im Zubehör soll es eine bessere Scheibe geben, die Italiener versprechen es. Ebenso versprechen sie größere Kofferraumdeckel zum Nachrüsten. So, wie die Koffer in der Serienversion ausgelegt sind, passt kein Helm rein, nicht mal unser normfreier alter Indoport-Helm. Als Europäer müssen wir da ein paar Abstriche machen, die den Kriterien des amerikanischen Marktes geschuldet sind. Wir kriegen auch, was wir wollen, aber nur gegen Aufpreis.

Die Italiener zeigen den Amerikanern, wo der Hammer hängt. Ihr Fahrwerk ist besser, ihr Motor ist es obenrum auch. Die Amis jedenfalls seien während der ersten Tour durch die USA vor diesem Motorrad auf die Knie gegangen. Nur der Motor sei falschrum eingebaut, erklärten sie dem Italiener Miguel Galluzzi am Rande der Highways. Galluzzi ist der Vater des Projektes „X“ von Moto Guzzi. Und Galluzzi erklärte uns nach seinem Ritt durch die USA: An der hierzulande vielleicht überflüssigen Musikanlage mit Infotainment hatten die Amis nichts auszusetzen. Wenn man einmal in den Staaten sei, dann würde auf den endlosen Straßen des Landes ein Radio zu einem geselligen Begleiter, auf den man an einem Reisemotorrad nicht verzichten will.

Fazit
Die Moto Guzzi MGX-21 ist ein Hingucker, die große Show ist damit garantiert. Großes Gepäck geht nur gegen Aufpreis, dafür gibt’s dann voluminösere Koffer und ein Topcase. Auch eine wirksamere Scheibe soll im Zubehörprogramm erhältlich sein. Im Serienzustand ist mit der Flying Fortress trotzdem mehr möglich als nur eine kurze Tages­tour. Die Verkleidung hält immerhin den Winddruck ab, sodass ihr damit auch höhere Geschwindigkei­ten auf deutschen Autobahnen entspannt meistert. Der kraftvolle Motor macht das locker mit und auch das Fahrwerk ist in Hinsicht auf die ungewöhnliche Geometrie perfekt.
 
 
TECHNISCHE DATEN Moto Guzzi MGX-21

Motor: 90°-V-Twin, querliegend, luft-/ölgekühlt
Hubraum: 1380 ccm
Bohrung x Hub: 104 x 81,2 mm
Leistung: 96,6 PS bei 6500 U/min
Drehmoment: 121 Nm bei 3000 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmenart: Doppelschleifenrohrrahmen
Radstand: 1700 mm 
Federung vorn: Telegabel, x 44,8 mm, 107,7 mm Federweg
Federung hinten: Doppelarmschw., zwei Federb., 80 mm Federw.
Bremsen vorn: Doppelscheibenbremse, x 320 mm
Bremsen hinten: Einscheibenbremse, x 282 mm
Bereifung vorn: 120/70 R21 62V
Bereifung hinten: 180/60 R16 80H
Sitzhöhe: 740 mm
Leergewicht: 341 kg
Tankinhalt: 20,5 l, Testverbrauch 6,3 l/100 km
Preis: 23.000,– Euro  
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Stand:03 June 2020 04:18:41/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/fliegende+festung_175.html Warning: fopen(cache/e238ca962ec555ff67220bbb7ce05669.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163