Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Frontalangriff auf die GS

13.04.2015  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: KTM
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Fahrbericht KTM 1290 Super Adventure - Frontalangriff auf die GS
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Die superstarke 1290 Super Adventure glänzt mit viel Hightech sowie ausgezeichnetem Fahrkomfort.
Die 1290 Super Adventure von KTM strotzt von Superlativen: Mehr Hightech auf zwei Rädern in einer Reiseenduro bietet kein anderer Hersteller, leistungsstärker als sie ist kein anderes Zweirad-SUV, mit LED-Kurvenlicht, heizbaren Sitzen und Kurven-ABS werden Ausstattungs-Features serienmäßig geliefert, die anderswo fette Aufpreise kosten, sofern sie überhaupt erhältlich sind. Mit 160 PS und 140 Newtonmetern produziert der 1301 Kubikzentimeter große V2-Motor beinahe unvorstellbare Kraft, 30 Liter fasst der mächtige Tank, doch etwa 252 Kilogramm wiegt die Fuhre. Ist dieser Brocken noch eine KTM, „ready to race“, wie es der Firmenslogan fordert?

Gran Canaria ist nicht gerade für seine sanften Straßenführungen bekannt, ganz im Gegenteil: Die Kurven der oftmals kaum für zwei Autos im Begegnungsverkehr ausreichenden Straßen folgen im Inselinneren im Sekundentakt aufeinander. Hier spürt man, dass die 1290 Super Adventure eine Vierteltonne wiegt. Doch – und das ist die Überraschung – man spürt es weitaus weniger, als zu erwarten war. Denn diese KTM ist bestens austariert, wehrt sich nicht gegen noch so kräftige Schräglagen und beherrscht auch starkes Bremsen, wenn sich während engagierter Kurvenfahrt herausstellt, dass die Kurve plötzlich eng und enger wird. Kurz: Die KTM 1290 Super Adventure hat auf Gran Canaria eine hervorragende Figur gemacht.



Natür­lich nicht wegen ihrer 160 PS, sondern trotz dieser Leistung. Denn im großkanarischen Kurvengewürm sind auch weniger als zwei Drittel dieser Leis­tung mehr als genug. Ein großes Plus dieser mächtigsten aller je gebauten KTMs ist die Durchzugsstärke des Großkolben-V2: Schon bei 2500 Umdrehungen stehen 100 Nm Drehmoment bereit, so dass man selbst Haarnadelkurven bergauf im zweiten, ja teils sogar im dritten Gang bewältigen kann, ohne mit der Kupplung „spielen“ zu müssen. Das reduziert den Nervenaufwand, ein solch massiges Motorrad in verwinkeltem Geläuf dirigieren zu müssen, ganz erheblich.

Der Motor ist eine Wucht, und zwar zwischen etwa 1500 und 9000 Touren. Er legt dabei dank zwei Kilogramm mehr Schwungmasse auf der Kurbelwelle und perfekter Abstimmung galante Manieren an den Tag, die noch vor wenigen Jahren bei ­einer KTM undenkbar waren. Über den Praxisverbrauch lässt sich aufgrund der extremen Anforderungen während der 200 Kilometer langen Präsentationsfahrt nur spekulieren: Wir benötigten 6,8 Liter (Kollegen bei ähnlich schneller Fahrt aber über acht Liter!) auf 100 Kilometer, so dass weniger als sechs Liter bei einigermaßen artgerechter Bewegung nicht vorstellbar erscheinen. An Reichweite fehlt es dank des 30-Liter-Tanks aber in keinem Fall.

Ein Plus bei forcierter Fahrt stellt unzweifelhaft das semiaktive Federungs- und Dämpfungssystem des KTM-Fahrwerks dar: In Abhängigkeit von zahlrei­chen Parametern (Gasgriffstellung, Verzögerung, Schräglage etc.) verändern Ventile den Druck in der Gabel und im hinteren Mono-Federbein, was das Ansprechverhalten des Systems beeinflusst. Dabei sind via Bordcomputer vier unterschiedliche Modi vorwählbar, wie man das seit 2012 bereits von einigen anderen Herstellern kennt. Das vom KTM-eigenen Fahrwerksausrüster WP entwickelte System funktioniert gut; im Soft-Modus kann es aber mitunter zu einer Über­regelung der Ventile in der Gabel kommen, das als Klackern wahrgenommen wird.



Insgesamt sehr gut gefallen hat das aufwändige Bremssystem mit Integralfunktion samt Offroad-Modus sowie Blockierschutz auch in Kurven. Zwar wirkte die Bremse bei sehr engagiertem Treiben auf Asphalt ein wenig stumpf, doch ist das bei einem Bike, das auch auf gröberem Untergrund einsetzbar sein soll, okay. Als perfekte „Ein-Finger-Bremse“ geht sie deshalb nicht durch, doch ist die Verzögerung selbst stets ­tadellos.

Beinahe überbordend ist die Ausstattungsfülle der 1290 Super Adventure: Mehrstufig regelbare Heizgriffe, Sitz­heizung für Fahrer und Passagier, einhändig (aber nicht perfekt) verstellbarer und gut schützender Windschild, neu geformte und dabei höhenverstellbare Sitze, Tempomat, Traktionskontrolle, LED-Kurvenlicht, Reifendruckkontroll­system, ein bestens geformter Lenker und vieles mehr unterstreichen das Bemühen von KTM, sich künftig als ernstzunehmender Konkurrent der R 1200 GS Adventure etablieren zu wollen. Dass die leistungs- und teils ausstattungs­überlegene KTM dabei auch in neue Preisregionen vorstößt, verwundert nicht: Mit 17 895 Euro liegt ihr Grundpreis in einsamer Höhe, wobei das hauseigene, extrem breit bauende Koffersystem noch nicht enthalten ist. 

Trotz der vielen Superlative dieser KTM: Ihr Niveau ist nicht durchgängig Spitze. So erfordert die Menüführung des Bordcomputers unziemlich viel Aufmerksamkeit, die Änderung mancher Einstellungen ist kompliziert und die Ablesbarkeit der Display-Anzeigen eingeschränkt. Zwar lässt ich ein Navi im Sichtbereich oberhalb des Kombi-Anzeigeinstruments montieren, doch fehlt eine Bedienungsmöglichkeit dafür vom Lenker aus. Und die Zuladung ist mit nur knapp 210 Kilogramm nicht üppig.

Fazit
Die 1290 Super Adventure hat das Zeug dazu, BMWs sehr erfolgreicher R 1200 GS Adventure das Leben echt schwer zu machen. Sie fährt sich rundum ausgezeichnet und ist auch bei der Funktionalität im Spitzenfeld angekommen. Die Ausstattung ist – freilich bei sehr hohem Grundpreis – fast vollständig, manche Features (Kurven-ABS, LED-Kurvenlicht) sind momentan sogar einzigartig. Ein direkter Fahrvergleich der Münchner und der Mattighofener Interpretation vom Reise­abenteuer auf höchstem Niveau wird spannend.

PLUS
  • Motor extrem kräftig und kultiviert
  • sehr gut ausbalanciertes Fahrwerk
  • perfektes Integral-ABS mit MSC
  • fast vollständige Ausstattung
  • exzellenter Sitz- und Reisekomfort

MINUS
  • Windschildverstellung nicht perfekt
  • umständliches Bordcomputermenü
  • Koffersystem klobig und breit

TECHNISCHE DATEN KTM 1290 Super Adventure

Motorbauart: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylindermotor
Hubraum: 1301 ccm
Bohrung x Hub: 108 x 71 mm
Leistung: 160 PS (118 kW) bei 8750 U/min
Drehmoment: 140 Nm bei 6750 U/min
Getriebe: 6 Gänge
Sekundärtrieb: Kette
Rahmenart: Stahl-Gitterrohrrahmen
Radstand: 1560 mm
Federung vorn: WP USD-Gabel, x 48 mm, semiaktiv, Federweg 200 mm
Federung hinten: WP Mono-Federbein, semiaktiv, Federweg 200 mm
Bremsen vorn: 320-mm-Doppelscheibe, Kombi-ABS
Bremen hinten: 267-mm-Einzelscheibe, Kombi-ABS
Bereifung vorn: 120/70 R 19
Bereifung hinten: 170/60 R 17
Lenkkopfwinkel: 64 mm
Nachlauf: 120 mm
Sitzhöhe: 860/875 mm
Leergewicht: ca. 252 kg fahrfertig vollgetankt
Zul. Gesamtgewicht: 460 kg
Tankinhalt: 30 Liter
Preise: 17.895 Euro

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Stand:11 December 2019 14:49:12/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/frontalangriff+auf+die+gs_175.html Warning: fopen(cache/f4d2a1cb35c8a02afa971b1f987b4aeb.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163