Harley Davidson Street Glide vs Honda F6B - Vergleich

11.04.2014  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Volker Rost
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Harley Davidson Street Glide vs Honda F6B - Vergleich
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Die Bagger kommen. Nie gehört? Nun gut, wir klären auf. Wie so viele Anglizismen, die inzwischen den Weg in die deutsche Sprache gefunden haben, hat sich der Begriff auch für diese Motorradkategorie etabliert. Wie soll man es auch anders ausdrücken? Koffermotorrad? Oder scherzhaft „Kofferfisch“? Wobei – wer kommt eigentlich auf solche Bezeichnungen?

Egal, „bag“ steht im Englischen für ­Tasche oder Koffer. Also sind Bagger schlicht Motorräder mit Koffern dran. Und damit wäre auch das größte gemeinsame Merkmal der Harley-Davidson Street Glide und der Honda Gold Wing F6B schon beschrieben. Beide tragen ebenfalls eine Frontverkleidung mit einer ziemlich kurzen Windschutzscheibe. Ungewöhnlich für Motorräder, denen man ein großes Tourenpotenzial nachsagt und in beiden Fällen wohl eher dem Design und damit der Optik geschuldet. Trotzdem bieten sowohl Harley als auch Honda dank ihrer Verkleidungen durchaus so etwas wie Schutz. Speziell auf Autobahnen macht er sich dann positiv bemerkbar. Sicher, bei höheren Geschwin­digkeiten liegt der Kopf im Wind und wird von Turbulenzen durchgeschüttelt. Also lässt man es besser etwas ­gemächlicher angehen.

Beim Antrieb verfolgen beide Herstel­ler vollkommen unterschiedliche Konzepte. Honda setzt auf sechs Zylinder, Harley auf nur zwei. Welchen Motor man bevorzugt, ist auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Beide Maschinen sind kräftig genug und haben mit den schweren Baggern wenig Probleme, ebenso wie Fahrwerke und Bremsen. Auch bei der Unterhaltung kommt der Fahrer nicht zu kurz. Ein Multimediasystem tragen die Bagger schon ab Werk. Und so finden sich unterm Strich tatsächlich viele Gemeinsamkeiten. Ob Harley oder Honda, beide schenken sich nicht viel. Noch nicht einmal im Preis, der Unterschied ist marginal.

Z
war haben beide ihre Hauptzielgruppe für solche Motorräder im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, doch auch auf deutschen Straßen sieht man immer öfter solche Bagger. Ihre Popula­rität steigt. Schließlich sind sie ja auch extrem praktisch. Komfort von vorne bis hinten, garniert mit einer ordentlichen Portion Fahrdynamik. Doch wie schlagen sich die beiden Kontrahenten im direkten Vergleich? Was kommt besser an? Japanische Ingenieurskunst oder amerikanisches Handwerk? Wir haben die beiden Bagger in die Mangel genommen.

Harley-Davidson Street Glide
Mit dem „Project Rushmore“ hat Harley-Davidson seine Touring-Reihe Ende vergangenen Jahres komplett und tiefgreifend über­arbeitet. Zu lange wäre die Liste der Änderungen, um sie hier einzeln aufzuzählen. Der Hersteller aus Milwaukee hat dabei Priorität auf Kundenwünsche und -meinungen gelegt und die 2014er-Modelle entsprechend gestaltet. Dabei wurde auch die Heilige Kuh auf dem Altar der Neuzeit geopfert: Der ehrwürdige V 2-Stoßstangenmotor verfügt in der E-Glide ab sofort über eine partielle Wasserkühlung. Ein Sakrileg für manche, ein Schritt in die Zukunft für andere.



Die Street Glide betrifft das nicht – zumindest vorerst. Trotzdem haben die Ingenieure auch dem luft-/ölgekühlten V 2 etwas mehr Leistung eingehaucht, neue Nockenwellen und einen neuen Luftfilter verpasst sowie die Steuerzeiten optimiert. Das Ergebnis ist ein dreh­momentstarker, agiler und drehfreudiger Motor, der für die Street Glide völlig ausreichende Fahrleistungen liefert. Nie hat man das Gefühl, untermotorisiert zu sein oder die Maschine quälen zu müssen. Fahrwerk und Bremsen wurden entsprechend angepasst. Vor allem bei der Bremse hat Harley die Tourer ins 21. Jahrhundert katapultiert. Das integrierte Bremssystem hat den Eisenhaufen aus Milwaukee jederzeit voll im Griff. Dabei spielt es keine Rolle, ob nur vorn oder hinten gebremst wird. Ab 40 km/h regeln Sensoren die Zuteilung der Bremskraft und verteilen diese optimal auf die Räder.

Einen Quantensprung hat man bei Harley in Sachen Koffersystem gemacht und das Flehen der Kunden erhört. Vorbei die Zeiten, in denen die Deckel umständlich auf die Behälter gefummelt werden mussten. Das geht jetzt schnell und einfach – mit einer Hand.

Honda Gold Wing F6B
Auch Honda springt mit der Gold Wing F6B auf den immer populärer werdenden „Bagger-Zug“ auf: Motorräder mit Verkleidung und Koffern, aber ohne Topcase. In den ­Staaten, wo zweifelsohne der Hauptabsatzmarkt für diese Motorradkategorie liegt, führen Bagger die Verkaufslisten an. Kein Wunder also, dass die Gold Wing schon seit einer gefühlten Ewigkeit mehr den transatlantischen als den europäischen Geschmack bedient.




​Daher war es auch keine Überraschung, als Honda Ende 2012 die frisch renovierte Gold Wing präsentierte. Das Staunen kam erst mit der abgespeckten Version namens F6B. Und dieses gezielte Weglassen von Komponenten hat der Honda sichtlich gut getan. Sie wirkt ­wesentlich dynamischer mit ihrer kurzen Scheibe und der Verkleidung, die auf den ersten Blick an die legendäre Batwing von Harley-Davidson erinnert. Auch das flache Heck kommt der Optik zugute und Beifahrer oder die Beifahrerin können sich auf eine bequeme Sitzposition freuen: die Sitzbank ist durchgehend komfortabel, ein Topcase wird nicht wirklich vermisst. Zwar geht etwas Stauraum verloren, trotzdem kann auch in den Seitenkoffern noch genügend Gepäck für den Kurzurlaub mitgenommen werden.

Als Modellvariante der „großen“ Gold Wing profitiert auch die F6B vom überarbeiteten Cockpit und dem ver­besserten LCD-Bildschirm. Warum im Zuge der Modellpflege nicht gleich die Batterie an Knöpfen und Schaltern, mit der das Audiosystem bedient wird, verschlankt und vereinfacht wurde, wissen wohl nur die Honda-Entwickler. Aber offensichtlich hat sich auch das über die Jahre so bewährt oder ist bei den Kunden derart beliebt, dass es keinen Grund gab, hier Änderungen vorzunehmen.

Fazit Harley-Davidson Street Glide
Das also kommt dabei heraus, wenn ein Hersteller seinen ­Kunden zuhört und ihre Wünsche und Kritiken ernst nimmt. Die Frage ist nur: Warum erst jetzt? Harley-Davidson hat sich mit dem Verstehen zwar sehr lange Zeit gelassen, dafür aber die beste Street Glide erschaffen, die je aus den heiligen Hallen in Milwaukee gerollt ist. Motor, Fahrwerk, Bremsen, Ausstattung – kaum ein Teil, das nicht hinterfragt, geändert oder überarbeitet worden ist. Die Street Glide überzeugt in allen Belangen. Sie ist optisch und praktisch genau das, was sich ein Kunde von einem amerikanischen Tourenmotorrad wünscht. Dynamik und Fahrspaß, amerikanisches Flair und Tradition, ­gepaart mit moderner Technik. Da bleiben so gut wie keine Wünsche mehr offen. Das alles schlägt sich zwar im Anschaffungspreis nieder. Aber dank des Namens ist ein hoher Wert­erhalt garantiert.


Fazit Honda Gold Wing F6B
Sie wird geliebt oder sie wird verachtet: Die Honda Gold Wing polarisiert. Spötter bezeichnen sie als fahrendes Wohnzimmer, Liebhaber schwören auf den Sechszylinder-Boxer und den schier endlosen Komfort. Aber, das hat man auch bei Honda erkannt, es steckt noch mehr in der Gold Wing, wenn man ­daraus weniger macht. Weniger Verkleidung und weniger ­Gepäckabteile nämlich. Also wurde die Scheibe gekürzt und das Topcase weggelassen. Dazu der Verzicht auf blinkenden Chrom, der nun durch dezentes Mattschwarz ersetzt wird. Und weniger Gewicht hat sie natürlich auch, die F6B. Sie ist ­dynamischer, agiler und sieht besser aus, als die „Vollversion“ – und macht noch mehr Spaß – plus der grandiose Boxermotor und die abartig guten Bremsen. Individualisten kommen hier voll auf ihre Kosten und dürfen es auch in Zukunft genießen, dass eine Gold Wing nach wie vor die Meinungen spaltet.


Harley-Davidson Street Glide im Detail

Antrieb
Drehmomentstarker, 
drehfreudiger 1,7-Liter-V2-Motor, der der Street Glide zu ordentlichen Fahrleistungen verhilft. Schon bei niedrigsten Drehzahlen drückt der Motor kraftvoll aus den Ecken und lässt erst jenseits von 4000 Umdrehungen langsam nach. Die Leistungsentfaltung erfolgt dabei sehr geschmeidig und ohne Hänger. Im Schnitt begnügte sich die Street Glide mit 6,36 Liter auf 100 Kilometer. Ein Wert, der sich im lang übersetzten sechsten Gang auf längeren Autobahnetappen sicher weiter nach unten korrigieren lässt

Fahrwerk
Harley setzt bei der Street Glide auf einen traditionellen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Telegabel und luftunterstützte Stereofederbeine – und macht damit alles richtig. Die Street Glide befolgt präzise Lenkbefehle und überrascht mit ungeahnter Agilität. Außer beim Rangieren vergisst man sehr schnell, dass man auf einem 372 Kilogramm schweren Stahlhaufen sitzt. Eine Bank sind die neuentwickelten Bremsen, die die Amerikanerin extrem gut im Griff haben und Vertrauen schaffen. 

Praxis
Hoher Tourenkomfort dank Batwing, Koffern und einer bequemen Sitzbank. Der Splitstream, eine verschließ­bare Öffnung in der Verkleidung, ­reduziert gerade bei hohem Tempo die Verwirbelungen deutlich und macht das Reisen angenehmer. Zudem hat Harley-Davidson das Flehen der Kunden erhört und die Koffer überarbeitet. Sie lassen sich ganz simpel mit einer Hand öffnen und schließen. Kein nerviges Gefummel mehr. Unterhaltsam ist das Multimediasys­tem, das je nach Ausstattung über ein Navigationssystem mit Touchscreen verfügt. Außerdem lassen sich per USB weitere Geräte anschließen. 

Emotionen
Dynamischer ist wohl kein Touring-Modell aus Milwaukee. Egal ob Cruisen oder Angasen, die Street Glide macht alles mit und verbreitet Fahrspaß ohne Ende.

TECHNISCHE DATEN Harley-Davidson Street Glide

Bauart: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt 45-Grad-V-Twin
Hubraum: 1690 ccm
Bohrung x Hub: 98,4 x 111,1 mm
Leistung: 64 kw (87 PS) bei 5010 U/min
Drehmoment: 138 Nm bei 3500 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Radstand: 1625 mm
Federung vorn: Telegabel, 49 mm, 117 mm Federweg 
Federung hinten: Zweiarmschwinge aus Vierkantprofil, zwei Federbeine, luftunterstützt, 54 mm Federweg  
Bremsen vorn: 2 x 300-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Festsättel, ABS
Bremsen hinten : 300-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Bremssattel, ABS
Vorderreifen : 130/60 B19 61H
Hinterreifen : 180/65 B16 81H
Zuladung: 245 kg
Gewicht1: 372 kg
Tankinhalt: 22,7 Liter
Grundpreis: ab 24.485 Euro


Honda Gold Wing F6B im Detail

Antrieb
Mit dem Sechszylinder-Boxermotor verfügt die F6B über ein Alleinstellungsmerkmal. Das Triebwerk läuft dermaßen geschmeidig, dass es eher einer Turbine gleichkommt denn einem Verbrennungsmotor mit Kolben. Schub gibt es reichlich, da schon aus den Tiefen des Drehzahlkellers gewaltig Drehmoment bereitgestellt wird. Wohl mit ein Grund, warum Honda nach wie vor ein Fünfgang­getriebe mit langer Übersetzung verwendet. Ein sechster Gang wird einfach nicht benötigt. Auch beim Antritt dürfte der Tourer gehörig unterschätzt werden. Dennoch macht sich die Masse bemerkbar: im Verbrauch. Im Schnitt gönnte sich die Gold Wing 6,84 Liter auf 100 Kilometer.

Fahrwerk
Beim Fahrwerk gibt es nichts zu ­meckern. Telegabel und Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein sind noch immer zeitgemäße Komponenten und halten die Masse der F6B absolut sicher in der Spur. Dank ihres niedrigen Schwerpunktes lässt sich die Honda sogar recht flott durch Kurven zirkeln und macht vergessen, dass sie knapp 400 Kilogramm wiegt. Einzig die früh aufsetzenden Fuß­rasten beschneiden den Fahrspaß ­etwas. Die Integralbremse dagegen lässt einem die Kinnlade herunterklappen. Bissiger, schärfer und härter haben wir noch nie mit einem Tourer gebremst. Auf die Stopper ist Verlass.

Praxis
Zwei Koffer mit je 27 Liter Stauraum bieten ausreichend Platz für das wichtigste Gepäck. Sitzposition und Wetterschutz sind gut. Lediglich die kurze Windschutzscheibe sorgt für Verwirbelungen im Kopfbereich. Trotzdem ist auch eine forcierte Gangart auf der Autobahn kein großes Problem. 

Emotionen
Durch ihr ungewöhnliches, beinahe futuristisches Design ist die F6B ein Hingucker. Für den Fahrer dagegen gibt es die volle Bandbreite von lässigem Cruisen bis hin zum sportlichen Angasen.

TECHNISCHE DATEN Honda Gold Wing F6B

Bauart: Flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Viertakt-Boxermotor
Hubraum: 1832 ccm
Bohrung x Hub: 74 x 71 mm
Leistung: 87 kw (118 PS) bei 5500 U/min
Drehmoment: 167 Nm bei 4000 U/min
Getriebe: 5-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmen: Aluminium-Brückenrahmen
Radstand : 1690 mm
Federung vorn: Teleskopgabel, 45 mm, 140 mm Federweg 
Federung hinten: Zweiarmschwinge, ProLink-Aufhängung, Zentralfederbein, Federweg 105 mm Federweg
Bremsen vorn: 2 x 296-mm-Scheibenbremse, Dreikolbenbremszange, ABS
Bremsen hinten: 316 mm Einscheibenbremse, Dreikolbenbremszange, ABS
Vorderreifen: 130/70 ZR 18
Hinterreifen: 180/60 ZR 16 
Zuladung: 190 kg
Gewicht1: 385 kg
Tankinhalt: 25 Liter
Grundpreis: ab 24.590 Euro
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Stand:18 February 2020 16:37:19/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/gold+wing+vs+batwing_175.html Warning: fopen(cache/3a53474256a975875991d018ad02378c.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163