Fahrbericht KTM 1290 Super Duke GT - Gran Turismo mit Pfeffer

15.04.2016  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: Marco Campelli, Sebas Romero
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Fahrbericht KTM 1290 Super Duke GT - Gran Turismo mit Pfeffer
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KTM hat sein Power-Nakedbike 1290 Super Duke R langstreckentauglich gemacht, ohne die sportlichen Eigenschaften zu verwässern. Einen Raketenstart hat die ultra­starke KTM 1290 Super Duke R in ihren ersten beiden Verkaufsjahren in Deutschland hingelegt: 2659 neu zugelassene Motorräder sind ein überragendes Ergebnis.
Einen Raketenstart hat die ultra­starke KTM 1290 Super Duke R in ihren ersten beiden Verkaufsjahren in Deutschland hingelegt: 2659 neu zugelassene Motorräder sind ein überragendes Ergebnis. Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die Ober­österreicher das erfolgreiche Grundkonzept nutzen und ein zweites Modell nach­schieben, das auf der R-Version gründet. Während der Erstling eine kompromisslose Fahrmaschine darstellt, weist die neue 1290 Super Duke GT einen höheren Nutzwert auf: Mit ihr lassen sich auch lange Strecken hinreichend komfortabel absolvieren, ohne in nennenswertem Um­fang auf den großen Fahrspaß des Super-Duke-Konzepts verzichten zu müssen.

Die Mutation von der R- zur GT-Version bedingte zahlreiche Änderungen: Der Heckrahmen wurde verlängert und tragfähiger, um nicht nur einen Sozius, sondern auch das auf längeren Touren unverzichtbare Gepäck sicher transportieren zu können. Zugunsten größerer Reichweite wurde der Tank auf 23 Liter Fassungsvermögen vergrößert, die Sitzposition mittels eines 25 Millimeter brei­teren und zehn Millimeter höher positio­nierten Lenkers weiter entspannt. Dem Ziel, mehr Fahrkomfort zur Verfügung zu stellen, dienen zudem besser gepols­terte, auf Wunsch sogar heizbare Sitze sowie der mit einer Hand verstellbare Windschild. Auch die Radführungen wurden verändert: In der GT sind die Feder- und Dämpfungselemente semiaktiv angesteuert. Die vielfältigen Maßnahmen haben natürlich einen höheren Preis zur Folge: Mit 17.995 Euro kostet die 1290 Super Duke GT um 2.100 Euro mehr als eine 1290 Super Duke R.

Die bereits EU4-konforme Auspuffanlage dominiert die rechte Fahrzeugseite. Ihr Sound ist gelungen, die alternativ lieferbare Akrapović-Tüte ist sicherlich keine zwingende Sache.

Der zugunsten von noch mehr Durch­zug modifizierte V2-Motor mit 173 PS Spitzenleistung ist schlicht eine Macht: Enormes Anfahrdrehmoment, gi­gantischer Druck in der Drehzahlmitte (144 Nm Drehmoment bei 6 750/min.!) und ein breites nutzbares Drehzahlband zwischen 2 500 und 10 000 Touren lassen jeden anderen Sporttourer blass aussehen. Sehr gut harmoniert das Sechsganggetriebe mit dem hochpotenten V2, der Quickshifter macht seine Sache eben­falls prima – schade nur, dass er nicht auch über die „Blipper“-Funktion (kupplungsloses Zurückschalten) verfügt. Nicht weniger souverän zeigen sich Fahrwerk und Bremsanlage, fraglos spielt die KTM diesbezüglich in der absoluten Spitzengruppe mit. Das ABS verfügt über eine Kurvenbremsfunktion. Das semiaktive Feder- und Dämpfungssystem arbeitet ebenfalls auf hohem Niveau.

Natürlich ist die KTM vom Komfort eines Fullsize-Tourers ein Stück weit entfernt; das ist konzeptionell unvermeidlich. Doch Windschutz und Sitzkomfort machen es leicht möglich, zwei oder auch drei Tankfüllungen direkt hintereinander in schnelle Distanzüberbrückung um­zuwandeln. Der Verbrauch pendelt laut Bordcomputer zwischen rund sechs Litern auf 100 Kilometer bei zurückhalten­der Überlandfahrt und etwa acht Litern bei gasiger Bergstraßenfahrt mit vielen Beschleunigungsphasen. 250 bis 300 Kilometer sind also pro Tank möglich. Nicht überzeugen kann die Menüführung des Bordcomputers. Veränderungen von Fahrwerk oder Motormapping bedingen das Drücken mehrerer Knöpfe, wozu während der Fahrt viel Konzentration vonnöten ist. Diesbezüglich haben andere Hersteller einfacher zu bedienende Systeme zu bieten. In allen anderen relevanten Details (Spiegel, Ablesbarkeit der Instrumente, Navi-Unterbringung etc.) gibt sich die KTM keine Blöße.

Aus diesem Winkel zeigt sich, wie kompakt die GT geworden ist. Dennoch bietet sie genug Platz für souveränes, zügiges Reisen zu zweit.

Zu einem funktional überzeugenden Sporttourer gehört selbstverständlich die Möglichkeit, Gepäck wettergeschützt zu transportieren. Dafür hat KTM neue Seitenkoffer (779 Euro) entwickelt, die sich sehr einfach am Motorrad befestigen und auch demontieren lassen. Ein das Auge störendes Gestänge wurde durch eine pfiffige Befestigungsmöglichkeit überflüssig. Die Behälter fassen einen Integralhelm und liegen eng am Fahrzeug an; allerdings wird der Deckel im vorderen Bereich nicht mechanisch fest an den eigentlichen Koffer gedrückt, so dass bei Regen die Gefahr gegeben ist, dass trotz der vorhandenen Dichtung Wasser ins Innere eindringen kann. Zur Steigerung der Touringqualitäten der GT hat KTM einen Grundträger für den GPS-Halter (87 Euro) entwickelt; er liegt oberhalb des Displays vorteilhaft im Sichtbereich. Außerdem sind unter den zahlreichen Zubehör- und Ausstattungsoptionen noch die beheizten Ergo-Sitzbänke für Fahrer und Sozius (243 bzw. 194 Euro) hervorzuheben, mit denen sich der Fahrkomfort weiter steigern lässt.

Zufälle hat es bei der Weiterentwicklung der 1290 Super Duke R zur GT keine gegeben; KTM hat es geschafft, aus einem extrem fahraktiven Nakedbike einen nicht minder fahraktiven Sporttou­rer zu machen. Im kleinen Sporttourer-Segment ragt die Österreicherin mit ihrer extrem hohen, dabei aber bestens kontrollierbaren Motorleistung heraus; alle Konkurrentinnen sind entweder deutlich schwerer oder leistungsschwächer: Zu nennen sind Honda VFR 1200F (173 PS, 267 kg), Kawasaki Z 1000 SX (142 PS, 231 kg) und BMW R 1200 RS (125 PS, 236 kg). Auch ohne prophetische Fähigkeiten lässt sich sagen, dass sich die als echter Gran Turismo konzipierte KTM 1290 Super Duke GT trotz des Preises von 18.000 Euro dank ihrer vielen Pluspunkte im Vorderfeld ihres Segments platzieren wird. So viel Pfeffer hat sonst einfach keine.

Fazit
Die 1290 Super Duke GT markiert momentan eindeutig die Benchmark unter den Sporttourern: Das Verhält­nis von knapp 230 Kilogramm Gewicht und 173 PS bei sporttourergerechtem Komfort ist unerreicht gut. Die KTM liefert souveräne Fahrleis­tungen und ausgezeichnete Fahreigen­schaften gleichermaßen. Sie animiert zu sportlich-schnellem Fahren, aber sie kann auch gemütlich, sofern ihr Fahrer diesen Modus beherrscht. Ein insgesamt überaus gelungenes Motor­rad, das nur in der Bordcomputer­bedienung nicht „top of the art“ ist.

PLUS
  • überragende Leistung
  • sehr gute Fahreigenschaften
  • sehr gutes Bremssystem mit Kurven-ABS
  • sehr gute Ausstattung und Ergonomie
  • sporttourergerechter Komfort 

MINUS
  • umständliche Bordcomputerbedienung
  • beträchtlicher Benzinverbrauch
  • Koffer ohne vordere Verriegelung


TECHNISCHE DATEN KTM 1290 Super Duke GT   

Motor: Zweizylinder-V-Motor, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 1301 ccm
Bohrung x Hub: 108 x 71 mm
Leistung : 173 PS bei 9500 U/min.
Drehmoment: 144 Nm bei 6750 U/min.
Getriebe : 6-Gang
Sekundärantrieb: Kette
Rahmenart: Stahl-Gitterrohrrahmen
Radstand: 1482 mm
Federung vorn: USD-Gabel, 48 mm, semiaktiv, 125 mm Federweg
Federung hinten: Zentralfederbein, semiaktiv, 156 mm Federweg
Bremse vorn: Doppelscheibenbremse, 320 mm
Bremse hinten: Einscheibenbremse, 240 mm
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17
Bereifung hinten: 190/55 ZR 17
Sitzhöhe: 835 mm
Gewicht: 229 kg fahrfertig ohne Koffer
Tankinhalt: 23 l
Preis : 17.995,– Euro zzgl. NK, Koffer 779,– Euro
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Stand:02 April 2020 01:45:56/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/gran+turismo+mit+pfeffer_175.html Warning: fopen(cache/77598d57229fa0169c71f9c6667d50fb.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163