Honda Africa Twin DCT - Automatisch Gelände

10.02.2017  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Francesco Montero Images
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Honda Africa Twin DCT - Automatisch Gelände
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Honda stattet die Africa Twin optional mit seinem Doppelkupplungsgetriebe »DCT« der zweiten Generation aus. Wie sich das DCT auf Asphalt, aber vor allem auch in schwerem Gelände schlägt, haben wir im Honda Adventure Centre in Wales erfahren dürfen.
Es dürfte für viele Motorradenthusiasten eine kleine Überraschung gewesen sein, dass Honda ausgerechnet seine Enduro-Legende mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCT (Dual Clutch Transmission) ausgestattet hat. Blieb das automatische Getriebe in der ersten Generation noch Modellen wie der VFR 1200 oder dem Crosstourer vorbehalten, also Motorrädern, die überwiegend auf der Straße bewegt werden, so trumpfte die Africa Twin von Beginn an mit der neuen Generation des DCT auf. Ein Novum, das derzeit kein anderer Hersteller bei einem Enduro- oder Offroad-Modell anbietet.

Mögen passionierte Enduristen das auch für eine unnötige technische Spielerei halten, so eröffnet Honda damit aber gerade den weniger Geübten die Möglichkeit, mit ihrer Africa Twin, neben den Geländefähigkeiten des Motorrads, auch ihre eigenen auszuloten. Das verbesserte und leichtere Doppelkupplungsgetriebe entlastet die Teilzeit-Enduristen von den manuellen Schaltvorgängen mit dem Fuß, die gerade bei Stehendfahrten oder in tiefen Untergründen eine besondere Koordination erfordern und einem alles abverlangen. Doch was nützen alle technischen Daten und all das Geschreibe, wenn man es nicht wenigstens einmal selbst erlebt hat?



Versuch macht klug und deshalb hat Honda zu einem echten Erlebnistrip mit der Africa Twin nach Wales eingeladen. Hier, im Honda Adventure Centre, sollen wir erfahren, was die Neue wirklich zu leisten imstande ist. Als Coaches stehen drei absolute Experten zur Verfügung. Dave Thorpe, vierfacher Motocross-Weltmeister, Pat Jackson, ein respektierter Eventorganisator und Offroad-Spezialist sowie Mike Gordon, der auf nicht weniger als dreißig Jahre Motorsporterfahrung zurückblickt. Geballte Manpower also, um uns einmal richtig durchs Gelände zu prügeln. Was uns dabei erwartet, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch spätestens beim Anlegen der massiven Motocross-Stiefel und der dünnen Bekleidung wird allen Anwesenden klar, dass das eine schwitzige und vor allem dreckige Angelegenheit wird.

Bevor es ins Terrain geht, heißt es erst einmal aufsatteln. Honda hat genügend Africa Twins bereitgestellt, mit und ohne DCT, um auch den direkten Vergleich ziehen zu können. Ich schnappe mir eine DCT, denn ich bin mehr als gespannt, was die Automatik kann. Bis wir das alte Bergbaugelände, in dem die Offroad-Session stattfinden soll, erreichen, geht es erst einmal etliche Kilometer über walisische Straßen mit ihren, zumindest für uns Touristen, kaum verständlichen Schildern. Das spielt keine Rolle, denn die Gruppe wird zum Glück geführt. Währenddessen mache ich mich mit dem DCT vertraut. Es ist ungewohnt und ich bin am Anfang leicht desorientiert. Vor allem mein linker Fuß sucht immer wieder den Schalthebel, doch da ist keiner. Auch der Kupplungshebel fehlt. Dafür gibt es an der linken Armatur zwei Schalter zur manuellen Bedienung des DCT. Mit Zeigefinger und Daumen lassen sich die Fahrstufen herauf- oder herunterschalten. Klappt bestens und ich gewöhne mich ziemlich schnell an den zusätzlichen Komfort. Noch entspannter wird es im vollautomatischen Modus. Dann übernimmt das DCT sämtliche Schaltvorgänge. Am meisten beeindruckt das Herunterschalten vor Kurven. Unglaublich, was die Kombination aus Elektronik und Hydraulik leistet. Doch das sollte noch nichts sein im Vergleich zu dem, was mich in schwerem Gelände erwartet. 



Im Adventure Centre angekommen, werden die Gruppen eingeteilt und es erfolgt ein kurzes Briefing, was uns während des Tages alles abverlangt wird. Unsere Gruppe übernimmt Dave Thorpe und der führt uns direkt den Berg hoch, in ein kleines Übungsareal. Hütchenumfahren ist angesagt, im Stehen natürlich. Ungewohnt für einen Asphalträuber wie mich. Der Untergrund ist rutschig und ständig wollen meine Reflexe Dinge machen, die unweigerlich am Boden enden würden. Doch Dave ist geduldig mit unseren Anfängerfehlern, beobachtet, korrigiert und gönnt uns immer wieder kurze Pausen. Die meisten von uns sind nach kurzer Zeit durchgeschwitzt, obwohl es ein kühler Vormittag ist. Um uns die Leistungsfähigkeit der Traktionskontrolle zu demonstrieren, lässt uns Dave alle Stufen durchschalten: von total kontrolliert bis hin zum entfesselt ausbrechenden, durchdrehenden Hinterrad. Wir sind beeindruckt.

Freddy Spencer, der uns begleitet und sich ebenfalls mit der Africa Twin vertraut macht, auch. So weit ist also die Entwicklung der Elektronik inzwischen, geht es mir durch den Kopf. Dass mir die ganze Zeit das DCT sämtliche Schaltvorgänge abgenommen hat, ist mir nebenher völlig aus dem Sinn gekommen. Viel zu sehr bin ich damit beschäftigt, meine Enduro-Defizite auszugleichen und die Balance auf dem Motorrad zu halten. Nur gelegentlich, wenn Dave mit seinem Hinterrad eine Ladung Dreck in unsere Richtung wirft, fällt mir auf, dass er manuell schaltet. Nun ja, er kann’s halt, wir müssen noch üben.



Nach der Einführung jagt Dave die Gruppe durch das weitläufige, bewaldete Areal. Befestigte Wege, die kurz Entspannung bieten könnten, suche ich vergeblich. Alles ist matschig, steinig und die Africa Twin keilt in alle Richtungen aus, gebärdet sich beim zu flotten Beschleunigen wie ein wilder Mustang. Erst mit der Zeit entkrampfe ich etwas, halte den Lenker lockerer in den Händen und gewinne ein wenig an Sicherheit. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie ich mich mit manueller Schaltung anstellen würde.

Inzwischen wird der Boden tiefer. Dave hält an und hebt den Zeigefinger. »S-Mode 1, Traction Control 1«, sagt er knapp. Er ist kein Mann großer Worte. Braucht er auch nicht, wir haben verstanden und sorgen für die richtigen Einstellungen. Was jetzt folgt, nennen sie dort »Amazonas«. Knietiefer Morast. Mir wird mulmig, doch Dave instruiert uns, einfach am Gas zu bleiben und die Spur zu halten. Es funktioniert. Wie ein Allradler zieht der Motor in Verbindung mit dem DCT die Africa Twin durch den Schlamm. Ich bin etwas fassungslos. Klar, geübte Enduristen bekommen das auch so hin. Doch für alle anderen ist DCT eine echte Option. Offenbar mit Erfolg, denn Honda verkauft nach eigenen Angaben fast die Hälfte seiner Africa Twins inzwischen mit DCT. Ich sage nur: Ausprobieren und selbst erfahren. Es lohnt sich.
 
Technische Daten Honda Africa Twin

Preis: ab 13.690 Euro (inkl. DCT)

Leistung: 95 PS (70 kW) bei 7500 /min, max. Drehmoment: 98 Nm bei 6000 /min

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile pro Zylinder, SOHC-Uni-Cam, Hubraum 998 ccm, Bohrung x Hub 92 x 75,1 mm, Semi-Trockensumpfschmierung mit in den Öltank integrierter Ölpumpe, Kraftstoffeinspritzung, Sechsgang/DCT, O-Ring-Kette, 3-stufige, abschaltbare Traktionskontrolle mit separat abschaltbarem Hinterrad-ABS

Fahrwerk: Stahlunterzugrahmen, unten offen, Upside-down-Gabel vorn mit Ø 45 mm, voll einstellbar, vorversetzte Achsaufnahmen, Alu-Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein hinten, voll einstellbar, Federweg vorn/hinten: 230/220 mm, Doppelscheibenbremse vorn Ø 310 mm, radial montierte Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse  hinten Ø 256 mm, Einkolben-Bremssattel, Räder vorn 21 x 2.15 Zoll, hinten 18 x 4.00 Zoll, Reifen vorn 90/90-21 mit Schlauch, hinten 150/70-18 mit Schlauch  

Abmessungen und GewichtE: Radstand 1575 mm, Bodenfreiheit 250 mm, Wendekreis 260 cm, Sitzhöhe 850/870 mm, Gewicht fahrfertig 242 kg, Tankinhalt 18,8 Liter
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Stand:09 April 2020 23:29:00/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/honda+africa+twin+dct+-+automatisch+gelaende_175.html Warning: fopen(cache/e7d99f8ade25416aa48b7f2a46dbef34.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163