Fahrbericht BMW R 1200 R - Jungbrunnen

13.02.2015  |  Text: Guido Kupper  |   Bilder: BMW
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Fahrbericht BMW R 1200 R - Jungbrunnen
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Wir hätten es nicht für möglich gehalten: Bei ihrem neuen Boxer-Roadster R 1200 R werben die Bayern mit klassischer Radführung. Übersetzt heißt das: Der Telelever ist weg – und mit ihm andere alte Zöpfe.
Keine Sorge. Die althergebrachten BMW-Qualitäten, die gestandene Reisemotorradler so gerne mögen, sind nicht verschwunden. Auch mit Wasserkühlung und 125 Pferden unterm Tank ist der Boxer noch immer die sanfte Wuchtbrumme, die Motorradfahren und Meditation auf so herrliche Weise zusammenbringt. Dazu gibt es Komfort ohne Lücken und sinnvolles Zubehör en masse. Alles also beim Alten in der weiß-blauen Boxerwelt? Weit gefehlt, denn die Väter der Neuentwicklung haben die Bandbreite ihres Roadsters stark gespreizt, haben einen Hauch Custom Concept in die neue R hineingesteckt, die auch bisherigen Ablehnern die Tür zum Flat-Twin-Erlebnis aufstoßen könnte.

Custom Concept, das war dieser brandheiße Prototyp, der im letzten Frühjahr auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este präsentiert worden war und in den Köpfen der BMW Roadster-Fans grellste Supernovas explodieren ließ. Ganz so wild geht es bei der neuen R nun doch nicht zu, einige gestalterische Parallelen aber – etwa am Tank, am Rahmengitter, am gekürzten Heck oder beim LED-Tagfahrlicht – finden sich durchaus wieder.



Als BMW den dohc-Boxer mit partieller Wasserkühlung in der neuen GS erstmals präsentierte, waren alte Flat-Twin-Reiter enttäuscht. Klar hatte das Ding Leistung bei ungemütlichen Drehzahlen, das mütterlich Weiche aber war dem Twin abhanden gekommen. Es fehlte die ausdauernde Beharrlichkeit beim gemütlichen Rollen, die auch weniger Leistungswillige mit offenen Armen empfängt. Auch in München sah man da offenbar Nachholbedarf und packte dem Motor der später erschienenen GS Adventure fast ein Kilogramm mehr Schwungmasse auf die Kurbelwelle. Schon das gab dem Gegenläufer so viel Geschmeidigkeit zurück, dass jetzt nur noch die aufgepäppelte Boxerversion ihren Weg in die weiß-blauen Fahrgestelle findet.

Die R 1200 R profitiert nun nochmals von einer Überarbeitung, geänderte Ansaugwege und eine neue Abgasanlage brachten weitere „leichte“ Drehmomentvorteile im unteren Drehzahlbereich. Das Ergebnis? Perfekt! Althergebrachte, beharrlich geschmeidige Wucht bis rund 5000/min, dann hinauf bis 9000/min und 125 PS ein vor der Wasserkühlung nicht gekannter Boxer-Wahnsinn – zudem über die beiden Fahrmodi „Rain“ und „Road“ feinfühlig zu dirigieren. Als Extra gibt es „Fahrmodi Pro“, und das liefert die schräglagensensible Traktionskontrolle DTC und die zusätzlichen Modi „Dynamic“ und „User“ im Paket. Ersterer kürzt die Reaktionszeiten des Boxers auf Gasgriffbefehle weiter, mit letzterem kann der Reiter Gasannahme und Regelintensität der Traktionskontrolle beliebig miteinander kombinieren.

Nicht nur der Twin hat an Dynamik gewonnen. Auch das Fahrwerk sticht plötzlich der Hafer, denn BMW hat die heilige Kuh Telelever geschlachtet. Dessen Funktion war zwar über mäkelnde Testerzweifel stets erhaben, mit Motorradfahren hatte dieses sehr spezielle Front-Feeling aber nur am Rande zu tun. Jetzt liegt der Lenkkopf tiefer, der konifizierte Rohrlenker liefert einen klaren Bezug zum Vorderrad. Beim Bremsen taucht die Upside-down-Gabel wie von tausenden anderen Motorräder gewohnt ein, erleichtert das Einlenken, meldet endlich die Befindlichkeiten des Vorderrads an den Fahrer. Zusätzlichen Schwung packt die 840 Millimeter hohe „Sport“-Sitzbank in die neue, zupackende Ergonomie. Das klingt üppig, dank des wohlgeformten Schrittbogens aber bietet sie auch Fahrern unter 1,80 Metern guten Stand. In Sachen Fahrdynamik ist sie unsere dringendste Empfehlung. Drei Extrabänke mit 840, 820 und 760 Millimeter Sitzhöhe hat München im Angebot, die Standardbank liegt auf 790 Millimeter. Damit wird auch fündig, wer eine passivere Sitzhaltung bevorzugt. Die alte „Klostuhlhaltung“ der R, den ehemaligen Lenkerhälften und der tiefen Sitzpfanne geschuldet, sie ist auch mit niedriger Sitzbank endgültig Vergangenheit.

Volles Programm: Auch für die neue BMW R 1200 R gibt es ab Werk jede Menge (Reise-)Zubehör.

Mitfahren war gestern, jetzt ist selber fahren angesagt. Easy und präzise geht die R auf Kurs, lässt sich ohne Aufwand auf die enge Linie biegen und bietet dabei aber stets so viel Beharrlichkeit, dass sie auch schreckhafte Komfortfahrer nie verschreckt. Es wäre ein Wunder, würde ihre voll nutzbare Bandbreite zwischen Feierabendschlaf und After-Work-Party den Kundenkreis der R 1200 R nicht deutlich vergrößern. Keinesfalls verzichten sollte man beim Kauf auf das Dynamic ESA – was den vermeintlich günstigen Basispreis von 12 800 Euro schnell wieder nach oben schraubt. Das Electronic Suspension Adjustment nimmt einem jegliche Regelwünsche in Sachen Fahrwerk sanft aus der Hand. Sensoren erfassen die tatsächliche Bewegung an den Federelementen und passen die Dämpfung in Millisekunden an.

Der Road-Modus liefert gegenüber dem straffer abgestimmten Dynamic-Modus dabei höheren Komfort, die Federvorspannung kann vom Fahrer über einen simplen Tastendruck dem Beladungszustand angepasst werden. Zusammen mit der aus der S 1000 RR abgeleiteten Upside-down-Gabel – die als äußeres Zeichen fürs ­Dynamic ESA dann übrigens in schön schrillem Gold daherkommt – wartet das System mit einer Stabilität auf, die in ­Sachen Telelever keine nostalgischen Gefühle aufkommen lässt. Die Spreizung der R zwischen gesetzt konservativ und draufgängerisch dynamisch ziehen die Bayern auch bei den Farbvarianten durch. Sie reicht – auch preislich – vom „Basis“-Stil in Babyblau über die Style 2 in vornehmem Thundergrey zur Sturm-und-Drang-Version Style 1, bei der Weiß mit knallig roten Rahmenrohren und einem fetten R-Logo auf dem Tank kontrastiert und so signalisiert, wozu Münchens modernisierte Schlappohren-Urtype oberhalb von 5000/min in der Lage ist.

Den Erfolg der letzten Jahre kann München ohnehin keiner mehr nehmen. Jetzt aber scheinen die Zeichen intern wie in Sachen Modellpolitik auf Verjüngung zu stehen. Wenn das so konsequent und zugleich integrativ durchgezogen wird wie bei der neuen
R 1200 R, dürfte der Trend weiter nur in eine Richtung marschieren: vorwärts.

Fazit BMW R 1200 R

Mit Beseitigung des Telelevers und knackig gezüchtetem Wasserboxer hat München die Bandbreite der R stark in die Breite gewalzt. Während die Tourenqualitäten und der Komfort voll erhalten geblieben sind, genügt die neue R mit 125 PS und gefühlsechter Chassisfront jetzt auch sportlicheren Ansprüchen.

PLUS
charmanter und zugleich bissiger ­Breitband-Boxer
sensibles Fahrwerk, gegen Aufpreis mit
toll funktionierender DDC
reichhaltiges Zubehör

MINUS
knackige Aufpreisliste für Extras
Frontdesign mit Scheinwerfer, Armaturen und optionaler Scheibe unstimmig
 

TECHNISCHE DATEN BMW R 1200 R 

Bauart: luft-/flüssigkeitsgekühlter : Zweizylinder-Boxermotor 
Hubraum: 1170 ccm
Bohrung x Hub: 101 x 73 mm
Leistung: 125 PS (92 kW) bei 7750 U/min 
Drehmoment: 125 Nm bei 6500 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Rahmenart: Stahlrohr-Brückenrahmen, Motor mittragend
Radstand: 1515 mm 
Federung vorn: Upside-down-Gabel, 140 mm Federweg 
Federung hinten: BMW EVO Paralever, 140 mm Federweg
Bremsen vorn: 320-mm-Doppelscheibe, ABS 
Bremsen hinten: 276-mm-Einzelscheibe, ABS 
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17, Räder 3,5 x 17“
Bereifung hinten: 180/55 ZR 17, Räder 5,5 x 17“
Lenkkopfwinkel: 62,3°
Nachlauf: 125,6 mm
Länge/Breite: 2165/880 mm
Sitzhöhe: 790 mm
Leergewicht : 231 kg fahrfertig
Zul. Gesamtgewicht: 450 kg 
Tankinhalt: 18 l
Höchstgeschwindigkeit: über 200 km/h
Lieferbare Farben: Blau, Weiß, Schwarz
Grundpreis: 12.800 Euro
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Stand:31 March 2020 12:24:48/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/jungbrunnen+-+bmw+r+1200+r_175.html Warning: fopen(cache/6b88dd85b43b5adc5f8a3ce4557b42dc.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163