Kawasaki Ninja 400 – Fahrbericht

23.03.2018  |  Text: Lucia Prokasky  |   Bilder: Tobias Kircher, Kawasaki
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Kawasaki Ninja 400 – Fahrbericht
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Kawasaki legt in der Führerscheinklasse A2 nach. Und das nicht mit irgendeinem Moped, sondern mit der legendären Ninja selbst. Ein Mini-Supersportler, macht das Sinn? Lucia hat es getestet
An wen richtet sich die Mini-Ninja?
Für den Nachwuchs der Supersportler-Welt schickt Kawasaki nun seine neue Ninja 400 ins Rennen. Für einen ausgewachsenen Supersportler mag sie etwas schwachbrüstig sein, aber mit ihrer Leistung von 45 PS bei 10000 U/min rutscht sie in die obere Reihe der Führerscheinklasse A2. Sie eignet sich allerdings nicht nur für Fahranfänger. Wie ihre Vorgängerin, die Ninja 300, hat sie durchaus Potenzial als Moped für Wiedereinsteiger oder sogar als Familienmotorrad. 



Vergleich zur 300er Ninja
Leichter ist sie geworden, die 400er im Vergleich zur ollen 300er – sechs Kilogramm um genau zu sein. Fahrfertig bringt die neue Ninja jetzt 168 Kilogramm auf die Waage. Mit ein Grund dafür: Der neue Motor, den Kawa entwickelt hat – klar, wenn der alte die Euro-4-Norm nicht erfüllt hat. Das neue Herz der Ninja ist aber nicht nur leichter, es hat sogar eine tragende Funktion. Starr montiert nimmt der Motor dem Rahmen ein wenig Last ab, denn auch hier wurde Gewicht eingespart: Ein neuer Gitterrohrrahmen, ähnlich dem der H2, tritt an die Stelle des alten Diamond-Stahlrahmens der 300er Ninja. Zur Gewichtseinsparung trägt ebenfalls der um drei Liter kleinere Tank bei, der jetzt noch vierzehn Liter fasst. Insgesamt ist die 400er im Vergleich zur Vorgängerin um 2,5 Zentimeter in der Länge geschrumpft. Der Radstand ist kürzer geworden und der Lenkkopfwinkel steiler. An der geringen Sitzhöhe von 785 Millimeter hat sich nichts geändert. Dank der halbschwimmend gelagerten Einscheibenbremse, jetzt mit 310 Millimeter (300er: 290 Millimeter), verringert sich die Geschwindigkeit ruckizucki. Mehr Bremse braucht eine 400er nicht. 



Motor
Der Zweizylinder-Reihenmotor will gedreht werden, so viel ist klar. Auf der Landstraße quetsche ich die 45 PS bei 10000 U/min aus der Ninja: Gar nicht mal so übel! In den unteren Drehzahlbereichen gibt sie sich schüchtern und zeigt erst bei 8000 U/min ihr maximales Drehmoment von 38 Nm. Ab 12000 Umdrehungen fängt der rote Drehzahlbereich an. Sechs Pferdestärken mehr als zuvor treiben den grünen Gaul an. Grund: Beim Motor wurde die Ansaugeffizienz durch eine neue Fallstrom-Anordnung optimiert – gut.



Fahrwerk
Gefühl: straff. Mag an meinem geringen Gewicht liegen, aber das Fahrwerk ist für mein Empfinden sportlicher eingestellt, als es mir lieb ist. Klar, wir haben es hier mit einem Supersportler in spe zu tun, aber ich denke, die meisten Käufer dieses kleinen Krads werden kaum schwere Riesen sein. Meine Fahrt über eine notdürftig geflickte Landstraße wird jedenfalls zur Strafe: Als wolle die Ninja ihrem Namen alle Ehre machen, versohlt mir die Sitzbank den Bobbes. Von softem Einsinken der Federelemente keine Spur. Einstellbar ist nur die Federbasis hinten. Weitestgehend muss man also mit der Einstellung des Fahrwerks ab Werk leben, oder mehr essen. Die Bremsen dagegen stellen mich zufrieden. Die 310er-Bremsscheibe vorn reicht völlig aus: Auf der Geraden gehe ich satt in die Eisen und mache beide Bremsen zu, spüre das ABS von Nissin arbeiten, Fliehkräfte Richtung vorn wirken und zack – ich stehe. Einwandfrei. 



Getriebe
Kawasaki hat bei der 400er Ninja eine A&S-Clutch verbaut. Übersetzt: supergeile Kupplung. Zum einen bekommt man auch bei langer Fahrt keine Sehnenscheidenentzündung vom vielen Schalten, das Ziehen der Kupplung ist spielerisch leicht. Zum anderen vermeidet diese Art von Kupplung das Schmieren des Hinterreifens: Wenn bei hohen Drehzahlen in die unteren Gänge geschaltet wird, wird die Motorbremskraft nur bedingt an den Hinterreifen weitergeleitet. Ich hab’s ausprobiert und es klappt. Also auch für Fahranfänger, die sich mal verschalten, wunderbar. Die Gänge rasten gut ein und den Leerlauf findet auch ein ungeübter Fuß. 

Technik und Details
Das Cockpit ist übersichtlich und gut aufgeteilt. Während der Drehzahlmesser analog läuft, zeigt eine digitale Einheit Geschwindigkeit und Gang an. Insgesamt ist es nicht zugemüllt mit zu vielen Informationen und ist einfach zu bedienen. Ein weiteres Plus geht an die Scheinwerfer. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber nicht über die Funktion: Dank der schmalen Doppelscheinwerfer ist das Moped gut sichtbar und der Fahrer tappt selbst im Dunklen nicht im Dunklen. 



Preise und Farben
Die Ninja 400 steht ab sofort beim Händler des Vertrauens. Für 5.995 Euro gibt’s die schwarze Version „Metallic Spark Black“, für 6.770 Euro inklusive Performance-Ausstattung. Die typisch grüne „Kawasaki-Race-Team“- Edition gibt’s für 6.195 Euro, für 6.970 Euro ist ebenfalls die Performance-Ausstattung inkludiert. Darin enthalten sind der Akrapovic-Auspuff Titan, eine Sitzbankabdeckung und ein Tankpad. 



Feeling und Fazit
Eine Ninja bin ich bislang noch nicht gefahren. Ich habe es mir aber durchaus sportlicher vorgestellt. Da grätscht aber die Sitzposition rein: aufrecht, sogar richtig angenehm. Das ist längst kein Makel – nur eben nicht supersportlertypisch! Aber wer muss schon bei einem 400-Kubik-Motorrad auf den Handgelenken hängen? Was mir wiederum zu sportlich ist, ist das Fahrwerk. Für Fahrer mit fünfzig Kilogramm ist das recht grenzwertig, ab sechzig Kilo wird da schon eher ein Schuh draus. Getriebe 1a und ebenso tolle Bremsen. Der steile Lenkkopfwinkel und der geringe Nachlauf machen die Ninja sehr agil, und wendig ist das leichte Teilchen sowieso. Ich bin gespannt, wie sich Kawas Neuling verkaufen wird. Wir haben es hier nämlich mit einem gut funktionierenden Moped zu tun, das seinen Preis kostet, aber auch nicht überteuert ist. Skeptisch bleibe ich aber, weil ich vermute, dass sich ein angehender Supersportler-Fan tendenziell lieber die größere Ninja 650 holt, sie für zwei Jahre drosselt, um im Nachhinein ein erwachseneres Motorrad zu haben. Trotzdem, die 300er verkaufte sich auch, es bleibt also spannend um das Schicksal der Ninja 400.

Technische Daten Kawasaki Ninja 400



Motor: 2-Zylinder 4-Takt Reihenmotor
Hubraum: 399 ccm
Leistung: 45 PS (33,4kW) bei 10000/min
max. Drehmoment: 38 Nm bei 8000/min
Bohrung x Hub: 70,0 x 51,8 mm
Verdichtung: 11,5 : 1
Gemischaufbereitung: elektronische Benzineinspritzung, 2 x 32 mm
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad 
Anzahl Gänge: 6
Endantrieb: Kette
Rahmen: Gitterrohrahmen
Federung vorne: Telegabel, 41 mm Durchmesser, Federweg 120 mm
Federung hinten: Bottom-Link Uni-Trak mit Gasdruck Stoßdämpfer, Federbasis einstellbar, Federweg 130 mm
Reifen vorne: 110/70-ZR17 M/C (54H)
Reifen hinten: 150/60-ZR17 M/C (66H)
Bremse vorne: Halbschwimmend gelagerte Einscheibenbremse im Petal-Design, Zweikolben-Schwimmsattel, 310 mm
Bremse hinten: Einscheibenbremse im Petal-Design, Zweikolben-Bremssattel, 220 mm
Länge: 1990 mm
Breite: 710 mm
Sitzhöhe: 785 mm
Radstand: 1370 mm
Lenkkopfwinkel: 24,7 Grad
Nachlauf: 92 mm
Leergewicht (fahrfertig): 168 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 348 kg
Tankinhalt: 14 Liter
Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h

Fahrerausstattung
Helm: Shark Skwal Trooper
Jacke: Louis Cafe Racer CR-4
Handschuhe: Held Tourenhandschuh Touch
Hose: Polo FLM Sports Damen Lederkombihose 2.0 
Schuhe: Vanucci VTB 8
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Stand:15 August 2018 20:24:39/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/kawasaki+ninja+400+-+fahrbericht_18323.html