Harley-Davidson Road King vs Triumph Thunderbird - Vergleichstest

14.06.2013  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Volker Rost
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Harley-Davidson Road King vs Triumph Thunderbird - Vergleichstest
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Amerika gegen England, Road King gegen Thunderbird, Klassik gegen Moderne. Kann man einen Powercruiser mit einem klassischen Tourer vergleichen? Wir stellen die beiden Modelle gegenüber.

Zugegeben, der Vergleich zwischen einer Ikone von Harley-Davidson und dem Jungspund von Triumph, der lediglich den traditionsreichen Namen einer früheren Modellreihe fortführt, ist etwas ungewöhnlich. Allerdings nur, wenn man seinen Blick lediglich auf das Erscheinungsbild richtet. 

Tatsächlich haben beide Modelle zumindest auf der technischen Seite viele Gemeinsamkeiten. Beide tragen groß­volumige Zweizylindermotoren, verfügen über nahezu die gleiche Leistung bei ähnlichem Drehmoment und auch das Hinterrad wird bei Harley und ­Triumph jeweils von einem Zahnriemen angetrieben. Selbst der Radstand differiert lediglich um gerade einmal zehn Millimeter. Das Tankvolumen ist nahezu identisch und wenn wir bei der Road King Koffer und Scheibe entfernen und sie ­erneut auf die Waage stellen würden, so wären die beiden Tourer auch beim Gewicht in Schlagdis­tanz.



Und dennoch offenbaren Road King und Thunderbird zwei ­völlig verschiedene Charaktere. Klassischer Cruiser gegen Powercruiser, Gelassenheit gegen Dynamik, Eleganz gegen Sportlichkeit. Dabei sind die Fahrleistungen ­annähernd auf Augenhöhe, auch wenn die Triumph aufgrund ihres geringeren Gewichts leichte Vorteile hat, was sich in Kurven sofort bemerkbar macht. Die Harley hingegen hat mehr Hubraum, den sie allerdings nicht in ein Plus an Drehmoment umsetzen kann. Hier liegt die Thunderbird doch etwas vorn.

Was allerdings die Ausstattung betrifft, übertrifft die Road King die Thunderbird deutlich. Windschild, Koffer, Zusatzscheinwerfer und Sturzbügel gehören bei dem amerikanischen Eisen zur Grundausstattung, beim ­Donnervogel kostet das alles extra. Dennoch bleibt die Britin beim Anschaffungspreis deutlich von der Road King entfernt. Selbst wenn man das zusätzliche Zubehör bei der Triumph noch mit reinrechnet, bleibt ein Preisunterschied von über 6.000 Euro. Und das ist mitunter ein Kaufargument. Letztlich entscheidet neben dem Geschmack vor allem auch der Geldbeutel, zu wessen Gunsten das Pendel ausschlägt.

Harley-Davidson Road King

Eine Road King wird immer als Road King zu erkennen bleiben, So will es Harley-Davidson und erst recht die Kunden, die sich für diesen amerikanischen Cruiser entscheiden. Auch oder gerade deshalb sind die weit heruntergezogenen Schutzbleche, der Windschild, die Zusatzscheinwerfer und die Satteltaschen mit den Gürtelschnallen geradezu obligatorisch.

Es ist der klassische Auftritt, der die Road King seit nunmehr zwanzig Jahren stabil und kontinuierlich im Portfolio des Motorradherstellers aus Milwaukee etabliert hat. Doch abgesehen von der Optik, ist auch der selbsternannte ­„König der Straße“ technisch schon lange auf der Höhe der Zeit angekommen. Inzwischen gibt es auch bei Harley-Davidson ein Antiblockiersystem serienmäßig und der feine V2-Motor ­genügt selbstredend den immer strenger werdenden Euro-Normen. Die Gemisch­aufbereitung übernimmt eine Einspritzanlage. Allerdings übt sich Harley wohl auch deshalb bei der Leistung in Zurück­haltung. Trotzdem sind die 84 Pferdchen, die die Road King ziehen, genug, um die viel beschworene Freiheit auf zwei Rädern zu genießen.



Diese Freiheit hat aber ihren Preis. Wer sich wie ein König fühlen möchte, muss auch tief in die Schatulle greifen: Der Spaß beginnt bei 22.295 Euro. Dafür gibt es reichlich werksseitig montiertes Touringzubehör und nach oben offene Grenzen, falls es noch ein paar Extras sein dürfen. Im Gegenzug erhält der Käufer ein grundsolides Motorrad, mit dem es sich in allen Lagen gelassen und komfortabel reisen lässt. Aber auch im Alltag oder auf der Entspannungsrunde nach Feierabend macht die Road King eine gute Figur. Und das Image, eine Harley zu fahren gibt es noch oben drauf.

Antrieb Road King

Seit 2011 ist die Road King mit ­Harleys 103-cui-Motor ausgestattet. Der V2 leistet sich so gut wie keine Schwächen. Im Vergleich zum TwinCam96-Aggregat wirkt er jedoch drehfreudiger, dafür lässt er unten ­herum etwas Druck vermissen. Man spürt, dass der V2 will, aber anscheinend nicht kann – die Euro-3-Norm lässt grüßen! Ansonsten lässt sich der TC 103 völlig problemlos fahren. Auch beim Verbrauch sind 6,5 Liter auf 100 km angemessen. Das Getriebe wird über eine Schaltwippe bedient, der sechste Gang ist als Overdrive ausgelegt. Harley-typisch ist der Schlag beim Einlegen des ersten Gangs.

Fahrwerk Harley-Davidson Road King

Beim Fahrwerk geht Harley-Davidson den traditionellen Weg: Telegabel und Stereofederbeine bilden eine ­solide Basis für das Tourenmodell. Dank Luftunterstützung lassen sich die Stoßdämpfer auf das jeweilige Gewicht von Passagieren und Gepäck manuell einstellen. Das Fahrwerk selbst gibt sich gutmütig und kom­fortabel. Die Road King lenkt sauber ein und zeigt wenig Tendenz zum Aufstellen. Dazu ist sie auch bei schneller Geradeausfahrt sehr spur­stabil. Die Bremsen sind ausreichend dimensioniert und haben die Masse gut im Griff. Selten gerät man in den Regelbereich des Antiblockiersystems.



Praxis
Koffer, Windschild, Tempomat – die Road King bringt schon ab Werk fast alles mit, was das Touring-Herz begehrt. Dazu erleichtert ein Tempomat längere Autobahnfahrten. Für die kleine Tour auf der Hausstrecke lässt sich der Windschild mit wenigen Handgriffen abnehmen. Die beiden Seitenkoffer fassen genügend Gepäck für Kurztrips. Für mehr braucht es dann noch eine Gepäckrolle.

Emotionen
Die Road King ist schon eine lebende Legende. Optik und Ausstattung ­haben Kultcharakter, zudem gibt es jede Menge Image gratis dazu. Leider ist der Harley-Sound etwas dünn.

Triumph Thunderbird

Wie ein Donnervogel tritt ­Triumphs Powercruiser nicht gerade auf, was aber eher an den strikten Geräuschemissionen liegen dürfte. Die Auspuffanlage ist natürlich gesetzeskonform. Doch der Name hat Tradition beim britischen Motorradbauer und so liegt es am aktuellen ­Modell, das Erbe der Thunderbirds fortzuführen.

Wie es sich für einen Cruiser gehört, trägt er einen Zweizylindermotor und ­keinen der performanten Dreier, die ­Triumph sonst im Programm hat. Der Thunderbird tut das sichtlich gut, denn es handelt sich dabei um nicht weniger als den hubraumstärksten Reihenzweizylinder auf dem Motorradmarkt, der sich gegen Aufpreis mittels Big-Bore-Kit nochmal um 100 ccm vergrößern lässt. Überhaupt ist das Triebwerk das Sahnestück des Brit-Cruisers. Die Fahrleis­tungen sind für ein knapp 340 Kilogramm schweres Fahrzeug schon be­eindruckend. Erst recht, da der Motor über ein breit nutzbares Drehzahlband verfügt und in so ziemlich allen Fahr­situationen jederzeit ausreichend Leis­tung bereitstellt. Hier werden gelassene Fahrer genauso bedient wie die ambitionierten, die es auch gerne mal „fliegen“ lassen und dabei an die Grenzen gehen.



Schade, dass das Design nicht dem emotionalen Anspruch folgt, den Motor und Fahrwerk verbreiten. Egal ob Linien­führung oder verbaute Teile, alles ist ­anscheinend nur auf eines ausge­richtet: „Form follows function“. Und so versteckt sich die Thunderbird im Schatten, obwohl alles für ein erfolgreiches Modell vorhanden ist. Denn auch Triumph hat Image und vor allem eine gewachsene Tradition auf die man zurückblicken kann. Abgesehen davon ist der Preis erheblich günstiger als bei Harley-Davidson.

Antrieb Thunderbird

Knapp 1,6 Liter Hubraum verteilt auf zwei Zylinder sorgen für ordentlich Schub und verhelfen dem Powercruiser mit dem mächtigen Reihenzweizylinder zu ungeahnten Fahrleis­tungen. Die Drehmomentkanone hat wenig Mühe mit dem Fahrzeug­ewicht. Der Motor dreht locker und leicht über die 5.000er-Marke und stellt immer genügend Leis­tung bereit. Wer allerdings stets am Kabel zieht, treibt auch den Verbrauch in die Höhe. Sonst begnügt sich der Twin im Schnitt mit 6,2 Litern auf hundert Kilometer. Das Getriebe lässt sich sauber schalten, die Abstufung der Gänge ist sehr gut. Die Höchst­geschwindigkeit wird im sechsten Gang erreicht.

Fahrwerk Triumph Thunderbird

Auch Triumph setzt auf ein klassisches Fahrwerk mit Stereo-Feder­beinen und Telegabel. Die Stoßdämpfer lassen sich in der Federvorspannung verstellen, die Grundabstimmung ist aber selbst in Stufe eins sehr straff. ­Dafür lässt sich die Thunderbird fast schon wie ein Tourensportler in die Kurven schmeißen, viel Schräglage inklusive. Wenn die Fußrasten am Asphalt ­ratzen, liegt man schon sehr satt in der Kurve. Dabei bleibt der Donner­vogel aber immer sehr präzise und hält stur die Spur. Die Bremsen sind großzügig ­dimensioniert und lassen sich fein ­dosieren.



Praxis
Leider kosten Koffer und Windschild extra. Wer auf Reisen gehen möchte, muss also noch mal in die Tasche greifen. Aber dann kann es auch im vollen Ornat in die Ferne gehen. ­Allerdings ist das Koffervolumen mit je 21 Litern auch etwas spärlich und Zusatzgepäck unvermeidlich.

Emotionen
„Totales Understatement“ – das trifft die Thunderbird wohl am ­besten. Der Auftritt ist einfach zu ­unscheinbar. Dabei verbreiten gerade der starke Twin und das straff abgestimmte Fahrwerk jede Menge Laune.

Fazit Harley-Davidson Road King

An einer Road King führt eigentlich kein Weg vorbei, wenn man bei Harley-Davidson ins Tourensegment einsteigen möchte. Obwohl die Modellreihe gerade mal zwanzig Jahre jung ist, hat sie sich neben Electra Glide & Co. zu einem Klas­siker entwickelt. Harley-Davidson hat einfach ein Händchen ­dafür, Modelle über Jahrzehnte behutsam weiterzuentwickeln und technisch jeweils der Zeit anzupassen, ohne dabei den ­ursprünglichen Charakter grundlegend zu verändern. Eine Road King strahlt Gelassenheit und Souveränität aus. Mit dem 103er-TwinCam ist sie bestens motorisiert und auch die Ausstattung ab Werk lässt kaum Wünsche offen. Das alles hat seinen Preis, doch wer ins Premium-Segment von Harley-Davidson einsteigt, ist bereit, das in Kauf zu nehmen. Denn der Gegenwert ist nicht zu verachten und Fahrspaß gibt es gratis dazu.

Fazit Triumph Thunderbird

Obwohl sie mit der Road King in der gleichen Fahrzeugkategorie um die Gunst der Käufer streitet und sich mit optional ­erhältlichem Zubehör ebenfalls in einen reisetauglichen und komfortablen Tourer verwandeln lässt, hat die Thunderbird ­einen völlig anderen Charakter. Der britische Donnervogel spricht doch mehr Fahrer an, die es lieben, auch mal etwas sportlicher und vor allem flotter um die Kurven zu pfeifen. ­Motor und Fahrwerk animieren zu einer aktiven und dynamischen Fahrweise. Schwächen zeigt die Thunderbird überwiegend in ihrem optischen Auftritt. Zurückhaltend, geradezu bescheiden und dabei fast schon unscheinbar, fällt man mit einer Thunderbird nicht auf, höchsten beim Überholen der Konkurrenz. Dafür kostet der Spaß erheblich weniger, und wem Understatement wichtiger ist als Image, ist hier genau richtig.
 

TECHNISCHE DATEN Harley-Davidson Road King

Bauart: Flüssigkeitsgekühlter V-Zweizylindermotor
Hubraum: 1.690 ccm
Bohrung x Hub: 98,4 x 111,1 mm
Verdichtung: 9,6 : 1
Leistung: 84 PS bei 5.010 U/min
Drehmoment: 134 Nm bei 3.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Zahnriemen
Radstand: 1.625 mm
Federung vorn: 41-mm-Telegabel, 117 mm Federweg 
Federung hinten: Zweiarmschwinge, Stereofederbeine, 76 mm Federweg
Bremsen vorn: 2 x 300-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Festsättel, ABS
Bremsen hinten : 300-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Festsattel, ABS
Vorderreifen: 130/90 B 16 67H
Hinterreifen: 180/65 B 16 81H
Zuladung: 249 kg
Gewicht1: 368 kg
Tankinhalt: 22,7 Liter
Grundpreis: 22.295 Euro
 

TECHNISCHE DATEN Triumph Thunderbird

Bauart: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinderreihenmotor
Hubraum: 1.597 ccm
Bohrung x Hub: 103,8 x 94,3 mm
Verdichtung: 9,7 : 1
Leistung: 85 PS bei 4.850 U/min
Drehmoment: 146 Nm bei 2.750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Riemen
Radstand: 1.615 mm
Federung vorn: 47-mm-Telegabel, 120 mm Federweg 
Federung hinten: Zweiarmschwinge, Stereo-Federbeine, 95 mm Federweg
Bremsen vorn: 2 x 310-mm-Scheibenbremse, Vierkolben-Festsättel, ABS
Bremsen hinten : 310-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel, ABS
Vorderreifen: 120/70 ZR 19 60W
Hinterreifen: 200/50 ZR 17 75W
Zuladung: 231 kg
Gewicht1: 339 kg
Tankinhalt: 22 Liter
Grundpreis: 14.690 Euro
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Stand:26 March 2019 05:10:45/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/koenig+und+donner_175.html