Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX

11.08.2009  |  Text und Bild: Ulf Böhringer  |  
Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX
Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX
Alle Bilder »
Eine missglückte Motor-Abstimmung kann über Wohl und Wehe eines Motorradmodells entscheiden. Die Moto Guzzi Stelvio 1200 4V mit ihrem Drehmomentloch ist ein Beispiel dafür; nur 57 von ihr erhielten 2009 bis Ende Mai eine deutsche Zulassung. Jetzt haben die Entwickler in Italien für Abhilfe gesorgt: Eine geänderte Nockenwelle verändert den Nutzwert des V2 nachhaltig. Zum Einbau kommt der neue Motor aber nicht nur in der Stelvio, sonder auch in ihrer neuen NTX-Version, die sich in besonderem Maße an Fernreisende wendet. Eindrücke einer ersten Runde durch die Dolomiten
Ein Dienstag im Juni 2009. Das Wetter ist auch in Cortina d’Ampezzo so instabil wie in vielen Bereichen des Alpen- und Voralpenraumes während des ganzen Monats. Vor dem Hotel sieht es so aus, als würde gleich eine Nordkapp-Expedition aufbrechen: Acht mit fetten schwarzen Alukoffern und soliden Sturzbügeln sowie Zusatzscheinwerfern bestückte mächtige Reise-Enduros warten auf ihre Fahrer. Doch was man aus größerer Entfernung als eingefärbtes Adventure-Modell der BMW-GS vermutet hätte, entpuppt sich als die neue Stelvio 1200 NTX. „Der ­Adler hat jetzt Appetit auf Abenteuer“ formulierte die Guzzi-Presseabteilung.

Das Abenteuer der Präsentation beschränkt sich dann zwar auf die Pässe der Um­gebung, doch geben diese ja eine wirklich beeindruckende Kulisse ab. Und auf Falzarego, Giao oder Valparole kann die Stelvio NTX ja auch zumindest eine Ahnung davon vermitteln, wie ausgeprägt ihr Appetit auf Abenteuer ist.



Es ist noch nicht lange her, dass REISE MOTORRAD sich mit der Stelvio 1200 4V, also dem Basismodell, ausführlich beschäftigt hat. In Heft 2008/6 lautete das Fazit: „Die Stelvio ist ein interessantes und attraktives Motorrad, geradezu ein Hingucker. Mit ihr lässt sich bestens flanieren; auch Zweipersonen-Reisen machen Spaß. Problematisch ist jedoch die eklatante Durchzugsschwäche des 1.150 ccm-Vierventil- V 2 zwischen ca. 3.500 und 5.500 Touren. Flott gefahren, braucht die Stelvio zuviel ­Benzin und ärgert mit kurzer Reichweite. Nennenswerte Offroad-Eigenschaften besitzt sie nicht, auf Asphalt fühlt sie sich wesentlich wohler.“

Der wesentlichste Minuspunkt konnte nun mit Sicherheit ausgemerzt werden, zwei ­weitere schlagen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr sehr störend zu Buche. Denn im Zuge der Motor-Über­arbeitung wurde nicht nur das Drehmomentloch zugeschüttet, sondern auch der Quasi-Zwang zu hohen Drehzahlen beseitigt. Das senkt den Benzinverbrauch und erhöht die Reichweite; in welchem Umfang, konnten wir im Rahmen dieses Fahrberichtes leider nicht korrekt feststellen.

Entscheidend ist aber ­folgendes: Das Fahren der Stelvio NTX ist – sieht man einmal von ihrem hohen Leergewicht von 292 Kilogramm und den daraus resultierenden Problemen beispielsweise beim Rangieren ab – eine genussvolle Sache. Draufsitzen und wohlfühlen ist angesagt, denn das Dreieck Sitz-Lenker-Fußrasten stimmt ganz einfach. Die Stelvio NTX, deren Fahrwerk für den Asphaltbetrieb vorzüglich abgestimmt ist, vermittelt auch deshalb sowohl auf Anhieb wie auch nach einigen Stunden ein ­perfektes Gefühl des Wohl­befindens und der Sicherheit. Zudem ist sie ganz offenbar vorzüglich austariert, denn – einmal in Fahrt – stört das hohe Gewicht von sechs Zentnern überhaupt nicht.



Anders als bei BMW, wo die R 1200 GS durch eine auch technisch deutlich unter­schiedliche „Adventure“ ergänzt wird, finden sich zwischen Stelvio und Stelvio NTX keinerlei technische ­Unterschiede. Die Federwege sind genauso unverändert wie die Sitzhöhe oder die Tank-Größe, auch die Antriebs-Übersetzung sowie die Abstimmung von Telegabel und Federbein sind identisch. Damit ist auch klar, dass die NTX exakt jene (guten) Fahreigenschaften an den Tag legt, die der Stelvio zu Eigen sind. Nur am Rande sei erwähnt, dass sich auch die Bremsen der NTX ausgezeichnet präsentieren; das ABS ist bei ihr Serie.

Wir sollten aber noch ein wenig näher auf den V 2 schauen. Das geänderte ­Nockenwellenprofil in Zusammenarbeit mit dem modifizierten Mapping der Einspritzanlage verändert den Motor-Charakter nachhaltig, was sich auch in den technischen Daten niederschlägt. So bleibt die Maximalleistung von 105 PS (77 kW) zwar ­unverändert, fällt aber erst bei 7.250 Umdrehungen an; bisher genügten 7.000 Touren. Viel wichtiger ist aber die Kurve für das Drehmoment: Sie verläuft nun nicht nur im mittleren Bereich günstiger, sondern weist auch bessere Maximalwerte auf. Statt zuvor 108 Nm bei 6.400 Umdrehungen liegt der Dreh­moment-Bestwert nun bei 113 Nm, wird aber schon bei 5.800 Touren erreicht.

Das bedeutet, dass man mit dem neuen Vierventil-1200er weitaus seltener als zuvor in hohe Drehzahlbereiche vorstoßen muss, um ausreichend Vortrieb zu finden. Auch die Leistungsentfaltung profitiert von dieser technischen Ver­änderung, zu der auch noch geänderte Einspritzdüsen, eine neue Airbox und eine leichter bedienbare Kupplung gehören. Alles in allem: Der neue ­Stelvio-Motor ist nun ein sehr gut fahrbarer Antrieb, auch wenn er in punkto Durchzugskraft nach wie vor nicht das Niveau des aktuellen BMW-Motors erreicht. Das hat freilich auch mit dem deutlich höheren Fahrzeug­gewicht zu tun.



Alles Grundsätzliche über die Stelvio ist im schon erwähnten Heft 2008/6 ausführlich dargestellt worden und braucht auch nicht modifiziert zu werden, hat sich doch jenseits des Motors nichts geändert. Die NTX freilich wartet mit einer ganz anderen Anmutung als das Stelvio-Basismodell auf; überzeugt letztere mit ihrer eleganten Linie, drängt sich die NTX mit ihrer Abenteuer- Attitüde in den Vordergrund. Die Sturzbügel am Hinterradantrieb sowie am Motor, die Zusatzscheinwerfer, vor allem aber die voluminösen Alu-Boxen signalisieren „Achtung, hier komm’ ich und ich will hier durch!“

Freilich sollte die Lücke groß genug sein, denn die Stelvio NTX misst in der Breite immerhin 1.080 Millimeter (die bayerische Abenteuer-Version kommt inklusive der Spiegel mit 990 Millimetern aus). Ein praktischer Nachteil der schwarz eloxierten Koffer besteht im Fehlen eines Henkels; wer sie abnimmt, muss sie mit zwei Armen umfassen und kann sie nicht so ohne weiteres in die Hand nehmen. Bedauer­licherweise hat der Hersteller zudem keine Innentaschen im Angebot. Hier sollte Moto Guzzi nachbessern. 



Auch sollte der Stelvio-Treiber in seinem Vorwärtsdrang nicht solche Strecken wählen, die mehr Profil als das einer konventionelle Reise-Enduro-Bereifung erfordern. Weder ermöglicht der niedrige Vorderkotflügel die sinnvolle Montage von Stollenreifen noch ist das ­gesamte Stelvio-Fahrwerk auf harten Einsatz ausgelegt. ­Dafür sind die Federwege zu kurz, der Hinterreifen zu breit und die gesamte Auslegung einfach zu straßenorientiert. Das ist nicht negativ, man muss es als Interessent nur wissen.

Moto Guzzi hofft nun, dass sich viele Käufer für die 15.790 Euro kostende NTX finden. Freilich sind die 1.800 Euro Mehrpreis gegenüber einer Stelvio mit ABS eine ganze Menge. Aber vermutlich gibt es ziemlich viele Zeitgenossen, die ihren Sinn fürs potenzielle Abenteuer ganz gerne unübersehbar ­demonstrieren. Sie dürften mit der Stelvio NTX glücklich werden.                     
 

Technische Daten Moto Guzzi Stelvio 1200 NTX



Kosten: Kaufpreis 15.790 Euro inkl. NK
Motor: Luft-/ölgekühlter Zweizylinder- V-Motor. OHC, vier Ventile je Zylinder, Verdichtung 11:1, sequenzielle Benzineinspritzung x 50 mm, Nasssumpfschmierung, G-Kat. Bohrung x Hub 95 x 81,2 mm, Hubraum 1.151 cm3, -Leistung 105 PS (77 kW) bei 7.250/min, maximales Drehmoment 113 Nm bei 5.800/min
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe, Einscheiben-Trockenkupplung, Kardan.
Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen, Motor mittragend, Upside-down-Telegabel x 50 mm, Vorspannung, Zug- und Druckstufe einstellbar, Alu-Guss-Einarmschwinge mit Momentabstützung hinten, -Zentralfederbein, verstellbare Vorspannung (Handrad) und Zugstufendämpfung. Federwege vorn/hinten 170/155 mm 
Räder und Bremsen: Alu-Speichenräder, Größe 2.5 x 19 vorne/5.5 x 17 hinten, Bereifung 110/80 VR 19 vorne und 180/55 VR 17 hinten; vorne Dop-pelscheibenbremse, x 320 mm, hinten Scheibenbremse, x 282 mm; ABS Serie
Maße und Gewichte: Länge/Breite 2250/1080 mm, Lenkkopfwinkel 63°, Radstand 1535 mm, Nachlauf 125 mm, Sitzhöhe 820/840 mm, Leergewicht fahrfertig 292 kg, max. Zuladung 203 kg. Tankinhalt 18 Liter
Fahrleistungen: 0-100 km/h: ca. 4,5 sec, Vmax ca. 210 km/h, Verbrauch k. A.
Wartungsintervalle: 1.000 km, dann alle 10.000 km oder einmal jährlich. Zwei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung
Farben: Silber Magnesium
Ausstattung: Digital-Tachometer, Analog-Drehzahlmesser, Kraftstoff-Anzeige, Zeituhr, Außentemperaturanzeige, Bordcomputer, verstellbare Handhebel, verstell-bares Windschild, Warnblink-anlage, verschließbares Ablagefach, Seitenständer, Haupt-ständer, Halogen-Zusatzscheinwerfer, Stahlträger für Gepäckkoffer, zwei Alu-Gepäckboxen, Stahl-Motorschutzbügel, Alu-Ölwannenschutz
Zubehör: Heizgriffe € 231; Topcase weiß (44 Liter) mit Halterung € 357; Tankrucksack € 208; Tanktasche klein € 51; Stahl-Schutzbügel für Hinterradendantrieb € 126; Diebstahlwarnanlage € 199; Halter für Navi TomTom Rider 2 € 94; Batterieladegerät € 48; Abdeckplane schwarz € 107.  
  Teilen
Stand:11 December 2019 14:47:57/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/moto+guzzi+stelvio+1200+ntx_18315.html Warning: fopen(cache/652c459255fead07f157f402e2e82e14.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163