Reisedampfer für kleines Geld – Gebrauchte Reise-Motorräder

14.12.2016  |  Text: Till Kohlmey  |   Bilder: Till Kohlmey
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Reisedampfer für kleines Geld – Gebrauchte Reise-Motorräder
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Es gibt viele gute Reisemotorräder, aber nur wenige sehr gute! Besonders die Japaner tun sich seit vielen Jahren schwer in diesem Segment gegen BMW etwas auszurichten.
Einzige Ausnahme: Hondas ST 1100 Pan European, die vor gut 27 Jahren vorgestellt wurde und seitdem auf einen würdigen Nachfolger wartet. Daher ist der Kauf einer gebrauchten ST eigentlich immer eine gute Investition, weil viel mehr Zuverlässigkeit und Reisekomfort sind im Zweiradbereich für das Geld kaum mehr anzutreffen. Zum Glück wurde die ST 1100 von 1990 bis 2002 rund 8400 Mal in Deutschland verkauft und entsprechend groß ist das Angebot an Gebrauchten im Netz. Gerade jetzt, wenn der Winter naht, sind die Preise in der Regel sehr weit unten. Wir haben uns mal das Angebot von Arndt Henaux aus Stolberg etwas genauer angeschaut, weil es komplett aus dem Rahmen fällt. Eine ST 1100 der ersten Baureihe, also Baujahr 1990, mit nur 15 600 Kilometern auf der Uhr. Wie ist das denn bitteschön möglich? Ganz einfach: Arndt hat die ST seinem Kumpel und Arbeitskollegen Rainer vor zirka zwei Monaten abgekauft. Bei dem stand sich das Motorrad über die Jahre meist nur die Reifen platt. Eine gemeinsame Ausfahrt im Jahr – das war’s dann auch schon für die ST gewesen. 15 600 Kilometer in 27 Jahren, macht einen Schnitt von  577 Kilometern im Jahr! Und warum verkauft der Arndt die frisch Erworbene gleich wieder?

»Ich habe nur ein paar Runden mit der Honda gedreht und mich wieder total mit dem Zweiradbazillus infiziert. Aber meine große Leidenschaft ist die unverkleidete Yamaha XJR 1300, die ich zuvor schon acht Jahre lang gefahren bin und vor vier Jahren verkauft habe. Also bin ich kurzentschlossen zum Yamaha-Händler und habe mir eine nagelneue XJR 1300 zugelegt. Ist auch eine Art Wertanlage, denn die soll es ja im nächsten Jahr schon nicht mehr geben.« Und jetzt hat der gute Arndt seit vier Wochen zwei Motorräder in der Garage  stehen.   
 
Daher tauchte die Pan European Baujahr 1990 für VB 3.700 Euro bei mobile auf. Eine Woche war die Anzeige online, da hatte er auch schon drei potentielle Kunden am Apparat. Der Erste leistete sogar großzügig eine Anzahlung, um dann später ohne Begründung vom Kauf zurückzutreten. Die anderen beiden hatten sich in der Zeit schon nach etwas anderem umgesehen. Warum der erste Interessent direkt wieder abgesprungen ist, erschließt sich nicht, denn es gibt so gut wie gar nichts  zu bemängeln an dieser ST. Arndt hat, nachdem er die Pan bei seinem Kumpel aus der Garage geschoben hatte, vorsichtshalber noch Zahnriemen, Batterie und Zündkerzen erneuert sowie alle Flüssigkeiten und Filter gewechselt und sie anschließend anstandslos über den TÜV bekommen.

Was jetzt noch fehlt sind ein frischer Satz Reifen, denn die Metzeler Lasertec haben zwar noch Profil, aber eben auch schon zehn Jahre auf dem Buckel. Bis auf ein paar Foam-Lenkergriffe, die in den 90er Jahren ja mal ganz groß in Mode waren, ist diese ST 1100 auch absolut original, unverbastelt und in einem wirklich makellosen Zustand. Die Kunststoffteile weisen keinerlei Kratzer auf, die Koffer schließen picobello und der Verschleiß an Bremsscheiben und Bremsbelägen tendiert gegen null. Undichtigkeiten sind weder an den Gabelsimmerringen, am Motor noch am Kardan auszumachen. Der V-Vierzylinder springt auf Knopfdruck an und begeistert mit seinem unverwechselbaren Sound. »Ich war überrascht wie schön einfach und unkompliziert sich dieser doch recht große und schwere Tourer fortbewegen lässt und er liegt auch bei hohem Tempo enorm stabil auf der Straße«, gibt Arndt zu Papier, der sie anscheinend nur ungern wieder hergeben möchte.  »Aber in meiner Garage ist leider kein Platz für zwei Motorräder.«  
 
Und in der Tat hat die ST für 3.700 Euro einige sehr handfeste Argumente auf ihrer Seite. Sie bietet zwei Personen viel Platz und Bewegungsfreiheit, exklusiven Wind-und Wetterschutz sowie serienmäßig sehr schön integrierte, eng anliegende Seitenkoffer mit ordentlich viel Stauraum (je 35 Liter). Darüber hinaus rennt die Honda selbst voll beladen mit über 200 km/h stabil geradeaus – was heutzutage nicht unbedingt selbstverständlich ist – und frisst einem bei durchschnittlich 5,9 Litern Super auf 100 Kilometern nicht die Haare in Sachen Unterhalt vom Kopf. Alle 6 000 Kilometer ist theoretisch eine Durchsicht fällig (1,2 h), alle 12 000 Kilometer ein Ölwechsel und alle 24 000 Kilometer steht die Ventilspielkontrolle an (max. 3,8 h). Rechnet man jetzt einen Einstiegspreis von unter ca. 3.500 Euro dagegen, spricht nicht mehr viel gegen die Pan.
 

PLUS    
  • V4-Motor garantiert hohen Laufleistungen 
  • spurstabiles Fahrwerk
  • sehr guter Wind- und Wetterschutz
  • hoher Komfort für beide Passagiere
  • Unterhalt vergleichsweise günstig

MINUS
  • hohes Gewicht   
  • Kniefreiheit Fahrer vorn sehr knapp
  • seitenwindempfindlich
  • langer erster Gang
  • Seitenkoffer innen zerklüftet




Profi-Tipps vom ST Owners Club www.stoc-owl.de
  • Verzahnung am Endantrieb muss immer gut gefettet sein, sonst droht ab 70 000-80 000 Kilometer Zahnausfall!
  • Bei den ersten Modellen (bis Bj. 96, ohne ABS) stößt die Lichtmaschine bei  diversen Anbaugeräten wie Radio, Griffheizung, Sitzbankheizung sehr schnell an ihre Grenzen und kann durchbrennen.
  • Unsere Empfehlung: die Modelle mit ABS hatten eine größere Lichtmaschine und dickere Gabelholme!
  • Bremsscheiben auf Verschleiß prüfen: ab zirka 120 000 km Laufleistung bei normaler Fahrweise evtl. tauschen.
  • Besten Wind- und Geräuschschutz findet man hinter der Zubehörscheibe von MRA.
  • Reifenauswahl je nach Modell: Bei den neueren Modellen läuft der Bridgestone BT 30 sehr gut.
  • Wichtig ist auch der korrekte Reifendruck: Die meisten von uns haben vorn und hinten immer 2,9 bar gefahren!


HISTORIE
1990: Die erste Pan European wird präsentiert mit 100 PS  und serienmäßig lackierten Seitenkoffern.
1992: Schon zwei Jahre später sind gegen 2.500 Mark Aufpreis ein ABS und eine Traktionskontrolle (TCS) lieferbar.
1993: Die Leistung wurde von 100 PS auf versicherungsgünstige 98 PS reduziert. 
1996: Die ST erhält für das Modelljahr recht umfangreiche Modifikationen: Erstmals kam das Verbundbremssystem (CBS) in Kombination mit dem ABS zum Einsatz. Das Vorderrad bekam eine stabilere 43er-Telegabel (vorher 41 mm) spendiert und eine moderne Reifendimensionierung mit 120/70 ZR 18. Außerdem wurde die Leistung der Lichtmaschine von 420 auf 480 Watt angehoben.
1999: Noble Jubiläumsvariante der ST 1100 Pan European in Goldmetallic zum 50ten Geburtstag der Firma Honda. 
2002: Modellwechsel: Die ST 1300 Pan European kommt auf den Markt und löst die ST 1100 ab, erreicht aber nie mehr die Popularität und die Verkaufserfolge des Vorgängers.

ZULASSUNGEN
Die ST 1100 wurde von 1990 bis zum Jahre 2002 rund 8 400 Mal in Deutschland verkauft. Wobei die ABS-Variante ab Bj. 92 der eindeutige Favorit war. Entsprechend groß ist auch das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt.

PREISE
Die ST 1100 wurde im ersten Jahr  für 21.000 Mark angeboten. Die erfolgreichste ST-Version mit ABS und Traktionskontrolle war ab 1992 für ungefähr 25.000 Mark zu haben, ab 1996 kostete sie dann schon fast 27.000 Mark. Die Gebrauchtpreise schwanken je nach Baujahr, Laufleistung und optischem Zustand derzeit zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Die ganz preiswerten Pan-Modelle haben dann auch in der Regel weit über 100 000 km runter und das Plastikkleid weist entsprechende Gebrauchsspuren auf. Die hohen Preise für gut erhaltene ST 1100 Modelle resultieren aus der großen Beliebtheit, die der Nachfolger ST 1300 nie erreichen konnte.         

TECHNISCHE DATEN Honda ST 1100 (Bj. 2000)

Motor: wassergekühlter 90-Grad-V-Vierzylinder, Hubraum 1 085 ccm, vier Ventile, DOHC, Vergaser, Fünfganggetriebe, mech. betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Kardan

Leistung: 98 PS bei 7 500/min, max. Drehoment: 109 Nm bei 6 000/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel vorn 43 mm, Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein hinten, Federwege 150/120 mm, Doppelscheibenbremse 296 mm vorn, Einzelscheibe 296 mm hinten, LM-Gussräder, Bereifung v/h. 120/70 ZR 18 / 160/70 ZR 17, ABS optional

Maße und Gewichte: Radstand 1 555 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 100 mm, Leergewicht 326 kg, Zuladung, 196 kg, Sitzhöhe 795 mm, Tankinhalt 28 l

Inspektionen: alle 6000 km, Ölwechsel alle 12 000 km, Ventilspielkontrolle alle 24 000 km, Arbeitszeit 1,2 bis 3,8 h
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Stand:18 February 2020 16:37:50/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/reisedampfer+fuer+kleines+geld+-+gebrauchte+reise-motorraeder_1612.html Warning: fopen(cache/a52e0ebfa67a5c511713403c33a0fb19.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163