Triumph Tiger Sport Fahrbericht - Sanfter und Schärfer

20.06.2016  |  Text: Ulf Böhringer  |   Bilder: Barbanti, Cavadini
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Triumph Tiger Sport Fahrbericht - Sanfter und Schärfer
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Was unsinnig klingt, ist kein Widerspruch: Triumph hat die sportlichen Talente der Tiger Sport weiterentwickelt und zugleich den Fahr- und Reisekomfort erhöht.
Einstmals hieß sie Tiger 955 und war eine Reiseenduro. 2007 entwickelte sie Triumph weiter zur Tiger 1050, wozu die noch rudimentär vorhandenen Offroadfähigkeiten der 955er weitestgehend gekappt wurden, denn der Straßeneinsatz stand von nun an klar im Vordergrund. Die Tiger – seiner­zeit gab es die Tiger 800 und ihre große Schwester Tiger 1200 Explorer noch nicht – war im Grunde schon damals das, was heute „Sports Adventure Bike“ heißt und von BMWs kaum ein Jahr ­alter S 1000 XR und von Ducatis Multi­strada 1200 S höchst erfolgreich verkörpert wird: ein Bike fürs entspannte Sport­touring. Im Zuge der Umstellung auf die neue Euro-4-Emissionsnorm erhält die Tiger 1050 nach dem ersten Update im Jahr 2013 nun das zweite. Dank dessen zeigt sie deutlicher denn je, welch feines Motorrad fürs gepflegte Angasen sie auch auf längeren Touren ist.

Mann, wie schlimm waren die Befürchtungen! Euro 4 macht Motorräder zahn- und charakterlos, war allenthalben zu hören. Die neue Tiger Sport kann als perfektes Beispiel dafür dienen, dass ­exakt das Gegenteil zutreffend ist oder zumindest sein kann. Nie war ihr Dreizylinder-Reihenmotor leistungsfähiger und zugleich angenehmer zu fahren, und nie war der kehlige Sound des Triple animierender. Er entstammt einer neuen Auspuffanlage, die als optisches Highlight einen Endschalldämpfer aus gebürs­tetem Edelstahl aufweist. Zentrales Element der Motorüberarbeitung ist die Im­plantation eines Ride-by-Wire-Systems; Gasbefehle werden also nicht mehr per Kabel, sondern elektrisch an die Drossel­klappen übermittelt. Das passiert derma­ßen fein, dass man ohne Übertreibung von sanfter, wahlweise aber auch angenehm direkter Gasannahme sprechen kann. Die 126 PS, die bei knapp 9500 U/min zur Verfügung stehen, reichen ­dicke, um auf Land- und Bergstraßen, aber auch der unlimitierten Autobahn stets mit den Ton angeben zu können.

Beide Farben passen gut zum Konzept der Tiger Sport. Ihr Fahrer fühlt sich auf Landstraßen wie diesen im Hinterland von Nizza superwohl.

Das liegt daran, dass im mittleren Bereich zwischen 5000 und 7000 Touren nicht nur vier bis sechs Prozent mehr Leistung, sondern im Verein mit acht Prozent Minderverbrauch auch vier Prozent mehr Drehmoment zur Verfügung stehen. Angesichts dessen fallen die zwei Kilogramm Mehrgewicht überhaupt nicht ins Gewicht. Dieses ist mit 241 ­Kilogramm für die Fahrzeugkategorie nicht gering. Störend macht es sich aber nicht bemerkbar, weil die Tiger Sport gut austariert ist und ihre Pfunde sich jenseits des Schritttempos auf ein ab­solut angenehmes Maß zu reduzieren scheinen. Wer’s wissen will, wird beim Gasgeben mit wildem Fauchen und ­rabiater Beschleunigung belohnt, denn der Dreizylinder, der mit dem Motor im sportlichen Nakedbike Speed Triple weitgehend identisch ist, hat’s nicht nur „faustdick hinter den Ohren“, sondern dreht auch blitzschnell bis in den fünfstelligen Drehzahlbereich.

Dank des Ride-by-Wire stehen nun drei durchaus nützliche Motormappings mit unterschiedlichem Ansprechverhalten zur Verfügung. Von ihnen hängt auch die Regelungsintensität der zweistufigen sowie abschaltbaren Traktionskontrolle mit integrierter Wheeliekontrolle ab. Road ist universell und bestens abgestimmt, Rain reduziert die Leistung auf 100 PS und senkt die Eingriffsschwelle der Traktionskontrolle. Sport reduziert primär den Weg am Gasgriff. Braucht man mehr? Nach den ersten 200 Kilometern im kurvenreichen Hinterland Nizzas sagen wir nein, denn das Paket stimmt. Mit 5,0 bis 6,3 Litern/100 Kilometer liegt auch der Verbrauch bei art­gerechtem Vorwärtsdrang durchaus im grünen Bereich und das Getriebe lässt sich leicht und präzise schalten. Gut zum Fahrzeugkonzept passen würde ein Schaltassistent, aber leider ...



Weitgehend unangetastet blieben im Zuge des Updates die wichtigen Fahrwerkskomponenten, also USD-Telegabel, Zentralfederbein und Einarmschwinge aus Leichtmetallguss. Dagegen wurde die Dreischeibenbremsanlage sorgfältig modifiziert. Das neue ABS regelt schnell und prägnant zugleich. Das Fahrverhalten ist auch bei sehr flottem Landstraßentempo untadelig (Autobahn sind wir nicht gefahren), die Agilität in Kurven gut, auch wenn die hochpotente und dabei recht leichtgewichtige Wettbewerberin von BMW diesbezüglich ein zusätzliches Ass im Ärmel hat. Die Tiger Sport ist eher von altem britischem Adel: verlässlich und berechenbar. Trotz Ausrüstung mit dem feinen Pirelli Angel ST ist ihr allerdings beim Bremsen in Kurven ein spürbares Aufstellmoment zu eigen.

Spürbar gewonnen haben die Reise- und Komfortqualitäten. Der Windschild ist jetzt mit einer Hand leicht verstellbar, der Windschutz auch dank kleiner Plexi-Flaps deutlich besser, Turbulenzen am Helm konnten wir nicht feststellen. Zudem hat die Engländerin ein neues Bordcomputersystem erhalten. Es erlaubt die Individualiserung zahlreicher Einstellun­gen. Unter anderem kann beispielsweise die neue, perfekt funktionierende Blinkerrückstellautomatik deaktiviert werden (aber wozu nur, denn die Funktion ist ausgezeichnet!), ist logisch aufgebaut und nach geringer Gewöhnungszeit gut bedienbar. Schade nur, dass der Knopf für die Fahrmodi und der „Home-Button“ keinen Platz am Lenker gefunden haben, sondern weit entfernt am gut ablesbaren Zentralinstrument sitzen. Und der neue, serienmäßige Tempomat wäre links am Lenker besser bedienbar.    

Fazit
Der mit vier Garantiejahren antretenden, 12.700 Euro kostenden Tiger Sport darf man ein insgesamt sehr gutes Zeugnis ausstellen. Das verfüg­bare Zubehör mit neu entwickelten Heizgriffen, Seitenkoffern, Topbox und Tankrucksack erhöht bei Bedarf ihre Touringqualitäten weiter. So lässt sich nach einem Fahrtag die auf den ersten Blick erstaunliche ­Bilanz ziehen, dass sich geschärfte Krallen und sanfteres Streicheln keineswegs widersprechen – im Falle der jüngsten Auflage der Triumph Tiger Sport sogar ganz im Gegenteil.

PLUS
  • geschmeidig-kräftiger Antrieb
  • ausgewogenes Fahrverhalten
  • guter Fahrkomfort, sichere Bremsen
  • zeitgemäße Assistenzsysteme
  • reichliches Reisezubehör

MINUS
  • spürbares Aufstellmoment
  • Fahrmodiknopf nicht am Lenker
  • kein (optionaler) Schaltassistent
 

TECHNISCHE DATEN Triumph Tiger Sport

Motor: 3-Zylinder-Reihenmotor, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 1050 ccm
Bohrung x Hub: 79 x 71,4 mm
Leistung: 126 PS (93 kW) bei 9475 U/min
Drehmoment: 106 Nm bei 7000 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Rahmenart: Aluminium-Brückenrahmen
Radstand: 1540 mm 
Federung vorn: USD-Gabel, 43 mm, 140 mm Federweg
Federung hinten: Einarmschw., Zentralfederb., 140 mm Federweg
Bremsen vorn: Radial-Doppelscheibenbremse, 320 mm
Bremsen hinten: Einscheibenbremse, 255 mm
Bereifung vorn: 120/70 ZR 17
Bereifung hinten: 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 830 mm
Gewicht : 241 kg fahrfertig
Tankinhalt: 20 l
Preise: 12.700,– Euro zzgl. Nebenkosten
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Stand:18 February 2020 16:50:53/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/sanfter+und+schaerfer_175.html Warning: fopen(cache/df3e2bbbf232095bda8727e927181a91.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163