Touratiech R 1200 GS Rambler - GS Light

10.02.2017  |  Text: Till Kohlmey  |   Bilder: Stefan Klabunde, Jan Starek
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Touratiech R 1200 GS Rambler - GS Light
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Touratech stellt mit der R 1200 GS Rambler unter Beweis, was theoretisch machbar ist: Eine 12er GS unter 200 Kilogramm! RIDE ON durfte den Wanderer schon mal ausführen.
​»Yes we can«, lautete die Antwort von Jochen Schanz, Geschäftsführer der Touratech AG, auf die Anfrage von BMW. Ja, wir können eine R 1200 GS unter 200 Kilogramm auf die Räder stellen – fahrfertig wohlgemerkt! Die Wette fand vor knapp zwei Jahren hinter verschlossenen Türen statt und als Basis für das Projekt wurden von BMW mal eben gleich sechs Motorräder für zwei Prototypen zur Verfügung gestellt: Zwei R 1200 GS, zwei R 1200 R und zwei F 800 GS Adventure. Aus den besten Komponenten sollten die Jungs von Touratech die leichteste wassergekühlte 12er GS »ever« fertigen, die auch als mögliche Basis für eine Serienfertigung herhalten könnte.

»BMW hat sich den Rambler schon sehr genau angeschaut, was jetzt aus dem Projekt wird, liegt nicht mehr in unserer Hand«, sagt Marketingmann Martin Wickert und gibt die eigene Marschrichtung vor: »Wir werden eine der beiden Maschinen nach Rallye-Gesichtspunkten aufbauen und wollen die ein oder andere anspruchsvolle Veranstaltung mitfahren.«  Das könnte für einige Aufregung sorgen, denn die vollgetankt 199 Kilogramm leichte und immer noch 125 PS starke GS ist eine Macht im Gelände.



Wer schon mal die HP2 Enduro von BMW gefahren ist, kann sich nur ansatzweise vorstellen, wozu der Rambler in der Lage ist. Die HP2 Baujahr 2005 mit Gitterrohrahmen, Upside-down-Telegabel und Luftfederbein wog damals gerade einmal 198 Kilo und der luft-/ölgekühlte Boxer leistete maximal 105 PS. Zwölf Jahre später­ sind Wasserkühlung und 20 PS am Hinterrad dazugekommen. Wer sich nun vor Augen führt, dass die aktuelle R 1200 GS vollgetankt sicher über 250 Kilogramm auf die Waage bringt, kann sich den Aufwand, der hier betrieben wurde, nur im Ansatz vorstellen. 

Als Grundlage dient der Rahmen der aktuellen R 1200 R, der ja bekanntlich ohne Telelever auskommt und von daher als ideale Basis für ein Enduro-Fahrwerk herhalten muss. Für den harten Einsatz im Gelände wurde der Gitterrohrrahmen allerdings an einigen markanten Stellen zusätzlich verstärkt. Touratech bestückte die Front mit einer leichten Gabelbrücke aus dem Motocross, sorgte gleichzeitig für einen flacheren Lenkkopfwinkel und steckte die Upside-down-Gabel der aktuellen F 800 GS Adventure hinein. Natürlich mit der hauseigenen Cartridge inklusive Gabelfedern, die aus der nicht gerade sportiven Vorderradführung ein sauber ansprechendes Element mit hoher Durchschlagsicherheit bei 230 Millimeter Federweg generiert.

Verzögert wird mit einer leichten Soloscheibe im Vorderrad inklusive Doppelkolben-Schwimmsattel und ABS – adaptiert aus einer Sportenduro. Für das Gelände wurden auch die schweren Kreuzspeichenräder durch leichte Excel-Felgen und das 19-Zoll-Vorderrad durch eine 21-Zoll-Variante im Format 90/90-21 ersetzt. Das Hinterrad vertraut auf den massiven Antriebsstrang der R 1200 GS, der in Kombination mit dem voll einstellbaren Touratech-Federbein ordentliche 200 Millimeter Federweg am 17-Zoll-Hinterrad bereitstellt.



Das schlanke Heck ist geprägt von einem schmalen 16-Liter-Alutank unterhalb der Sitzbank, der tiefgezogen das Rückgrat des Heckrahmens bildet, während die Sitzbank aus PU-Schaum direkt mit dem Tank verklebt ist. Daraus resultiert eine sportlich hohe Sitzposition jenseits der 900 Millimeter mit mäßigem Komfort. Weitere Gewichtseinsparungen ergeben sich durch den Einbau einer leichten Lithium-Ionen-Batterie und vieler carbonfaserverstärkter Kunststoffteile. 

Der flüssigkeitsgekühlte Boxer aus der R 1200 R blieb inklusive Getriebe nahezu unbehelligt. Akrapovic steuerte lediglich eine handgefertigte 2-in-1 Titan-Auspuffanlage bei, die gefühlsmäßig für ein sattes Plus an Drehmoment und Leistung sorgt. Denn so spontan wie der Boxer am Gas hängt und so kraftvoll wie er am Kardan zerrt, so eindrücklich haben wir den Flüssigkeitsgekühlten noch nie erlebt.

Das Hinterrad scheint bei stillgelegter Traktionskontrolle ständig auf der Suche nach Grip zu sein, egal wie weit die Drosselklappen gerade geöffnet sind und egal wie tief die Grobstollen des Metzeler Karoo 3 auch versuchen, sich ins Gelände zu verbeißen. Diese »GS-Light« lässt Dinge mit sich machen, die mit der Standard-GS undenkbar wären. Die Vorderhand führt aufgrund des großen Laufrades deutlich präziser auf losem Grund und Hindernisse werden nötigenfalls mit leichtem Gasimpuls lässig überwunden. Dazu gesellt sich eine sehr gute Balance zwischen Vorder- und Hinterhand, womit sich selbst trial­artige Passagen kinderleicht meistern lassen. Und auch die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten scheint über jeden Zweifel erhaben zu sein. 

Der Rambler ist in dieser bestechenden Form eine Offenbarung. Ein eindrucksvoller Beweis, dass konsequente Gewichtseinsparung viel mehr wert sein kann, als die ständige Suche nach noch mehr PS. Es ist aber auch klar, dass die Allroundqualitäten der Standard-GS bei dieser Radikalität auf der Strecke bleiben – ein Versuch ist es allemal wert.
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Stand:18 February 2020 17:36:56/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/touratiech+r+1200+gs+rambler+-+gs+light_175.html Warning: fopen(cache/3823db7a4068d1dd4abd4d3b6998bef7.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163