Fahrbericht Yamaha FJR1300 A – Touren-Express

05.12.2012  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Yamaha
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Fahrbericht Yamaha FJR1300 A – Touren-Express
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Der Konkurrenzdruck am Markt ist groß, die Auswahl inzwischen auch. Nach vier Jahren hat Yamaha die FJR 1300 gründlich überarbeitet. Das Konzept stimmt, das Motorrad überzeugt, und Gutes noch besser zu machen, ist keine einfache Aufgabe.

Das Konzept stimmt, das Motorrad überzeugt, und Gutes noch besser zu machen, ist keine einfache Aufgabe. Deshalb hat Yamaha die FJR1300 seit ihrem Erscheinen 2001 nur behutsam weiterentwickelt. Ganze vier Jahre haben sich die Japaner nun für eine Neuauflage Zeit gelassen. Auch diesmal gab es keine revolutionären ­Änderungen, dafür umfangreiche Verbesserungen.

Natürlich profitiert davon auch der Reihenvierzylinder-Motor, dem die Ingenieure eine Direktzündung und ein neues Ansaugsystem verpasst haben. Neben weiteren Änderungen an Zylindern, Kolben und Auspuff wurde auch der Luftfilter neu gestaltet. Zudem ist der neue Motor auch etwas leichter als der Vorgänger. Das Triebwerk hat jetzt geringfügig mehr Leistung und Drehmoment, wobei Letzteres zumindest auf dem Papier gerade im unteren Drehzahlbereich etwas zugelegt hat. Ob sich das auch im Fahrbetrieb niederschlägt, lässt sich wohl nur im direkten Vergleich mit dem 2012er-Modell feststellen. Die Ansteuerung der Drosselklappen erfolgt über ein Ride-by-wire-System, das bei Yamaha „YCC-T“ heißt und für „Yamaha Chip Controlled Throttle System“ steht – Yamaha liebt Abkürzungen.


Optional sind auch ein Topcase mit voluminösen 50 Litern Stauraum und ein höherer Windschild erhältlich

Eine wichtige Neuerung ist der Yamaha ­D-Mode oder auch Drive-Mode. Mit Unterstützung der Elektronik hat der Fahrer die Wahl zwischen zwei Fahr-Modi: Touring und Sport. Sie werden im Display als „T“ und „S“ angezeigt und lassen sich sogar während der Fahrt umstellen. Im Touring-Modus ist die Leistungsabgabe deutlich sanfter, und die FJR setzt die Gasbefehle nicht so ­vehement um. Wir bevorzugten bei den ersten Testfahrten den Sport-Modus; das macht einfach mehr Laune und bringt den Charakter des Motors besser zur Geltung.

Doch unabhängig davon, in welcher der beiden Motorabstimmungen wir die FJR bewegen, der Vierzylinder hängt unglaublich gut am Gas und stellt über ein sehr breites Drehzahlband mehr als ausreichend Leistung bereit. Geschmeidig beschleunigt die FJR aus den Ecken heraus, und überschreitet die Drehzahl 5.000 Umdrehungen, dann wird der Klang etwas rauer und leichte Vibra­tionen stellen sich ein. Der Motor läuft so angenehm ruhig, dass man ihn selten spürt und er auch dank der gut gedämpften Auspuffanlage nicht als Krawall­bruder auffällt. Trotzdem brummelt er im Schiebebetrieb dumpf und bassig vor sich hin und erzeugt so durchaus einen angenehmen Klang. Wird er aber unter Feuer gesetzt und stürmt in Richtung Drehzahl­begrenzer, wird der Sound richtig sportlich und macht schnell vergessen, dass hier kein Supersportler bewegt wird. Wer durchweg fleißig am Gas zieht, bekommt die Quittung an der nächsten Tanke, auch wenn das Kraftpaket laut Yamaha im Verbrauch noch etwas effi­zienter geworden ist als das Vorgängermodell.

Der Touren­komfort auf der FJR1300A ist ­ausgezeichnet, die Gepäck­abteile groß­zügig bemessen

Die Abstimmung zwischen Motor und Getriebe ist gut gelungen und dank des üppigen Drehmoments lässt es sich überwiegend schaltfaul fahren. Auf Landstraßen reicht meist die dritte oder vierte Fahrstufe, selten muss in den fünften Gang geschaltet werden. Einen sechsten Gang gibt es immer noch nicht, obwohl dieser in einer langen Übersetzung als Overdrive der FJR1300A sicher gut zu Gesicht gestanden hätte. Gerade auf langen oder schnellen Autobahnabschnitten wäre damit der Spritverbrauch bestimmt noch einen Tick besser. Das Getriebe lässt sich einwandfrei schalten, die Gänge rasten sauber ein. Herausgesprungene oder nicht gefundene Schaltstufen gehen zu Lasten unserer fetten Tourenstiefel. Durch eine Anpassung der Hebelstellung dürfte das Problem schnell behoben sein. Der Kardanantrieb überträgt die Motorleistung zuverlässig und lastwechselfrei ans Hinterrad, was inzwischen bei Touring-Modellen Standard ist.

Beim Chassis gibt Yamaha eine Gewichtsreduzierung bei gleichzeitig verbesserter Stabilität und Balance an. Das soll sich unter anderem beim Aufbocken bemerkbar machen, denn der überarbeitete Hauptständer soll 30 Prozent we­niger Kraftaufwand beim Hochwuchten der Maschine erfordern. Auch am Fahrwerk haben die Techniker Hand an­gelegt. Die FJR trägt eine neue Gabel mit 48-Millimeter-Standrohren. Zudem lässt sie sich mit wenigen Handgriffen, ebenso wie das Zentralfederbein, auf die jeweiligen ­Erfordernisse oder den persönlichen Fahrstil einstellen. Das funktioniert sehr gut. Obwohl die Grundabstimmung der Yamaha für eine normale Fahrweise völlig ausreichend ist, wird die Dämpfung mit ein paar Klicks an der Gabel und ein paar Umdrehungen am hinteren Federbein spürbar straffer. Damit lässt es sich noch dynamischer durch die Kurven jagen.

Die Instrumente sind sehr gut ablesbar und zeigen alle notwendigen Information auf den LCD-Displays. Beim Drehzahlmesser setzt Yamaha weiterhin auf ein analoges Rundinstrument

Trotz des ­langen Radstandes ist die FJR auch auf winkeligen Straßen äußerst agil. Das Einlenkverhalten ist tadellos, und selbst bei Bremsungen in Schräglage lässt sich der Tourer nicht aus der Ruhe bringen. Auch ein zu frühes Beschleunigen am Kurvenausgang stellt den Fahrer nicht vor unlösbare Probleme. Obwohl das Kraftpaket in der Lage wäre, das Hinterrad durchdrehen zu lassen – die Traktionskontrolle fängt es vorzeitig wieder ein. Wer sich den Spaß eines Wheelies gönnen möchte, was problemlos möglich ist, sollte vorher den elektronischen Helfer abschalten, sonst bleibt der Bock nämlich stur am Boden kleben.

Auch an den Bremsen gibt es nichts zu kritisieren. Die großen Doppelscheiben vorn und die Einzelscheibe hinten haben mit dem Motorrad wenig Mühe. Dank der Verbundbremse lässt es sich auch nur mit dem Fußbremshebel ordentlich verzögern. Doch mit dem zusätzlichen Einsatz der vorderen Bremsen, die sich ­übrigens spielerisch mit zwei Fingern dosieren lassen, vernichtet die Yamaha überschüssige Geschwindigkeit in kürzester Zeit. Kurven dürfen also ruhig ­etwas später angebremst werden; das ABS verhindert ein Blockieren der Räder.




Die Sitzposition auf der FJR ist nicht zu sportlich und bietet jede Menge Tourenkomfort. Wem der Kniewinkel zu spitz ist, kann mit wenigen Handgriffen die Sitzbank in der Höhe anpassen. Der Lenker ist ebenfalls verstellbar. Zur weiteren Ausstattung zählen Heizgriffe, die bei unserer kühlen Fahrt durch die spanischen Berge ein Segen waren. Auch der überarbeitete Windschutz verfehlte seine Wirkung nicht. Die neu gestaltete Frontverkleidung verfügt über eine elektrisch verstellbare Windschutzscheibe, die den Fahrtwind angenehm über den Helm leitet. Luftverwirbelungen konnten wir jedenfalls kaum feststellen. Eine Besonderheit sind die in der Breite verstellba­ren Seitenverkleidungsteile. Zwar lassen sie sich nur ­manuell bedienen, erhöhen aber den Windschutz an Schienbeinen und Knien auf effiziente Art und Weise.

Schalter und Armaturen hat Yamaha bemerkenswert gut gestaltet. Alle Funktionen sind schnell und einfach abrufbar. Der Bedienkomfort ist sehr gut und es gibt keine ewig langen Menüstrukturen. Viele Schalter sind selbsterklärend und Einstellungen lassen sich auch während der Fahrt problemlos vornehmen. Feine Sache: Der Tempomat darf bis 180 km/h benutzt werden. Zwei LCD-Displays und ein analoger Drehzahlmesser versorgen zudem den Fahrer mit allen relevanten Informationen und sind sehr gut ablesbar. Das alles gibt es serien­mäßig, ebenso wie die 30 Liter fassenden Koffer, die mit jeweils bis zu zehn Kilogramm beladen werden dürfen.

Die neue FJR1300A ist in drei Farben erhältlich: Bronze, Silber und klassisches Schwarz. Der Preis startet bei 17.395,– Euro zuzüglich Nebenkos­ten. Dank des umfangreichen Zubehörs aus dem Yamaha-Programm lässt sich der Betrag ­jedoch locker nach oben verschieben. Ab April 2013 wird auch das Spitzenmodell FJR1300AS lieferbar sein. Ein elektronisch verstellbares Fahrwerk, eine Upside-down-Gabel und das halbautomatische Getriebe werden die FJR technisch noch weiter hochrüsten. Der Preis für die FJR1300AS steht noch nicht fest.

Fazit
Lange haben wir auf eine neue FJR warten müssen, was nun mit einem konsequent weiterentwickelten Modell belohnt wurde. Zeitgemäße Technik, ein durchdachtes Be­dienkonzept und die umfangreiche Serienausstattung machen die FJR zu einer attraktiven Alternative zu den zwei- und dreizylindrigen Konkurrenzmodellen. Mit dem geschmeidigen Vierzylinder und dem gut ausbalancierten Fahrwerk wird die Yamaha in allen Bereichen zu einer angenehmen Tourenbegleiterin.

PLUS

  • Kraftvoller, geschmeidiger Motor
  • Gut abgestuftes Getriebe
  • Ausgezeichneter Windschutz
  • Hervorragende Bremsen
  • Sehr gut ausbalanciertes Fahrwerk
  • Gute Ergonomie und Bedienung
  • Großzügige Serienausstattung


MINUS

  • Immer noch fehlender sechster Gang

Technische Daten Yamaha FJR1300

Bauart: Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-­Reihenvierzylinder
Hubraum: 1.298 ccm
Bohrung x Hub: 79,0 x 66,2 mm
Verdichtung: 10,8 : 1
Leistung: 146,2 PS bei 8.000 U/min
Drehmoment: 138 Nm bei 7.000 U/min
Getriebe: 5-Gang
Sekundärtrieb: Kardan
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Rahmenart: Aluminium-Brückenrohrrahmen
Radstand: 1.545 mm
Bodenfreiheit: 130 mm
Federung vorn: 48-mm-Upside-Teleskopgabel, einstellbar, Federweg 135 mm
Federung hinten : Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein, verstellbar, Federweg 125 mm
Bremsen vorn: 320-mm-Doppelscheibe, Vierkolben-Bremssattel, ABS, Teilintegral
Bremsen hinten : -mm-Einscheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel, ABS
Bereifung vorn: 120/70 ZR17 M/C 58W
Bereifung hinten: 180/55 ZR 17 M/C 73W
Sitzhöhe: 805/825 mm
Gewicht fahrfertig: 289 kg
Tank: 25 Liter
Preis: ab 17.395 Euro inklusive Kofferset zzgl. Nebenkosten

 


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Stand:31 March 2020 12:47:51/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/touren-express_175.html Warning: fopen(cache/0fcab481d967146822edfc197243fadd.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163