Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer

09.06.2010  |  Text: Carsten Heil  |   Bilder: Carsten Heil
Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer
Triumph Speed Triple vs. Moto Morini Corsaro Veloce - Alpen-Kämpfer
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Für eine gefühlsintensive Motorrad-Tour sind nackte Bikes die erste Wahl. Es reist sich zwar weniger komfortabel, aber der Erlebniswert bleibt unübertroffen. Wir trieben Triumph Speed Triple und Moto Morini Corsaro durch die Alpen bis ans Mittelmeer, um den wahren Charakter der beiden Kämpfer aufzuspüren.
Keine Verkleidung, die vor Wind und Wetter schützt. Keine Heizgriffe, kein Navigationssystem, weder Koffer noch Topcase. Was heutzutage unter der Kategorie „Naked Bike“ angeboten wird, ist nichts anderes als die Urform des Kraftrads. Als Reisebegleiter für aus­gedehnte Urlaubstouren fordern sie ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit, weil sie all die komfortsteigernden Dinge, die gut gemachte Tourenmotorräder besitzen, nicht bieten.

Dafür aber jenen ­ursprünglichen Fahrspaß, der Asphalt und Fahrer weitgehend ungefiltert miteinander kommunizieren lässt, und so für nachhaltigen Erlebniswert sorgt. Wir haben zwei der aufregendsten Maschinen aus diesem Segment über die Alpen ­getrieben um herauszufinden, ob ein bulliger V 2 oder ein drehfreudiger ­Reihendreizylinder für den genußvollen Kurvenswing die bessere Wahl ist.



Die Protagonisten dieses Vergleichs sind sich dabei nur auf den ersten Blick ähnlich. Triumphs Speed Triple, seit den 90er Jahren der Inbegriff des Bad Bikes und über all die Jahre vielfach modell­gepflegt, optimiert und aufgewertet, gibt den arrivierten Streetfighter. Die Britin muss sich mit der rassigen Moto Morini Corsaro messen, die in der edlen Veloce-Version mit Öhlins-Fahrwerk und einer soundstarken Termignoni-Anlage aufwar­tet. Die Italienerin ist mittlerweile auch schon seit fünf Jahren auf dem Markt und sorgt seither vor allem wegen ihres ultrapotenten V 2-Aggregats für Furore.

Die mittlerweile mehr als 60.000 Mal produzierte Speed Triple feierte ihre Premiere 1994 als Cafe Racer und mutierte in der zweiten Version mit den charakteristischen Doppelscheinwerfern 1997 zur Mutter aller Serienfighter. Zuletzt wurde sie 2005 umfassend überarbeitet und mit dem bärenstarken 1050er Triple ausgestattet. 2008 bekam sie nochmals reichlich Feinschliff in Form radial angeschla­gener Brembo-Stopper, neuer Leichtmetallräder und allerhand veredelter Details.

Die Triumph überzeugt auf ganzer Linie: handliches und stabiles Fahrwerk, top Bremsen und ein jederzeit satt anreißender Triple.

Allein der eloxierte Magura-Lenker sieht um Klassen besser aus als das verchromte Gestänge, das 
zuvor verbaut wurde. Auch das Heck wurde optisch wieder ein wenig gestreckt, da der etwas pummelig geratene Hintern der Version ab 2005 nicht besonders gut ankam. 

Schnee von gestern. Das aktuelle ­Modelljahr präsentiert sich in Bestform: Bis ins Detail wertig gemacht. Ausgereift und durch und durch ausgewogen. Mit einem über jeden Zweifel erhabenen Dreizylinder, der jederzeit Leistung im Überfluss bereit stellt. Egal ob beim ­untertourigen Hochziehen oder beim couragierten Landstraßen-Ritt im mittleren bis oberen Drehzahlbereich: der Triple steppt quasi lastwechselfrei durchs gesamte Band und verwöhnt mit sanft ansprechender, auf den Punkt ­dosierbarer Leistungsbereitschaft. Ledig­lich in ganz engen Serpentinen-Kehren geht bei schlagartigem Gaseinsatz kurzzeitig ein spürbarer Ruck durch den ­Antriebsstrang. 

Zu den herausragenden Qualitäten des Motors gesellt sich ein sportliches Fahrwerk, das den Spagat zwischen Stabilität und Agilität perfekt beherrscht. Das geradezu spielerische Handling, die hervorragende Lenkpräzision und verbindlichen Reaktionen bei jedweden Tempi sorgen für völlig stressfreies Alpen­glühn. Zumal auch auf übel zusammengeflicktem Straßenbelag ein durchaus akzeptables Komfortniveau  bleibt. Alles an dieser Maschine funktioniert der­maßen geschmeidig und spielerisch, als sei es ein Krad aus japanischer Fertigung. Selbst das bei den Vorgänger-Versionen oftmals knorpelig zu schaltende Getriebe rastet in der aktuellen Version absolut leichtgängig und präzise. Tolles Motorrad!

Die Morini gibt sich absolut stabil, aber nicht überragend handlich. Der kraftvolle V2 begeistert auf jedem gefahrenen Meter.

Allerdings fehlt bei all der techni­schen Perfektion mittlerweile ein wenig das charakteristische, einmalige, andersartige, das die Triple einst auszeichnete. Das wilde Tier geben andere überzeugender. Benellis TNT-Granate etwa. Oder die unfassbar erregende Morini hier. Wer hätte gedacht, dass die ach so böse Engländerin emotional keinen Stich gegen die brutale Italienerin macht? Was zuvorderst an deren außergewöhnlichem Antrieb liegt. Dieser spontan ­ansprechender Ultrakurzhuber besitzt einen Erlebniswert, der weit über die ­gewöhnlichen V 2-Freuden hinausgeht. 

Praktisch von Standgas an aufwärts zieht die Corsaro wie eine Dampflok auf Speed bis in den Begrenzer bei knapp 10.000 Umdrehungen. Den sündhaft klingenden Termignonis entweicht dabei ein unverschämt bassiger Sound, der zusammen mit dem trockenen Hämmern aus der Airbox durch Mark und Bein geht. Dennoch lässt sie sich auch völlig entspannt durch die Landschaft bewegen und erfreut auch im Drehzahlkeller mit guten Manieren. Die fein austarierten Vibrationen des Triebwerks, die in jedem Drehzahlbereich anregend wirken, steigern das Lustempfinden auf der Morini ins Unermessliche. 

Wie alle anderen: digitaler Tachometer und analoge Drehzahlanzeige.

Gut, dass dieses V 2-Juwel adäquate Partner besitzt – erst recht in der von uns gefahrenen Veloce-Version. Einen steifen Verlicchi-Gitterrohrrahmen, edle Öhlins-Dämpfung hinten, eine massive Marzocchi-Gabel vorne sowie fette Brembos und die bereits selig gesprochenen Edelstahl-Töpfe. Die Anti-Hopping-Kupplung erfreut mit geschmeidig einsetzendem Kraftschluß und verhindert wirkungsvoll ein stempelndes Hinterrad, wenn man mit zu viel Feuer auf eine Kehre zuhämmert und die Fuhre brutal zusammenstauchen muss. Feinste Zutaten also, die überzeugend zusammenspielen und die unbändige Kraft des V-Motors sauber auf die Straße bringen.

So spielerisch wie auf der Triumph geht auf der Morini allerdings nichts. Diese Maschine verlangt nach einem kräftigen Händedruck. Der Griff zur Kupplung ersetzt den Gang ins Sportstudio. Das Getriebe fordert klare An­sagen, ebenso das Fahrwerk. Wer zügig durch Kehren fliegen will, muss wissen wo er herkommt – und vor allem wo er hin will. So gibt sich die Morini in engmaschigem Geläuf nicht superhandlich, bietet dafür aber unbeirrbare Stabilität auch bei grenzwertigen Geschwindigkeiten und Schräglagen. Dabei sollte die böse Gashand stets im Zaum gehalten werden, weil die Veloce jederzeit bereit ist, gen Himmel zu steigen oder die Haftungsgrenze des Hinterreifens aufzuzeigen.

Auch wenn fast alle sportlichen Bikes seit Jahren auf digitale Geschwindigkeitsanzeige setzen, wünschen wir uns doch zwei klassische Rundinstrumente für Tacho und Drehzahlmesser zurück.

Wie das geht? 125 Nm Drehmoment schon bei gerade mal 6.500/min! Da müssen sich auch KTMs Leichtbau-V2 (100 Nm bei 7.000/min), Aprilias V4-Monster (115 Nm bei 10.000/min) und selbst Ducatis Testastretta L-Twin im futuristischen Streetfighter (115 Nm bei 9.500/min) hinten anstellen. Und  auch die gewiss nicht schwächliche  Speed Triple kann mit ihren 105 Nm bei 7.550 /min nicht gegen den Lambertini-Twin bestehen.

Diese Urgewalten setzt die Corsaro freilich nicht zum Spartarif frei: Unter acht Litern tut sie’s ungern und der Hinterreifen ist nach spätestens 5.000 km am Ende, während die Speed Triple im Schnitt mit knapp zwei Litern weniger Kraftstoff auskommt und auch das Gummi längst nicht so materialmordend in den Asphalt treibt. Zu den höheren Spritkosten addiert sich bei der Veloce der um knapp 2.500 Euro höhere Einstandspreis und der größere Wertverlust. Die Wartungskosten liegen auf vergleichbarem Niveau, wobei die Italienerin durch volle drei Jahre Garantie um Vertrauen wirbt. 

Wie es sich für eine rassige Südlän­derin gehört, besitzt auch die Corsaro ­einige Unzulänglichkeiten: So übertreibt der Tachometer deutlich, der Kaltlauf ist miserabel und der Seitenständer ist 
zu lang, weshalb wir die Maschine mehrmals mit einem Hechtsprung vor dem Umfallen retten mussten. Außerdem sind die Scheinwerfer unzureichend gegend Feuchtigkeit geschützt (leuchten die Fahrbahn aber deutlich besser aus als die beiden Triumph-Blender).

Der Col de la Bonette ist mit 2.802 Metern der höchste Pass der Alpen. Mit den beiden nackten Schönheiten wird der Auftrieb zum sinnlichen Vergnügen.

Das Angebot an Reisezubehör ist für beide Maschinen nicht üppig: Gepäckrolle und Tankrucksack müssen reichen. Wobei letzterer bei der Triumph dank der Rückkehr zum guten alten Metalltank mittlerweile wieder via Magnet ­befestigt werden kann, während die ­Morini wegen ihres Kunstoffbehälters nach einer Riemen-Verzurrung verlangt. Das Gitterrohrgeflecht bietet jedoch reichlich geeignete Möglichkeiten hierzu.

Fazit
Triumph baut das bessere Motorrad, Morini das deutlich unterhaltsamere. Für Weltreisen sind beide nicht geeignet, eine Europa-Tournee machen sie aber freudig mit. Doch nur ohne Sozia, denn die hat auf beiden Maschinen nichts zu lachen.
 
Das Design der Speed Triple mit den charakteristischen Doppelscheinwerfern wurde seit Erscheinen der zweiten Modellgeneration 1997 nur behutsam geändert.

Technische Daten Triumph Speed Triple 1050

Preis: 11.740 Euro + NK
Bauart: Reihendreizylinder, viertakt, wassergekühlt
Hubraum: 1.050 ccm
Bohrung x Hub: 79 x 71,4 mm
Verdichtung: 12:01
Ventiltrieb: dohc / 4
Gemischaufbereitung: El. Multipoint Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben-Ölbad
Leistung: 132 PS bei 9.250 U/min
Drehmoment: 105 Nm bei 7.550 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Radstand: 1.425 mm
Lenkkopfwinkel: 23,5°
Nachlauf: 84 mm
Federung vorne: 43 mm Showa USD-Gabel, einstellbare Federbasis
Federung hinten: Showa Monoshock, einstellbare Federbasis
Bremsen vorne: 2 x 320 mm Doppelscheiben, Brembo 4-Kolben-Festsattel
Bremsen hinten: 1 x 220 mm Scheibe, Nissin 2-Kolben-Schwimmsattel
Vorderrad: LM-Mehrspeichenrad, 3,5 x 17 Zoll
Hinterrad: LM-Mehrspeichenrad, 5,5 x 17 Zoll
Vorderreifen: Metzeler Sportec M3, 120/70 ZR 17
Hinterreifen: Metzeler Sportec M3, 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 830 mm
Leergewicht: 189 kg
Tank: 18 Liter
Testverbrauch: 6,3 Liter / 100 km 
 
Optisch wirkt die Italienerin wie eine sehr gelungene Mixtur aus Buell XB, Ducati ­Monster und MV Agusta Brutale. Der Motor dürfte durchaus schwarz beschichtet sein.

Technische Daten Moto Morini Corsaro Veloce 1200

Preis: 13.895 Euro + NK
Bauart: V-Zweizylinder, viertakt, wassergekühlt
Hubraum: 1.187 ccm
Bohrung x Hub: 107 x  66 mm
Verdichtung: 11,8 : 1
Ventiltrieb: dohc / 4 
Gemischaufbereitung: El. Marelli-Einspritzung 
Kupplung: Mehrsch.-Ölbad, Anti-Hopping 
Leistung: 140 PS bei 8.500 U/min
Drehmoment: 125 Nm bei 6.500 U/min
Getriebe: 6-Gang
Sekundärtrieb: Kette
Radstand: 1.440 mm
Lenkkopfwinkel: 24,5°
Nachlauf: 103 mm  
Federung vorne: 50 mm Marzocchi USD-Gabel, komplett einstellbar
Federung hinten: Öhlins Monoshock, komplett einstellbar
Bremsen vorne: 2 x 320 mm Doppelscheiben, Brembo 4-Kolben-Festsattel
Bremsen hinten: 1 x 220 mm Scheibe, Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel
Vorderrad: LM-Sechsspeichenrad, 3,5 x 17 Zoll
Hinterrad: LM-Sechsspeichenrad, 5,5 x 17 Zoll
Vorderreifen: Pirelli Diablo, 120/70 ZR 17
Hinterreifen: Pirelli Diablo, 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 830 mm
Leergewicht: 196 kg
Tank: 18 Liter
Testverbrauch: 8,1 Liter / 100 km
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Stand:16 July 2020 15:13:05/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/triumph+speed+triple+vs+moto+morini+corsaro+veloce+-+alpen-kaempfer_18126.html Warning: fopen(cache/276e51cef3b8f6f125eef0a2faf35d48.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163